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Der Israelit · 1911-11-02 · Heft 44 (2.11.1911) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 44 (2.11.1911)
Date
1911-11-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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«S für i dz. 1*839. Der Israelit Ein Centralorgan för das orthodoxe Jndeniun Begründet oon Dr. Lehmann in fflainz 52. Jahrgang. sa franMurf a. M.. Den 2. November 1911. 11. Cheschwan 5672. JK 4« kbonntmtMt pro Vierteljahr» Gewöhnliche Ausgabe Mk. UW, »estauSgabe (Kunstdruck) Mk. 8,—. Auslandspreise: Gewöhnliche Ausgabe: Oesterreich-Ungarn S Kr., Rußland l Rub., England 8 ah., 1 Amerika BO et».. Niederlande 1.20 fl., Frankreich Fn. 2.60. Abonnements bei allen Postaustalteu. Buchhandlungen, sowie direkt , I bei dem Verlag. -estauSgabe nur direkt. Der Israelit erscheint jeden Dannerstag. Inserate: 30 Pfennig für die sech-gespaltene Eolonel-Zeiler Rabatt nach Tarif. Jnserate»annah«e nur durch Haasensteju u. Bögler A.-G. Frankfurt g. M., und deren Filialen. 8.ttam oft« usuxm «»Krw«#£srr «onto bei bee K. ft. Bostsparkasfe Wie* flt«.?26*B. Lonto bei de« St* Postsparkassen««! Bndapest »0.184*4- Gonto bei der Rigaer Taooweerrbant in Riga und denn Filialen. ber natfiOrutfi öer flrflhei unfl Cnnrelponflr - 3es „Israelit“ in , ir unter uenauer Queilenanuabe, unfl, soweit es (Idi um orflflere Dutfifee I . .Seit, nur nadt nurtierioer Oenehmlouno oeffattet. kal ■nls. cheden lg Per k. 6t. m* vlafr SrdeU. K«hattsüvevstchr. 1. Leitartikel: Das Fiasko -er Iudenmifstou. — Wochenrundschau: Die letzte Sesfton der -ritten?uruo. — Dach einmal die Sprache de'' Dahlen. — 3. lufsätze: Zum ersten Kongreß der Milchen Jugend Italirvs. — Rabb. Dr. Schweizer, Weikersheim: Die lisraelitische» Konfesftonsschulen (Elementarschulen) in Württemberg. —4.Kleines Feuilleton: A. Mann- Iheimer, Dettelbach: Die Sabdatoorschriften. — Kerliner Iplandrreir». — Der Vatikan, in Jerusalem — Für iimsere Synagogen. — Nomen est omen. — 5. Korre- Ispondrnzen undNachrichten:Frankfurta.M. (Entrechtung der Kleingemeinden.) — Berlin (Bersicherungs- Ikommifsion des D. I. G-B.) — Berlin «Repräsentanten- IVersammlung.^ — Berlin (Die Deutsche Konferenz-Ge- Iiiieinschaft der A. I. U.) — Heidelberg (Talmudisches Seminar.) — Sttaßburg > lLMdtags Wahlen.) — Prag <Die deutsch-nationalen Studeüten.) — Ungarischer Krirs. Budapest. — Koküw)ews Politik in -er Kndenfrage. Petersburg. — Ädessaer Krirf. Odessa.— London (Wiederbesetzung des englischen Oberrabbinats.) - Solomon Rataach'a Demission. Paris. — Konstant...pel iBe- ' stätigung des Oberrabb. von Jerusalem.) — Jerusalem ^Andachten für den Sultan und die türkische Regierung.) — Krirs aus Jaffa. Jaffa. — Haiffa (Cholera.) — (Paßtrage in Rußland.) — 6. Vermisches: Leipzig. — Mannheim. — München. — Breslau. — >rönigshütte. — Budapest. — Petersburg. — Rom — | Alexandrien. — 7. Vereinswesen: Frankfurt a. M. — Frankfurt a. M. — Frankfurt a. M. — Frankfurt a. M. — Berlin..— Emden. — Hamborn. — 8. P erso na li en: Köln. — Preßburg. — Ostrowo. — Wreschen. — 9. ^prechsal. 10. Briefkasten. — Bereinskalender. — Famtliennachrichten. — 11. Beilagen: Erziehung und Lehre: Orffentliche Prüfungen. — Der Herr Hrstrks amtman«. — Die Lehrrrdit-uugsanstalt i» Peine. — Sewinarlehrer L. Anfänger, Würzburg: Die Piutim van fl'Vhn2 natP- — I. Lebermann, Darmstadt: Hessens erster Großtzerzog «nfein Ginstust auf -ie Erziehung der jüdischen Jugend. — Sprechsal. — Briefkasten. — Feuilleton-Betlage:,Oskar Stein: Tage der Uot. Da* Tiasko der Zsdenmirrion. In der Branden burgischen Evangelischen Provinzialsynode führte jüngsthin ein Referat des Süperintendentey Kuhnert, Kottbus über „d ie Judenmission" zu einer Resolution, die es den Geistlichen, Ktrchenvorständen usw. warm ans Herz legt, die Judenmission, diesen bedeutenden Zweig der kirchlichen Betätigung, kräftiger als bisher zu unterstützen. Was der Herr Superintendent eigentlich in seinem Referate über den derzeitigen Stand der Judenmission gesagt hat, darüber schweigt sich der offizielle Bericht aus. Vermutlich fällt die Seelenjagdbeute nicht gar so befriedigend aus, da man die Geistlichen und .Gemeindevorftände und alle kirchlichen Instanzen zur Hllfe anruft. Und das muß eiz utlich überraschen, in einer Zeit, die im Zeichen der Taufe und Mischehe stehen soll. In jüdischen Kreisen ergeht man sich in Protesten gegen die Fahnenflüchtigen, aus derl Zahlen der Statistik — und nicht zuletzt der Taufstatistik — wird der „Untergang der deutschen Juden" herausgelesen, ellenlange Listen in jüdischen Zeitungen erzählen allwöchentlich von neuen früheren Gememdemitgliedern, die den Weg des Heiles gefunden, und die Missionsgesellschaften unzufrieden? Und doch erklärt man sich ohne weiteres auch diesen „Zwiespalt der Natur", so man einen tieferen Einblick in die im Grunde so wenig komplizierte Psychologie der Mission tut. Es sind naive grundehrliche Gemüter, diese Synodalherren, die an den Neuchristen, welche Ehrgeiz, Stellenjagd, familiäre und gesellschaftliche Rücksichten in den Schoß der Kirche getrieben, nur wenig Freude haben mögen. Hier möchte man etwas mehr christliche „Ueberzeugung" kultivieren. Es ist aber ein recht sauer Geschäft, dieses Ueberzeugen, bei dem man kaum auf seine Kosten kommt., Daher die tiefe Unzufriedenheit, so oft man am Kapitel Judenmission angelangt ist. Wie es jedoch in den Köpfen und Herzen der „überzeugten" Ueberzeuger selbst, der im Verdachte großer jüdischer Gelehrsamkeit stehenden Apostaten, deren man sich zu Agitationszwecken im Judenviertel so gern bedient, ausschaut, darüber hätten sich die Herren der Synoden durch einige Erzeugnisse der allezeit bei der Mission in hoher Blüte stehenden Broschürenliteratur belehren können. Hier eröffnet sich uns eine Tragödie der Seelenzerrissenhett, die fast imstande wäre, unsere natürliche Abneigung gegen Ueberläufer jeder Art in tiefes Mitleid zu verwandeln. Leider aber liefern diese Unglücklichen durch das ängstliche Umgehen der Quelle ihres selbstverschuldeten Jammers und ihr ewiges Suchen nach neuen Rettungswegen doch immer und immer wieder den Beweis, daß sie bei aller Erkenntnis der inneren Unnatur und Haltlosigkeit ihrer Lage dochunS und der jüdischen Siche verloren bleiben. Ein solcher überzeugter Ueberzeuger, namens Philipp Cohen, der in Südpfrika als Missionär tätig ist, hat kürzlich eine Broschüre veröffentlicht, in welcher er seinen Gesinnungsgenossen vorschlägt, sich von nun ab als hebräische Christen zu bezeichnen und Mittel und Wege zu finden, „daß wir hebräische Christen treu zu unserem Volke stehen und dazu sehen möchten, Kindern erhalten bleibt." Diese hebräischen Christen sollen sich womöglich nicht mit den anderen Christen, die er „Bölkerchristen" nennt, verheiraten, sollen die Beschneidung, das Pessach- Feft und andere „jüdisch-nationale" Observanzen beibehalten und eine besond.re Gemeinde bilden. Die Bemerkung des heiligen Hieronymus, der meinte, wenn Juden, die Christen geworden sind, den Versuch machten, Juden und auch Christen zu bleiben, so wären sie weder das'eine noch das andere, ficht ihn wenig an, obwohl dies auch die Meinung der erdrückenden Mehrzahl der Christenheit und Judenheit ist. Doch das interessiert nur wenig. Der Zweck dieser Schrift: zu zeigen, daß die Verschmelzung der Judenchristen mit der Völkerchristenheit weder notwendig, nützlich noch wünschenswert ist; anderenfalls, daß die Bildung und Pflege einer ausgeprägt judenchristlichen Gemeinde das höchste Ideal der Missionstätigkeit sei, wird ohnedies niemals erreicht werden, solange die Judenchristen sich aus Meschummodim rekrutieren, die eben durch ihre Taufe ostentativ vor aller Wttt feststellen möchten, sie hätten mit dem Judentum vollständig gebrochen und seien ganz.in die Christenheit ausgegangen. Hochinteressant sind dagegen die Beweggründe, aus welchen ^dieses Erperiment hervorgegangen ist. Aus ihnen sieht man, daß diejenigen, welche glaubten, durch ihre Taufe sich eine bessere soziale Stellung zu erringen, ideell und materiell glücklicher zu werden, als sie es vorher waren, sich gründlich verrechnet haben. Das „Geschäft" hat sich nicht verlohnt, es sieht wie ein vollkommener Bankerott aus. Die Verhältnisse, in welchen die Mehrzahl der heutigen Renegaten lebt, nennt der Verfasser ein zweites Ghetto, im Vergleich zu dem das erste, eigentliche Ghetto ein wahres Paradies ist. Aus dem Bilde, das der Verfasser vom „Ghetto der Meschummadim" entwirft seien hier einige Züge mitgeteilt: „Wir hebräische Christen werden von ihnen (den Bewohnern des eigentlichen Ghetto) geächtet, was das gesellschaftliche Leben betrifft. Man verhängt den Bann über uns. Wir gelten für Verbrecher — Noch trauriger aber ist, daß wir Kinder dieses zweiten Ghettos von unseren Vätern das Geheimnis nicht gelernt haben, unser Ghetto zu einer Heimstätte zu gestalten für

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