Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 2 (6.1.1898)
- Date
- 1898-01-06
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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SBer Jsraefit. Central-Organ für das orthodoxe Judcnthnm. Akätter für die israel. Schule. «. Ja... i»s».^ KU««. Bmfam «A Kr, %, l«r. i. KlhlllWdWnl Md Slhülstirru Bortrag, gehalten von Lehrer Baumgart— eins isr. Lehrer Mittelveutschlands" II. (Fortsetzung aus Nr. 00 d. v. Jahrganges.) Zweck alles Religionsunterrichtes ist es, der Jugend den Weg zu zeigen, der zu Gott führt. Wie dies am besten zu geschehen hat, das lehrt die Methodik des Religionsunterrichts. Als ein Theilziel könnte inan es bezeichnen, der Jugend das Beten zu lehren. „Heil denen, die in Deinem Hause weilen und immerdar Dich loben, Selah!" Das Kind, das in der Religionsschule beten gelernt hat, d. h. durch den Unterricht in Religion befähigt und gewöhnt worden ist, in wahrer Herzensandacht vor Gott Dank und Bitte auszusprechen, hat eine von den hohen Tugenden erworben, deren bester Lohn ilns nach der Ansicht unserer Weisen im Jenseits ausbewahrt wird. Wie ist es aber dem israel. Religionslehrer möglich, in der heutigen materialistischen Zeit und angesichts aller der Schwierigkeiten, die der israel. Religionsschule insbesondere hindernd in den Weg treten, dieses Ziel zu erreichen? Der israel. Religionsunterricht besteht aus Sachunterricht und formalem Unterricht. Zu Ersterem gehören Religionslehre, biblische und nachbiblische Geschichte, zu Letzterem das hebräische Lesen und Uebersetzen der Gebete und der Bibel. So verschieden auch diese beiden Zweige des Unterrichts und ihre Stoffe sind, so ist es doch in der Hand des Methodikers möglich, beide zu einander in Beziehung zu bringen, und je besser es der israel. Religionslehrer versteht, Konzentration zwischen beiden Theilen zu schaffen, um so anregender und fruchtbringender wird seine Arbeit sein. in der Israel. RellglMsschnlr. -St. Lengsfeld, auf der Konferenz des „Ber in Hatte a. d. S. zu Pfingsten 1896. --—-- Die alte Zeit kannte nur den formalen Theil des Unterrichts und bei dem tiefen Einfluffe, den die Familie und die Beobachtung des Ceremonialgesetzes vom zartesten Kindcsalter an auf den Israeliten ausübten, konnte es nicht fehlen, daß dieser mit allen Fasern seines Herzens seinen: Religionsbekenntniffe angehörtc. Der Materialismus unseres Zeitalters hat den Einfluß des Hauses und der Familie auf die religiöse Erziehung gar sehr reduzirt, in vielen Fällen vollständig vernichtet, und der Religionsschule allein, diese schwere Arbeit überlaffen. Aber nicht genug damit, daß sich das jüdische Haus seiner Erziehungs-Aufgabe entzogen hat, gar oft sucht es nicht einmal die Religionsschule als seine Vertreterin auf, gar oft ist ihm noch der an sich schwache, wenn einseitige Einfluß der Religionsschule unlieb. Um nun dem Hause Rechnung zu tragen, glaubte die Religionsschule, den formalen Sprachunterricht von sich abschütteln zu können, um Zeit für den Sachunterricht zu gewinnen. Infolge dieser Zustände finden wir die verschiedensten Ansichten über Nothwendigkeit und Entbehrlichkeit der einzelnen Theile des israel. Relionsunterrichts unter Fachmännern und Laien. So machte ich erst wieder in den letzten Wochen die traurige Erfahrung, daß ein zehnjähriger jüdischer Knabe einer Großstadt noch keinen jüdischen Buchstaben lesen konnte, trotzdem er die Religionsschule besuchte. Andererseits habe ich schon manchen religiösen jüdischen Vater auf dem Lande kennen gelernt, welcher der Ansicht huldigte, daß sich seine Kinder schon genügende Religionskenntnisse angeeignet hätten, wenn sie „jüdisch lesen" könnten. Aus diesem