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Der Israelit · 1911-09-21 · Heft 38 (21.9.1911) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 38 (21.9.1911)
Date
1911-09-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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'7 MMH 'Kr.Sß ' Zu seiner großen Heeresschau am 5. November und schon hat der Wunsch den Gedanken von der ministeriellen Bobereitung eines neuen preußischen Judengesetzes 'erzeugt. Das sind Zeichen, die wie ori- «entierende Signale aus dem Feindesgelände im geschloffenen Lager der Gesetzestreuen zur erhöhten Wachs amkeit und zum w utvoltenFortschreiten auf dem eingeschlagenen Weg aneifern. Es gilt vor allem, durch Wort und Tat zu demonstrieren, welche Welt von prinzipiellen unüberwindbaren Gegensätzen in Leben und Anschauung zwischen der gesetzestreuen und neologen Richtung im Judentum liegt, und zu welchen Ungeheuerlichkeiten und Gewiffensnöten jeder Versuch einer zwangsweisen Bereinigung dieser auseinanderstrebenden Teile fuhren müßte. Erfreulicherweise wird das mählich auch von den Behöben in den deutschen Bundesstaaten eingesehen, wo viele Jahrzehnte verknöcherten Konsistorialjudentums in den politischliberalen jüdischen Rechen jede Empfindung für wahre Liberalität in Religionsdingen abgestumpft haben. Einen vollen Sieg haben unsere Gesinnungsgenossen in Württemberg, und mit ihnen die Sache des Rechtes überhaupt, durch den Ausgang des Falles Aron, Stuttgart erungen. Und es ist zu hoffen, daß nunmehr auf dem durch dirse gerichtliche Entscheidung geschaffenen Boden auch in Württemberg ein auf dem Thoragesetze basierendes jüdisches Gemeindeleben — womit in Heilbronn ein schöner vielsprechender Anfang gemacht worden ist — erblühen wird. In Baden, wo vor wenigen Jahren das vom badischen Oberrate versuchte Attentat aus unser altes Gebetbuch die Reihen der Gesetzestreuen in erfreulicher Weise erweitert und eng geschlossen hatte, ruhte dieses Jahr der Kampf um unsere Tefilloh. Immerhin hatten auch dort unsere Gesinnungsgenossen Gelegenheit, anläßlich der Tagung der Landessynode am 3. April gegen mancherlei oberrätliche Versuche, die der konservattven Mehrheit versprochene Rücksicht auf ein Mindestmaß zu reduzieren, scharf und wirksam ins Feld zu ziehen. In Bayern geht die Frage der Revision des Judenediktes, an der sich die Geister innerhalb der Gesetzestreuen — rein taktisch — scheiden, unentschieden auch auf das neue Jahr über. Ein äußerer Sieg war dieses Jahr dem Gesamtjudentum in Sachsen beschieden, durch die im Dezember erfolgte Aufhebungdes Schächtverbotesdie neben ihrer Bedeutung für die dortigen jüdischen Bürger, auch eine Ehrenrettung der vielverleumdeten jüdischen Lehre Mß» jQfsMBt ' und einen Sieg der Wahrheit und Wissenschaft darstellt. Nicht unerwähnt in dieser Jahresrechnung darf auch ein anderes, minder erfreuliches Gesetz bleiben: die Freigabe der fakultativen Leichenverbrennung in Preußen, deren schweren Gefahren für die Auffassung und Sitte in manchen jüdisch-liberalen Kreisen, wie für den Frieden in den Gemeinden wir durch eine Reihe erschöpfender Artikel aus berufener Feder zu begegnen suchten. Gegen Jahresschluß hatte auch der Zionismus Gelegenheit, auf dem Wege eines in gewohnt imposanter Weise arrangierten Kongresses sich und der Welt über seine derzeitigen Wege und Ziele volle Klarheit zu verschaffen. Wir rubrizieren diese Tatsache in das deutsche Kapitel, weil eben diese vom letzten Kongresse gebrachte Klärung der Begriffe nicht ohne Einfluß auf die von Deutschland aus geleitete Misr a chi-Fö deration zu sein schien. Der letzte Kongreß, dem es oblag, den politischen Zionismus so lautlos und würdevoll wie nur möglich zu Grabe zu tragen, mußte, wollte er sich nicht vollends bankrott erklären, ein anderes äquivalentes Programm auf das so weite den verschiedensten Tendenzen und Strömungen günstige blauweiße Feld seiner Fahne schreiben. Er schrieb diesmal Palästinakleinarbeit und geistige Palästinakuliur —, ersteres durch die Wahl des Pros. Marburg anstelle des Hüters des Herzlichen Erbes, des Herrn Wolffsohn, das zweite aber durch Annahme der bekannten Kulturresolution —, auf das Parteibanner. Man kann dem offiziellen Ziomus nicht gut vorwerfen, daß er mit dieser Resolutton sich und feinen Traditionen irgendwie untreu geworden wäre, da die Kulturfrage zum eisernen Bestände aller Kongreffe seit'ihrem Bestehen gehörte und in dem Momente ihre Lösung im Sinne der neuhebräischen Kultrrträger finden mußte, als es eben galt, die durch das stille Fallenlassen der politischenAspirationen enstandenen klaffenden Lücken im Arbeitsprogramm irgendwie notdürftig auszufüllen. Es kam wie es kommen mußte. Misrachi ist aus der ganzen Linie unterlegen, so er sich zum ersten Mal in einer entfdji ebenen Kamps st ellung zur Organisation befand. Und wer es je anders erwartete, zeigt nur, daß er'den Zionismus in seiner prinzipiellen Tiefe, in seinem programmatischen Grundwesen nie erfaßt hat. Weniger zu erwarten war jedoch die reinliche Scheidung, die der 10. September innerhalb der Misrachifraktion selbst vollbracht hat. Nur wenige zogen aus der restlosen Erkenntnis der eigentlichen Wesensart des Zionismus die Konquenzen. Misrachi als solcher' bleibt, trotz allen Schreckschüssen, die er vor, an und und unmittelbar nach dem Kongresse abfeuerte, auf Gnade und Ungnade in der Organisation und teilt brüderlich die Verantwortung für Unternehmen, die er als eine schwere Gefahr für den jüdischen Geist erkannt und bekämpft hat. Man wird mit * ihm im neuen Jahre als mit einem Faktor im jüdischen Parteilebeben nicht mehr zu rechnen brauchen. Von anderer die Thora als zentrale Lebenskraft Israels anerkennender Seite wird der Zeitpunkt zur Sammlung aller zerstreuten gutjüdischen Kräfte und ihre Gruppierung' um ein umfassendes Hilfsprogramm, wie es die materielle und geistige jüdische Notlage überall gebieterisch erfordert, für gekommen erachtet! Möge dieser Appell wie des Schofars Weck- und Sammelruf in aller Herzen dringen und sie zu gemeinsamem Tun begeistern für die Sache der Thora und ihrer mitten in den brausenden Stürmen des weltumfassenden Golusmeeres lebenden und leidenden Bekenner. Weckend und - einend möge dieser Sammelruf auch in das neue Jahr hinüberschallen und mit vorbereiten helfen, die von uns so heiß ersehnten Zeit der großen Vereinigung: nn» n*7U» 0112 WT .v^V 22^2 ^mn nwvb (Fortsetzung folgt.) KochrnrimWan. dur Organifafion der gefefeesfreuen Üudenheif. Wir finden in der von unserem Gesinnungsgenossen, Rabbiner Dr. E. Weill redigierten Wochenschrift „Das jüdische Blatt" unter der Ueberschrift „Die Weltunion der Thoratreuen" folgende beachtettstverten Ausführung gen: „Tie ergreifenden Gebete für Rosch Haschonv und Jom Kippur haben unsere Weisen mit der Bitte eingelcitct, die ganze Menschheit möge einen Bund bilden, Gottes Willen zu erfüllen. Ten Wunsch auszusprechcn. daß Israel einen solchen Bund bilden möge, war zur Zeit unserer Weisen unnötig, denn glücklicherweise bildete damals Israel eine geschlossene Gemeinschaft. Heute dagegen, wo unser Unglück nicht nur in unserer Zerstreuung, sondern in unserer ZerspMte- Kleiner Aeuilleton. €in «euer llobeletb-llommevtar. Den drei bereits erschienenen Teilen der ßJttn von Distriktsrabbiner Dr. Raphael Breuer zu Ruth, Eicho und Esther reiht sich nun der vierte Band zu Koheleth würdig an, in der bekannten schönen sorgfältigen Ausstattung, die der Verlag A. I. Hofmann, Frankfurt a. M., den früheren Teilen dieses wertvollen Fünfbuches zu geben wußte. Für die Besitzer der früheren Bände und Kenner der eigenen tiefgriindigen und zugleich so packenden Art des Verfassers, in die Gedankenwelt der einzudringen, bedarf es nicht der vielen Worte zur Kennzeichnung dieses Buches. Es genügt zu betonen, daß der Verfasser auch in diesem Koheleth-Kommentar seinem früher eingeschlagenen Wege treu geblleben ist, trotz der mannigfachen Schwierigkeiten, die dieser Stoff dem Forscher, Der bei allen aus den Tiefen gehobenen Gedankenschätzen immer auch das IvIVL TO »SV tOpÖ s'» im Auge behält, bietet. Neu und überzeugend ist die Art, wie Breuer auch schon im ersten Teil des aus dem S2.1 in seinen versl iedenen Formen die still empfundene Wahrheit heraushört, daß es bei aller Schwere, mit welcher das irdische Sein, Geist und Gemüt bedrückt, für den ehrlichen Willen de noch einen Weg gibt, um über die Unzulänglichkeiten des Daseins hinweg, Ewigem und Bleibendem zuzustreben. Im übttgen wollen wir, wie wir es auch bei der Würdigung dir früheren Teile getan haben, einige diesen Tagen des ernsten Gedankens und der Sammlung entsprechende Stellet! des Buches selbst für dasselbe sprechen lassen. * * * *12» pnst V' '^2N '!2'2 tp»i ^2rrr» 15. :mjro -p»o psn «n ip*iL2 inv DDnnn ~btv rann p'iL vrrrbK iß. :BöWn häS B. 15. In dir Geheimnisse der göttlichen Wallung willst du ein dringen? Gott nachspüren, warum er so und nicht anders handelt? O, wenn du wüßtest, was alles ich erlebt habe in den paar Jahren meines vergänglichen Da eins! Gerechte sah ich (p’IX und FV1 sind hier kollektiv zu fassen), die unglücklich, Frevler sah ich die glücklich waren. Enträtsle nun das Geheimnis dieser Waltung, wenn du kannst! Nur dunkles Vermuten stellt dir Gott anheim, nö^l WO “pi»Ö 2V1V1 i» mitrn n»r »ötf onn-i.i'V»' i"» fmw 112V n'Opn ib o^V'V niaco nvsr »vV ■pKPKT irsa s2V Ü'P'IL D'32 IJttö 1»2' »SV 1» »n po»b irrotn Ijöd »n trt»b ans: n"2pn ’211Ö 1JÖÖ »L I 1.1'V»' IE- Warum ein JNP1 lange lebt? Vielleicht will, ihm Gott recht lang Gelegenheit zur N21V71 geben. Vielleicht will Gott recht lange warten, ob er sich nicht am Ende doch noch, wenn auch nicht zu einem Leben vollkommener Gerechtigkeit und Liebe, aber doch vielleicht zur Ausübung einiger 111LV entschließen werde, auf daß ihm Gott sie schon hienieden lohne. Vielleicht soll er nach langen Jahren Vater eines Sohnes werden, der sühnt, wo seilt Erzeugt fehlt. Vielleicht — vielleicht — vielleicht auch nicht- Wer schaut da auf den Grund? B. 16. Wenn du einen p'“T2£ siehst, der 1p*T2£3 *72» und einen jflPI siehst, der *|fljn2 *p1»!2, dann fragst du, wie darf das sein, wo bleibt die Gerechtigkeit Gottes? Wolle doch an Gerechtigkeitssinn nicht Gott übertrumpf, n, wolle doch nicht besser wissen, als Gott, rvas dem p'"f^ und was dem pVI gebührt. Warum willst du denn Gv't gegenüber durch anmaßliche Bekrittelung wirrer Ge rechtigkeit und Weisheit in deiner ganzen „öden" Beschränktheit dastehen? „VSV, öde sein, bezeichnet, auf den Geist übertragen, den Zustand, dem klare Vorstellungen und di utliche Gedanken fehlen. So löÖtP (Jes- 52, 14.) Auch im Hithpael n»1Q.1 S# D£ll7tt>»1 (Daniel 8, 27.) Ganz ähnlich von N»V **.lb .1»NVl2 V'»N1 (1. B. M. 24, 21.)" Monlln. Ps. 143, 4 2L1VN N!2^ kann aber auch nach Analogie zahlreicher Stellen, „warum willst du dich zu Grunde richten", übersetzt werden. Der Midrasch scheint die^ letztere Uebersetzung vorzuziehen, tvenn er in diesem BWe das Schicksal Sauls angedeutet findet, der ja im Kriege gegen den König Agag durch unangebrachtes Mitleid Gott als p'IX übertreffen wollte und sich damit selbst „zu Grunde richtete", indenr ihn Gott zur Strafe verwarf. -]ö»ttf NVV2V »1p '1"» ^>1»V2 »in pia ‘rnnn p^or n» nrrom nf? n"2pn ib .12 1p2.11 s»L.11 v'V-n i»vn Ü'VS» v» ini' .121.1 p*w, b» niöxi bip nn nnr i»on *

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