Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 49 (7.12.1911)
- Date
- 1911-12-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2448803-2448853--67156-2495353- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
WyM r^ungen, die der Leiter der seitens der „Freien Bereinigung" in Pethach-Tikwa betriebenen Talmud-Thoraschule, Herr Dr. M. Auerbach, nach Deutschland hatte gelangen lassen und die deutlich zeigten, daß es fich hier nicht um einen lokalen, sondern um einen allgemeinen Schaden handelte, trat in Frankfurt ein freies „Komitee zurErrichtung von VolksundWirtschastsschulen für Mädchen" zusammen und eröffnete bereits im terbst 1810 seine erste MLdchenschenschule. Die chule umfaßt jetztdie untersten drei Klaffen in je zwei Abteilungen und wird zurzeit von etwa hundert Schülerinnen besucht, die neben der elementaren Allgemeinbildung bereits in die landwirtschaftliche und hauswirtschaftliche Tätigkeit eittgeführt «erden. Das Programm, mit dem daS Komitee seine bisher in recht engem Streife betriebene propagandistische Tätigkeit begann, scheint uns wegen seines Ausgangspunktes sowohl als der hochgesteckten Endziele wegen süt die Oeffentiichkeit von besonderem Interesse zu sein und wir geben es daher im folgenden wieder: „Berufene Beurteiler, aus den verschiedensten jüdischen Kreisen weisen seit langer Zeit darauf hin, daßdi« Bildung und Erziehung der weiblichen Jagend in Palästina schwere Mängel aufweist und daß «ine Gesundung, der wirtschaftlichen und kulturellen Verhältnisse im heiligen Lande mit Notwendigkeit von einem bessernden Eingreifen auf diesem Gebiete bedingt wird. Sowohl in den städtischen Zentren als auch in den Kolonien treten jene Mängel — unbeschadet der Bemühungen einiger europäisch organisierter Mädchenschulen — deutlich zu Tage, und es wird zahlreicher Kräfte bedürfen, um dem Notstände abzuhelfen. Aus Anregung des Herrn Schuldirektors Dr. Moses Auerbach in Pethach-Tikwa, des Leiters der dortigen Talstiüd-Thora-Knabenschule, sind die Unterzeichnet:n daher zu einem Komitee zusammeng»treten, das die Errichtung von B^lks- und Wi rtschaftsschu - lenfürMäd ch, e n in Palästina in die Wege zu leiten beabsichtigt, und das seine Tätigkeit zum Wintersemester iSlV mit der Eröffnung einer solchen Schule — zunächst der beiden untersten Klassen — in Pethach-Tikwa bei Jaffa bereits begonnen hat. - Wie der Name unserer Komitees schon sagt, gehen wir von der Tatsache aus, daß der palästinensischen Krau vor allem eine gediegene wirtschaftliche Erziehung, nicht «ine schöngeistige oder gar wissenschaftliche Bildung nottut: daß ihre Bildung das Gefühl der Bodenstätrdigkeit weckendie Empfindung für Einfachheit, Ordnung und häusliche bezw. landwirtschaftliche Betätigung grohziehen und ihr die positiven Kenntnisse vermitteln soll, deren sie zur praktischen Arbeit in HäNs- und Landwirtschaft bedarf. Das Gedeihen der landwirtschaftlichen Kolonisation insbesondere hängt, wie die kolonialen Erfahrungen allerwärts zeigen, von der Mitarbeit der Krauen und Töchter, die bisher in Palästina meist gefehlt hat, in sehr toesentlichnn Maße ab. Es ist selbstverständlich), daß diese, sozusagen fachliche Krauenbildung sich nur auf dem Grunde einer elementaren Allgemeinbildung aufzubaum vermag, die de» Geist weckt und ihm, ohne die Luft nach fremden Ländern zu reizen, eine gesunde, bem Milieu entsprechende Kost gewährt. \ Endlich legen wir, sowohl grundsätzlich, als im Interesse des Gelingens dieses ganzen Erziehungswerks den größten Wert auf eine ausreichende, Gemüt und Intellekt ergreifende jüdisch-religiöse Bildung, die der werdenden Frau ein lebendiges, jüdisches Pflichtbewußtsein gibt, ihr die Kenntnis ihrer religiösen Pflichten und Ehrfurcht und Verständnis für die Erhabenheit und ewige Aktualität der jüdischen Lehre vermittelt. Nur eine Frauengeneration, die von einem starken jüdischen Empfinden und Wollen getragen wird, vermag den schweren Aufgaben gerecht zu werden, die das Land seinen Bewohnern stellt. Auf den im vorstehenden flüchtig skizzierten Grundsätzen — die sich natürlich je nach den besonderen' Aufgaben einer städtischen oder ländlichen Schule verschieden nuancieren — ist der Lehrplan für die ins Leben getretene Mädchenschule in Pethach-Tikwa aufgebaut. Er sieht folgende Lehrfächer vor: I. Allgemeinbildung: l. Lesen, Schreiben und Sprechen des Hebräischen als Umgangssprache. Lektüre von Realienstoffen aus Geschichte und Erdkunde. 2. Rechnen mit besonderer Berücksichtigung der haus- und landwirtschaftlichen Verhältnisse. 3. Palästinensische Landeskunde (Geographie, Fauna, Flora). 4. Verständnis der Bibel und des Gebetbuchs; Kenntnis des jüdischreligiösen Pflichtlebens; Jüdische Geschichte, o. Arabische Konversation. 6. Zürnen. II. Wirtschaftliche Bildung: a) Hauswirtschaft: Kochen und Backen. Einmachen und Einkochen. Bereitung von Fruchtsäften, Gelees rc. Tischdecken und Servieren. Scheuern und Putzen. Wäschebehandlung. Handarbeiten: Nähen, Stopfe», Flicken rc. Ueberall praktische Uebungen neben theoretischer Unterweisung, b) Garten- und Landwirtschaft: Bewirtschaftung des Gartens. Gemüsebau. Geflügelzucht. Milchwirtschaft. Verständnis für landwirtschaftliche Nebenzweige. (Seidenraupen-, Bienenzucht rc.). c) Gesundheitslehre: Einführung in die Hygiene mit besonderer Berücksichtigung der Bedürfnisse Palästinas (Malaria, Augenkrankheiten). Nahrungsmittellehre. Säuglingspflege. Um den Haushaltungsschiülermnen Gelegenheit zu praktischer Betätigung zu geben, ist in Pethach-Tikwa die Einrichtung eines Internats für Kinder aus den Städten beabsichtigt, wozu die Deutsch-Holländische Palästinaverwaltung ihre Unterstützung in Aussicht gestellt hat. Es würden damit den dem Elend der großstädtischen Uebervölkerung entrissenen Kindern einige Jahre Geist /, y "y " y ' 4 7. Dezember 1911 und Gemüt stärkender Erziehung in gesunder' Atmosphäre gewährleistet und damit zugleich ein vielleicht wertvoller Beitrag zur Lösung der komplizierten städtischen Erziehungsproblewe geliefert. Auch können sowohl ini Internat Wie als Externe junge Mädchen aus Jaffa und Jerusalem die Schule als Haushaltungsschülerinnen besuchen, sodaß deren Wirksamkeit keineswegs auf Pethach-Tikwa beschränkt zn werden braucht. Endlich dürfte zroeckinäßiger Weise im Lnschluß an die Kochküche eine Arbeiterküche in. Pethach- Tikwa zu errichten sein, die den Arbeitern eine oft vermißte billige und nahrhafte Kost sichert und den Kochübungen ein praktisches Ziel gibt. An alle jüdischen Frauen und Mädchen, die sich der hohen Bedeutung des Fraucntoirkens für den Bestand und die Zukunft des Judentums bewußt sind, ergeht unser dlufruf zur rüstigen Mitarbeit au unseren, Werke. Möchte es, allmählich erstarkend und fortschreitend, ein dauerndes Denkmal für den Opserftnn und die Einsicht der jüdischen Frauen 'werden und Generationen starker, pflichtbewußter Schwestern auf jüdischem Boden zum Segen werden." « Es wäre lebhaft zu wünschen, daß dem Komitee, an deffen Spitze Frau Hermann Cramer in Frankfurt a. M., Eschenheimer Anlage 31», steht und dem eine Reihe angesehener Damen aus den besten jüdischen Kreisen in Frankfurt, Berlin, Breslau, Köln, Hamburg, Halberstadt, Hannover und Königsberg angfhören, recht zahlreiche Helferinnen erständen, damit es sein Pro-, gramm nicht bloß in Pethach-Tikwa mit reichlichen Mitteln durchführen, sondern auch auf andere Kolonien ausdehnen kann. Wenn dann der „Frauenverein für Kulturarbeit" durch die von ihm beabsichtigte Haushaltungsschule in Jaffa für die städtische Bevölkerung etwas Nützliches leistet und der Berliner „Verein für Volksküchen" auf seinem Spezialgebiete die Schulen mit seinen beträchtlichen Mitteln unterstützt, so kann im Laufe der Jahre der Wunsch sich erfüllen, den das Frankfurter Komitee am Schluffe seines Aufrufes ausgesprochen und deffen Verwirklichung es in dankenswerter Initiative angebahnt hat. Kocheurrmöschav. Lin neuer Rabbineieiö. Wiederum ist in Rußland ein Rabbinereid dafür geleistet worden, daß wir Juden keine Ri- Kleiner Feuilleton. Die Uorscbrifteit für die Midire». Bon Rabb. Jofua Schill in Pretzbirrg. H. Band der Bibliothek des „Jüdisch«» Bottsfreundes" von Raöb.. Dr. Wolf in Köln. Besprochen von A. Mannheimer in Dettelbach. (Schluß) Es werden nun die Vorschriften für Kid dusch behandelt. Natürlich zuerst vom /QV, dann erst von den Festtagen. Die Weihe des Mahles im Familienkreise, im Frieden des Sabbatttchtes wirdAurch vollzogen. Darum blickt man beim Beginn deS Kiddusch auf die SchabboLüchter, da sie gerade die Heiligung des häuslichen Glückes und Friedens im Schabbosaetste unS lehren wollen. Die anwesenden Zuhörer bestätigen durch pKs sagen ihr Einverständnis mit dem K dduschmachenden 1ÖÜ "|mi «IN *]Y12 sollen sie nicht sprechen; das würde eine Unterbrechung bedeuten. Ob Kiddusch vor oder nach Netilaß-Jodajim gesprochen wird, darüber ist der Brauch verschieden. Der Becher zum Kiddusch muH das Mindestmaß, ein Reviiß, fasien, ganz randiguno geschwankt sein. Auch Most, ausgekochter und selbst versüßter Wein mag zu Kiddusch verwandt werden. Am ersten Sukkausabend wird nach tt21V2 2V'!? gesprochen; es bezieht sich dann auch auf dieses. Am zweiten Abend tt21V2 zuletzt erst. Der 3. Abschnitt bringt „Die Vorschriften über den Segenssprnch K'ZtlYtt", der 4. handelt vom „Verhalten wahrend des Mahles." Aus letzterem sei als von besonderem Interesse folgendes hier angeführt : An Werktagen, beziehungsweise bei Mahlzeiten, vor welchen Kiddusch nicht gesprochen wird, muß vor dem Weingenuß besonders pjn *ttfl 8*112 gesprochen werben. Nur wenn man vor dem Mahle Wein getrunken hat und dabei gedacht hatte, auch während des Mahles noch zu trinken, dann braucht über den Weingenuß beim Mahle nicht nochmals Brocho gesprochen zu werden. Wer zwei Sorten Wein trinkt, braucht nicht nochmals pjn 'HÖ 8*112 zu sprechen. Ist aber die zweite Sorte an Qualität vorzüglicher oder auch nur gesünder als die erstere, so spricht man vorher 'pl^K '."7 ttttK *]na 2'vvttl 21vtt oSltftt Das mag viele-, neu sein und recht eigentümlich klingen! Die Sache hat aber folgenden großen historischen Hintergrund: Unter bem römischen Kaiser Hadrian, der gegen das Jahr 100 unserer Zeitrechnung Palästina beherrschte und hart bedrückte, entstand küre Empörung der Juden gegen den übermenschlichen Druck. Bar Kochba (Sohn der Sterns) war ihr Anführer. Hadrian schlug den Aufstand blutig nieder, belagerte die Festung Bethar und nahm sie am 9. Av des Jahres 135 n. d. gew. Zeitrechnung ein. Ein schreckliches Blutbat erfolgte. Eine halbe , Million Juden sollen dabet umgekvmmen sein. Eine Reche bedeutender Gesetzeslehrer fanden damals den Märrhrertod. Jede Aussicht auf nochmalige Wiederherstellung des jüdischen Reiches war vernichtet, die Kraft des jüdischen BottSlöwen gebrochen. Zum Leid trat noch der Hohn und die^Schmach: sieben Jahre dursten die Leichen der Gefallenen nicht bestattet werden. Die unheilvolle Verirrung sollte dem jüdischen Botte dauernd und warnend im Gedächtnisse bleiben. Daher fügten die Weisen dem Tischgebet (nach b’btPIT 77221) noch eine Brocho an, in der wir jedem Gedanken der Selb st Hilfe entsagen uud unser Geschick in Bergangenheit, Gegenwart und Zukunft als in Gottes' Hänb e n ruhend bekennen: 2'i2tt Kitt» er allein hat uns Gutes erwiesen, 2'vv Kitt/ er sorgt auch jetzt noch gütig für fein Bott, 2'V' Kitt/ auch in der Zukunft bleiot seine Güte uns treu. Sicher haben viele nicht geahnt, welch große geschichtliche Grundlage die 4. Brocho im Benschen hat. Warum gerade bei gesteigertem Weingenusie und in welchen speziellen Fällen die Brocho 2'&J2tt1 21tStt gesprochen werden soll, das alles ersieht man aus oen Abhandlungen S. 18 des Buches. Auch in der A r t und W e i s e des Genießens soll sich unsere höhere Lebensauffassung wiederspiegeln. So führe man kein Stück auf einmal zum Munde, das größer als ein Ei ist. Auch sei daS Stück Brot der K'D!2 mit Ausnahm' von N2V und tD"1 nicht größer, man leere ein Glas Wein nicht in einem Zuge, , es hielte denn weniger als' l/7 Liter. Bei Verteilung der K'LIS werfe man diese den Ttschgenoffen nicht vor; man lege sie hin. Ueverhaupt schleudere man nicht Speisen in gering schätzender, verachtender Weise, besonders wenn sie dadurch zum Genüsse unbrauchbar werden. Nüsie zu werfen, schadet nichts. Speisen, die für den Menschen noch geüießbar sind, sollen nicht dem Tiere gereicht werden, wenn andere' zu diesem Zwecke zur Verfügung stehen. Man spreche nicht während des Essens, damit man fich nicht verschlucke. (Nicht etwa nur beim > Fischessen.) Man blicke nicht auf jemanden, während er'' T. fl tualtt schenl beprti zum Aber vor t mal i Haber Neun dieser die % trage tache >cn \ man mus die ü verw testes % Dokr geleg Gene der.1 tun. beige Der fische darü die s Kom und chen deute bis j einer herm soger unt« geisti nicht heitei Jnw nun wird 3 Lage dem schlo der < schür sehr ißt u Haus zürne von l Tisch Haus oegon jemai -elad Haus, wird. und 1 Man man dam aus Ohne dem 1 Denk an, h ihnen führ» Verse und l sich b vieler Leber ein« »Die dem