Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 50 (14.12.1911)
- Date
- 1911-12-14
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Organ Oes Sundes gesefeesfreuer jüdischer Lehrer Deutschlands. sliearmvorredläge? „Es war ein Mann, dem's nahe ging," das schon fast ein Jahr zwischen dem Organ des Verbandes und dem des Bundes ein leidliches Verhältnis bestand. . Das war gewiß ein Uebelstand, dem abgeholfen werden' muß. Da der Betreffende als Schriftleiter des Verbandsorganes über genügend weißes Papier verfügte, so legte er ausführlich seine Stellung zum Bund dar. Als ob die nicht jedermann mehr als zur Genüge bekannt wäre! Daß er dabei in gewohnter Weise die Tatsachen auf den Kopf stellte, die alten Verdächtigungen zum so und sovielten Male wiederholte, wen kann das wunder nehmen? Man hätte doch sonst auf dir Vermutung kommen können, die säst beispiellose Niederlage, die er in dem Feldzug gegen Herr Provinzialrabbiner Dr. Cahn-Fulda erlitten und der Rückzug, den er in seinem Kampf gegen den „Israelit" antreten mußte, hätten ihn ein wenig Bescheidenheit gelehrt! Diese Annahme mußte schlagend widerlegt werden. Noch viel größeres Herzeleid empfand er über die Tatsache, daß es im Verband einige angesehene Mitglieder giebt, die eine Annäherung an den Bund suchen, um so allmählich, wenn auch nicht zu einem sofortigen Frieden so doch mindestens zu einem annehmbaren modns vivendi zu gelangen. Das durfte nicht geduldet werden werden und er verdarb ihnen so kräftig die Suppe, daß allen Beteiligten der Appettt vergehen muß, ste auszulöffeln. Dann machte er seine „Friedensvorschläge". So viel hat er nun allerdings schon herausgefunden, daß man dabei der Gegenpartei nicht offen den schweren Vorwurf des „niederen Mammontsmus" ins Gesicht schleudern darfdarum macht er ihn durch die Blume, indem er schreibt: „Ja, ein Zusammenarbeiten in finanziellen Fragen, das sähe man im andern Lager gern — wir enthalten uns einer naheliegenden Bemerkung, — (der Gute!) einen solchen Vorschlag hat uns Dr. Cahn in einem privaten Schreiben schon vor sechs Jahren unterbreitet!" Die in diesen Worten liegende Verdächtigung schlägt der Wahrheit geradezu ins Gesicht. Der Schriftleiter des Verbandsorgans weiß es recht gut, daß wir uns keineswegs ausschließlich auf die gemeinsame Behandlung finanzieller Fragen beschränkt haben. Eine kurze Darstellung der bisher gepflogenen Verhandlungen wird den eben erhobenen Borwnrf ad absurdum führend Im Frühjahr v. I. erbat Dingfelder- München unsere Mitwirkung bei der vom Verband in Angriff genommenen Reichsstatistik, soweit sie Hoffen anlangt. Der Vorstand des „Unabhängigen Lehrervereins für das Großherzogtum Hessen" hat schon um deswillen keine Absage erteilt, weil er doch m Bälde genötigt gewesen wäre, gemeinsam mit dem anderen Lehrerverein statistische Aufnahmen zu machen. Die Mitarbeit lag also schon in unserem eigenen Interesse. Wir schätzen außerdem unseren Münchener Kollegen denn doch zu hoch, um ihm eine immerhin kränkende Abweisung zu teil werten zu lassen. Im Hinblick auf dieses Entgegenkommen unterbreitete uns Dingfelder Ende Juni d. I. den Vorschlag auf Bildung einer Arbeitsgemeinschaft. Er dachte sich die Sache in der Weise, daß bei allen gemeinsamen Aufgaben Vertrauensmänner des Bundes und des bayerischen Lehrervereins zu den Beratungen des Verbands zugezogen werden sollten. Damit sollte die Einsetzung eines Schiedsgerichts behufs Beilegung von Streitigkeiten innerhalb der Lehrerschaft Hand in Hand gehen. Den zweiten Vorschlag akzeptierten wir ohne weiteres, da wir ihn selbst wiederholt gemacht hatten und auch der Bildung einer Arbeitsgemeinschaft stimmten wir prinzipiell zu,*) wenn sie unter Wahrung vollständiger Gleichberechtigung durchgeführt werde. Es müffe ein ähnliches Verhältnis Platz greifen, wie zwischen oen drei Gewerkschaften. Wir wollen nicht verfehlen hervorzuheben, daß D. mit unserer Bedingung ein. verstanden war, aber nach einiger Zeit mußte er uns melden, daß beide Vorschläge von Herrn Rektor Feiner abgelehnt seien. Wem die Ablehnung des Schiedsgerichts zu danken ist, brauchen wir nicht erst zu erraten. Der Schriftleiter des Berbandsorgans scheut das Schiedsgericht und er weiß wohl warum. Eines aber geht mit Sicherheit aus Vorstehendem hervor: feine Verdächttgung, als ob wir nur in finanziellen Fragen mit dem Verband zusammengehen wollten, ist leichtfertig erhoben. Soweit Herr Dr. Cahn aber dabei in betracht kommt, mag hier zur Nachprüfung der betreffende Paffus seines an Herrn Steinhardt gerichteten Briefes wörtlich folgen: „Gegenseitig gewahrte Objektivität kann und wird dazu fuhren, daß die Vertreter der zwei entgegenstehenden Auffaffungen, wenn sie auch die Behandlung religionSunterrichtlicher Fragen nicht anders als in getrennten Wegen unternehmen können, in allen den Punkten, die ihnen zur Förderung des materiellen Wohls und derganzen Stellung der Lehrerschaft**) gemeinsam am Herzen liegen, die gleiche Tätigkeit entfalten." *) In eine Erörterung über den Umfang dieser Arbeitsgemeinschaft ließen wir unS gar nicht ein. Wir konnten, wenn die Sache spruchreif geworden wäre, die wettere Verhandlung getrost dem Bundesvorstand überlassen. **) Bon uns gesperrt. Objektivität! Herr Dr. Cahn ist sehr naiv, fie von unserem Gegner zu erwarten. Wir verlangen nur, daß er der Wahrheit die Ehre gebe und wir haben mit dieser Forderung, wie diese Darstellung beweist, bisher bei ihm nicht durchdringen können. So will er glauben machen, daß der Bund anläßlich der Vorbereitungen zur Gründung der Ersatzkaffe versucht habe, Anschluß an den Verband zu suchen, — selbstverständlich hat er es dabet auf die wohlgefüllten Kaffen des Verbands abgesehen — und daß er bei diesem „Liebeswerben" abgeblitzt sei, indem „ein Teil" der Ausschußmitglteder — also anscheinend nicht die Majorität — sich gegen die beabsichtigte gemeinsame Kundgebung ausgesprochen. Eine Erkundigung bei dem Büro des D. I. G. B. oder bei Herrn Peritz hätte ihn belehrt, daß man auch hier von der Gegenseite anden„Bund^ herangetreten ist. Bisher hat der Bund nur feine Bereitwilligkeit ausgesprochen, einen Vertreter zu einer etwa stattfindenden Beratung behufs Information zu entsenden. Wir werden niemand nachlaufen, auch wo es sich um materielle Interessen handelt. Eine v'vHN^-Polttik zu treiben, dazu lag für uns keinerlei Beranlaffung vor. Wir haben unseren guten Willen gezeigt, aber wir glauben im Sinne aller beteiligten Kollegen zu sprechen, wenn wir hier mit allem Nachdruck erklären: Jede Betelligung an der Zentral-Penfionskaffe ist abzulehnen, wenn sie nicht auf dem Boden vollständiger Gleichberechtigung erfolgt. Wir nehmen nichts geschenkt, aber wir werden auf kein Titelchen unserer Rechte verzichten, sofern wir ihr beitreten, was jetzt ja schon zweifelhaft geworden ist. Unser Gegner in Magdeburg versagt dem Bund freilich diese Gleichberechtigung aus drei Gründen: erstens aus Gründen der Selbsterhaltung, zweitens aus Gründen der Selbstachtung und schließlich verbietets ihm drittens sein Gerechtigkeitsgefühl. Bon diesen Motiven ist das eine fadenscheiniger als das andere. „Die Selbsterhaltung! Jene Bereinigung nennt sich „Bund gesetzestreuer jüdischer Lehrer". Wollte heute unser Verband jenen Bund als gleichberechtigten Faktor neben sich anerkennen, so würde er damit zugestehen, daß wir eine „Vereinigung von nicht gesetzestreuen Lehrer" finddas aber widerspricht den Tatsachen." Herr St. mag außer der Kunst, die Tatsachen umzumodeln, noch mancherlei Kenntniffe besitzen, in Logik aber ist er entschieden recht schwach. Wä.e seine Folgerung richtig, dann müßte z. B. der Name der nationalliberalen Partei zum Ausdruck bringen, daß außer bei ihren Mitgliedern nattonale und liberale Gesinnung nirgends anzutreffen sei, keine Partei dürfte mit ihr je paktieren, auch nicht vorübergehend. Uno die Nationalsozialen würden gar