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Der Israelit · 1911-12-14 · Heft 50 (14.12.1911) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 50 (14.12.1911)
Date
1911-12-14
Page
– (sequence 12)
Language
German
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den Sinn für nationales 'und soziales Empfinden absprechen und diese Gefühle nur für ihr winziges Häuflein in Anspruch nehmen! Würden wir uns „Bund der gesetzestreuen jüdischen Lehrer" nennen, so läge vielleicht einige Berechtigung in seinen Ausführungen. Wie die Dinge aber liegen, können wir ganz ruhig behaupten, daß wir unseren Namen mit viel größerem Rechte führen als der Verband den seinigen. Er nennt sich „Verband der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche" und er umfaßt doch noch noch lange nicht alle Lehrervereine. Daß der Verband eine recht große Anzahl gcsetzestreuer Mitglieder in seiner Mitte zählt, ist bisher von keiner Seite bestritten worden. Warum aber, so fragen wir, besitzt diese jedenfalls recht starke Minderheit, wenn doch so großer Wert auf die Konstatierung ihrer Existenz gelegt wird, keine Vertretung im Geschäftsführenden Ausschuß des Verbandes? (Fo'rtsetzurg fclfct.) Verfügung d<$ Größt). Kreis« amt* Schottert an die Vorstände der Israel. Keligionsgemeinden des Kreises, beir. die Anstellung und Entlassung Israel. Lehrer. (Dom 10 Juni 1904) Für die Folge gelten, in rubr. Betreff die nachstehenden Vorschriften: Die Anstellung und die Entlassung der isr. Lehrer bedarf unserer Genehmigung. Die Vereinbarung mit anderen Gemeinden wegen Uebertragung des Religionsunterrichts an einen gemeinschaftlichen Lehrer bedarf der Zustimmung des Großh. Ministeriums des Innern, Abteilung für Schulangelegenheiten. In die Verträge mit den Lehrern ist die Bestimmung anfzunehmen, daß die Anstellung wie die Entlastung erst mit der Genehmigung des Kreisamts wirksam wird. Die Verträge sind uns mit den Zeugnissen über Vorbildung und bestandene Prüfungen des Lehrers zur Genehmigung vorzulegen. Die dermalen im Amte befindlichen Lehrer bleiben nicht allein bis zum Ablauf ihres Vertrags im Dienste, sondern es können auch die Verträge mit ihnen erneuert werden. Findet eine solche Erneuerung nicht statt, so ist in erster Linie auf die Anstellung eines seminaristisch gebildeten Lehrers Bedacht zu nehmen. Nur in Ermangelung eines solchen können Verträge auch mit anderen Lehrern geschloffen werden. (Diese muffen sich aber nachträglich einer Religionslehrerprüfung in Darmstadt unterziehen; die Redaktion). Meldungen Israel. Lehrer um ausgeschriebene Stellen sind mit den Zeugnissen an das jeweilige Rabbinat zur Begutachtung einzusenden, damit die Einladung ungeeigneter oder wenig geeigneter Bewerber zu Probe-Gottesdiensten und die dadurch entstehenden Kosten vermieden werden. Das Rabbinat wird bann aus den ihm eingesandten Meldungen geeignete Auswahl treffen und die jeweiligen Vorstände diesbezüglich in Kenntnis setzen. Die Reisekosten für die zu Probe-Gottesdiensten berufenen israel. Lehrer sind aus der Gemeindekaffe zu bestreiten, gleicherweise die Kosten für Unterkunft und Beköstigung der Lehrer in den Orten, in welchen ein Probe-Gottesdienst stattfindet, falls nicht der erste Vorsteher oder ein sonstiges Gemeindemitglied die Logierung und BeköDgung ohne Vergütung übernimmt. Die Reisekosten einerseits und die Kosten für Logierung andererseits sind getrennt zu verrechnen. Die fraglichen Beträge sind durch Beschluß dls Gesamtvorstandes nach billigem Ermessen festzusetzen. (gez) Schönfeld. Die Piutim von rpfiwo rot?. Bon Semirarlehrer L Anfänger in Nürrburg. (Schluß.) Der Dichter. „Salomo ter Kleins, wie er hier sich nennt, ist jedenfalls identisch mit Salomo ben Jehuta, mit dem Beinamen Habablt. Zunz versucht den Nachweis, daß wir dabet nicht an Babyion zu denken haben, sondern an Rom oder Byzanz, für jene Zeit beide eine Art Babel. Er setzt ihn Legen das Ende des 1. Jahrtausends öezw. ins 11. Jahrhundert. Sein Stil ist ziemlich schwierig, oft dunkel. Er bedient sich gerne talwudtscher Ausdrücke und liebt Inversionen. In Raschi und in den Tofsasot wüd er mehrfach erwähnt. Wir haben von ihm verschiedene andere Piutim, insbesondere für Pessach und auch Seltchot. In letzteren besonders spiegeln sich die vielfachen Leiben jener Zeit. III. Der Os an. Die Hymne besteht auS 5 Strophen zu je 8 Versen. Jede Strrphe beginnt mit dem „zueignenden" *?, dem dann je ein Buchstabe des Namens folgt, also Akrostichon auf den Namen des Dichters. Jede Strophe hebt einleitend eine Eigepschaft oder Machtbetätigung Gottes hervor, schildert lotann als Folge gleichsam eine EngelShuldigung und berichtet endlich in tropisch« r Form des Kontrastes von der menschltschen Gonesver ehre ng. Darum beginnt je der.7. Vers mit ijkv l. pnö ebenfalls rach Jescjas 40, 12. - mniPfl1? nach Ptrkeh Abot UI, 16, diensteifrig. — fnmrKP Sptth. für Israel nach Hohel. 1, 6. Dem Herrn aller Herrlichkeit, der die Himmelshöhen mit der Spanne ausmißt, weihen die dienstbereiten Engel ihre Kräfte zur Berherrtichunp, stets erfrig bestrebt, seinen Willen zu erfüllen nach Vorschrift und Gepflogenheit, — und auch ich, die dunkle Schöne, stimme mrr meinem Munde ein wohlgrsetztes Loblied an. 3. soviel wie “TTi*, mächtig; poet. Anhängcsrlbe des Gletchklanges halber. — nach rTlbDiO in Hiob 6, 10; verschiedenartig übersetzt: ich brenne vor Schmerz, ich springe auf vor Schmerz, ich freue mich meines Schmerzes; hier in letztgenanntem Sinne. — sllvvv Engelnamedie folgenden 3 Bezeichnungen Beinamen des Erzengels Gabriel nach Talm. Sanhedrin 38 u. 44. - pntfn na£& Hohel. 2, 1. Dem, der Erster und Letzter genannt wird, dem allmächtigen König sprechen sie freudiges Lob aus in Redlichkeit und Reinheit; bet ihnen stnd Mttairon, Plßkon, Jtmon und Sigron. — Und auch ich, die Lrlie Sarons, beuge mich dienend vor der hl. Lade. 3. nanb DXin nach Ps. 29. — i-pj? zu Daniel 4, 10 bemerkt Raschi: „Ein Engel, der ständig wacht." — TCBn Auserwählung; s. Targ. Jer. Deut. i6, 17. — nan« r6in nach Hohel. — iw Geschenk. Dem Gotte, der Blitze sprühen läßt, der hocherhaben ist in der großen Versammlung der Heiligen, ihm befleißen sich die Thronwächter und hl. Feuerengel vernehmen zu lassen gleichzeitig die ausgewählreste Heiligung. Und auch ich, vor Liebessehnsuchr krank, lege mein Bttrgebet als erwünschte Gabe ihm vor. 4. Dem, der Wunder wirkt, der Herr aller Wundertaten ist, ihm rufen mit brausender Stimme zu die verschiedenen Abteilungen und Scharen der in den heiligsten Räumen sich versammelnden Engel. — Und ich, der ich einer Mauer, deren Brüste Türmen verglichen stnd (Hohelied), finge ebenfalls Preis- und Loblieder. 5. Ten, der treu ist seinem Bunde und fest hält an seinem Schwure, ihn verkünden die dienenden Chasmalim als Gott, zitternd vor seiner Hoheit, eingenommen von Ehrfurcht. — Und ich, ich gehöre meinem Geliebten an (Hohelied) er hat seine Lust an mir, geöenedeit sei der Name der Herrlichkeit seiner Weltregterung. Der Dichter. Als Dichter gilt Benjemin ben Perach, genannt Baischrm, auch der Große, Balschem wohl Zunz wegen der Seltcha 'n — Die Identität gehlt aus vielen Zügen hervor: Engelchöre, Engelnamen, Hoheliedzttate, einfache Sprache rc. Ihm wird auch der Ofan vom Neumondsabbat zugeschrteven. Er lebte um die Mitte dls 11. Jahrhunderts, war also Zeitgenosse von Raschi w'e auch von R. Salomo, dem Berfafser von Jozer und @ufof. Unser Ofon gilt nach poln. Ritus für den 8. Tag Peffach Schulbericbte. TaS Würzburger Seminar versendet seinen Jahresbericht pro 1910/11. Es nennt ihn „Rechenschaftsbericht und mit Recht, denn er legt bis in die kleinsten Dktatls Rechensch st ab über die Leistungen in fast allen Disziplinen, die dort gelehrt werden. Nur über ein Fach find ganz allgemein gehaltene Angaben vorhanden: über das Kanwrat. Es heißt darüber auf Seite 20: „Der Unterricht in den Synagcgmgesängen wurde durch H«rrn Kantor Lei mann ei teilt. Beim Unterricht in der Harmonielehre wurde besondere Sorgfalt auf d e Harmonisierung der synagogalen Melodien für Männerchöre verwendet. Der Vorstand (Sr. Ehrwüiden Herr TistriktSrabbimr Bamberger) erteilt dem Oberkms in einer Wochenstunde besonder«» Unterricht, umfassend die Erklärung der Gebete, der zahlreichen Vorschriften und Gebräuche beim Gottesdienste, so.rie überhaupt Belehrung über den gortesdienstlichen Teil des Lehrerberufs rebst praktischen Arwetsungen. Das synagogale Thora-Borlesen wurde wöchentlich vom Borstand mir den Zöglingen durchgenommen." Außerdem erteilt Herr Seminarlehrer Anfänger, wie unsere Leser wissen, in geradezu mustergüitiger Weese Unterricht tm Uebersetzen der Peuttm. Da ferner der Gottesdienst in der Semtnarchnagoge abwechselnd von den Zöglingen der Anstalt versehen wird, so fchlt es ihnen auch nicht an der praktischen Uebung. Dem Würzbu ger Seminar kann mare also unseres Erachtens nicht den Vorwurf machen, daß die Ausbildung im Kantorat nebensächlich behandelt werde. Wenn der Unterricht ln flltfn von unren auf, d. h. schon vom ersten PräparandenkurS ab begonnen und systematisch durch alle Klassen fortgesührt wird, so glauben wir, daß auch hier Leistungen erzielt werden, die allen billigen Anforderungen genügen, auch ohne Vermehrung der Unterrichtsstunden, ote ja doch nur aus Kosten des hebräischen Unterrichts oder — der Gesundheit der Srmtnar.sten erfolgen könnte. Wünschenswert wäre es allerdings, daß Herr Kantor Lehmann über den gesanglichen Teil der Ausbildung mmteslens ebenso genauen Bericht erstattet, als Herr Anfänger über „Gesetzeskunde" valgo Gemeindefchreiberet. Man bekäme dadurch auch einen Einblick in den dabei eingehaltenen Lehrgang. Ob nicht auch der Gesangsunterricht, den ein christlicher Lehrer erteilt, für das Chafonus dienstbar gemacht werden könnte, möchten wir zu erwägen geben. D«r alte „Baker Benz", der vor annähernd vier Dezennien den Gesanguntereicht leckere, übte mit Vorliebe Synagogengejänge em uno Rabbiner S. B. Bamberger y'w wußte ehm viel Dank dafür, da zu jener Zeit die gejangltche Ausbildung tm Kantorate ganz fehlte. Im übrigen können wer mit Vergnügen konstatieren, daß in diesem Jahre, dank der sparsamen Verwaltung, ein Defizit glück.tcherweise nicht vorhanden ist. Das rft ein kleines Kunststück! Freilich leiden unter den P«ekären finanziellen Verhältnissen die Lebrer der Anstalt am meisten: vier ordentliche und sechs außerordentliche Lehrer beziehen insgesamt r ur 15189 Mk. und 50 Pfg. Wie viel Idealismus ist notwendig,, um eine so schwere Aufgabe trotz geringer materieller Entlohnung gewtffenhast zu erfüllen und jahraus, jahrein undoerdrosien — mehr als feine Pflicht zu tun. Die Zahl, der Seminarabiturienten betrug 9. In 47 Jahren hat die Anstatt 389 Lehrer in die Praxis entlassen. Aus diese Zahlen kann sie stolz sein. Wohl arbeitet sie unter verhältnismäßig günstigen Verhältnissen, da ihr die Präparandenschulen tn Burgpreppach und Höchberg ein glermäßig vorgebtldetes Schütermaterial liefern, sodaß ste einer eigenen Üebungsschule nicht bedarf, und in Sr Ehrwürden Herrn Dtstreltsrabbtner Bamberger einen Vorsta d besitzt, der all die schwere Arbelt, die die Verwaltung einer solchen Anstalt, die Aufbringung der Mittel ufw. mtt stch bringen, unentgeltlich auf seine Schultern nimmt, Vorteile, deren stch kaum eine andere ähnliche Anstalt erfreut, aber immerhin: Hut ab vor solchen Leistungen! inr •Btt i v fi Korrespondenz. Frankfurt a. M Montag, 2.3. Dezember, vormittags 10 Uhr, findet dahier im Hörsaal der Israelitischen Religionsgesetlschast (Friedberger Anlage) die ' diesjährige Generalversammlung des „Unabhängiger« Vereins israelitischer Lehrer im Großhcrzogtmn Hessen" mit folgender Tagesordnung statt: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Rechnungsablage. 3. Die neuhebräische Literatur unter Berücksichtigung der pädagogischen '-U Literatur; Referent: Herr Redakteur Schachnowitz- Frankfnrt a. Al. 4. Behandlung der biblischen Mschrchte aus der Oberstufe; Referent: Herr Dr. Neuwirth-Mainz. 3. Antrag auf Aenderung der Statuten (Erhöhung des Beitrags rrnd Festsetzung einer Karenzzeit fiir ncncintretende Mitglieder; KZ 5 und 8). 6. Mitteilungen. Gaste sind willkommen.

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