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Der Israelit · 1911-09-14 · Heft 37 (14.9.1911) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 37 (14.9.1911)
Date
1911-09-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Der Israelit Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum Begründet dm Dr. Lehmann in fflainz 52. Jahrgang. sa SranMurf a. IN.. Sen 14. September 1911. 21. Elul 5671. M 37 taounemtcut pro Vierteljahr: Gewöhnliche AnS-ghr Mk. 1.60, HeftanSgabe (KunstdruM Mk. 8.—. AuSlandSdreife: Gewöhnliche Ausgabe: Oesterreich-Ungarn 2 Kr., Rußland l Bub* England 2 ah., Amerika 50 cts., Niederlande 1.20 fl., Frankreich Er*. 2.60. Abonnements bei allen Postanstalten, Bnchhaudlamgen, sowie direkt bet dem «erlag. HeftanSgabe nur direkt. Der Israelit erscheint jeden Doaaoofta^ Inserate: so Pfennig Kr die sechsgespaltene Colonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. Jnferaienannahme nur durch Haaseasteiu u. Vogler A^G. Frankfurt a. 9t* und deren Filialen. Zahlungen kSnaen außer direkt an den Verlag erfolgen per Tonto bei der K. K. P»stfp«r«ste «te» 9t». 79 MS* Tonto bei de» «. Postfparkastennant Vndapest 9U.1842i Tonto bei Per fügte« Tonune^bank te fügt und deren Filialen. Oet nadiOruA Oer Artikel unö Correlponöenjen Oes „Israelit“ iff nur unter genauer Quellenangabe, unO, foroell es 1Uti um orOlere RuttObe hanfleit nur natfi norheriaer Genehmigung gestattet H«halt«A>rrstcht. 1. Leitartikel: Referendar Dr. Jsaae Breuer: Sombart und die Juden. — 2. Wochenrundschau: Das Ende der Misrachi. — 3. Aufsätze: Aus dem Machsor. — 4. Kleines Feuilleton: BonDr.M.E.: Das Keden Israels, riu Spiegel feiner Seele. — Von Dr. ©, K., Franks.: Dir Auswandrreryaüen der Dapag. — (Agadir.) — (Das größte Tier der Erde.) — b. K orr espondenzen und Nachrichten: Die Misrachi- Konfrrrur. Berlin. — München (Ausweisungen ausländischer Juden.) — Emden (Rabbinerfrage.- — Hannover Kommunales.) — Das Kayonprojrkt und Europa. Wien. — Ungarischer Kries. — Die Uatioualisteruny des Kreditwesens. Petersburg. — Tolmatschow. Odessa. — Mach -r« Krawalle». London. — Das Großraddiuat. Konstantinopel. — Das Schicksal der Greisrnheime in Jerusalem. — 6. Vermischtes: Norderney. — Ostende. — Kissingen. — Königsberg. — Karlsruhe. — 7. Bereinswesen: Frankfurt a. M.---- 8. Personalien: Budapest. — Wien. — Goldbach-Hösbach. — 9. S p r e chsal: Dir Forderung des Tages. Paris. — Brieflasten. — Bereinskalender. — Familiennachrichten. — 10. Beilagen: Feuilleton-Beilage *. Sarah Gugenheimer: Ktay. — Blätter zur Erziehung und Lehre: Umlernrn. — Zur Frage der Prioatbeomtenorrsichrrung. — A. Mannheimer, Dettelbach: Frriengrdankr». — Teuerungszulagen. — Brieflasten. 5-mb-rt und die JuSeu. Bon Referendar Dr. Jsaae Breuer II. Ich kann daher, abgesehen davon, daß Sombart ein Gesamturteil ^usammenfassender Art tunlichst vermeidet, keineswegs anerkennen, daß er ein Buch von „ganz eigenartiger Note" geschrieben, insbesondere an keiner einzigen Stelle „so etwas wie eine Bewertung der Juden habe durchblicken lassen." Welch merkwürdige Vorstellung! Ich finde sie geradezu unbegreiflich. Wenn Sombart unzählige Male feststellt, daß bei den Juden der Primat des Erwerbszwecks herrscht, d. h. das einseitige Vorwalten reiner Geldinteressen, wenn er ihre Neigung hervorhebt, „auch die unschätzbarsten Dinge in den Kreis geschäftlicher Erwägungen zu ziehen" (S. 156), wenn er es als typisch bezeichnet, daß ein Vater bei den Juden „in Kindern spekuliert^, die bei den Juden „selbstverständlich ebenfalls einen Preis haben", wenn er zusammenfaffend den Juden „ein starkes, ethisch nicht mehr temperiertes Gewinnstreben nachsagt, wenn er „den frommen Juden an seinem Lebensabend schmunzelnd die wohlgefüllten Kästen und Truhen, wo die Zechinen angehäuft lagen, die er in seinem langen Leben dem elenden Christenvolk abgezwackt hatte, (ist das kein Eitat aus der Staatsbürgerzeitung?) überblicken" läßt und daran die Meinung knüpft, daß dies ein Anblick war, „an dem sein Herz sich weiden konnte, denn jeder Zinsgroschen, der da lag, war ja fast wie ein Opfer, das er seinem Gotte dargebracht hatte", wenn er nun diese ganze niederträchtige Gesinnung schließlich gar noch in der jüdischen Religion selbst radiziert findet, die da lehrt, daß „du am Fremden einen Schmu (!!) machen, im Verkehr mit chm mal fünf gerade sein lassen" (S. 289) darfst, und die derart geartet ist, daß, „je frommer ein Jude war, je bester er in seinen Religionsvorschriften Bescheid wußte, er desto mehr Antrieb zum Erwerben aus den Lehren seines Glaubens schöpfen mußte" (S. 260): ich sage, wenn Sombart all dies feststellt, als Tatsache registriert, dann sollte er wirklich „nirgends so etwas wie eine Bewertung der Juden haben durchblicken (!!) lasten?" Aber lieber guter Herr Sombart! Gesetzt, irgend jemand, der Ihr Freund ist und Sie genau kennt, hätte all das, was Sie bei den Juden feststellen, an Ihnen selber wahrgenommen und würde nun seine Wahrnehmungen veröffentlichen: Wären Sie, ein Aesthet, wirklich der Ansicht, Ihr Freund habe „nirgends eine Bewertung" Ihrer Persönlichkeit „durchblicken lasten"? Du lieber Himmel! Weil in diesem Buche die plebejische Sprache des antisemitischen Bierphilisters nach Tunlichkeit vermieden ist, weil das, was dieser, schimpfend zwar, aber wahrlich klarer, elenden Schachergeist nennen würde, hier auf hohem philosophischen Kothurn als „Primat des Erwerbszweckes" paradiert, darum sollte das Buch in der Tat sich jeder ethischen Wertung enthalten? Das heißt doch einfach die Dinge auf den Kopf stellen! Bet den Juden „Primat des Erwerbszwecks" ftststellen (seit Kant einmal von einem Primat gesprochen hat, glaubt fast jeder Schriftsteller, der etwas von sich hält, verpflichtet zu sein, irgend einen derartigen Primat auszuweisen), ihnen Kinderhandel und Chriftenzwackerei vorwerfen, ihre Religion als Hauptsttmulans für all das bezeichnen und dann großspurig er- UULvil/ VUp MIUU |IU) |»vv* enthalte, weil das eine persönliche Angelegenheit sei, die man nur Freunden in vertrauter Stunde ruchbar mache — „und die kennen sie ja" — : Wahrlich, wenn Herr Sombart seinen Freunden keine anderen Geheimnisse anzuvertrauen hat, dann bedaure ich nicht, sein Freund nicht zu seindann lohnt es sich nicht. — Sombarts Buch „wertftei!" Ich finde, daß es keine einzige der sattsam bekannten antisemitischen Beschuldigungen gibt — vielleicht mit einziger Ausnahme der Blutlüge —, die nicht bei Sombart ihre angeblich wissenschaftlich gesicherte Heimstätte gefunden hätte. Den von ihm für die Juden konstatterten „Primat des Erwerbszwecks" (ich kann diese neueste Ausstaffierung eines uralten antisemitischen Ladenhüters den Bruhn und Konsorten zur Bereicherung ihres allgemach etwas eintönig gewordenen Repertoirs aufs angelegentlichste empfehlen) habe ich bereits erwähntebenso die Neigung zum Christenbetrug ) auch die Einbeziehung der jüdischen Religion in den Kreis wirtschaftlicher Betrachtung, ihre Charakterisierung als eine Art Hochschule für kapitalistische Gesinnrtng. All das ist nichts neues. Ist unsäglich oft hervorgehoben worden. Und feiert nun bei Sombart pompöse Auferstehung. Sind die Juden patriotisch? Nein, sagen die Antisemiten, denn sie gehören der goldenen Internationale an. Nein, sagt auch Sombart, denn „der Jude ist deutsch, wo er deutsch sein will, italienisch, wo ihm das besser zusagt. Er macht alles und in allem." Kann der Jude Offizier sein? Nein, sagen die Antisemiten, denn es fehlt ihm die achtunggebietende Persönlichkeit. Nein, sagt auch Sombart, „denn es liegen ihm aber auch alle rein auf dem Persönlichen aufgebauten Abhängigkeitsverhältniffe fern: persönliches Herrschen und persönliches Dienen, persönliche Hingabe. Der Jude ist seinem innersten Wesen nach aller Ritterlichkeit, aller Sentimentalität, aller Chevallerie, allem Feudalismus, allem 'Patriarchalismus abgeneigt." Ist das nicht viel schöner gesagt, als das plumpe Wort von der achtunggebietenden Persönlichkeit? Nach alldem wird sich nun mancher, der Sombart selbst nicht gelesen hat, vielleicht geneigt sehen, in seinem Buch einfach eine Bereicherung der antisemitischen Pamphletliteratur zu erblicken. Sicher mit Unrecht. So sehr ich auch davon überzeugt bin, daß dieses Buch der antisemitischen Agitation die wertvollsten Dienste

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