Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 36 (7.9.1911)
- Date
- 1911-09-07
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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" Men*, „nationalpolittschen^ Propheten figurieren. Nur schade ferner, daß die wissenschaftliche Welt sich schwerlich von der Richtigkeit der Sonderstellung des jüdischen Staatsgedankens durch Melamed überzeugen lassen wird, da fie durch all das, was in dem Bliche an Seichtem und Unausgereistem vorher und nachher steht, sich genugsam abgeschreckt fühlen wird. Auch der Stil läßt überall sorgfältige Feilung schmerzlich vermiffen. In keinem unmittelbaren Zusammenhang mit der Philosophie steht das Buch von William Benjamin Smith: Ecce Deus (Verlag von Eugen Diederichs, Jena 1911). Das Buch sucht die bekannte Theorie des Verfassers, wonach der Stifter der christlichen Religion niemals gelebt hat, im einzelnen zu begründen. Das Buch wird den jüdischen Leser insofern interessieren, als er in ihm einen weiteren und überaus radikalen Versuch finden wird, die Grundschwierigkeit zu lösen, in die das Christentum vermöge der dogmatischen Doppelstellung seines Stifters als Gottmensch seit seinen Uranfängen sich verstrickt sah. Ob freilich die Lösung richtig ist, kann füglich bezweifelt werden. Namentlich kann dem Verfasser darin nicht zugestimmt werden, daß die Quellen von dem Stifter nicht den Eindruck einer wirklichen menschlichen Persönlichkeit ergeben. Das Gegenteil ist der Fall. Zumal die Schilderung der letzten Lebenstage des Stifters sucht -er Verfaffer meines Erachtens vergebens ins rein Symbolische zu kehren. Durch Kaiserschnitt ist das Grundproblem des Christentums nicht zu lösen. Lr. Zurück zur Thora? Eine Anfrage an Jungisrael von Wilhelm F r e h h a n (Preis 1,30 M.). Verlag A. I. Hofmann, Frankfurt a. M. ücherfchav. Echtes warmjüdisches Leben atmet die 51 Seiten umfassende hübsch ausgestattete Broschüre, welche in der gefälligen Form von Briefen an einen Freund nicht oen, sondern alle unsere jungen Freunde, nicht zuletzt diejenigen, die Erziehung und Milieu jenseits des jüdischen Denkens und Tuns gestellt, ins Vaterhaus, in die geweihten und sonnigen Hallen des jüdischen Pflichtenlebens ein» oder zurückführen möchte. Herzlich im Tone und mit der ganzen, den ewigen jüdischen Wahrheiten innewohnenden lieberzeugungskraft führt Freyhan seine Argumente, die alle aus dem Jungborn der Thora geschöpft' sind, gegen die Theorien des Abfalls und packt seine jungen Leser bei ihrem gesunden religiösen Instinkt und ihrem Wissensdrang. Unversehens werden fie mitten in die Weihe eines alten, echten jüdischen Gottesdienstes, in das Glück einer jüdischen Familie Hineingeführt, mitten in die Gedankenwelt der Psalmen, den Zdeenkreis unserer Gebete gestellt, wo Schuld und Sühne, Glück und Leid, Erfolg und Mißlingen und alle Dinge deS täglichen Lebens in ganz anderem Lichte erscheinen und nach ganz anderen Matzftäben gewertet werden. Es ist ein Buch, das jüdische Lebensanschauung, aus der es geboren, verbreiten möchte - es will der Jugend den Weg zur Thora weisen,und dieses edle Bestreben wird, so hoffen wir mit den: Verfasser, nicht vergebens sein. Sch. Der israelitische Sabbat. Von Dr. Johannes Helm. Aschendorffschr Buchhandlung. Münster 1909. 36 S. »Der Verfasser untersucht zunächst die Bedeutung der Siebenzahl bei den Babyloniern und im Allen Testament und führt fie auf die Mondphasen Zurück, die je 79/« Tage betragen. Er hebt aber nachdrücklich hervor, daß die babylonischen Siebenertoge von dem hebräischen Sabbat weit verschieden sind; denn jene sind Träuertage, Tage zur Versöhnung der erzürnten Götter, während der jüdische Sabbat ein Tag festlicher Freude ist. Er betont auch, daß es bei den Babyloniern eine siebentägige Woche nicht gegeben hat, während sie in Israel von je vorhanden war. Wenn bei den vorextttschen Propheten der Hinweis auf den Sabbat nicht so häufig ist, so erklärt der Verfaffer dies mit Recht aus dem Umstand, - daß es diesen Propheten viel mehr darauf ankam, das Volk zu ermahnen, daß die äußeren Kultusformen ohne die Reinheit der Gesinnung wertlos seien. Im Exil aber war die Betonung des Sabbats als des wichtigsten äußeren Zeichens, das Israel von den Heiden absonderte und in seiner Eigenart erhielt, von besonderer Tragweite. Der Verfaffer würdigt auch die soziale Seite des Sabbats. Wenn er trotzdem von dem pharisäischen Sabbat mit seinen „rigorosen und lächerlichen" Bestimmungen spricht und behauptet, erst der Stifter der christlichen Religion hätte den Sabbat „in die höhere Sphäre des Reiches Gottes" erhoben, so erklärt sich dieses haltlose Urteil einmal daraus, daß er doch das talmudisch-rabbinische Schrifttum zu wenig kennt und dann auch aus seiner Stellung als katholischer Theologe. Immerhin enthält die Schrift manche wertvolle Anregung. pösna« nn: 'O- Bon Oberrabbiner Jacob Tannenbaum S/y2£T Putnok. Herausgegeben von Moses Tannenbaum, Putnok, Ungarn. Selbstverlag des Herausgebers. Preis K. 2,50. Dieses überaus interessante verdanken wir Herrn Moses Tannenbaum, einem Enkelkind des Autors S"!Ll- Ich habe es unterlassen, eine Blumenlese aus dem genannten "122 folgen zu laffen, da der Verfaffer desselben schon durch eine Reihe nützlicher und geistreicher B'HBD wie I7ÖD1SK ma und pfiD-IBK Responsen zu den //tar und eine tiefsinnige Erklärung zum Pentateuch rühmlichst bekannt ist. Das uns vorliegende “|£jd reiht sich würdig den übrigen Teilen an, sowohl durch klare, gefällige Form als auch durch seltenen in seinen Exkursionen: die meisten Responsen (J"l"HP) beziehen sich auf praktische ntPJJttS nsSil- Auch findet jeder (-["fi eine Fülle von scharfsinnigen Erklärungen zu vielen Traktaten und in der Sprache spiegelt sich ein inniges Empfinden für wahrhaftige tP"T, ein heiliges Erbe seiner großen Vorfahren S"aL7 wieder. Das -)2B ist SdS mtP und jeder Leser wird es voll befriedigt aus der Hand legen. Halle a. d. Saale. Rabb. Israel Braun. Das Land ohne Heimkehr. „Die Gedanken der Babhlonier-Affyrer über Tod und Jenseits nebst Schlußfolgerungen" mit 8 Illustrationen. Von Friedrich Delitzsch. 1.—5. Tausend. Stuttgart 1911. Deutsche Berlagsanstalt. 48 S. Seit dem Erscheinen des ersten Vortrags „Babel und Bibel" hat Friedrich Delitzsch den Ehrgeiz, det religiöse Reformator seines Volkes zu seiner will sich nun einmal nicht mit dem Ruhm eines der bedeutendsten und sicherlich des bekanntesten Assyriologen begnügen. Die vorliegende Schrift ist vorwiegend dem Nachweise gewidmet, daß die Vorstellungen des Neuen Testaments über Hölle und jenseitiges Paradies, über den Teufel und die Dämonen aus batylonischen Anschauungen stammen, und er appelliert an das Gewissen des modernen Christen, ob er sich in seinen religiösen Gefühlen von Anschauungen gängeln lassen will, die im wesentlichen heidnischen Ursprungs sind. Von diesen Ausführungen wird das Judentum nicht berührt, da die eschatologischen Ausetnandersktzungeu dieser Art, so sehr sie in den Apokryphen eine Rolle spielen und auch im Ta mud und Midrasch Vorkommen, doch nie dogmarisch formuliert worden sind, ja dort, wo es sich um ote Gesamtauffassung des Judentums handelt, völlig vernachlässigt werden. Bon Interesse für uns sind lediglich die Ausführungen in dem ersten Teil der Schrift, in denen die Parallelen zwischen den Vorstellungen der Babylonier über den Tod und denen im Alten Testament aufgezeigt werden. Da gilt denn von dieser Veröffentlichung Delitzschs, was von seinen Veröffentlichungen über Babel und Bibel gilt. Sie tritt mit dem Anspruch aus, etwas ganz neues zu geben und enthält doch nur Dinge, die dem Kundigen längst vertraut sind und in zahllosen Schriften viel gründlicher behandelt worden sind. Daß die Volksanschauung, wie sie im A. T. vorausgesetzt ist, e ne ähnliche ist, wie die der heidnischen Umgebung, daß sie von einer Unterwelt und von kraftlosen Schatten reden, ist leicht verständlich. Denn diese Anschauung und der dieser Anschauung entsprechende Sprachschatz war den Hebräern sicher schon von Alters her eigen. Es kommt nur darauf an: Wird diese Vorstellung auch von den Propheten und Sängern der Bibel, den Urhebern der einzelnen Aussprüche geteilt, in dem Sinne, daß auch diese sich das Fortleben nach dem Tode in einem wesenlosen Scheine dachttn? Eine Reihe, vor alten christliche Autoren, bejaht diese Frage, wir verneinen sie mit anderen ebenso entschieden (vergl deS Referenten Abhandlung: „Die Unsterblichkeitslehre in der Bibel". Berlin 1900). Delitzsch hat für die Entscheidung dieser Frage nicht das geringste beigetragen. Wohl aber begegnen wir den uralten Ladenhütern der beliebten Beweisführung. Aus Koyelely 9, 7—10 wird bewiesen, daß die alttsraelitische Religion ausschließlich eine Religion des Diesseits ist undKoheleth 11, 9ff. und 12, die doch dem Verfasser unbedingt einfallen mußten und die nur Sinn haben unter der Voraussetzung des Jenseits,, werden unterschlagen. Ein. kleiner Beweis dafür, wie wenig Delitzsch im Gegensatz zu den bedeutenden Exegeten, seinem Barer Franz Delitzsch, mtt dem Geistes¬ und Sprachschatz des Judentums vertraut ist, haben wir aus Sette 13. Dort heißt es: „Zwei in Assur gefundene schlichte Backsteine tragen die bedeutsame Aufschrift; Palast des Ausruhens, Wohnung der Ewigkeit, sestgegründetes Familienhaus Sanheribs" rc. Die Bezeichnungsweisen: „Wohnung der Ewigkeit" und . Familienhaus", / letztere erinnernd an das „Zu den Vätern versammelt werden des Alten Testaments, führen mit Sicherheit darauf hin" rc. Delitzsch hat also erstens nicht an Koheteth 12,5 7öSir JV2 S« D*TKn -sSlN '2 gedacht, wo die Begräbnisstätte „Wohnung der Ewigkeit" genannt wird, sonst hätte er auch diese Parallelen aufzuweisen nicht unterlassen. Das ist nicht so nebensächlich, denn Koheleth 12 enthält zum großen Teile eine Schilderung des Alterns und Sterbens, berührt sich also mtt dem Thema der vorliegenden Abhandlung. Völlig verborgen blieb ihm aber, daß bSv JT2 der spezifische Ausdruck innerhalb des Judentums für den Friedhof ist. Ebenso flüchttg ist es, aus Ezechiel 32, 27 zu schließen: „Das Mitgeben von gefüllten Eß- und Trinkgefäßen mannigfacher Art, vielleicht auch das Mttgeben der Schmucksachen, Waffen usw., an denen der Betstorbene einst mit Liebe gehangen, findet sich abermals übereinstimmend bei den Babyloniern sowohl als bei den Hebräern." Daß die Helden, die in ihrer Kriegsrüstung in die Unterwelt hinabstiegen, denen man ihre Schwerter unter ihre Häupter legte, israelitische Helden gewesen, daß Ezechiel dabei an einen israelitischen Brauch denkt, davon steht kein Wort im Text. Natürlich sind heidnische Helden gemeint, wie ja auch Kantzel, wenn auch mit Hilfe einer Textemendation übersetzt: „Sie liegen nicht bei den Helden, den in grauer Vorzeit Gefallenen". Bergt, daselbst. — Doch was an Delitzschs Arbeiten auszusetzen ist, sind immer nur die „Schlußfolgerungen" theologischen Inhalts. Die Mitteilungen aus den babylonisch-assyrischen Funden, wie sie vor allem in den Anmerkungen uns gegeben werden, bieten ein reiches Material von Neuem und Wissenswertem dar und find für jeden Bibelkenner von großer Bedeutung. Er-bestattung und Leicheuverbrerrrmng im Lichte des Wortes Gottes und der Geschichte. Von Prof. Th. Berger. 2. Aufl. Hellmuth Wollermann. Braunschweig und Leipzig 1911. 32. S. Die vorliegende Schrift ist ein Bortrag, den der Verfasser im Blbelbund zu Kolberg gehalten hat. Nachdem er kurz die ärztlichen Zeugnisse dafür angeführt hat, daß sich vom medizinischen Standpunkt gegen die Erdvestattung nichts etnwenden läßt, geht er näher auf die religiöse Seite der Frage ein und weist nach, daß die Erdbestattung nicht bloß eine kirchliche Sitte, sondern ein Dogma sei, das nicht geändert werden darf. Er erwähnt die verschiedenen Stellen der Bibel, wo von der Bestattung die Rede ist, insbesondere aus die Stelle, wo das Begraben des Hingerichteten Verbrechers geboten wird, und zeigt, daß die Stellen, wo von einem Verbrennen gesprochen wird, zu Unrecht für die Ansicht der Gegner ausgebeutet werden. Wenn auch der Borttag die Sache vom christlichen Standpunkt bettachtet, so ist er doch auch für uns recht lesenswert, zumal man ja auch in liberaljüdischen Kreisen versucht, aus der heiligen Schrift Blweise für die Zulässigkeit der Modetorheit der Leichenverbrennung herzuleiten. U. I « *7V7 Rezitativs und Duetten für die Hohen Feiertage von Kantor I. D. AlperoWitz in Jurburg (Gouv. Kowno, Rußland). Selbstverlag des Verfassers. Freunden des russischen kann dieses 170 Seiten starke synagogale Gesangbuche nicht genug empfohlen werden. Jene innigen schwermüttgen Weisen, aus denen ein ganzes leidendes Volk zu schluchzen scheint, sind hier in allen Bariattonen geboten. Dazu kommt eine ganze Reihe kräftiger Dur-Chöre, die sich in Rhythmus und Melodie harmonisch an den Text anlehnen. Das ttrfe Verständnis für das Wesen und die Eigenart der einzelnen Gebete, bas Bestreben deS Komponisten, feine Töne, dem inneren Gehalt der nS'BD möglichst anzupassen, ist cs, waS überhaupt dieses Buch auszeichnet. Im Osten, auch in Oesterreich-Ungarn und in Nordbeutschland werden diese Gesänge den Kantoren gute Dienste leisten und auch im Westen werden fie viele Freunde finden. Sch. iaJAg-- .-Ai -■ ÄtiV i-ifri ■Ükit MiÜüiii