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Der Israelit · 1898-01-06 · Heft 2 (6.1.1898) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 2 (6.1.1898)
Date
1898-01-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXIX. Jahrgang. Jß *. Ein Der Israelit Oenlrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr Lrhrrrsnrr in lliiinj. Donnerstag, den 6. Januar 5658 (1898). Leitender Artikel. «■>* 3afob’s Segen. Von Moritz Geiringer. Der dieswöchentliche Thoraabschnitt führt uns nach Aegypten hinab, in die üppigen grasreichen Fluren Gosens, in das Sterbegemach Jakobs. Wie, wenn die Abendsonne noch eümml Wald und Wiese, Feld und Anger mit ihren röthlichen Strahlen vergoldet bevor sie ganz entschwindet, die gesammte Natur ob ihres Scheidens von feierlicher, göttlicher Ruhe erfüllt ist, so herrscht auch hier in diesem Jakobszelte andächtigste und weihevollste Stille. Israels Söhne stehen versammelt um das Lager des scheidenden Patriarchen, um Jakobs Sterbebett. Während uns von Abraham und Jsak nur das Wichtigste und Nöthigste erzählt wird, führt uns die Thora das Leben Jakobs in sieben Wochenabschnitten vor die Seele, malt sie uns sein Bild mit markanten und doch die feinsten Nuancen berücksichtigenden Strichen. Und mit Recht! Denn wenn wir auch in Abraham den Repräsentanten der jüdischen Gottinnigkeit und Opferfreudigkeit gewahren, wenn auch der Prophet uns in dieser Erkenntnis zuruft: „Blicket auf Abraham euren Stammvater!" wenn wir in Jsak das Urbild jüdischer Gottergebenheit und frommer Hingebung sehen, ist nicht Jakob mit all den Eigenthümlichkeiten seines Charakters, in Lust und Leid, auf seinem gesummten Lebenszuge, in seinen Schicksalen, seinem Seelenleben und seinem Verhältniß zur Außenwelt das getreue Abbild Israels zu allen Zeiten und in allen Landen? Als B'bmx aew als friedlicher Zeltenbewohner, in den Lehrhäusern des dp und 127, als Jünger der Wissenschaft ebenso, wie wenn ihm das Schwert in die Hand gedrückt wird, als | als Kämpfer für Gott und väterliche Ueberlieferung, ist Jakob das Prototyp des israelitischen Volkes. Die allgemeine Anerkennung, welche diese Anschauung sich überall da erworben hat, wo man die heilige Schrift mit offenem Sinne liest, berechtigt uns einerseits im Hinblick auf diesen unseren Stammvater das Israel der Jetztzeit einer Betrachtung zu unterziehen, um zu sehen, ob es in allen Punkten sich noch diesem erhabenen Vorbilde anpaffen läßt und macht es uns andererseits zur Pflicht, wenn es nöthig ist, am ^xne» rra, am Hause Israels einen rvan p-n eine „Hausreparatur" vorzunehmen und allen Mängeln abzuhelfen, damit Israel wieder werde, wie das unvergängliche Musterbild Jakob. An Jakobs Sterbelager führt uns die Sidra. Der müde Wanderer beendet seine Pilgerfahrt. Das Ziel seiner Reise winkt ihm entgegen. Die erhöhte Spannkraft seiner Seele, welche die Gottesnähe ihm eingiebt, gebraucht er dazu, um seinen versammelten Söhnen in Form von Segnungen und prophetischen Visionen sein Vermächtniß zu hinterlaffen. Während schon die Strahlen, die aus der Himmelspsorte ihm entgegenkommen, sein Haupt umfließen, gedenkt er seiner Kinder und deffen, was ihnen begegnen wird, am Ende der Tage. Wahrlich, ein rührendes Bild der höchsten Gewissenhaftigkeit in der Erfüllung der Vaterpflicht, wie sie in Israel stets auch gehalten wurde und gehalten werden sollte, wenn's nicht wär' anders morden in dieser neuen Zeit! roa apr xapn Und Jakob rief seine Söhne; dies faßt der Midrasch auf: av rvrb bxb apr xip'i roa Und Jakob ries Gott an, mit seinen Kindern zu sein. Es erfüllte sein Vaterherz mit banger Sorge, wenn er daran dachte, daß mit ihm der Träger des abrahamitifchen Bundes, der von Abraham auf Jsak, von Jsak auf ihn übergegangen war, zu Grabe gehen und seine Söhne im fremden Lande, in fremden Sitten, in fremden Anschauungen und Idealen leben sollten, ohne ein einigendes Band zu haben, das sie

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