Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 47 (23.11.1911)
- Date
- 1911-11-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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| Der Israel»! Ein Centralorgan lür das orthodoxe Jodentun rggag^i Begründet m Dr. Lehmann in ülainz eamss 92. lat mang. ^0 Frankfurt fl.IH.9en 23. November 1911. 2. Kislew 5672. M** UtanmtmttU pr» Gewöhnliche Ausgabe Mk. 1.60, estauSgabe (Kunstdruck) Mk. 8.—. Auslandspreise: Gewöhnliche dlSgabe: Oesterreich-Ungar» S Kr., Rußland l Bub* Luglaud 9 ih., Amerika 80 cts., Niederlande 1JG L, Frölnlreich Fn. UQ. lbonnemeutS bei allen Postanstalten, Buchhandlungen, sowie direkt bei de« Verlag. HestauSgabr nur direkt. Der Sätaüit erscheint jeden Douuerstag. Juserater SV Pfennig für die sechSgesvaltme Tolonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. Juferate»«muah«e nur durch Haas enstein u. Vogler L.-G.» Frankfurt a. R., und deren Filialen. Zahlungen können außer dirttt an de» Verlag eriolsen p« «o»to bei der «. «. Postsparkasse llSle» Ro. TOMS. Conto bet dr« L. Postspouekastenarnt ivnoapefl *tv. 18484. «out» bei der Rigaer Tonmrerzvank tu Riga und deren Filialen. ler nachörudi 9cf Arflhel un9 Correfpon9en?en 9es „Israelit“ fff nur unter genauer Quellenangabe, un9, fomelt es fldi um grfi&ere RulHH hanöelf, nur nadi norheriger Genehmigung oeflaftef ■ ' Irchorttsüverstcht. 1.Leitartikel: Ein interessanter Organifations- >ersuch. — 2. Wochenrundschau: Kuiturkonseroativsmus. — Aus reinen Wabe». --- 3. A u f f ä tz e: Bon E. B.: ^rüandstagnngu.KerUnrrGrNletlldrpolitik. — Rabb. Dr. Schweizer, Weikersheim: Die israelitischen Konfrsslonscknlen (Elementarschulen) tu Württemberg. --- 4. Homiletik: Dur Naturgeschichte -es Judenhasses. —Deichen, die nicht trügest! — 5. Kleines Feuilleton: Das jüdische Kapital. — I. B. Widmann und die Juden. — Zeremonien. — Antisemiten-Spiegel. —6. Korrespondenzen ».Nachrichten: Aus den Beratungen des Zionistischen A. G. Berlin. - Berlin (Hirsch Hildesheimer-Stiftung.) — Berlin (Deutscher Handelstag) — Berlin (Sitzung der Konferenzgemeinschaft der A. J.U.) — Die israelitische Kirchruvrrfassung in Württemberg. Stuttgart. — Breslau (Der Gemeindetag für die Regierungsbezirke Breslau—Liegnitz). — Petersburg (Finnen- und Judenrecht. — Paris «Antisemitische Propagonda in Frankreich.) — Bukarest („Ehrenwerte" Männer.) — Jerusalem. - Jaffa lAus dem heiligen Lande.) Saffed (Born Hilfswerke in Mhron.) - New-Iork (Kündigung des Handelsvertrags mit Rußland. —7. Vermischtes: Frankfurt a. M. — Berlin. — Breslau. — Kiel. — Straßburg. — Eydtkuhnen. — Jaffa. — 8. Bereinswesen: Berlin. — Hamburg. — Köln. — 9.Personalien: Berlin — Schwetnfurt. — Briefen. — 10. Vereins-Kalender. — Famtltennachrichten. — 11. Brill a gen: Literarische Warte: Prof. Dr. Rover, Mainz: ^üßkivd von Grimberg, rin jüdischer Minnesänger. — Miadb. Dr. Friedmann, Lublinitz: Artaban. — Bücher- Ischau. — Feuilleton - Beilage: OSkar Stein: Tage Idrr Uot. [Ein interessanter OrflaHi$ati0H$vcr$HCb. Im Deutschen Reichstage ist jüngsthin das Wort vom Zwange zum Schaffen geprägt worden. Wenn irgendwo, so gilt dieses Wort für den Osten, wo das Hauptlager der Gesetzestreuen, dezentralisiert und desorganisiert sund daher kampfunfähig, allen WindstrHimittgen von außen und innen schutzlos ausgesetzt ist. Verhältnismäßig kleine Gruppen konnten, weil zur Machteinheit festgefügt, sich dort positiv betätigen und sich sogar ungestört als die jüdischen Instanzen gebärden, während über die große jüdische Masse, das unermeßliche Reservoir der gut jüdischen Kräfte im Hintergründe, das Leben einfach zur Tagesordnung hinwegzuschreiten schien. Schien. Denn nun mehren sich die Zeichen am östlichen Horizonte, die unverkennbar auf den Anbruch einer neuen Aera hindeuten. Noch sind die schlummernden Kräfte nicht.genügend geweckt, ge*. sammelt und zu einer dem Ansturm der Zeit Trotz bietenden Macht geeint. Aber der Wille zu einem würdigen Eigenleben ist heute in den Kreisen der Gesetzestreuen im Osten so kräftig erwacht, daß der spätere Chronist, wie wir hoffen, die verborgenen Wurzeln einer neuen Epoche der Kraft und Einheit in den heutigen Tagen des dunklen Tastens und Sehnens zu suchen haben wird. Bor uns liegt eine kleine Schrift, nur zwölf Seiten umfassend und in klarem Hebräisch gehalten. Sie betitelt sich hvwn nptnnV (zur Erhaltung des Judentums) und hat einen russischen Rabbiner (Rabbi M. Howscha in Skudy, Gouv. Kowno, Rußland) zum Berfasser. Letzteres muß man sich immer und immer wieder in Erinnerung rufen, wenn man v^n der eigenen klaren Art des Verfassers, tiefgehende soziale reltgionspoltttfche Probleme zu behandeln, zogen, sich bald in alle Einzelnheiten seines angelegten Planes eingeführt sieht. Nicht als ob wir damit den Plan akzeptieren wollten. Im Gegenteil — das sei vorweg genommen — scheint er uns in seinen tiefsten Grundlagen so anfechtbar, daß wir ihm wenigstens in dieser Form eine praktische Bedeutung gar nicht beimeffen möchten. Vieles darin ist etwas kühn erdacht und noch kühner entworfen und manches andere wiederum gar zu naiv auf Daten und Zahlen aufgebaut, die zwar ganz rund sind und glatt aufgehen, aber fatalerweise Rechnungen darstellen, die zumeist ohne den Wirt, ohne genügende Berücksichtigung aller in Betracht kommenden Faktoren gemacht sind. Immerhin ist das Werkchen als Ganzes genommen von so eminent hoher symptomatischer Bedeutung, daß wir es uns nicht versagen möchten, unsere Leser zum Zwecke der Orientierung mit dem vollen Inhalte desselben bekannt zu machen. Der Autor steht, und gewiß nicht mit Unrecht, die Quelle alles UebelS im jüdischen Geistesleben von heute im Fehlen einer autoriattvenJnstanz,die alle jüdischen Kräfte einte und als Mittelpunkt für die DtaSpora, als orientierender Leuchtturm für daS ziellos segelnde Schrff des Judentums zu gelten hätte. Die gefi ichtliche Erfahrung lehrt, baß, solange Männer im Volke existierten, die kraft ihrer hervorragenden Größe stch Gehör und Autorität im Volke verschafften, es anders und bester um unsere Sache bestellt war, und daß die geistige Not mtt dem Momente begann, als daS Volk, dezentralisiert, zu einer führerlosen Maste herabgesunken war. Was tnfrüherer Zeit einzelne gottbegnadete Männer leisteten, mußte aber heute durch die geeinten Kräfte eines Kollegiums erzielt werden. Das HetleSmtttel, das allen. Leiden und Wehen in geistiger Bezehung ein jähes Ende bereiten mußte, heiße daher: „Zentralisierung des gefetzestreuen Judentums!" Daß eine solche Zentral-Jnstanz dem Judentum nicht fremd sei, dafür zeuge erstens die Entwicklungsgeschichte ' des Judentums. Daß fie aber auch für die Diaspora und selbst für die Gegenwart wohl denkbar und mäalllU sei, dafür läßt der Verfasser Maimontdes sprechen, indem * et besten Aeußerung über die Art und Vorbinate l ichkeit der AurortkattonSerte titln g Palästina (N2'VO) im Wortlaut zitiert ünd daraus ' deduziert, daß etne derartige rO’öD auch heute noch ihre volle Giltigkeit hätte und ein auf Grund solchergestalt crf lgter Autorisation zusammengesetztes f*! XV3 auch heute in den Besitz der vollen unbedingten religiösen Entscheidung straft für die gesamte jüdische Diaspora gelange. Daß es sich hierbei um etne historische Streitfrage zwischen den Größten aller Zetter Hände t und daß die Worte des nicht allgemeinen seinem Sinne ausgesatzt wurden, ist nein Verfasser wohl bekannt. Aber er glaubt in einer rtn stch ganz interessanten halachatschen Abhandlung den ZewrtS für seme Austastung von der RechtSgilttgkeir der jeusalemittschen J-p'öB auch für die Gegenwart genügend erbracht zu haben. Und nun schreitet er geradewegs zur Aufstellung feines bis ins kleinste Detail durchdachten Planes: Der Anfang müßte damit gemacht werden, daß die Rabbiner und Gelehrten Palästinas aus ihrer Mitte ei« geistiges Oberhaupt wählen, das somit mit dem Rechte der Autorisattonsertetlung ausgestattet wird. Mit ih« und noch zwei von ihm autorisierten Beisttzenden wäre dann der Grundstein zu der Organisation gelegt. Im Ganzen soll das frnjn JT3 entsprechend. der Tradition auS 71 Mitgltedem bestehen. 23 derselben müssen ihren dauernden Wohnsitz in Jerusalem haben, während den übrigen zur Pflicht gemacht wird, sich alljährlich in Jerusalem zu einer dreimonatlichen Tagung einzufinden. Die Mitglieder des Kollegiums sollen nach Maßgabe der jüdischen Bevölkerung in den einzelnen Ländern sich aus der ganzen Diaspora zusammensetzen. (Rußland häite 40 Mtrgliedec zu delegieren, und »ach diesem Verhältnis sollte dann auch die Zahl der Mandate für Oesterreich-Ungarn, Deutschland, England, Frankreich, Italien, Holland und Amerika sestge etzt werben.) Bet ihrer ersten Zusammenkunft in Jerusalem erhallen die neugewählten Mitglieder des pl JVS die allein gtlttge Autorisation seitens des dreigliedrigen Kollegiums in Jerusalem. Die 23 Mitglieder, die stch in Jerusalem dauernd aufhalten, verttilen stch in einzelne Kommtsstonen und Sektionen, deren jeder ein speziell^ Arbeitsgebiet in Religionsfragen, oder in solchen politischer und sozialer Ralur zugewtefen wird. Die Kommissionen hätten die Resultate ihrer Verhandlungen der Plenarsitzung deS JVS vorzulegen. Der Wirkungsbereich des jpV3 umfaßt alle Angelegenheiten, die in irgend einer Beziehung zu Juden und Judentum stehen, und feine Entscheidungen tn cü diesen Fragen werden von der ganzen . Diaspora ohne weiteres als bindend und verpflichtend angesehen. Ein offizielles Organ des pi fi’S würde dieJudenheit mtt dieser Oberbehörbe tn steter Fühlung erhalten