Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 34 (24.8.1911)
- Date
- 1911-08-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israeli Ein Centralorgan iir das orthodoxe Judentum Begründet non Dr. Lehmann in Blainr 82. JatiroaniL esse Sranhturf a. ITT.. Sen 24. August 1911. 30. Aw 5671. «WSS M 34 Avo»»e«e«t Pro Vierteljahr: Gewöhnliche Ausgabe Mk. r.50. Heftausgabe (KuustdruM Mk. 3.—. Auslandspreise: Gewöhnliche Ausgabe: Vesterreich-Uugarn 8 Ex„ Rußland l Bub„ England 2 »h., Amerika BO et».. Niederlande 1.20 fl., Frankreich Fr», wo. LbonnementS bei allen Postanstalten, Buchhandlungen, sowie direkt bei dem Verlag. HeftauSgabe nur direkt. Der Israelit erscheint jedm Donnerstag. Inserate r 30 Pfennig für die sechsgespaltene Lolonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. Koserateaatmahme nur durch Haasenstein u. Bögler A.-G. Frankfurt a. M.. und deren Filialen. Zahlungen können außer direkt an den Verlag erfolge» Per «onto bet -er R. St. Vostsparkasse «ie» «0. 79605. «pnto bei de« P. Postsp arkastenanet «ndapest Ro.18424- Skonto bet der Gttgaer Tommergbank i» Aktga und deren Filialen. Oer nadiSruft Oer flrflKei unO Correfpon0en?en Oes „Israeüt“ Iff nur unter genauer Quellenangabe, unO, soweit es fldi um gröiere nuQfifce bandelt, nur nadi vorheriger Oenehmigung gestattet. KrcheUlsüvrrstchl. 1. Leitartikel: Jüdische Uolkseristen; und jüdische Grsetzestreue. — 2. Wochenrundfchau: Misrachi 'und Zionismus. 3. Aufsätze: Hei den Ghasstdim. — 4. Kleines Feuilleton: Eindrücke vom 10. Zionistenkongreß. — Oskar Stein: Der Sabbatgast. — Josef Israels und der marokkanische Jude. — 5. Korr e spondenzen und Nachrichten: Altona (Morja.) — ^Leipzig (Aus der Gemeinde.) — Die tttnt Zionistische Kettung. Basel. — Der 16. Internationale Tierschutz- Kongreß in Kopenhagen. Kopenhagen. — Die Deerdigung Josef Israels. Haag. — Lemberg (Jüdische Kaufleute.) Budapest (Der Minister gegen den Antisemitismus.) — Dir Regierung und die Ira. Petersburg. — Gegen den Koard of Deputes. London. — London (Der Nachlaß des Chiefrabbi.) — Der Kolal der Kolaltm. Jerusalem. — Gin Ctzacham-Kaschi in Jaffa. Jaffa. 6. Vermischtes: Konstanz. — Gemen (Westfalen). — Emden- — Preßburg. — Nadom (Rußland). --- 7. P ers 0 n a lie «: Frankfurt a. M. — (Rabbi Chanoch Hausdorff ^"¥f). — Butzbach. — Wiesbaden. — Aschbach. — Barpatota. — Burgkundstadt. 8. Sprechsaal. — Briefkasten. — Vereinskalender. — Familiennachrichten. — 9. Beilagen: Feuilleton-Beilage: Sarah Gugenheirner: Kiah. — Literarische Warte: KUrrarischr Rundschau. — Rabbiner Dr. Kaatz in Zabrze: Dir Methode des Herrn Kudwig Geiger. — Bücherschau. — Eine neue Hirsch-Uebersetzung. — Jüdischer Volksfreund: Dr. A. Neuwirth in Berlin: Moderne Meltanschanungund Traditionen.— Haben mir Dogmen? — Dir dreizehn „Glaubenslehren" des Maimonides. — W. W. in C.. Italien. — Ein interessanter Prozeß. ISstische Uolksexlslemz und jödircbe gesetzestreue. Von Herrn Dr. Felix Teilhaber empfangen wir folgende Zuschrift: Mn Witzbold äußerte dieser Tage, baß die Witze der letzten Zeit nur eine Emanation der vielen Kongresse sei, wo eS so heiß hergehe. Daran wurde ich erinnert, als ich im„JSraelit" laS, ich hätte die nnjüdische Hoffnungslosigkeit, die wie ein Alb sich auf das jüdische Volk legt, mit meinem Schreiben gefördert. So steht nämlich zu Beginn etnes^Slrtikels im „Israelit" in Nr. 3S „D t e Sp rach e d er Zahlen", der anscheinend unter dem Eindruck der Lektüre meiner wissenschaftlichen Arbeit „Der Untergang der deutschen Juden" geschrieben ist, wenngleich diese Würdigunq oder Besprechung die bedeutsamen biologischen und nationalökonomtschen Forschungen mit keinem Worte der Anerkennung berührt und nur die angebliche ganz oberflächliche Art, mit der ich nur die ins Auge fallendsn Giftpflanzen, nicht aber die Sümpfe, denen sie naturgemäß erwachsen find, behandelt habe. Ueber diese Auffassung meines Kritikers könnte ich noch rechten, zur Not auch darüber, ob ich nicht „fahrlässig", sonder „geflissentlich die Quelle, die der traurigen Situation der deutschen Juden Heilung und völlige Genesung verspricht, ignoriert habe." Schon hierin liegt implictte der Vorwurf, daß mein Motto sine ira et Studio tin Imtö, womöglich Reklame- Aushängeschild war, an daS ich mich nicht gebunden gefühlt habe. Bon einer rein wissenschaftlichen Arbeit rann man aber verlangen, daß der Verfasser geflissentlich nicht etwas vermeidet, was andere Schlüsse als die von ihm gefundenen ergeben müßte. Der Borwurf, der hierin für einen Wissenschaftler liegt, ist also schon recht stark. Die Behauptung aber, die in dem ersten Abschnitt deö Artikels liegt, enthält in ihrer Form eine Würdigung meiner Person, die mich in den Augen vieler tief herabsetzen muß. Bekanntlich liest ja unser jüdisches Publikum die jüdischen Bücher gerne im Auszug der jüdischen Zeitschriften, ur d wenn da von einem Werk nicht verraten wird, daß es viele große und neue Probleme und Forschungen enthält, dann steht sich der Leser nicht veranlaßt, auf das Buch selbst zurückzugreifen. Ich bin nun meinem Namen als jüdischerPubltztst schuldigste Darstellung des Leitartikels „Die Sprache der Zahlen" so zu berichtigen, daß die überaus schiefe Darstellung mich nicht in dem gleichen Lichte erscheinen läßt. Der Kritiker schreibt darin, es nabe der Pesfimusmus die große Reche der Auflosungsapostel zur Lösung der Jubenfrage auf den Plan geführt, welche stch auf die statistische Wissenschaft berufen. „Nun hat stch diese Auflösungslitiratur — wenn man diese Versuche Rathenaus, Fromcrs, KohlerZ u. a. m. so nennen darf — um eine statistische Quellenschrift bereichert. Denn auf Zollschan ist jetzt Dr. Felix A. Theilhaber mit dem ganzen schweren Zahlenapparat gefolgt . . ." Ich muß mich ganz entschieden dagegen verwahren, mit Fromer auf der Anklagebank zusammengeführt zu werden. NtrgentS in meinem Buchhabe ich auch nur den Versuch gemacht, die Auflösung zu propagieren. Ueberhaupt ist mein Werk von denen eines Fromer so verschieden, daß ich nicht verstehe, wie man mich mit Grazie mit den Feinden Israels zusammen in einen Wurstkessel werfen kann, wo ich schmoren soll. Ich führe Tatsachen an, welche den Untergang der Juden herbetführen müssen, wenn man ihnen nicht entgegentrttt. Und zwar ist dieser Untergang Israels nicht infolge der Auflösung, sondern infolge der Unterfruchtbarkett bestimmt. Dazu gebe ich gerade in meinem zweiten Teil das Paroli gegen den Auflösungsprozeß und den Aussterbevorgang vorzugehen. Mein Buch ist gerade der Literatur der Fromerschen Gedanken entgegengesetzt. Es ist ein Buch, welches das Leven und nicht den Tod der Juden haben möchte. Dem qrbe ich oft klipp und klar Ausdruck. Wer mich also den Feinden unseres Volkes zugesellt, der tuc mir Unrecht. Gerade so gut wäre ja auch der Artikel „Die Sprache der Zahlen" ein Produkt der Auflösungsliteratur. Sagt doch der Verfasser selbst: „Es wäre ein müßiges Unterfangen, die Sprache dieser Zahlen (bezieht stch auf die Geburtsabnahme, Zunahme der Mischehen, Taufen, der Degeneration rc.) abschwächen zu wollen. Sie ist zu laut und zu eindringlich, um durch theoretische Expektorationen nach' dieser oder jener Richtung übertönt zu werden." Wir find also im Grunde genommen einig: Es liegen traurige Verhältnisse vor. Mein Herr Rezensent ist trotzdem (hoffentlich doch nicht eben deshalb) Optimist, ich huldige dem Pesfimtsmus. Ich glaube, mein Pesstmismus hat gute Gründe. Schreibt mir doch e.ner der bedeutendsten Juden unserer Zeit, dessen Namen ich der Redaktion zugleich mitteile: „Das von Ihnen m klarer Weise angeführte statistische Material spricht eine traurige Sprache. Sie hat wetten Kreisen gezeigt, mit welch großer Sorge wir der Entwicklung der deutschen Juden entgegensehen müssendie von Ihnen angeführten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache — die Krankheit haben Sie richttg geschildert . . ." Ich könnte viele Zeugnisse und die Besprechungen in einer Reihe von Blätiern anführen, welche die Gefahr für das deutsche Jndentum anerkennen. In Zetten der Gefahr aber dem Optimismus zu huldigen, ist ein Unterfangen, das ich picht näher kritisieren möchte. Auf Grund welcher Tatsachen aber erlaubt stch der Verfasser des Artikels, „daß Zahlen eine beredte Sprache reden", zu feinem Optimismus zu kommen und noch den Mut zu haben, mir alle die Borwürfe zu machen, daß ich an derOberfläche haften bleibe, daß meine Behandlungsmethode Unstnn sei rc. Der Verfasser geht davon aus, daß nur die Rückkehr zur Thora da« Volk erretten kann. Ich möchte noch nicht darauf etngehen, ob dadurch das Volk wirklich gerettet werden kann. Das will -ich später besprechen. Ich frage aber meinen Kritiker, ob, so wie die Verhältnisse heute liegen, auch nur einige Aussicht vorhanden ist, daß die Mehrzahl der deutschen Juden, die sich von der Orthodoxie abgewendet hat, zu ihr zurückkehrt? Und da muß ich als Wissenschaftler, der ich die Bedeutung der Trastton für die Erhaltung der Judenheit nicht nur in früheren Zeiten, sondern auch heute gern und freudig anerkenne, aufs ausdrücklichste von meinem KrittkuS verlangen, daß er auch nur einen Versuch eines Beweises machen solle, wie diese Rückkehr der deutschen Juden zur Thora erfolgen könne. Darin unterscheide ich mich eben vom Herrn KttttkuS, daß ich mich gern belehren lasse. Wenn mir der Beweis geboten wird, daß heute z. B. die Bewegung in den jüdischen Massen nicht von der Orthodoxie weg, sondern zur Orthodoxie führt, daß die vielen Momente, welche wirtschaftlicher und niderer Natur find, und den um stch greifenden Abfall von der Orthodoxie bedingen, erfolgreich ausgeschaltet werden, dann wird mir der Schluß völlig akzeptabel erscheinen. i I .; v-' - •J; A ■i