Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 45 (9.11.1911)
- Date
- 1911-11-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2448803-2448849--67054-2495247- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
' ^v^-*»;-^- .^r^'^-'yi'J>^V-.It / i r 1911 )on dem >e Wi der Un München rte uni nm würd schtchts e Fülle eisptels lsgefell -ganzen :metnd ckt un en Ge iät der oerwir h und lziehen I neuer neuge hodoxle n sich cke au ntbtlde n nach reinden lähliche 8 voll tellung eistigen mg in wieder hervor t Zeitctngen, nz der Erach wollen l Aus- , rück- >ch mit enbrg/ wie is der-- i, von macht. ) sehen evision bei die 9 November 1911 Der 2-raeüt *o.45 «cttrv eit K-chmrv«ffcha». Der olerfe ludenfag. Die Besprechung der zu Anfang dieser Woche in Berlin stattgehabten vierten Hauptversammlung des „Verbandes deutscher Juden" ist journalistisch eine Aufgabe von seltener Schwierigkeit/ sie scheitert nämlich an der schlimmsten Klippe des Journalismus: der L a n g ew eile. Das Schema, nach dem diese Verbandsversammlung arrangiert, und der geistige Inhalt, womit das Schema ausgefüllt wird, ist nachgerade so unabänderlich feststehend, daß sich darüber nichts Neues mehr sagen läßt. An Stelle des Herrn Prof. Dr. Gutmann aus Breslau hatte diesmal Herr Rabbiner Dr. Bäck aus Düsseldorf die Aufgabe, dem Staate und der Welt die religiöse Einheit des modernen Judentums durch ein sorgfältig ausgeklügeltes System von Worten vorzutäuschen, und Herr Dr. Bäck hat sich dieser Aufgabe, diesmal ohne jede oberpräsidiale Kritik, erfolgreich unterzogen. Wir protestieren im Namen -er Wahrheit, im Namen -es historischen Judentums gegen diesen religionswiffenschaftlichen Täuschungsversuch mit derselben unermüdlichen Entschiedenheit, mit der ihn der „Verband" in seines Herzens Unschuld durch seine theologischen Wortführer alle zwei Jahre wiederholen läßt. Daß das Judentum „unorlhodox" sei, daß es kein Glaubenssystem kenne, ist ein Spiel mit leeren Worten. Herr Dr. Bäck weiß, muß wissen, daß die unbedingte Anerkennung der direkten Berbalinspiration der schriftlichen Thora und des völlig gletchgeordneten göttlichen Offenbarungscharatters der mündlichen Thora vom historischen Judentum ohne jeden Widersvruch als bindende Voraussetzung alles jüdischen Denkens gelehrt und beansprucht wird. Gegenüber dieser folgereichen Tatsache, die Herr Dr. Bäck wohlweislich verschwiegen zu haben scheint, verschlägt es wenig, daß das Judentum keinen die metaphysischen Glaubenswahrheiten formulierenden Katechismus besitzt,verschlägt es noch viel weniger, daß innerhalb und auf dem Boden jenes allumfassenden m npp der Betätigung des Forschens und Suchens ein weiter Spielraum gewährt ist. Jener eine „Glaubenssatz" genügt, um die von den Verbands-Theologen im Dienste eines politischen Endzwecks konstruierte religiöse Theorie zu Schanden zu machen. Herr Dr. Bäck selbst — er wird eS gewiß zugeben -- kann vor dem Forum des h i ft o r i s ch r n Judentums nicht als glaubenstreuer Jude gelten — in der Zeitschrift Liberales Judentum", die seinem religiösen Standpunkt entspricht, werden die dem historischen Judentum als göttlich geltenden Lehren und Gesetze von Nummer zü Nummer als Ausgeburten zeitlich bedingten MenfchenwahnS und kleinlicher Menfchenwillkür beschimpft, und doch wagt man die beschämende Komödie, auf der Tribüne einer für die Regierung und die große Oessentlichkeit bestimmten Demonstrattonsversammlung so zu tun, als seien die subjektiven Konstruktionen eines modernen Theologen die Anschauungen des geschichtlichen Judentums! Wir ehren die Motive, aus denen heraus dieser große Täufchunasversuch — für die Laien: Selbsttäuschungsversuch — alle zwei Jahre wiederholt wird: man will einerseits den innerlich Entftemdeten und haltlos Gewordenen ein Plätzchen im alten Vaterhause sichern, man will anderseits dieses nach liberalen Begriffen umgebaute Vaterhaus zur gemeinsamen Heimstätte auch für die altmodisch gebliebenen Brüder vom Staate zwangsweise deklarieren lassen und glaubt damit ein gutes Werk zu tun. Allein die gute Absicht der Verbandsherren befreit die glaubenstreue Judenheit nicht von der Verpflichtung, gegen die Verunstaltung des väterlichen Besitzes mit allen Kräften sich zu wehren und vor der breitesten Oeffentlichkeit jede Solidarität mit den vom Verbände als Wesen des Judentums verkündeten Anschauungen abzulehnen. Ueber den politischen Inhalt der Berbandstagung haben wir uns schon häufig genug ausgesprochen. Wir wünschen dem Streben nach voller Durchführung der Gleichberechtigung aufrichtig Erfolg, aber wir können seine sittlichreligiöse Bedeutung beim besten Willen nicht so hoch einschätzen, daß deswegen über die oben skizzierten schweren religiösen Gefahren der Verbandsbestrebungen htnweggesehen werden dürfte EDellhausen Im Bebräifdien ßumnajlum?u Jaffa. % Eine ganz merkwürdige Korrettur haben die „orthodoxen Uebertretbungen" über den unjüdischen Charakter des Jaffaer Gymnasiums durch < die „erzwungene Antwort" (Mltw N21VN) eines seiner Leiter, des Herrn Scheinkin, in der „Hazefirah" erfahren. Alles, alles was der böse Misrachi der Anstalt nachgesagt hat,, kann Herr Scheinkin nach bestem Wissen und .Gewissen bestreiten — bis auf das bischen Well» hausen, das im Gymnasium in der harmlosesten Weise der Welt wirklich getrieben würde. . . : . Und dann nimmt Herr Scheinkin eine gründliche Abrechnung, nicht nur mit der „misrachistifchen Reaktion", sondern auch mit der zionistischen Leitung vor, die durch verschiedene Konzessionen sich scheinbar bereit finde, im Interesse ihrer Aussöhnung mit den Frömmlern diesen die Anstalt mitsamt den .Lehrern als „Sündenbock" zu opfern ü. sw., u.» s. w. Diese in der Tat etwas „gezwungene" Antwort hat nach rechts wenig überzeugend gewirkt und überdies fiel sie einem Herrn auf der linken Seite, der einige Autorität in den jüdifchnattonalen Kreisen genießt, stark auf die Nerven. Herr Dr. S. Bernfeld, Berlin, ein Männ, der die Feuilletons der hebräischen Blätter seit Jahren in erster Reihe versorgt und in seinen Essais von Toleranz gegen die Orthodoxie geradezu überfließt, befaßt sich' in einer der latzten Nummern des genannten Blattemit der Antwort -es Herrn Scheinkin und verbreitet sich, sich bei dieser Gelegenheit über die „moderne Methode" des Bibelunterrichtes überhaupt. Nachdem sich Bernfeld zum so imb so vielten Male von dem Verdachte orthodoxer Gesinnungsart gereinigt, erzählt er folgendes: 4 „Als ich vor einiger Zeit mit einem berühmten religiös sreigesinnten jüdischen Gelehrten in einer Großstadt Deutschlands zusammentras, kam unsere Rede auch auf das Gymnasium, welches der Gelehrte bei seiner Anwesenheit in Jaffa besucht hatte. Ta sagte mir dieser dem Kampfe des Misrachi vollständig fernstehende Mann: „Tie von mir vorgenommene Prüfung der Schüler ergab, daß sie in profanen Kenntnissen ziemlich weit voran sind. Mein von einem jüdischen Geiste ist im Gymnasium nicht die Spur. Tie heilige Schrift wird dort in der Auffassung von Wellhuuseü gelehrt, was in einer solchen Schüfe keineswegs am Platze ist." Er erzählt im Lause des Gesprächs noch manches Andere, woraus sich der unjüdische Charakter des Gymnasiums ergeben muß" Auf Grund dieses ganz einwandfreien Gutachtens und entgegen den Ausführungen Scheinkins, der den Bibelunterricht nach Wellhausen in ein möglichst harmloses Licht rücken möchte, schreibt Bernfeld dann folgendes: „Unsere Ablehnung der Wellhausen'schen Theorien resultiert daher, daß diesem Gelehrten weniger an seinen Forschungen gelegen war, als daran, das Judentum möglichst herabzusetzen. Ihm kam es auf den letzten Schluß an: die Herabwürdigung des Judentums ad majorem gloriam des Christentums. Er hat sein reiches vielfaches Wissen dazu mißbraucht, das Judentum zu untergraben. In 23 Abschnitten seines Buches ist eine äußerst scharfe »en des Sach irb er »na o t nt Bü. reuzett einzu chr der!>:e den »8 für der «unkten n wie krntrn, Sieben,!aschett jUpsen «chlach en beS t einer //letzte mm es vorzuckenem Aufzählen" hat er stch fern gehalten. Man lese VeisptelSweise baS Kapitel vom Backen und Kochen. (S. 28^-30.) „Können wir also am fnV nur kalte Speisen genießen?" S. 38 vom „Anzünüen", S. 40 von der „ftauzooh" (Tragen): überall fließende, einfache klar« Sprache, überall überfichtltche Zusammenstellung, nie eine ermüdende, langweilige Diktion. Und die Gefahr, in diesen Fehler zu verfallen, lag bet der Stofffülle sehr nahe! Dr. Btberfeld umging die Klippe glücklich. Das Ziel, eine „volkstümliche" Darstellung zu bieten, wurde in jeder Art erreicht. I». Teil. Wir können nur sehr kurz auf ihn Hinweisen. Er umfaßt fünf Kapitel, a) ^irH plai#- Hier werden „werktätige Verrichtungen" behandelt, die nicht eigentliche find. Unser ganzes äußeres Verhaltes atme Sabbatgeist, Savbatruhe. d) Der so wichtige „Mukzobegrtff" wird auf fünf Setten (Z. 46—50) entwickelt und auf die religiöse Praxis angewendet gezeigt e) Tin* STTÖlt Unser Verhalten bet ArvettSverrtchtungen von NtchttSraeltten soll jeder in den grundlegendsten Normen wenigßenS kennen. Das ist derJnhalt und baS Lehrziel dieses Kapitels, ch lfDN2 fiTV21tf. Daß auch unser Vieh am D2tt? ruhe, lernt daS Sind schon i« Dekalog. In der Praxis kann man oft Verstöße genug hier beobachten. Lese jeder daher diesen 4. Abschnitt! e) p&infV Mit Recht beschränkte fich hier der Berfaffer auf daS äußerst Notwendige. ES lag tn der Natur des Gegenstandes selbst. Was er aber bietet, genügt vollauf für sein Werkchen, daS ein BolkSbuch fein soll. Nicht unerwähni soll auch der beigegebene „Anhangs bleiben. Er behrmdelt auf zwei Setten die technische Einrichtung des Telephons und die JffurgefichhSpunkte für puit3 dabü, ebenso bei der elektrischen Klingel und oem'Mikrophon. So befitzen wir denn wiederum ein Werk, das ewem längst gefühlten Bedürfnis entspricht, das ketnLehrer, der auf gründ^tcheBehnnülung best. Gebotes hält, entbehren kann,einBademeeum für jeden - der noch Sinn und Gefühl für unser heiliges Bätererbe, noch Verständnis für die hohe, unantastbare NV11 p des 712V besitzt Möge bei jeder sich 'nur bietenden Gelegenheit Gebrauch gemacht werben, die „Sabbarvorschriften" zu recht segensreichem Erfolge zu verbreiten. Dem „Verband der Sabbatfreunde" und Herrn Dr. Biberfeld aber i.ebühr für die verdienstvolle Tat ein aufrichtiges N2 -IV"- .'21 M-n ,p,'tsoi Aus dem Berliner jüdischen Leben. Ein altes ehrwürdiges und denkwürdiges Haus wird nun bald der Spitzhacke zum Opfer fallen. Das Haus in der Gipsstraße! . . . Wieviel Erinnerungen knüpfen sich für so viele an dieses Haus. Wieviel Weisheit und Gotteserkenntnis wurde unser diesem Tache gepredigt, gelehrt und ging von hier weit in alle Welt hinaus! Tie ehrwürdige Stätte, wo unser unvergeßlicher Esriel Hildesheime gelebt und gewirkt hat, ach bald wird sie nur noch in unserer Erinnerung leben, und da wird sie ewig fortleben. Das Hans Gipsstraße 12 a, im Norden der Stabt gelegen, hat herrliche Tage gesehen. Stolz und stattlich war die Synagoge, weihevoll und erhebend ihr Gottesdienst. Und dann das Rabbinerseminar. Stille, schlichte Räume, so recht geeignet zum Studium. Mer alles, was Menschenhand geschaffen, , wird alt und morsch und der Mensch selbst sehnt sich nach Veränderung. Aber dann war es auch der Wunsch, imm 'x herrlicher Gottes Tempel zu gestalten. Ein hochherziger Gönner fand sich, und im Herbst 1904 konnte di' Adaß-Jißroel-Gemeinde und das Rabbinerseminar in der Artilleriestraße weit herrlichere Räume beziehen. Das Haus in der Gipsstraße wurde verkauft. Aber als ob es tief in sich „Jüdischkeit" ausgenommen, und sie nicht lassen könnte, war es. In die oberen Räumlichkeiten zog ein jüdisches Restaurant ein. Im zweiten Stock hatte zuerst ein jüdischer Studentenverein und später bis heute der „Montefiore-Lernverein" seine Bereinsräume. Im Erdgeschoß wurden .Läden ansgebaut. Selbst da wahrte man die „Füdischkeit". Den einen der Läden nahm ein am Sabbath geschlossenes Kolonialwarengeschäft ein, während in dem andern eine koschere Bäckerei sich einrichtete. Und last not least im dritten tat sich eine hebräische Buchhandlung auf, die aber nach einiger Zeit bereits wieder ihre Pforten schloß. Die Synagoge selbst übernahm zuerst eine Privatgemeinde. Bor einigen Jahren jedoch wurde die Dohnbeehalle der Berliner Logen U. O. B. B. dorthin verlegt. So bewahrte sich dieses Haus einen leisen, kleinen Schimmer vom Abglanz, einstiger Größe. Jetzt sind seine Tage gezählt. Das bekannte Waarenhaus A. Wertheim, das in der angrenzenden Rosenthalerstraße ein Waarenhaus unterhält, hat dieses Haus, wie es heißt, nm einen ziemlich hohen Preis angekauft. um auf diesem Grundstücke einen Erweiterungsbau iwrzunehmen. Am 1. Januar 1912 soll das Haus geräumt werden. Da die Kontrakte zu diesem Zett- 4 »'.u.. liäütfiiiääi