Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 52 (28.12.1911)
- Date
- 1911-12-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israeli Ein Centralorgan lür das orthodoxe Judentum Ecgrfiodef ooa Dr. Lehmann in lüainz 52. Jehroarm, ess SranMurf a. m., Ben 2%®zZeq 5672.— ksso Ä ®« Kbtnutmtut pro Vierteljahrr «rwöhnlichr Ausgabe Mk. i.so, HeftauSgabe (Kuustdruck) Mi. S.—. Auslandspreise: Gewöhnliche Ausgabe: Oesterreich-Ungarn 2 Ar., Rußland 1 Lud^ England 2 sh., Amerika 60 cts., Niederlande 1.80 fl., Frankreich Frs. 2J0. Abonnements befallen Postrmstaltru. Buchhandlungen, sowie dirett bei dem Verlag. HeftauSgabe nur dirett. Der JSraelft erscheint jeden Donnerstag. Inserate: 80 Pfennig für die sechSgespaltene Colonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. Jnseratenannahme nur durch Haasenstei« u. Vogler &*<!., Frankfurt a- M., und deren Filiale«. Zahlnnge» können außer dirett an de« Verlag erfolgen der Conto bei der ft« ft Postsparkasse KSNett Sko. 79 MS* Conto bei«, de« ft. Postsparkasfe»a«t Bnbapest «ko. 18 424. Conto bei der bttgaer Conmee^bank ix »ttga and deren Filialen. Der Itadiörudi Ser Artikel unO Correfpon9en?en Oes „Israelit“ iff nur unter oenauer Quellenangabe, und, lowelt es fidi um urOSere HuflOfee fianOell nur natfi uorherlger Genehmigung gestattet - Wir madfeu miederhvlt darauf aufmerksam, daß die bisher der Firma Kaafeusteiu^Uasier A.G. «derlragene Anserate«, pacht mit der uoriiegeudeu Kummer ihr Ende erreicht. Nom 31. Deremder ad sind daher sämtliche Iuseratauftrage uud auf den Inseratenteil kernglichen Karrespaudeujeu ausschließlich au den „Verlag de« Israelit" G. m. d. K., Frankfurt a. M. r« richten. Iuhaltskderstcht. l. Leitartikel: Frankfurt, Del; und — die Hasmonärr. — 2. Wochenrundschau: Die Gmigrantensürforge der Wiener „Israelitischen AUianr". — Wir sich die Welt in russischen Diplomatenköpfen malt. =; 3. Aufsätze: Der Hamburger Sabbat-Tag. — Dir friedliche Majorität. 4. Kleines Feuilleton: Kerliner Plauderei. — Zrntrnnarfrirr der SynagogeAurich. — Der Sabbat und die Hygiene. — Statistisches. von den jüdischen Farmern in Worb* amerika. — Gegen die Blutlüge. — 5. Korrespondenz en u n d N a ch r i ch t e n: Frankfurt a. M. (Generalversammlung der Israelitischen Retigionsgesellschast.) — Frankfurt a. M. (D e Bamberger Borgänge.) — Berlin (Ausländische Jüdische Reisende in Rußland.) — München (Sitzung der Bayrischen Rabbinerkonserenz.) — Hamburg (Talmud - Thora-Realschule.) — BreslM (Besprechung des Konfliktes zwischen der Union und Rußland.) — Ungarischer Krirs. Budapest. — Petersburg (Kokowzew uud die amerikanischen Inden.) — Warschau (Rekruten-Aus- Hebung.) — Warschau (Gründung einer Thoraanstalt in Radsimin.) — London (Eine englische Aktion in der Paßfrage.) — Florenz (Die zweite Versammlung des Verbandes jüdischer Gememden in Italien.) — Saloniki (Zwischen Furcht und Hoffnung.) — Jernsalem (Bries ans Jerusalem.) — Jaffa (Arabische Gewalttaten.) — New-Hork (Dritter Kongreß der jüdischen Farmer in Rcw Hort. — Rew-Sjork (Beschluß des Repräseutantenhauses.) — 6. B e r m i s ch t e s: Bochum. — Charlvttenbttrg. — Leipzig. — Borken. — Preßburg. — Regie Baivr. — Haifa. — 8.Bereinswesen:Frankfurt a. M." — Frankfurt a. M. — Berlin. — Würzburg. — Hainstadt. — Papa. — Duna Szerdvhely. — 9. P e r s o n a l i en: Birstetn. — Mannheim. — Haßfurt. — Treysa. — Bafel. — Miskolz. — 10. Vereins-Kalender. — Familien-Nachrtchten. — 11. Beilagen: Erziehung u. Lehre: Friedrnsoarfchiäge. — Sprechsal. — Briefkasten. — Feuillewn- Beilage: Roman von Sch. : Lvstmeascheil. Trankfurt. Beiz und - die Bdfmonder. Ein Ilachklang zum Chanucka-Feste. „Es ist n'cht ovn Vorteil, wenn die Frömmigkeit dem werdenden imb sich aufbaurnden Bolkstum immer wieder in die Speichen greift. Es gibt eben eine konstitutive Religiosität und eine d e st r u k t i v e Frömmigkeit, sagen wir: Frankfurter oder Belzer Kouleur." (Dr. D. Thon in der Elianuka-Nummer der „Welt".)' Chanucka hat von jeher, mehr als irgend ein anderes unsrer geschichtlichen Erinnerungsfeste, den modernen Gegnern des historischen, aus Thora und Talmud gegründeten Judentums als Resonanzboden für ihre parteipolttischen Kampfesrufe herhalten müssen. Die Makkabäer-Gedichte und Makkabäer-Feste der Neformhelden seiner Zeit hat S. R. Hirsch Y'zt weidlich verspottet — kaum war es nötig, erst ernsthaft zu beweisen, daß in ihrerr Reihen kein Fünkchen jenes Geistes lebte, der Malhisjahu und seine Söhne, der ein ganzes Volk zum todesmutigen Kampfe für sein — Gesetz begeisterte. Entschieden ernster zu nehmen sind die im Gewände der Wissenschaftlichkeit auftretenden zionistischen Versuche, aus der Geschichte der Makkabäerzeit Kapital für die Parteipolitik zu schlagen. Es mag auf den ersten Blick für die gesetzestreue Judenheit, selbst für die in der hebräischen Presse ständig als „Chasside Frankfurt", von dem Krakauer Kronrabbiner aber als „Frankfurter oder Belzer Kouleur" bezeichnete bewußte Orthodoxie schmeichelhaft sein, in Parallele mit den „Pharisäern", mit den geistesgewaltigen Heroen der talmudischen Zeit gestellt zu werden. Aber die Umkehrung der geschichtlichen Wahrheit, die in der Ausführung dieses liebenswürdigen Vergleiches liegt, die Behauptung, daß der Geist der Pharisäer, der Geist des vom Sinai überlieferten, den Kern des Volkes beherrschenden Judentums das jüdische Staats w e s e n erschüttert und untergraben habe, diese Verdrehung der jüdischen Geschichte ist so ungeheuerlich, daß man ihr an der Hand wahrer Wissenschaft doch ins Gesicht leuchten muß. Herr D'r> Thon wirft in seinem Artikel dik Frage auß: .. . „Aelchr psuchvlogischeu und soziologisch?« .Gründe miu\nt es (utocift hadert, daß ee zivischerr Pharisäern . und Haonionäern zu eirrenk so krossen Bruche kommen. einem Bruch, der doch das fo mühsam, >vit v> miendlich schweren Opfern ausgerichdete Ge- "TräuöGcher staatlichen Selbständigkeit in den Funda- . menteii erschüttern mußte und tatsächlich erschüttert "hat", und er findet als einzigen Grund, daß die Pharisäer „viel zu fromm und viel, sehr viel zu wenig politisch reif,, waren, daß ihnen dementsprechend „Bürgersinn und Staatsfreudigkeit" fehlten, daß sie nicht „regierungsfähig" waren, kurz, daß ihr Wahlspruch» lautete: „pereat rvpublica, fiat littera, mag btt Staat untergehen, wenn nur der Buchstabe nicht verletzt wird." Und dieser Begründung, die natürlich den störrischen ehemaligen Misrachisten heimleuchten, die fetzigen aber zu gebührender parteifrommer De- *!nut erziehen soll, erlaubt sich der Verfasser, eilt ^wissenschaftliches Mäntelchen umzuhängen, ov- Mch er zugeben muß, daß die Pharisäer „das eigentliche Volk, die große und . breite Masse waren, die unausrcißbar tief im Boden und im Volkstum und in der Tradition der Väter wurzelten." Betrachten wir zunächst das Allgemeine feiner Behauptung. „Die Pharisäer waren nicht politisch reif, sie waren nicht regierungsfähig," das waren also im höheren Maße die Sadduzäer. Wer aber stand denn an der Spttze der Regierung, als Johatm Hyrkan seinen Bruch mit den Pharisäern vollzogen hatte, wer bekleidete die Beamtenstellungen, wrr führte die Heere? Es waren ausschließlich Sadduzäer, und es blieb so mit Ausnahme der kurzen Regierungszeit Salomes Alexandra bis zum Untergang des jüdischen Staates. Mithin scheint es doch eher die vielgerühmte sadduzäische Staatsleitung gewesen zu sein, die in jahrhundertelangem Besitze der Macht diesen Untergang herbeiführte". Aber wir brauchen uns gar tticht mit diesen negativen Beweisen für die Staatskunst der Pharisäer zu begnügen. Wer mit offenen Augen die Vergangenheit betrachtet, der findet immer unk immer wieder die unumstößliche Tatsache, daß es die Pharisäer waren, die das staatliche Leben zur höchsten Blüte brachten, die religionslosen Politiker aber ihn dem Untergange Preisgaben. Greifen wir in die Zeit des ersten