Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 34 (24.8.1911)
- Date
- 1911-08-24
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Leben inOberungärn" von L. Klein (Heft 36), I „Zur jüdischen Namenökunde" von M.Grunwald (Heft 37) und ein äußerst interessanter Aufsatz des bewährten historischen Schriftstellers L. Horwitz, Kassel (Heft 38) über ,Mne alte Schulordnung aus dem Jahre 1802", wie sie dem Lehrplane der 1848 eingegangenen jüdische Franzschule zu Deffau zugrunde lag. Das Heft 6 der von Dr. Georg M i n d e - Ponner im Verlage von O^kar Eulitz, Liffa herausgegebenen Monatsblätter für Heimatskunde : „Aus dem Posener Lande" steht fast ganz im Zeichen der Ostdeutschen Ausstellung in Posen. Der belletristische Teil bringt aber die erste Fortsetzung eines Romanes aus dem Posener Ghetto zur Zeit des siebenjährigen Krieges aus der Feder des Herrn I. Herzberg, Bromberg. Die nutftodt d«$ Denn Ludwig Seiger. Bon Rabbiner Dr. Kaatz in Zabrze. (Schluß.) 3. Herr Geiger behauptet einige Zellen weiter, daß ich in meiner Schrift auch den Rückzug Abraham Geigers in der Angelegenheit der Reformpartei zu Breslau darauf zurückführe, daß der Genannte „ein größeres Amt nicht aufgeben wollte, um ein minder großes anzunehmen". Diese Behauptung des Herrn Geiger ist stockdunkel. Auf fie paßt das Wort: „Wer kein Maultier ist, findet in diesem Nebel keinen Weg." Bon welchem anzunehmenden Amte spricht denn Herr Geiger? Ich erzähle S. 68 f. von den Breslauer Reformern, die 1845 eine Erklärung in der Zeitung veröffentlichten. Dieselben harten Abr. Geiger kein Amt angeboten, noch hatten sie ein solches überhaupt zu vergeben. Das, was Herr Geiger mir hier in den Mund legt, findet sich in meiner Schrift nicht. 4. Herr Geiger schreibt weiter: „Ich würde auf die Schrift nicht Hinweisen, wenn fie sich bloß als ein Pamphlet gäbe, aber fie will historisch sein, fie entnimmt aus den Tagebuchniederschriften und aus den vertrauten Briefen Waffen gegen den Mann, der der Orthodoxie stets ein Dorn im Auge war." Ich antworte daraus: Diese Bemerkung des Herrn Geiger ist geeignet, den Unkundigen, mit der Sachlage nicht Vertrauten irre zu führen und ihn der falschen Annahme zu verleiten, ich hätte in unstatthafter Weise vertrauliche Mitteilungen ausaebeutei. Die Sache ist aber in Wirklichkeit die, daß Herr Ludwig Geiger selbst die Tagebuchniederschriften unb ole vertrauten Briefe Abr. Geigers herausgegeben hat und im Buchhandel erscheinen ließ. Wen will Herr Geiger eigentlich blenden? Oder glaubt er, dem das orthodoxe — nach Ansicht vieler sogar nicht bloß das orthodoxe — Judentum ein Dorn im Auge ist, es der wtffenschaftlichen Forschung verbieten zu dürfen, das vorliegende von ihm selb st herausgegebene Material zu freier, selbständiger, historisch kritischer Bearbeitung zu benützen, wofern die Ergebnisse der Kritik nicht durch unsachliche Rücksichten auf Personen und Berhältniffe beeinflußt find? Aber er wird sich schon mit der Tatsache abfinden müssen, daß sich die Forschung das nicht wird verbieten lassen. Er kann das .Brunnenrohr der Kritik" Wohl eine kurze Weile verstopfen oder von Freunden verstopfen lassen, aber die Wahrheit wird schließlich doch ihren Weg finden. Es hat niemand Herrn Geiger gezwungen, das Material zu veröffentlichen. Er mußte mit der Tatsache rechnen, und er hat auch, wie aus einer Anmerkung in der A. Z. d. I. 1896 S. 165 zu ersehen ist, damit gerechnet, daß manche der veröffentlichen brieflichen Bekenntnisse Aufsehen erregen werden. Er hat trotzdem geglaubt, sie nicht unterdrücken zu sollen. Es liegt nun nicht mehr in seiner Macht, zu verhindern, daß die Veröffentlichungen wissenschaftlich verwertet werden. Ob meine Schrift ein „Pamphlet,, oder eine ernst zu nehmende Arbeit ist, - darüber steht weder mir, dem Verfasser noch ihm, dem Sohne, ein maßgebendes Urteil zu. Die Entscheidung darüber werde ich und muß er anderen überlassen. 5. Herr Geiger sagt ferner: „Der gute Herr Kaatz in Zabrze scheint nicht zu ahnen, daß bei denkenden Menschen ein Entwicklung stattfindet, und daß für jeden Theologen, w.nn er sich nicht von Anfang an gefangen gibt, eine Sturm- und Drangperiode existiert. Er wendet eine höchst unwürdige Kampfcsweise an dadurch, daß er selche vertrauliche Aeußerungen, die,im <. Moment des. Unmutes niederpeschrieb'cn und die ziemlich bald, nachdem sie geäußert werden, au gegeben worden, als echtesten, ja, als einzigen Ausdruck der Ueberzeugung seines Gegners annimmt." Hierauf antworte ich: „Herr Geiger versucht wieder die Unkundigen zu irritieren, indem er tatsächlich unrichtige Behauptungen aufstellr. Daß ich von dn.Existenz einer Smrm- und Drangperiode nichts zu „ahnen" scheine, ist ja an sich schon eine lächerliche Bemerkung. Aber die Bemerkung hört auf, bloß lächerlich zu sein, da ich, was H.rr Geiger geflissentlich verschweigt, in meiner Schrift (S. 34) ausdrücklich sage: ==si^s=±s=z=£!=2^S=ss!si=i=s±Bgs2=Z=^==s^Bgs±=s „Hätte er (Abraham Geiger), der solche Gefin" nungen im Innern hegte, in seiner Sturm" und Drangperiode (in meiner Schrift nicht gesperrt) öffentlich und unzweideutig seine Herzensmetnung zum Ausdruck gebracht und die Konse. quenz aus ihr gezogen, so wäre vom sittlichen Standpunkte aus sein Verhalten ein lauteres gewesen..." - Das vorliegende Beweisthema lautet: Welches war in Wirklichkeit die religiöse Ueberzeugung Abr. Geigers? Zwischen dem, was er öffentlich aussprach und dem, was er gleichzeitig in vertraulichen Bekenntnissen niederlegte, ist ein unüberbrückbarer Gegensatz. Sind die öffentlichen oder sind die vertraulichen Aeußerungen eine beamteten Rabbiners über religiöse Dinge als Ausdruck seiner Herzensüberzeuqung anzuschen? Ich meine, daß die Antwort nicht zweifelhaft sein kann. 6. Herr Geiger schließt seine Besprechung mit den Worten: „Er entwirft dadurch ein Zerrbild, das den Lesern des „Israelit" wahrscheinlich gefallen wird, anderen verständigen Menschen dagegen nur als ein Zappeln ohnmächtiger Wut (vonmir gesperrt) gelten kann." Die schnoddrige, übrigens völlig deplazierte Redensart, die Herr Geiger, um mir seine Verachtung zu zeigen, auf mich anzuwenden beliebt, fällt auf ihn selbst zurück. Die stilistische Entgleisung, die chm, der doch sonst ein gutes Deutsch schreibt, dabet begegnet, daß er, statt den Maler des Biloes zappeln zu lassen, das Bild selbst rappeln läßt, verstärkt den Eindruck, daß er bet der Abfassung seiner Besprechung in mächtiger oder, um seinen eigenen Ausdruck anzuwenden, ohnmächtiger, sagen wir, Erregung sich befunden hat. Nicht zum ersten Mal. Ich möchte ihn z. B. an etwas erinnern. Abraham Geiger hat in vertraulichen Briefen einem Mann, wie Ludwig P h t l i P p s o n „die Reinheit der Gesinnung" abgesprochen (Leben in Briefen S. 149), und von ihm gesagt: „Die Welt dreht sich um und RhilipPson redet wahr" (S. 329), hat ihn also als einen gewohnheitsmäßigen Lügner bezeichnet, hat ferner einen Mann wie Grätz, dessen Bedeutung als Historiker die Abr. Geigers turmhoch überragt (S. 257), einen „Schwindler und Charlatan von der ersten Sorte" genannt. Und Herr Ludwig Geiger hat sich bei der Herausgabe der Briefe nicht gescheut, obwohl er sonst scharfe Urteile über Personen meist getilgt hat (S. VI), diese beschimpfenden Ausdrücke „nach reiflicher Erwägung" (a. a. O.) stehen zu lassen. Zu welchem Zwecke hat er diese Beschimpfungen verewigt? Hatte das überhaupt irgend einen moralischen oder wissenschaftlichen Zweck? Ich denke, ein Mann, der fich nicht scheut, „nach reiflicher Erwägung" durch solche Mittel Gegner zu verunglimpfen, überträgt lediglich Regungen der eigenen Psyche auf andere, wenn er von einem „Zappeln ohnmächtiger Wm" redet. ücherscha«. Natur und Bibel in der Harmonie ihrer Offenbarungen. Ein Handbuch moderner Forschung in Verbindung mit Professer Dr. Otto Hermann und Dr. Karl Hauser herausgegeben von Dr. Johannes Riem. Mit 17 Bildertafeln. Hamburg 1910. Agentur des Rauhen Hauses. 8°. XVI und 365 S. In einer weitverbreiteten Tageszeitung, aus der das liberale Judentum mit Vorliebe seine „Bildung" schöpft, stand kürzlich ein Artikel: „Aus dem Zauberkabinett der Biologie". Da wurde uns wieder einmal erzählt, wie herrlich wett wir es gebracht, baß jetzt die Möglichkeit einer künstlichen Befruchtung von Tiereiern gegeben sei' Und trotzdem der Verfasser uns selbst erzählt, daß kein einziges dieser Kunstgeschöpfe am Leben blieb, meint er am Schluß: „Von größerem Jnteresie ist vorläufig die Frage, wie weit es der Forschung gelingen wird, bis zu noch höheren Tieren in ihren Erfolgen künstlicher Befruchtung aufzusteigen oder gar zum Menschen?" Also weil es gelungen ist, ein Seeigelei nicht bloß durch befruchtendes Sperma, sondern schon durch einfache Chemikalien zur Entwicklung zu „reizen", oder weil beim Frosche ein übrigens nicht lebensfähiges Gebilde durch mechanische Einwirkung erzielt wurde, steht der Verfasser des Artikels auch schon beim Menschen eine völlige Umwälzung voraus. Das ist nur ein Beispiel von den vielen, wie von Halbgebildeten für die H alb bildung die an sich so überaus wertvollen und schätzenswerten Fortschritte der Naturforschung ausgeschlachtet werden, um als Bausteine für eine mechanistische Weltanschauung zu dienen Allen derartigen Einwirkungen gegenüber, die ununterbrochen aus den Leser von Zeitungen und Zeitschriften ausgeübt werden, gibt es nur ein Mittel. Man greife zu den gediegenen wissenschaftlichen Schriften, die eingehend über die Fortschritte der Naturwissenschaft unterrichten, und dennoch immer sehr der Schranken bewußt sind, die die wirklich gesicherten Ergebnisse von. I phantastischen Hypothesen trennen. Noch wertvoller find » solche Bücher, die den Nachweis erbringen, daß dt« Grundlagen der religiösen Weltanschauung den moderner, Forschungen unerschuttert bleiben. Eines der besten Bücher dieser Art aus der letzten Zeit ist das vorliegende Buch vpn Riem. Seine Vorzüge vor ähnlichen Büchern dieser Art find die folgenden. Zuerst: In die Arbeit haben sich drei Gelehrre geteilt. Riem behandelt „die Kosmogonte", Hauser „Forschung und Lelenserkenntnis", Hamann „die Herkunft der Menschen im Lichts der modernen Anthropologie". Die Mitarbeiter sind durch ihre Schriften und Aussätze bereits bekannt, Hamann steht unter den anerkannten Bekämpfern der „Darwinischen Orthodoxie" sogar in vorderster Reihe. Sein Buch „Entwicklungslehre und Darwinismus", eine kritische Darstellung der modernen Entwicklungslehre wird oft zitiert. Wir können daher sicher sein, in dem vorliegenden Werke stets wissenschaftlich unanfechtbare Ausführungen vor uns zu haben. Der zweite Vorzug ist, daß die neuesten Ergebnisse der Natursorschung berücksichtigt sind, z. B. in der Kosnrogonie die Wandlungen in der Awmenlehre durch die Probleme, die das Radium uns aufgibt, im dritten Teil die Deutung der Transfusionsversuche, die für die Verwandtschaft zwischen Affen und Menschen ins Feld geführt werden. Im zweiten Teil hätten wir eine größere Berücksichtigung der Entwicklungsmechanik gewünscht. Die Auseinandersetzungen über die Urzeugung im Kaptrel „Begriff und Ursprung des Lebens" S. 201 ff. würden z. B. nicht ausrkichen, um dem Leser über einen solchen Artikel, wie den oben erwähnten, aufznklären. Und die Experimente mit dem Seeigeiet sind ja schon älter als ein Jahrzehnt. Ein dritter Vorzug ist, daß nicht, wie in dem bekannten Buche von Urquhart z. B. „Die neueren Entdeckungen und die Bibel" der Versuch gemacht wird, alles und jedes zu erklären und bis ins Einzelne jeden vermeintlichen Widerspruch aufzulösen. Mit Recht meinen die, Herausgeber, daß es nicht darauf ankäme, die Identität zwischen Natur und Bibel zu erweisen, sondern nur die Harmonie ihrer Offenbarungen aufgudecken. Bedauerlich ist freilich, daß wir an manchen Stellen, wie z. B. an der Behandlung der Sintflut keine reine Freude haben könneu. Der Verfasser operiert dort mit den Quellen der Bibelkritik, mit P. und I. Damit werden seine Ausführungen für uns unannehmbar. Der vierte Vorzug ist die Form der Darstellung. Es ist nicht ein populäres Buch im schlechten Sinne des Wortes. Aber die Schwierigkeit, die ungeheure Fülle des Tatsachenmaterials in ein entsprechendes Gewand zu kleiden, ist glücklich gelöst. Es ist bei gutem Willen auch für jeden Laien lesbar. Wir wünschen dem als Ganzes betrachteten außerordentlich wertvollen Werke die weiteste Verbreitung. .h. 24. klne neue Rirscb-üebcrsmung. Tie unsterblichen Werke S. R. Hirschs sind, wie bekannt, bereits in verschiedene europäische Sprachen übersetzt worden. Erst vor anderthalb Jahren ist die ungarische Uebersetzung der Neunzehn Briefe seitens des Sarospataker Rabbiner PS. Fischer Herausgegeben worden, und heute können wir wieder von einer ungarischen Hirsch-Uebersetzung berichten. Diesmal handelt es sich um ein kleines, aber nicht minder wertvolles Werk, um die herrliche Jeschurun- Artikelserie: „Der jüdische Sabbath". Dem Büchlein verleiht eine besondere Aktualität die in Ungarn einsetzende mn Bewegung, deren Hauptzweck, gemäß der Anregung des Deutschen Verbandes, die Förderung der 712V fi"PDU ist. Dieser rühmenswerten Aktion widmet der Uebeesetzer, Herr cand. Phil. Samuel Feldmann in Großwardein, (gewesener Hörer der Frankfurter Jeschiwa) das Werk den Propagandazwecken, da es sich als solches in Deutschland vorzüglich bewährt hat. Dem Werkchcn 132c r6m “1ED geht eine niEDDH des Frank«urter Rabbiners Dr.' Sal. Breuer, voran, und es ist vom Uebersetzer mit einem Vorwort versehen, aus dem wir folgenden Teil im „Israelit" wiedergeben: Das Kriterium der positiven Religiosität im Judentum ist: Die Beobachtung des Schabbos. „D e r Sabbath t st der Probier st ein der Jude n." Am Sabbath zeigt es sich, ob jemand sein Judentum ernst auffaßt, ob er dafür auch Opfer zu bringen fähig ist oder nicht. „Nenne dich nicht mehr Jude, wenn du den Sabbat nicht hältst, nenne dich nicht mehr Jude, wenn dein Gotteserkennlnis rmd Gottvertrauen die Sabbatprobe nicht besteht!" ruft uns Samson Raphael Hirsch y'XT, der Geistesheros der deutschen Orthodoxie, der Großmeister der jüdischen Wissenschaft aus den folgenden Blättern entgegen. Daß die Ausrede nran könne heute nicht Schabbos halten, nicht stichhaltig ist, das beweist am eklatantesten der Umstand, daß wir in Deutschland, sowohl in der Geistesals in der Geldaristokratte, unter den Sanilälsräten und Professoren ebenso wie unter dev Kommerzienräten und kleineren und größeren Rothschilds, zahlreiche gewisienhaite Bekenner des uralten Schabbos finden. Diese wahrhaft orthodoxen Juden haben eben vermöge ihrer höheren Bildung ihren Idealismus bewahrt und begnügen sich nicht mit einer Phrasenreligion, eben weil sie frei und konsequent denken, wissen, daß man nicht die Religion, nicht das Gottesgesetz dem Berufe, der Bequemlichkeit anzupassen brauche, sondern umgekehrt. Sie begreljen, daß „mit dem Schabbos steht und fällt das Judentum!" Möge auch diese Uebersetzung zur Verbreitung der Sabbatioee in Ungarn beitragen. ne da Sowie suchen iwfn uiffld Lebr< f«« Ins B