Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 42 (19.10.1911)
- Date
- 1911-10-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israeli Ein Centralorgan lOr das orthodoxe Judentwn Begründet oon Or. Lehmann in niainz 52. Jahrgana, bss Sranhfurfa. IN., den 19. Oktober 1911. 27. Tischri 6672. M *2 K60*utmt*t pro «ierteljahrr VewLbnliche Ausgabe Mk. 1.50, HestauSgabe (Kunstdruck) Mk. L—. Auslandspreise: Gewöhnliche Ausgabe: Oesterreich-Ungarn 2 Kr., Rußland l Bub* England 2 ah., Amerika 60 cta., Niederlande 1.20 fl., Frankreich Fra. 160. Abonnements bei allen Postanstalten. Buchhandlungen, sowie direkt bei dem Verlag. HestauSgabe nur direkt. Der LUaelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate: 30 Pfennig für die sechSgespaltme Eolonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. Jnseratenannahme nur durch Haaseusteiu u. Vogler A.-G, Frankfurt a. R., und derm Filialen. Zahlungen können außer dirett au dm Verlag erfolgm per Couto bei der ft. St. Vostsparkaste «stien Ro. 79616. Conto bei hon 1 Vostsparkastenamt Budapest 910.184964. Conto bei der Rigaer ßtounuerrbant in Riga und derm Filiale«. Ser Nscküruck Ser ftrllKel unö Correfpon0en?en Oes „Israelit“ IR nur unter genauer Quellenanaabe, und, loroelf es ndi um urSBere Ruflfifee hanöelt, nur nach vorheriger Oenehmtouno gestattet Krchnttsühevstchr. ± l. Leitartikel: Am Kampf um dir Weltanschauung. — 2.W och enr und sch au: Revolution von Oden. — Um der jüdische» Kemeindeverwattung ta Jerusalem. --- 3. Aufsätze: Aus der Mett des Schönen. — 4. Kleines Feuilleton: Der Talmud photographiert. — H. Einst: Aus der Geschichte einer jüdischen Gemeinde. — Bon den Juden in Tripolis. — 5. Korresp ondenzen und Nachrichten: Kund jüdischer-Akademiker. Berlin. — Berlin (Einigkeit macht stark.) — Straßburg (Nachdienen jüdischer Soldaten.) — Gberravdiner Dr Dünner Amsterdam. — Budapest (Anknüpfung neuer Handelsbeziehungen in der Levante.) — Kiew (Ritualmordhetze.) — Tolmatschows neueste Keistungen. Odessa. — Besorgnisse in Wales. London. — Der Staatsstreich in der Allianrr. Paris. — Gine jüdische Deputation beim König. Bukarest. — Dom Kriege. Konstantmopel. — Antrbi an der Arbeit. Konstantinopel. — Jerusalem. (Mandalniederlegung.) — Jerusalenr (Ruhestörungen bei der Klagemauer von Jerusalem.) — Jaffa (Neues aus Safed und Hebron.) — New-Aork (Eine große jüdische Ackerbaukolonie in Amerika.) — 6. Vermischtes: Frankfurt a. M. — Berlin. — Darmstadt. — Magdeburg. — Hanau. — Warschau.' — 7. Vereinswesen : Frankfurt a.M. - Frankfurt a.M. — Frankfurt a. M. — 8. Per sonalien: Nürnberg (Rabbi Salomon Ansbacher Köln. — Alsfeld — Randegg. — 9. Briefkasten. — Vereinskalender. — Familiennachrichten. — 10. Beilagen: Feuilleton - Beilage : Oskar Stein: Tuge der Uoi. - Erziehung und Lehre: A. N.: Kerufsfreude. — Einst und jetzt. — Lebermann, Darmstadi: Kestens erster Großherzog und srin Einfluß auf die Erzirhnng der Jüdische» Jugend. — Briefkasten. Im Kamps «m Sie Weltanrcbauuxg. Die Naturphilosophie, d. h. das Bestreben aus den von der Naturforschung gefundenen Tatsachen eine Philosophie zu konstruieren, ein Gebäude aufzurtchten, in welchem restlos alles untergebracht werden soll, was an metaphysischen Fragen die Menschenbrust bewegt, nimmt ohne Zweifel heute einen hervorragenderen Platz als je in dem Geistesleben der Gebildeten eim Besonders charakteristisch für dieses Interesse dürfte die bei früheren geistigen Strömungen nicht gekannte Tatsache sein, daß sich die Anhänger der einen und anderen Anschauung auch aus anderen als Fachkreisen um die Hauptwortführer zu einem „Bunde" scharen, der mit dem ganzen agitatorischen Eifer und einer sonst nur bei politischen und religiösen Fragen sich zeigenden Missionswut Bekenner für seine Anschauung wirbt. Die Fragen, welche sonst nur im friedlichen Kampf der Geister in der stillen Studierstube»' behandelt wurden, werden in den Lärm der Straße hinausgezerrt. Die Erklärung dieser im wissenschaftlichen Leben ungewohnten Erscheinung läßt sich nur dann finden, wenn man bedenkt, daß es sich hier nicht um bloße Fachergebniffe handelt, sondern um Fragen der Weltanschauung, der Basis für das sittliche Handeln der Menschen. Es ist daher nur naturgemäß, wenn diejenige Anschauung sich zuerst einen Kreis von Anhängern zu verschaffen suchte, welche die alten Werte am meisten umwandelt, welche als „Monismus" nur eine Art von Weltgesetzlichkett, den kausalen Mechanismus kennt. Auch dem menschlichen Handeln räumt der Monismus keine exzeptionelle Stellung ein. Auch sein Tun und Lassen spielt sich nach den unveränderlichen Gesetzen naturgemäßen Geschehens ab. Die Vertreter dieser Anschauung bilden den „Monistenbund". Es zeigten sich indessen in ihm eine Fülle von Schattierungen und gegensätzlichen Richtungen, deren Gemeinsames nur die Negation der monotheistischen Religionen ist, die eine Zielstrebigkeit und eine Intelligenz außerhalb desKosmos sowie eineVerantwortung des Einzelnen für seine Handlungen zur Voraussetzung haben. Im Suchen nach Ersatz für die monotheistische Religion trennten sich bereits die Wege. Während der „Monistenbund" als Surrogat eine monistische Religion zu konstruieren versuchte und als „religiös" jeden bezeichnete, „der Tiefe hat und geistige Innerlichkeit besitzt" (Horneffer), spaltete sich der linke radikalere Flügel unter Führung Breitenbachs ab und gründete den „Humboldtbund für naturwissenschaftliche Lebensanschauung". Die Worte, mit denen Breitenbach (Mainummer der „Neuen Weltanschauung") seine Absage dem Religionsbegrisse des Monistenbundes gegenüber vollzieht, sind so charakteristisch und in,ihrem ersten Teile auch für eine Reihe anderer moderner Religionsdefinitionen beherzigenswert, daß sie hier in extenso folgen mögen: „Nach allgemeiner Auffassung und nach an" erkanntem Sprachgebrauche ist jede Religion mit einem Glauben an Gott oder Götter unlöslich verknüpft. Religion ohne Gott gibt es nicht und wer einfach „geistige Innerlichkeit" Religion nennt, der spielt mit den Worten. Wir naturwissenschaftliche Monisten sind froh, daß uns ein Weg gezeigt wird, auf dem wir die „Religion" endlich los werden und wir wollen es offen bekennen." — Gegenüber diesen Bünden streng monistischer Observanz erwachte schließlich eine Art Reaktion in jenen Kreisen, die bisher still lächelnd über den Monismus zur Tagesordnung übergegangen waren, weil sie in dem Glauben lebten, daß das Gepräge der Unwtssenschaftlichkeit und Unklarheit des Monismus schon von selbst dafür sorgen werde, daß er nicht in die großen Massen dringe. Das Umgekehrte war aber der Fall. Gerade die Unwissenschaftlichkeit der neuen Richtung, welche die Grenzen ihres Spezialfaches überschreitend von der Beobachtung der Naturerscheinungen aus sich dazu verleiten läßt, die geheimnisvolle Welt des inneren Menschen, sein ethisches Sollen nicht etwa zu erklären, sondern brutal zu leugnen, gerade dieses höchst unphilosophische und nicht naturwissenschaftliche Unterfangen gewann aus begreiflichen Gründen die Gunst der schen, welche gerade dann besonders unkritisch ist, wenn der Gegenstand der Kritik ohnehin geh gte Wünsche erfüllt. So kamen allmählich auch die Gegner monistischer Anschauung zu dem Entschluß, um der Verblendung der Laienwelt entgegenzutreten als Gegengewicht des Monistenbundes einen andern „Bund" zu gründen, welcher den vielleicht nicht glücklich gewählten Namen „Keplerbund" trägt. Dieser Bund bezweckt eine Sammlung all derjenigen nüchternen und besonnenen Naturwissenschaftler und Freunde der Naturwissenschaft, welche der Ansicht sind, daß der idealistischen Weltanschauung durch die modernen Resultate der Naturwissenschaft der Boden nicht entzogen wird. Er sucht den vielen Irrenden und insbesondere den Schwanken, welche sich leicht vom Tageslärm betören lassen, darzutun, daß das naturwissenschaftliche Erkennen der Gegenwart dem Gottesglauben im monotheistischen Sinne keineswegs Abbruch zu tun braucht. Der Keplerbund, welcher unter seinen 7000 Mitgliedern eine Reihe namhafter Naturwissenschaftler und Philosophen zählt, hat im ersten Jahre seiner Tätigkeit sich im wesentlichen darauf beschränkt, rein naturwissenschaftlich zu arbeiten und nur auf diesem Gebiete apologetische Kleinarbeit zu leisten, indem er naturwissenschaftliche Hypothesen eben als Hypothesen erwies. Seit Beginn dieses Jahres aber, als die Angriffe auf den Keplerbund und der von ihm vertretenen Tendenzen immer heftiger wurden, hat die Bundesleitung mit großem Erfolge in dem Bereinsorgan „Unsere Welt" (Monatschrift zur Förderung der Naturerkenntnts, Geschäftsstelle