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Der Israelit · 1911-10-26 · Heft 43 (26.10.1911) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 43 (26.10.1911)
Date
1911-10-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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rwerS für «nie. i, 111,839. ILS.W. inmg. 52. johniflna. ike (13401 Der Israeli Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum Begründe! doi Dr. Lehmann in übin Sranlifurf a. M.. Oen 26. Oktober 1911. 4. Cheschwan 6672. M** iranis, Emheben düng per lenstr. 6t. Arsaaaaeaaaeaat pro Vierteljahr r Gewöhnliche Ausgabe Mk.i^o, SestauSgabe (Kmrstdrmy ML 8.—. Auslandspreise: Gewöhnliche Ausgabe: Oesterreich-Ungarn S Kr« Nußland 1 Bub« England 8 *h., Amerika M d*., Niederlande ijo L. Frankreich Fn. ua »hMteoaeott bei all« Postanstalten. Bnchhaudlnugen. sowie direkt bei dem Verlag. HeftäuSgabe nur direkt. Der Israelit erscheint iebm Loamerstag. Jaaserate r 80 Pfennig für die sechSgespaltene Tolonel-Zeile: Rabatt aaach Tarif. Goaseuanbaaaonaaaaaetzaena am durch Haaseustein «. Vogler A-G. Fraarkfurt a. M., und der« Filialen. Zahluuge« könnm außer direkt an dm Verl« «folgen per Cm« »ei der K. v. Gastsparkaste mit* 9t*. W6« Cm« bei de« 8.!P»ftft»MkaGMMat «adapeBM». **4*C Cm« bet der Gsgaer Cmmm*»ImI « Mb» und der« Filialen. odvn u. Abi — Nach- Zehörden. ierg. Ü€f nadiöruA der Hrfiftel und Corretpanöenjen des „braeRT* m nur unter nenouer Qudlennnuflbe, und, lonneif es DA um Urtiere nuffäfee IianOeit, nur nndi Doriiertoer Oenehmiauna ueftaftet -rrtzaltsöb-rftcht. l.8rttartikel: KrmanfkrütlSneb^ 2. Wochenrundschau: Feuerbrstattullg in PttUßr». — Gi« neues Opfer des Tripolis - Krieges. --- & Aufsätze: Obrrradbiuer Dr. Dünner — Aus tii DteltdesKchsnen. --- 4. Kleines Feuilleton: Dr. DL E i Alls Dslälttnü. - Das Wiedrrrrpachen des „LraüMrter Mentr Dajitz". — Dr. Nobel. Fuehne: Zur Naturgeschichte öts Aerfeus. —^ Berliner Expedition zum Toten Meere. — Mii« Mfllistteiistiftmig zur Pflege des Atheismus abgelehnt. — Ditl Bibel in Esperanto. — Stuttgarter Kultusausstellung. — S.Kolrtspondrngen und Na chrichten: DomAbwrhrkampft. Wkttkfurt a. M. — Dir Gutrerhtuug örr Kleiugrmciudru. Bertifl. - Der Ktaatsstrrtch der Küianre. Berlin. — Mtiüchen^Medision.des IudenedikteS) — Dom Darla- Keote. Wilfl. Det Ausstblnß der Juden aus dem f>eerr. PekerAbM .Aüt Froae des Thtrfraddiuats. ondon. — AnkifrmMMrr GrpressungSSerknch. Bukarest. — Konstantinopel. iHusHäktwn für öie.lüöischen FlÄchtlinge in Tripolis. — 6. Vermischtes: Berlin. — Hümbttrg. — Hamburg. — München. — Br«iSlau. — Schwerist. Bödtgheim. — Budapest. ---7. BerekttSwesen : Frankfurt a.M. — Hamburg. — Kempen i. P. ,8. Personalien: Frankfurt a. M. — Berlin. — Alsbach. --- 9 Bereinskalender. — Familiennachrichten. --- lu. Bella gen: Literarische Warte: Kilrrarische KnndfchaN. — Rabb. Dr. B. Koenigsberger/ Pteschen: '2N- (Randbemerkungen zum Siddur.) — Feuilleton - Beilage.: Oskar.Mf§in: CSA0.ZMHat. vemonrttationen. Nicht allein Bücher, sondern auch Zeitungsartikel haben ihre Schicksale. Wie viel Tinte doch schon über die Frage der Notwendigkeit und Nützlichkeit einer Monstredemonstration des Gesamtjudentums gegen die russischen Greuel vergossen wurde! Wie ost find schon tatsächlich in dieser oder jener Form solche flammende Proteste in die Welt hinausgeklungen, ohne indessen den Gang der Dinge nur im geringsten zu beeinflussen. Ein Artikel in der jüngsten Nummer von „Ost und West", deS offiziellen Alliance-Organs in Deutschland, greift diesen alten Gedanken, an dem schon so manch einer im stillen verzweifelt ist, von neuem auf und löst ein Echo im jüdischen Blätterwalde aus, welches — dieses Echo nämlich, glicht der Artikel an sich — die ernste ' gerade zwingt, tief in alte, lktenmappen hineinzugreifen in die Jahre der großen Pläne und Projekte zu versetzen. 0 Es sei hier zunächst der Ruf zur Tat in dem so vielbemerkten Artikel ganz kurz skizziert: Der Verfasser geht von der Lage in Rußland aus, die er grau genug, aber — wir geben es zu — ohne Uebertrewung schildert. Durch das bKse Ende, das der Kampf gegen die dunklen Mächte genommen hat, sei der letzte Rest der Hoffnung auf Licht und Freiheit den Juden genommen. In der Epoche der Pogrome war es wenigstens die Unmittelbarkeit des Grauens, die sich Gehör und Wirkung verschaffte. Heute, in der Zeit der unblutigen Pogrome sei die Lage viel z» weitläufig, viel zu verwickelt, viel zu sehr mit den regelmäßig laufenden Ereignissen des Berufsand Erwerbslebens verknüpft, um die Gemüter in der Art aufzupeitfchen und so wuchtiges Entsetzen hervorzurufen, wie es die Pogrome vermochten. Mit Hinblick auf die Orgie brutaler Judenaustrerbungen, die durch ganz Rußland rast, auf den Panzer der ökonomischen Drangsalierungen, der den Juden den Hals zuschnürt und den Atem raubt, Mt es der Artikelschreiber für ein zwingendes Gebot des jüdischen Solidaritätsgefühls, aber noch Mehr der Selbsterhaltung, sich zu gemeinsamer entschlossener „Tat" zusammenzutun. Auch unsere ökonomische und soziale Stellung in den westlichen Ländern der Kultur, so meint er, sei eine zarte Pflanze, die der äußersten Schonung bedarf. — Einer der vielen Beweise: die letzten Ereignisse in England. — Und diese Etablierung unserer Rechtlosigkeit tu Rußland bilde eine ständige, eminente Gefahr für diese Edelpflanze. Er hält zwar die Lage bet uns noch nicht für so kritisch. Mindestens sei zurzeit noch keine aktuelle Gefahr vorhanden. Er ist aber der Ueberzeugung, daß auch im modernen Staate Ausnahmegesetze gegen diejenigen Gruppen, die sich nicht fühlen, d. h. die den Willen zur Mirgerfreiheit und Gleichberechtigung nicht laut und oft genug bekunden, heute noch wohl denkbar und möglich sind. Dieser Wille kann aber nach Ansicht deS Leitartiklers nur in der Form eines interterritorialen Kongresses zu einem wirksamen Ausdruck gelangen. —^- Das alles ist schön gesagt und ohne Zweifel warm und aufrichtig empfunden. Allein, wir werden, auch wenn wir uns nicht mit dieser dürftigen Skizze begnügen, sondern den Artikel im Original bis zu Ende, bis zum pathetischen Appell an das deutsche Judentum, sich 9ege» den ruchlosen Frevel in Rußland z» erheben, lesen, uns nach Fanstens bekanntem Rate im ganzen an Worte halten müssen, die aber in diesem Falle keineswegs „die sichere Pforte zum Tempel der Gewißheit" sind. Denn eben der Mangel an Gewißheit und Bestimmt-. heit, an programmatischer Klarheit ist es> wodurch sich dieser Sammelruf von all denfrüheren, ebenfalls aus der Not der Lage geborenen wesentlich unterscheidet. Das nächste, was geschehen muß, fei die Einberufung'eines interterritorialen jüdischen Kongresses. WaS soll aber dieser Kongreß mit Hinblick auf die so richtig geschilderte trostlose Lage in Rußland unternehmen? Er soll „die Behandlung, die den Juden in Rußland und Rumänien zuteil wird, autoritativ und feierlich dokumentieren und die Welt — als ob sie es noch nicht wüßte — mit dem Entsetzlichen, das sich dort abspielt, bekannt machen." * Und was dann? Daraus kann der Artikelschreiber, wie er selbst zugibt, eine punktweise, erschöpfende «MM ' wort nicht geben. Je nachdem, wie der Kongreß die Grenzen seiner Tätigkeit abfteckt und wie weit er seine Aufgabe auffaßt, könnte er auf eine Befsergestaltung der Lage in Rußland selbst hinwirken, oder sich für die Emigration interessieren usw. Aber wie und wohin, verehrter Herr? Auf das Wohin können wir urs die Antwort schenken, da der Artikel die Emigrationsfrage nur so im Vorübergehen streift und sie ihm scheinbar nicht sonderlich am Herzen liegt. Auf das Wie kann der Verfasser vorerst nur eine Arbeit mit einiger Bestimmtheit dem Kongresse zuweisen: die Einflußnahme auf die Faktoren, von denen das Schicksal der russischen Judenheit abhängt, die da find: Regierung und Volk in Rußland, die öffentliche Meinung, die Staaten Europas usw. Heißt das nicht wiederum in Rätseln sprechen? Die Regierung. — Als wüßte man es nicht, daß die russische Regierung jede, in welcher Form auch immer gehaltene Kundgebung mit neuen Repressalien gegen die Juden beantwortet, daß sie den Zionismus, von Kongreß zu Kongreß, in dem sie ungerechtfertigterweise eigentlich das sieht, was im Leitartikel des „Ost und West"

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