Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 4 (13.1.1898)
- Date
- 1898-01-13
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Orthodoxe «MuderrthumÄ Pf ÄML' Rreßburger ^hettobilder. Von Hermann Löwirrger, Wien. Das Noththor und der Schupfen in der galten großen Schul'." Ihr nahet euch lüicbcr, fchivankeiide Gestalten Die früh sich einst dem trüben Blick gezeigt. Versuch ich wohl, euch diesmal fest zu halten?. Mein Busen fühlt sich jugendlich erschüttert Vom Zauberhauch, der eueren Zug unuvittert. Ihr bringt mit euch der Bilder frohen Tage, Und manche liebe Schatten steigen auf." .... G ö t h e (Faust). Wenn ich so meinen Blick nach meiner frühesten Jugendzeit zurückschweifen laste, die ich wie auch meine reiferen Jahre in meinem Geburtsorte, der Stadt Preßburg verlebt, einem Orte, in welchem so zu sagen die ganze Athmosphäre erfüllt ist von Frömmigkeit, Gottesfurcht und gläubigem echt jüdischen, Sinn; wenn ich mich im Geiste nach der uralten, holperigen Judengaste und der angrenzenden Schloßstraße zurückversetze, in welcher beinahe jeder Stein, jedes Haus von den mannigfachen Freuden und Leiden, welche die jüdischen Bewohner dieses Stadtviertels erlebt, zu erzählen wüßten, wenn sie nur reden könnten, so bleibt mein Auge unwillkürlich an dem damaligen Wahrzeichen der Preßburger Judenheit, der „alten großen Schul" haften, der ehrwürdigen, zur Zeit unserer Schilderung ungefähr zwei Jahrhunderte alten Synagoge, welche vor fünfunddreißig Jahren demolirt und der jetzigen neuen, schöneren, dreifach an Fassungsraum sie übertreffenden Synagoge Platz machen mußte. Ich sehe vor mir dieses alte ehrwürdige und doch in seinem Inneren einen recht freundlichen Eindruck hervorbringende Gotteshaus, von desten Existenz man von der Gaste aus keine Ahnung haben konnte, da dieses hinter einem Hause, (dem Gemeindehause) versteckt sich befand, weil zu damaliger Zeit Synagogen nicht in der Gastenfront gebaut werden durften. Vor meinen Augen steht noch dieser hohe, gewölbte Bau, mit desten von Alter geschwärzten, mit vielen Gebettafeln geschmückten Wänden, die oben in einem viereckigen mit Inschriften versehenen Stein sich vereinigten. Ich sehe noch den antiken, mit dunkelrothen Marmorsäulen gezierten, grandiosen Oraun Hakodesch, *) zu dem viele von einem kunstvollen Eisengitter flankirte Marmortreppen hinaufführten, in der Mitte der Synagoge den imposanten, ein Wunderwerk der Schmiedekunst bildenden schönen Almemor 2), über diesem den großen, mehrere Centner schweren, mit Hunderten von Lichtern versehenen Messinglustre. Doch, was sich meinem Gedächtnisse am festesten eingeprägt, ist der niedere, mit dem Haupttheile der Synagoge einen seltsamen Contrast bildende Seitentract, der sich unter einem Tveile der Frauengallerie befand, und der vom Volksmunde „Schuppen" benannt wurde. Wie bereits erwähnt, war der Unterschied zwi- 1) Bundesladc. Thoraschrank. 2) Auf einem Emporum stehenden Tisch, auf dem die Thora vorgelesen ivird.