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Der Israelit · 1911-10-17 · Heft 41 (17.10.1911) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 41 (17.10.1911)
Date
1911-10-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum ysaeagg Begründet oon Dr. Lehmann in fflainz cssss 52. Jahrgana SWU Sranhlurt a. IR.. Sen 17. Oktober 1911. 25. Tischri 5672. esa M« KhOKKtttCM* pro Viert^ljayrr Gewöhnliche Ausgabe Mk. 1.50, HestanSgabe (Kunstdruck) Mk. 3.—. Auslands-reise: Gewöhnliche Ausgabe: Oesterreich-Ungarn 2 Kr., Rußland 1 Rab« England 2 ah., . Amerika 60 cts., Mederlande 1.20 fl., Frankreich Fm. 2.60. Abonnements bei allen Postanstalten. Buchhandlungen, sowie direkt bei dem Verlag. HestauSgabe nur direkt. Der ^^aelit erscheint jeden Donnerstag. 3»ti - T 30 Pfennig für die sechSgesvaltene Colonel-Zeile; Rabatt «ach Tarif. Jnseratenannahme nur durch Haaseusteia u. Vogler A^G. Frankfurt a. M.« und deren Filialen. Zaylnngen können außer dirett an den Verlag erfolgen der Conto bet der R. ft. Wofstparraffe Cfticn 91«. 78 SOS Conto bet de« K Vostspartaffenanet Bndavest Ro. L84SL Conto bet der Rtgaer Cona«ti«fl in Riga und berat Filialen. Der Itadidrudi 9er flrflhel unö CorrefponOewen 9es „Israeli!“ IR nur unter genauer Quellenangabe, un9, fomeft es ftdi um orOSere Rufffte hanOelf, nur nadi norherlger Genehmigung oeflaftef Diese Dummer umfaßt 0 Seiten; die nächste Uummee erscheint übermorgeu. Irrhaltsüherstcht 1. Woche n rund sch au: Zur Kinderung -es Emkgrnutrnrlrnds. — 2. Korrespondenzen u. Nachrichten: Gin urnrr Kampf gegen die Pariser AManee- Krttuug. Berlin. — Judenverfolgungen in Gurke San. Petersburg. — Gin merkwürdiger Kall. Kiew. — Hedenkliche Symptome. Warschau. — London (Oberrabbinerwahl.) - Im Kriegszustände. Saloniki. Kochammöfchav. Zur Linderung des £migranfenelends. Wenn nicht alle Zeichen trügen, soll doch nunmehr von maßgebender Seite etwas zur Abstellung der größten von uns wiederholt geschilderten Uebel im Emigrationswesen geschehen. Die Jca versandte dieser Tage ein Rundschreiben an 144 Rabbiner im russischen Rayon, dem wir nach dem uns vorliegenden hebräischen Wortlaute folgende Stelle entnehmen: ,,Sicherlich befindet stch auch in Ihrer Gemeinde , eine Anzahl zur Auswanderung genötigter Leute, - die in völliger Weltfremdheit den Mühsalen und den vielen Gefahren brr weitm Reise nicht im entferntesten gewachsen sind. Den Weg zur Erlangung der nötigen Papiere, sowie die Bedingungen der Ueberfahrt und die Gesetze de« EinwanderungSlandeS find ihnen fremd, so daß fie oft Schwindlern in die Hände fallen und zuletzt, well ungenügend vorbereitet und vorgesehen, wieder in das heimatliche Elend abgeschoben werben. Die schlimmste Gefahr droht jedoch dem ahnungslosen Emigranten von dem sogenannten Grenzagenten, der, die Unwtffenhett des Unglücklichen auSnützenb, chn um den letzten Rest seiner Habe beraubt und ihn zudem auf gefahrvolle geheime Wege dringt, die bereits manch einem zum Verhängnis geworden find. Damit diesem wuchernden Uebel ein Damm entgegensetzt werbe, hat die Jca in verschiedenen Städten Auskunftsbüros eingerichtet, deren Aufgabe es ist, jedem ratsuchenden Auswanderer vollständige Auskunft über alle Punk e zu geben, die seine Grenzüberfahrt, Seereise und Landung betreffen und ihn vor der Ausbeutung durch gewissenlose Agenten zu schützen. Außerdem läßt sich jetzt die Jca angelegen fein, durch populäre tm Volkstöne aogefaßte Schriften über alle Borausfetzungm der Auswanderung und die Bedingungen, von denen Fahrt und Landung abhängen, Aufschluß zu geben. Dieser AufklärungSarbett soll auch eine monatliche tm Jargon erscheinende Zeitschrift unter dem Namen: „Der jüdische Emigrant" dienen." Nun werden die Rabbiner aufgefordert, diesem Bestreben der Jca ihre Hilfe und Mitarbeit angedeihen zu lassen. Sie möchten belehrend, aufklärend und — warnend auf die Massen derart einwirken, daß der Sumpfpflanze des Agententums immer mehr an Boden entzogen wird. Besonders groß sei der Einfluß der religiösen Volksredner (o'TJJD), die auch ihre rhetorische Kunst in den Dienst dieser guten Sache stellen sollten usw. Mit einer rationellen Regelung der Emigrationsfrage haben natürlich diese Versuche nichts zu tun. Indessen kann auch durch diese viel Gutes erreicht und viel Elend im Emigrantenleben gemildert werden. Wir zweifeln nicht, daß die Jca in diesem ihrem Bemühen die wärmste Unterstützung bei den Rabbinern finden wird. Lsrrrrpsvilesre« u.llacftrlcfttcn. jpetttföc* itet«}. Ein neuer Kampf gegen die Parlier miiance-Leifung! Aerlm, 11. Oft. Am 18. d. Mts. findet in Paris eine Sitzung des gesamten Zentralkomitees der Alliance Jsraelite Universelle statt. Wie man erfährt, plant die Pariser Leitung die Durchsetzung eines Antrags, wonach dieWahlen für das Zentralkomitee abgeschafft (!) und durch ein System der Kooptation ersetzt werden sollen. Dadurch würde die Allianceleitung natürlich vollkommen der kleinen Gruppe ausgeltefert werden, die gegenwärtig in Paris am Ruder ist. Von seiten der deutschen Mitglieder des Zentralkomitees wird der schärfste Widerstand gegen diesen Knebelungsversuch entfaltet werden, der dem Statut wie der Tradition der Alliance ins Gesicht schlägt. Das Statut, in dem allgemeine Wahlen vorgesehen stnd, kann nur geändert werden, wenn zwei Drittel der Mitglieder des Zentralkomitees einen entsprechenden Antrag stellen, was bisher nicht geschehen ist. Die Präfidialmitglieder der deutschen Konferenzgemeinschaft, die sich zu der Sitzung nach Paris begeben, werden den Antrag entschieden bekämpfen und yleichzeitig die Vorgänge bei den letzten Wahlen zur Sprache bringen, die gleichfalls zu lebhaften Auseinandersetzungen führen dürften. Rußland. . Judenoerfolgungen in Turlteffan. Hketersöurg, 9. Oft. In Fergana (Rusfifch-Turkestan) kam es gestern auf das Gerücht von dem Raub eines Sartenknaben durch Juden zu einer Kundgebung gegen die Juden. Eine große Menge Eingeborener begann, Steine auf die Juden u d ihre Häuser zu werfen. Ein Jude wurde oabei getötet, mehrere andere und deren eingeborene Verteidiger erlitten Verletzungen. Die Polizei war ohnmächtig, die Ruhestörungen zu verhindern. Es wurden Truppen aufgeboten, die die Ruhe wieder herstellten, ohne von der Waffe Gebrauch zu machen. ein merhroürdiger Fall Kiew, 9. Oft. Ein merkwürdiger Fall aus der Skala der jetzigen Hetzen und Pogromagitationen bildet jetzt das Tagesgespräch in allen hiesigen Kreisen und wird von der Preffe, auch von der der Verbändler, in verschiedenatttger Weise glossiert und kommentiert. In der Nacht, da die Juden angsterfüllt und voll flammender Andacht stch in den Gotteshäusern zum 'TU Yü-Gebete versammelt hatten, hatten sich auch die schwarzen Hundert in einem der größten Säle der Stadt unweit der Hauptsynagoge eingefunden, um in ihrer Art in der Form einer Gedenkfeier für Stolypin gegen die Juden zu demonstrieren. Als letzter Redner trat der Epikop (Bischof) Paul Probraschenski auf. Nach einigen einleitenden Worten über die Bedeutung des toten Ministerpräsidenten ging der Geistliche auf sein eigentliches Thema: die Juden über. Die schlimmsten Anklagen, die perfidesten Verleumdungen fanden in dieser Brandrede des braven Kirchenfürsten ihren drastischen blutrünstigen Ausdruck. Zuletzt forderte der Redner die nach Tausenden zählenden Versammelten auf, den „Tag der großen Abrechnung" nicht

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