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Der Israelit · 1911-12-21 · Heft 51 (21.12.1911) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 51 (21.12.1911)
Date
1911-12-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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«rite 8. Nr. 51 »er MrarM 91. Dezember 1911 KpA^rp-Abynnements auf die Beilage „Der Frankfurter Israelit", ohne den „Israelit" selbst, sind nicht zulässig. Auch das Hauptblatt des „Israelit" soll im neuen Jahre mannigfache Ausgestaltung erfahren; insbesondere haben wir eine Erweiterung unseres Nachrichtendienstes vorgesehen. Im Feuilleton beginnt, wie bereits mitgeteilt, die Veröffentlichung eines größeren, an spannenden Momenten überaus reichen Zeitromans: — Lustmenfchen —*— von S. Schachn owitz. Die Erzählung führt in das das buntbewegte jüdische Leben der modernen Großstadt hinein und begleitet die dorthin verschlagenen Opfer östlichen Golusleides auf ihrem Entwicklungsgang voll schwerer äußerer Kämpfe lind innerer Konflikte. Aus dem Auseinanderprall und der Spiegelung von Ost und West erhebt sich ein farbenreiches Bild modernen jüdischen Lebens, das unsere Leser, wie wir hoffen, von Anfang bis zu Ende seffeln wird. Unseren Kleinen wird eine reicher ausgestattete und regelmäßiger erscheinende Krnöerecke mancherlei Anregung, Belehrung und Erhebung bieten. Die Beilagen „Grstehimg «Mt* Lehre", „gitterttrifdfc Warte". „Indischer Uolksfrennd" und „Ans Wett nnd Leben" erscheinen in der bisherigen Weise. So hoffen wir, neue Freunde zu den alten zu gewinnen und bitten unsere Leser, die gemeinsame Sache durch, eifrige Weröear-eit für den „Israelit" zu fördern, Material hierfür steht jedermann zur Verfügung. Frankfurt a. M., 15. Dezember 1911.. Verlag des Israelit. 6 m. b. b. Hnhnltsüberstchr, 1. Leitartikel: Rabbiner Dr. A. Klein, Rnrn öerg: Judentum und Kultur. — 2. Wochenrunbschau: Ate Gmigrantenfürforge der Wiener „Israelit. Alliaax." — Ate KLo-tguus -es ruffifdj amerikaaifitjea AanLelsvertragrs und ihre Folgen. —3. Aufsätze.- Rabbiner Dr. A. Cohn, Basel: Eine christliche Stimme über Kombutt. — 4. Homiletik: Rabbiner Dr. Neuwirth, Bingen: Königsträumr. ö. KlrinesFeuilleton: Berliner Plauderei. — Matisjahu. — Früh übt stch ... — Davoud Effendi Molho. — Klosterentfühmng. — 6. Korrespondenzen und Nachrichten: Frankfurt a. M. (Delegiertentag des Verbandes der Sabbatfreunde.) — Frankfurt a. M. (Aufruf des russischen „Misrachi"-Bureaus an die Ortsgruppen)^ — Berlin (Hilfsverein der Deutschen Juden.) — Oldenburg (Staatliche Bewilligung für den jüdischen Religionsunterricht.) Uugarifcher Hrief. Budapest. — Petersburg (Das öffentliche Gewissen.) — Odessa (Ganz im Sinne der Gesetze.) — London (Synagogen-Einweihung der Adaß Jisroei.) — London (Kandidatenliste.) — London (Sitzung des Board of Deputies.) - Jerusalem (Jerusalemer Brief.) — Jaffa (Bereinigung „Agudath Chowewe Hatarbuth Königsträume. (3um Wochenabschnitt.) Bon Rabbiner Dr. Neuwirth in Bingen. Bon den Träumen Pharaos berichtet uns die dieS- Wöchmtltche Sidrah, und gleich der erste Satz des biblischen Berichtes hat im» Midrasch eine eigentümliche Deutung erfahren. Zu den Worten: bv ‘TÖ1P N2N1 bemerkt Rabbi Jochanan: nam "121 crrpi*?» bv pö'pn» n’rimn Dir1?* D"pn» nrrpv?» Sam nwn bv ■i^v 22» /tar nar „Die GlaubenSschwaLen stellen stch über ihren Gott, denn Pharao träumte, er stand am Flusse; die Glaubensstarken aber stellen ihren Sott über sich, denn Jakob träumte, Gott stand über ihm." Was besagt diese Deutung, was ist des Rätsels Lösung? Wie äußerten stch die Träume PharaoS? Er stand am Ufer des Flusses, und stehe, auS dem Flusse stiegen' sieben Kühe, schön von Ansehen und fett Haibrith.) — 7. B ermisch t e S: Frankfurt a.M. — Berlin. — Straßburg. — Bremen. — Hannover. — Hannover — Breslau — Worms. — Speyer. — Wien. — Wien. — London. — 8. Vereinswesen: Frankfurt a. Ai.) — Berlin. — Mainz. — Basel. =9. Personalien. Mosbach iDas Amtsjubilöum des Bezirksrabbiners Dr. Löwen stein.) — Mainz. — Worms. — Darmstadi. — Mergentheim. — Homburg (Bauern.) — Vegesack. — Jerusalem. — 10. Briefkasten. — Vereins - Kalender. — Familicn-Nachrichten. — Kinderecke. 11. Beilagen: Litterarische Warte: Jahrbuch -er Iü-isch-Ktturarischeu Gesellschaft. — Rabbiner I. Horovicz. Bücherichau. — Feuilleton-Beilage: Oskar Stein: Tage der Ust. (Schluß.) — Roman von Sch.: Kustmruschrn. Judentum und Kultur. Bon Rabbiner Dr. A. Klei«, Nürnberg. 11. Was versteht man unter Kultur? Die Ent. faltung und Höherentwicklung aller im menschlichen Geschlechte ruhenden Fähigkeiten und Kräfte. Die Kräfte werden geweckt, zur Entfalan Fleisch. Nach ihnen stiegen aus demselben Flusse sieben and. re Kühe, schlecht von Ansehen und mager an Fleisch. Und die sieben mageren Kühe, fraßen die sieben Kühe Dann steht er wieder sieben Aehren, gesund und gut an einem Halme emporwachsen. Ihnen folgen sieben andere Aehren, dünn und verbrannt vom Ostwind. Und die dünnen, vom Ostwtnd verbrannten Aehren verschlangen die guten und gesunden. — Manche Psychologen behaupten: es lassen sich alle Träume entweder aus den Gedanken erklären, die den Träumenden im wachen Zustande beschäftigen, oder ans äußeren Sinnesreizen, die während des Schlafes auf ihn etnwirken. Gewiß, an den Träumen Pharaos ist die göttliche Absicht unverkennbar. Sie haben dazu gedient, Josef aus dem Gefängnis zu befreien, ihn auf den ägyptischen Herrscherthron zu setzen, mit seinen Brüdern zu versöhnen und dem betrübten Vater den verlorenen Sohn wtederzugeven. Dies alles tst göttliche Fügung und liegt außerhalb alles menschlichen Erkennens. Doch die Träume an stch, wie ste sich in ihren bloßen Gebilden äußern — unabhängig von ihren Folgen — unterliegen, wie jeder gewöhnliche Traum den natürlichen Gesetzen der Traumpshchologte. Ste find der Niederschlag der wachen Gedanün des Königs, rin Spiegelbild dessen, worüber er mit offenen Augen gesonnen und nachgedacht hat, eine Abart der Dinge, hie ihn in Wirklichkeit umgeben. WaS aber verraten ste uns aus seinem Seelenleben? Welches Gedankenspiel wird uns durch ste erschlossen? Bertiefen wir uns einen Augenblick in diese Träume. Denken wir uns das, was an ihnen traumartig ist, den Eindruck des Unklaren, Unwahrscheinlichen macht, weg und lassen nur das Gedankliche und Begriffliche daran bestehen, so haben wir eine Erscheinung vor uns, die uns zeigt, daß das Gesunde vom Kranken, das Starke vom Schwachen, das Schöne vom Häßlichen, das Ertung gereizt durch das Bedürfnis. Der Kampf ums Dasein zwingt den Menschen zur Arbeit, zur Erforschung der Natur und schafft so diejenige Seile der Kultur, die wir die Materielle nennen. Der Mensch hat aber auch höhere Bedürfnisse. Er besitzt Schönheitssinn und schafft sich die Aefthetik. Er hat auch ethische und metaphysische Bedürfnisse, d. h. es lebt in ihm einerseits der Drang, sein Leben, das individuelle sowohl als das soziale, über das bloße tierische Triebleben hinaus zu höherem Leben zu entwickeln, das ist das ethische Bedürfnis. Andererseits ist er aber auch begabt mit der dunklen Ahnung seines höheren Ursprungs, einer Ahnung, die ihn sehnsuchtsvoll den Zusammenhang zwischen sich und seinem Urquell empfinden läßt und ihm den Wunsch einflößt, diesem Zusammenhang auch im irdischen Leben sichtbaren Ausdruck zu verschaffen. Das ist das metaphysische Bedürfnis des Menschen. Es bildet die Voraussetzung für jede Religiondie Religion rechnet auf dasselbe als auf ihre von dem Schöpfer in die Seele gesenkte Grundlage. Die harmonische Entwicklung all dieser Fähigkeiten nennen wir Kultur. Wenn habene vom Kleinlichen verzehrt, verschlungen wird. Ist das aber keine Erscheinung, wie sie unS tn Wirklichkeit gar oft begegnet? Wie oft gewahren wir, daß das Gute, Tugendhafte oergeht, verkümmert, während daS Schlechte, Lasterhafte besteht, zur Blüte gelangt? Ja noch wehr. Wie oft gewahren wir, daß das, was gern gesehen wird, das Auge des Menschen erfreut, gesund ist an Grist und Körper, kraftvoll ist an Tugend und Sitte, vollkommen ist an Gottesfurcht und Frömmigkeit, verdrängt, verzehrt, verschlungen wird von dem, daS keinem nutzt und keinem dient, krank ist an Geist und Körper, morsch ist an Tugend und Sitte, welk tst an Gottesfurcht und Frömmigkeit? — Es kann keine Frage sein, welche wahre Vorstellungen stch hinter der, von der Phantasie deschlafenden Königs gebildeten verbergen, mit welchen wirklichen Erscheinungen seine Traumgebtlbe in naher Verwandtschaft stehen! Die Betrachtung tst's: „Helden trabend hoch zu Roß, trifft unfichtbar das Geschoß, und die Kröten stch beeilen, ihren Lorbeer zu begeifern." Die Erwägung tst's: „Warum ergeht es so oft im L.ben dem Guten schlecht und dem Schlechten gut?" Auf die Fragen, Zweifel und Anklagen, gibt es eine doppelte Antwort. Die eine entstammt dem Geiste der O’PtSH' der Glaubens schwachen, die andere dem Gemüte bet Glaubensstarken. Die Glaubensfchwachen sagen: ES gibt leinen allwissen en Gott, dtr die Wett mit Vernunft regiert. Die Geschicks der Menschen sind einem bltndcn Zufall unterworfen. Das Los, daS den Bösen und Ruchlosen trifft, kann auöf den Pflichttreuen und Gerechten treffen. Der rollende Donner, der zuckende Blitz unterscheidet nicht zwischen gut und böse, zwifchen schuldig und unschuldig. Die schwarzen, tiefhangenden Wolken entladen thre Wassermassen über lachende Fluren und vernichten ste, wte über dürre, sandige Wüsten und mächtige Felsvlöcke, die unversehrt bleiben. Die Glaubei.sstarken aber sagen: Die Wege

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