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Der Israelit · 1911-09-07 · Heft 36 (7.9.1911) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 36 (7.9.1911)
Date
1911-09-07
Page
– (sequence 20)
Language
German
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'' :;; Sette 20. No. 34. ',J .. -W4JJ Der JSraelir. v? 24. August 1911 Der Appell spricht so sür sich selbst, daß es eines Kommentars nicht bedarf. Möge die Versammlung recht bald zustande kommen und ein ergiebiges Resultat zeitigen. Im Geiste fühlen wir uns ihr nahe! — Arrfrmf arr die mannttchr Äugend. Es gibt in Italien glücklicherweise noch viele junge Leute, die dem Judentum den Glauben bewahren. Nicht, als wenn sie alle kraftvoll am jüdischen Leben teilnähmen,- viele stehen sogar der religiösen Betätigung fern und hatten niemals die Idee, irgend ein Kultus- oder Berwaltungsamt in den jüdischen Gemeinden zu bekleiden. Aber sie alle fühlen noch etwas Inniges, Tiefes, — vielleicht Unaussprechliches, weil zu innig und zu tief —,»das sie an das Judentum bindet, das sie für die Probleme des Judentums interessiert, das sie stets den Erinnerungen jhrer Väter anhangen läßt und sie zu einer aufrichtigen Achtung des traditionellen Glaubens ihres Stammes leitet. Einige dieser jungen Leute fühlen für das Judentum eine Anhänglichkeit, die sie nicht zu schildern vermögen und überdies zögern, kundzutun, resp. sich selbst, zu erklären. Andere haben sich schon in die Reihen derer gestellt, die im Journalismus und anderwärts für den guten Namen Israels, für die Erhaltung der jüdischen Tugend und die gedeihliche Entwicklung der jüdischen Institutionen kämpfen. Wer sich mit dem jüdischen Leben Italiens befaßt, kennt manchen dieser jungen Herren; weiß, daß viele derselben, die in Italien leben, zu gemeinschaftlichem Wirken zusammengezogen in Zukunft eine Macht und ein Schatz Israels werden könnten, wenn sie sich einmütig begeistern und zur Klärung ihrer Ideen und ihrer jüdischen Gefühle voranschreiten würden. Wir haben nun gedacht: Weshalb sollte diese Begeisterung nicht kommen können? Weshalb sollte man nicht die Art und Weise suchen, die einen mit den anderen der zerstreut wohnenden jungen Leute, die alle einen gemeinsamen Willen des Guten und eine gemeinsame Hoffnung im Herzen tragen, bekannt zu machen? Weshalb sollte man nicht sorgen, daß die jüdischen jungen Leute Italiens, die sich noch als Juden fühlen, in ihrem eigenen Herzen ihren Glauben durch die Gewißheit, vereint zu sein und nicht vor Entmutigung und Vereinsamung sterben zu müssen, befestigen? Wir haben daher an ein Projekt gedacht, das uns wahrhaft gut, originell und notwendig scheint. Wir haben gedacht, die Idee einer Zusammenkunft von jüdischen jungen Herren in irgend einer Stadt Italiens zu lancieren, um endlich die jugendlichen Gemüter zu mustern, auf welche die religiöse und moralische jüdische Idee rechnen kann. Und diese Idee möchten wir heute weitergeben. Vor allem ein Vorwort und eine Aufklärung! Das Programm dieser Zusammenkunft haben wir noch nicht zusammengestellt. Wir wünschen, daß das Programm von der Versammlung selbst zusammengestellt werde, die eben eine schlichte, freundschaftliche und herzliche Zusammenkunft bilden soll und keinen akademischen, bureaukratischen, offiziellen, feierlichen Kongreß. Die jungen Leute sollen sich dort vor allem kennen lernen und begeistern. Aus verschiedenartigen Schulen hervorgegangen, von verschiedenartigen Gebieten des Studiums und Schaffens herbeigeeilt, sollen sie dort die Muße finden, auf herzliche Weise ihre Gedanken über ihre Religion, über ihre jüdische Auffassung und ihr jüdisches Empfinden auszutauschen, abseits von irgendwelchem offiziellen Zwang, irgendwelcher antagonistischen oder persönlichen Voreingenommenheit. Die Diskussionen müßten sich um zwei oder drei bedeutsame Referate bewegen, vorgetragen von zwei oder drei Teilnehmern, die eine größere Betätigung im jüdischen Leben aufzuweisen haben und für di« Materie des Judentums eine größere intellektuelle Reife besitzen. Als Ort der Zufammenkunft könnte eine der Ausstellungsstädte elten, Rom, Turin oder Florenz. Die Einzeleiten der Versammlung könnten von einem provisorischen Komitee nach Eingang der ersten Zustimmungen zu dem Vorschläge beschloffen werden. Für jetzt ist es das Wichtigste, die größtmögliche Anzahl Zustimmungen zu erhalten. Demnächst werden wir sagen, welche Themen uns für die Behandlung bei der Zusammenkunft wesentlich scheinen,- wir erwarten aber vorerst Ratschläge und nicht nur Zustimmungen. Wer immer die Schönheit der Idee begreift — zum ersten Male die intelligentesten und denkendsten jüdischen jungen Leute Italiens vereinigen! den Aufbau der neuen jüdischen Generation als homogenes Ganze beginnen! — schreibe uns und sende uns nicht allein Zustimmungen, sondern auch Ratschläge. Alle jungen Leute, die an der Zusammenkunft teilzunehmen wünschen, mögen uns ihren Namen mitteilen und ihre Gedanken und Wünsche aussprechen. Das Projekt könnte so einer schnellen Verwirklichung entgegengehen. Wir wenden uns an die jüdische italienische Jugend, in der Hoffnung, daß sie unseren Apell anhören und aufnehmen werde und vertrauen auf den aufrichtigen, schnellen und standhaften Beistand derer, die sich für die Zukunft des eudentums interessieren und es fühlen, daß diese ukuyft von der neuen Generation abhängt. Wir wiederholen es. Keine Spaltungen nach Partei, Schule oder Gemeinde. Wir wollen Zustimmungen von allen. Mögen uns auch unsere Mitbrüder der Presse unterstützen. Wir müssen alle vereint sein in diesem guten Werke und wir fühlen schon die Gefolgschaft derer, welche unter den Tüchtigsten die ersten Stellungen einnehmen. Unser Freund, Herr Dr. David Disegni aus Verona, hat zum Beispiel schon mit Wärme unsere Ideen ausgenommen und ist ein begeisterter Wortführer derselben geworden. Wir hoffen auf viele Organisatoren der Versammlung, die sein Beispiel nachahmen und es ihm gleichtun an Eilfertigkeit und Mut. (in interessanter Prozess. ii, Der Prozeß beleuchtet die Qualität und den Grad, ritueller Zuverlässigkeit, wenn nicht eine uninteressierte Person die rituelle Führung der Küche gewährleistet. Wir sehen einmal vom Prozeß und den konkreten Zuständen und Verhältnissen, wie sie dort aus einem Hotel zur Sprache kamen, ab und wollen uns einmal die Frage allgemein vorlegen: Genügt es, wenn versichert wird, das Hotel bezieht sein Fleisch aus der Schlachtung eines von zuverlässiger Seite autorisierten Rabbiners? Wir wollen die Frage auf Grund langjähriger Erfahrung zu beantworten suchen, ohne spezielle Verhältnisse an einem bestimmten Ort besprechen zu wollen. Was da in einem sich als bezeichnenden Hotel alles Vorkommen kann. Da muß zunächst einmal der Fall in Betracht gezogen werden, daß am Ort kein Schlachthaus ist. Es wird bei den einzelnen Metzgern oder bei dem Hotelbesitzer selbst geschlachtet. Wenn nun der Restaurateur dem Schochet, nachdem das'Tier geschachtet ist, nicht gestattet, das Tier zu untersuchen, ob es auch itgfD ist? Man kann nicht einwenden, der Schochet darf dann das Fleisch nicht siegeln. Das Fleisch, das nicht zum Verkauf, sondern zum Privatgebrauch geschachtet wird, zu stempeln, würde ja ohnehin zwecklos sein. Das wäre ein Fall, in welchem sich ein Restaurateur zwecks Täuschung auf die „Schachtung", wenn auch nur ein Mal, berufen kann und trotzdem wäre das Fleisch, das er seinen Gästen vorsetzt, nicht INI. Nun sind an einem Platz, gleichviel ob ein Schlachthaus vorhanden ist oder nicht, nur Metzger, die nach dem Neligionsgesetz in religiösen Dingen ein Vertrauen nicht beanspruchen dürfen, -wie können wir uns da bezw. der Frage des „Begießens" beruhigen? Dieser Punkt erhält an Orten, die von Zucker- und Magenkranken ausgesucht werden, erhöhte Bedeutung. Dort kommt es aus Gesundheitsrücksichten darauf an, daß nur zartes und weiches Fleisch aufgetragen wird. Als beste Präparierung gilt es aber, besonders Kalbfleisch viele Tage in der Haut auf Eis liegen zu lassen, sodaß, abgesehen von der Überschreitung der Frist von 3X24 (&tunben, an ein „Koschermachen" gar nicht mehr zu denken ist. Gesetzt aber den Fall, das Fleisch, fei tSJO geschachtet und nach der Untersuchung vom Schochet für "ibo befunden und werde innerhalb 3X24 Stunden nach dem Schlachten gebraucht: wer entfernt an Orten, an denen zuverlässige Metzger nicht vorhanden sind, in den Reftaurattonsbetrieben, für deren rituelle Führung nicht von Rabbinatswegen gesorgt ist, die Blut- und Fettadern, die religionsgesetzlich entfernt werden müssen? Wir sehen aus diesen knappen Fragen, die nicht aus der Luft gegriffen sind, wie viel „Nichtkoscher" unter der Fahne „koscherer Schächtung" in Hotels verabfolgt werden kann, für deren rituelle Führung weder die Person des Hoteliers noch jemand anders die Gewähr übernimmt. Dabei haben wir nur noch vorausgesetzt, daß alles Fleisch von der „zuverlässigen" Schechitah bezogen wird? Wie aber, wenn das Nur in dem beschränkten Maße geschieht, in dem es, um damit Reklame zu machen, unbedingt notwendig erscheint, der größte Teil des Bedarfs aber direkt;V?33 und den Gästen vorgesetzt wirdwie, wenn mehr Zungen beschafft werden müssen, als ">bo geschlachtete Tiere vorhanden sind/ wie, wenn die Dienstmädchen das Geflügel mit Küchenmeffern schlachten, oder ihnen einfach den Hals umdrehen? Wie, wenn das Fett aus unkontrollierbaren Quellen stammt? Ist ein solches Hotel dann auch noch ieo, „wenn es auch nicht unter Aufsicht steht?" Aber handelt es sich allein um die Beschaffung des Fleisches'? Ist alles koscher, wenn auch wirklich das Fleisch koscher ist? Ist man, besonders bei einem großen Betrieb mit vielen Küchenangestellten vor Vermischung und Verwechslung von Fleisch und Milch geschützt, wenn das Personal nicht durch zuverlässige Personen beaufsichtigt wird? Kann nicht schon beim Aufwaschen der Geschirre die Trennung von Fleisch- und Milchküche übersehen werden? Wie steht es mit der Bezugsquelle von Käse, um von Milch und Butter zu schweigen? Zeugen für solche Vorkommnisse hat man ja gewöhnlich nicht, da solche entweder abhängig sind oder im gegebenen Augenblick versagen. Aber — nennen wir es — die Möglichkeiten solcher Vorkommnisse müssen zugegeben werden, für solche Restaurants, die nicht von Leuten geführt werden, die entweder selbst persönlich religiös sind, oder in denen nicht Personen vor»' Händen sind, die durch ihr jüdisches Wissen die rituelle Führung gewährleisten können, durch ihren jüdischen Willen dies energisch wollen und durch ihre Unabhängigkeit dazu in der Lage sind. Solche Volkstäusckunger^ zu beantworten, hat die jüdische Gesamtheit in der Hand. An ihr liegt es, das Kaschrus dadurch HU fördern, daß sie nur dorthin geht, wo es wirklich ist.

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