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Der Israelit · 1898-01-10 · Heft 3 (10.1.1898) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 3 (10.1.1898)
Date
1898-01-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XLLIX Jahrgang. Srilage!» M 3 ües ^srarttt". Zeitungsnachrichten und Correfpandenzen: Deutschland. Düsseldorf. Im hiesigen Verein für „jüdische Geschichte un) Literatur" hielt am 27. Dezember Herr Oberlehrer Dr. A. F e i lch en f e l ö aus Hamburg einen Vortrag über „die jüdische Depnt i r t e n v e r s a m m l u n g und datzSynhedrion un t er N a p o l eo n I." Wir lassen nachstehend die Grundgedanken folgen: Klagen über den Wucher der Elsässer Juden legten deni Kaiser Napoleon 180(3 den Gedanken nahe, die den französischen Juden schon 1/01 verliehene bürgerliche Gleichberechtigung auszuheben. Als er sich aber durch amtliche Nachforschungen überzeugt hatte, daß viele Juden seines Reiches auf den verschiedensten Gebieten des bürgerlichen Lebens Nützliches leisteten, beschloß er, durch diese besseren Elemente aut die minder eivil,inten jüdischen Kreise eine Einwirkung zu versuchen, und berief eine Versarumlung jüdischer Notablen nach Paris. Der Versammlung wurden durch kaiserliche Abgesandte 12 Fragen vorgelegt, die sich meist ans solche Punkte bezogen, in denen Satzungen und Gebräuche des Judenthums mit Sitten und Gesetzen des Landes in Widerspruch zu stehen schienen. Äm wichtigsten war die Richtigstellung der vermeintlichen jüdischen Bestimmungen über den Wucher. In dieser Beziehung gab oie Versammlung die Erklärung ab daß erstens die Bibel gar nicht von Wucher, sondern nur von Jms rede, und daß ferner das biblische Verbot des Z'nsnehnlens unter Juden uur dazu gegeben worden fei, um die brüderliche Gesinnung unter ihnen zu stärken. Ein solches Gebot der Milvtbätigkeit halte doch auf den Handelsverkehr mit Fremden, die ihrerseits von den Inden die üblichen Zinsen verl ngten,^ nicht e ut übertragen werden können. Die Antworten fanden den vollen Beifall des Kaisers. Er bewies den Juden seine Gunst zunächst dadurch, daß er den jüdischen Kultus gesetzlich regeln ließ und unter die staatlich anerkannten Kulte aufuahm Um aber eine Garantie dafür zu erlangen, daß die von der Deputirtenvelsammlung ausgesprochenen Grundsätze auch in Zukunft befolgt würden, ordnete der Kaiser die Zusamu'enberusuug eines großen Sanhedrin au. Dieses wandelte die oben erwähnten Antworten in bindende Gesetzesentscheidungen um und publizirte im März 180/ seine Entscheidungen als allgemein geltende Bestimmungen für die französischen Israeliten. Die vom Sanhedrin verkündigten Grundsätze zeigen, daß die Juden gerade durch ihre Religionsgesetze den Antrieb haben, gute und treue Staatsbürger zu sein uttd alle moralischen und bürgerlich en Pf licht en gewissenhaft zuerfüllen. — Die zahlreich erschienenen Zuhörer spendeten den interessanten Ausführungen reichen Beifall. Saarburg in Lothringen. Anläßlich des 50jährigen Bestehens unseres Tempels, fand letzten nn;r rct? in der hiesigen Gerneinde eine erhebende Feier statt. Mit Kränzen und Blumen auf's Herrlichste geschmückt und von Hunderten von Lichtern erhellt, trug das Gotteshaus ein festliches Gepräge. Vormittags, 8 Uhr, versammelte man sich zum Frühgebete, das etwa eine Stunde in Anspruch nahm. Punkt zehn Uhr begann die Hauptfeier. Von dem neben dem Tempel befindlichen Betsaale bewegte sich ein imposanter Zug, aus Ortsansässigen und Auswärtigen bestehend, nach dem Gotteshause. Den Zug eröffneten die beiden Synagogendiener; ihnen schloß sich die israelitische Schuljugend Saarburgs, zuerst etwa 20 Knaben, dann 26 weißgekleidete Mädchen an. Hinter ihnen ging der Cantor mit dem Synagogenchor, dann der Rabbiner, Herr E. Blum, ihm zur Seite Herr Sylvain Berr, Gemeindevorsteher und erster Beigeordneter des Bürgermeisters. Nun kamen die Vorstandsmitglieder der israelitischen Gemeinde, der Verwaltungsrath der Chewra, der Vorsitzende des Lokalkomites der Alliance Jsraelite Universelle, Herr Notar I. Levy, endlich die übrigen Gemeindemitglieder, sowie die von Auswärts Herbeigekommenen. Die Feier begann mit dem gesanglichen Vortrage des *-‘s nc und des Psalmes pp--h --ms. Hierauf bestieg der Rabbiner die Kanzel und hielt eine formvollendete, tiefergreifende Predigt, in welcher er die die Synagoge bis aus den letzten Platz aussüllenden und unter lautloser Stille zuhörenden Festtheilnehmer ermahnte, durch fleißiges Besuchen des Bethauses, durch andachtsvolles Beten, durch gewissenhafte Erfüllung der göttlichen Gebote das Andenken jener gottessürchtigen Männer zu ehren, welche aus eigene Kosten den herrlichen Ban übernommen. Bor dem Ausheben der Thora sprach der Herr Rabbiner ein inbrünstiges Gebet, dem Allgütigen für die bisher der Gemeinde erwiesene Gnade dankend und dem ferneren Schutze Gottes die in innigem Gebete zum Allvater Flehenden empfehlend. Zur Thora aufgerufen wurden die Herren Jakob Strauß und Leo Herrmann, die zwei einzigen noch lebenden Mitbegründer des Gotteshauses, ferner sämmtliche von auswärts erschienenen Festtheilnehmer jüdischen Glaubens. Punkt I Uhr, Nachmittags, versammelte man sich zum Festeffen im

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