Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 32 (10.8.1911)
- Date
- 1911-08-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Sette 10. Nr. 82 Der Israelit. 10. August 191] 10. Periode wilder Judenverfolgungen einzutreten. In Culieeni ist es bereits zu heftigen Ausschreitungen gegen die Juden gekommen. Die ärmere Bevölkerung hat unter den Angriffen der judenfeindlichen Elemente besonders stark zu leiden gehabt. Die reichen Familien flüchten scharenweise und gehen über die Grenze. Es sollen auch entschliche Greueltaten verübt worden sein. Doch stehen nähere Berichte noch auS. Bei dieser Sachlage nehmen sich doch die anhaltenden Mitteilungen der nationalen Blätter von einer Ueberflutung Rumäniens durch russische Juden recht komisch aus. . . Ißaläßina. Vom PoMinsslKulwerK der „freien Oereinioung“. Aasfa, 3. Aug. In welch hohem Maße das Palästinaschulwerk der «Freien Vereinigung" Anerkennung in allen hiesigen Kreisen, selbst den radikal gesinnten, gewinnt, beweist ein Artikel des Ben Jehudaschen rrnnn, der sich mit den Schulen in Pethach Tikwah befaßt. Wir lesen in diesem Artikel: - „Es existieren zwei Erziehungsanstalten in Pethach Tikwah, ..deren eine unter der Verwaltung der „Jca" steht und deren andere die bekannte Talmud-Thoraschule der Frankfurter Vereinigung ist, welch letztere die Mehrzahl der Kolonistenkinder in. sich, vereinigt. Diese bedeutende Schule hat, seitdem sie unter der Leitung des Herrn Dr. Moses Auerbach steht, eine Höhe erreicht, die sie über alle Erziehungsanstalten der palästinensischen Kolonien hoch emporragen läßt. Setzt doch Dr' Auerbach seine ganze Kraft daran, die Schule auszugestalten und auszubauen und die Kinder mit allen Kenntnissen zu versehen, die einem modernen tüchtigen Kolonisten heute unentbehrlich sind. Neben den religiösen und profanen Fächern wie Bibel, Talmud, Dinim, Jüdische Geschichte, Realien und Turnen erhalten die Kinder, auch eine gründliche Ausbildung in der arabischen Sprache, die sie in Wort und Schrift gut beherrschen. Die Umgangssprache mit nnd unter den Schülern ist aber ausschließlich Hebräisch, das mit großer Liebe seitens der Lehrer in der Schule gepflegt wird. In der Nähe der Schule befindet sich ein großes Gelände, das von den Schülern bebaut wird. Täglich nach dem Unterrichte begeben sich die Knaben mit ihren Ackergeräten auf dieses Feld, um unter Anleitung eines tüchtigen Fachmannes, des Herrn Lipschitz, die Landwirtschaft bezw. Gartenbau zu erlernen. Es ist ein herzerfreuender Anblick, die Jungen bei dieser ihnen so lieb gewordenen Arbeit zu beobachten/ mit welcher Liebe und Sorgfalt sie die Blumen pflegen, den Boden pflügen, die Saaten streuen usw., und man darf der Hoffnung Raum geben, daß diesen Kindern die Liebe zur Landarbeit bleiben wird. Auch eine Mädchenschule, die erst vor kurzem gegründet wurde, steht unter der bewährten Oberleitung des Herrn Dr. Moses Auerbach. War cs auch ein erster, leiser Versuch, so hat doch jetzt anch dieses Unternehmen beachtenswerte Fortschritte gemacht und Unterweisung der Mädchen in den verschiedenen Fächern sowie in Handfertigkeiten haben bereits gute Erfolge gezeitigt. Vergangene Woche haben die Schüler in Begleitung mehrerer Lehrer einen Ausflug rings um die Kolonien Ekron, Rechoboth und Rischon le Zion unternommen, der in schönster Harmonie verlaufen ist. Arnwika. Konferenz Oer orthodoxen Rabbiner in ftmeriha. Aerv-York, 27. Juli Die Organisation und das einheitliche Auftreten der orthodoxen Rabbiner in England veranlaßten, wie seinerzeit hier gemeldet, auch ihre amerikanischen Kollegen und Gesinnungsgenossen zur Sammlung und zu einem festen Zusammenschluß, der in einer konstituierenden Bersauunlung, an der 40 Rabbiner aus allen Gemeinden der Union teilgenommen haben, auch vollzogen wurde. Den Vorsitz führte Rabbi Schalöm Elchanan Jaffa. Im Eingang der Verhandlungen wurde vorgeschlagen, ein Kondolenzschreiben an die Gemeinde in London anläßlich des Todes des Chief Rabbi ergehen zu lassen. Dagegen machten einige Teilnehmer geltend, daß derartige pompöse Kundgebungen nicht im Sinne der stillen jüdischen Trauer seien. So wurde diese Frage einer fünfgliedrigen Kommission zur Beratung übergeben. Die Verhandlung des ersten Tages war mit Beratungen, Anträgen und Beschlüssen über die Frage der Sabbathruhe ausgefüllt. Es wurden von einigen Rednern konkrete Fälle angeführt, in denen Rabbiner und Prediger dadurch, daß sie Mitglieder des Gemeindevorstandes auf dis von ihnen verletzte Sabbathweihe aufmerksam gemacht haben, ihrer Stelle verlustig gingen. Außerdem wurde auch reichlich über die Kindererz tehung gesprochen. Im Gegensätze zu der Ansicht der Mehrzahl der englischen Rabbiner behauptet der Referent, Rabbiner Hirschensoh n, daß die Methode rvaya nnay am eljeftett und besten zum Ziele führe. Herr Rabbiner Lewenthal schlägt die Gründung eines aus Rechtsanwälten bestehenden Komitees vor, dem es obliegen soll, überall da einzugreifen, wo sich Konflikte zwischen dem Religionsgesetz und dem amerikanischen Staatsgesetze ergeben. Solche Konflikte ergeben sich in der Schacht-, in der Ehescheidungsfrage, ebenso auf dem Gebiete des Kaschrus, der Sonntagsruhe, des Schulunterrichtes am Samstag usw. In der Diskussion wünscht Rabbiner Jäffa, daß man in der Schächtfrage weniger darauf absehen soll, den wissenschaftlichen Nachweis zu erbringen, daß das Schächten die leichteste Todesart si, uls vielmehr unser religiöses Recht zu fordern. Diese Frage wird einer Kommission überwiesen. Es kommt dann noch das schwere Uebel zur Sprache, das darin liegt, daß im freien Amerika auch manche völlig ungeeignete Elemente sich selbständig die Rabbinerwürde anmaßen. Es wird beschlossen, solchen Elementen die Aufnahme in die Rabbinerorganisatton zu verweigern. Eine heftige Debatte rief ein Antrag von zionistischer Sette hervor, den Nattonalfond zu unterstützen. Es wird mit großer Stimmenmehrheit beschlossen, mit Rücksicht auf die Lage in Palästina sich mehr dem ftPTl 31L" zuzuwenden und in Abweisung des zionistischen Gesuches die Gemeinden anzuregen, daß sie den notleidenden jüdischen Anstalten in Jerusalem ihre weitgehendste Unterftütznng zukommen lassen. Zum Punke „Organisation" wurden die Komitees und permanenten Ausschüsse bestellt. Sodann ging man zur Verhandlung über eine Eingabe des Mohalim-Vereins über, der von den Rabbinern ein energisches Einschreiten gegen die Mohalim wünscht, die den Sabbath entweihen und auch willkürlich die Miloh von Sabbath auf Sonntag verlegen. Es wird die Gründung eines Bureaus angeregt, an welches der betreffende Vater sich zu wenden hätte. Die Gebühren seien dann an das Bureau zu entrichten, während die Mohalim vom Bureau besoldet werden. Auch dieser Antrag wird einer Kommission übergeben. Der nächste Punkt der Tagesordnung betrifft die hier existierende „Jeschiboh des Rabbi Jizchok Elchonon", da ein Antrag vorliegt, die Zöglinge dieser Lehranstalt in den staatlichen Schulen auch in die höheren Wissenschaften etnführen zu lassen. Auch in dieser Frage konnte keine Einigung erzielt werden, sodaß sie in einer Kommissiton weiter beraten werden soll. Es wird beschlossen, einen Aufruf an die Gemeinden ergehen "zu lassen, in .dem sie davor gewarnt werden, Rabbiner und andere Gemetndebeamte anzustellen, die ihres Amtes nicht würdig treten Mael zu sbr le t, bl sowie befähij lamtett 'tnetnbc lthm v, wurde Herr 1 und d! blichen stöbt segenS äußert deren Die z, nis vr fich de a sind und ihnen ans Herz zu legen, daß sie d gesamte Kaschruswesen unter Aussicht der Rabbinv stellen. Es ist eine bekannte Tatsache, daß i Judenviertel etwa 60°/« der jüdischen Metzge NL^V-Fleisch verkaufen. Dagegen müsse energis und mit allen zu Gebote stehenden Mitteln ein geschritten werden. Analog wie in England wurde auch in diese Versammlung den Predigern und anderen Kultusbeamten der Titel Rabbiner abgesprochen un beschlossen, daß alle neu anzustellenden Rabbine eine Rabbinatautorisation vom Rab binerverbande zu erlangen haben. Zum Schlüße kam noch einmal der Strei zwischen dem amerikanischen Kautel und de Zentralkomitee der Chaluka in Palästina (so wohl heißen: Waad kol hakaulalim? Red.) zu Sprache. Es wird beantragt, zwölf Unter-I stützungkretfe zu bilden, die mit getrennten Verwaltungen das Unterstützungswesen zu leite hätten. Auf diese Weise seien hunderttausend Daüar jährlich an Spenden aufzubringen statt der 60000, die bei weitem nicht ausreichen, die 5500 Seelen des amerikanischen Kaulel zu unterstützen. veimkcbtes. Posen, 6. Aug. Der Rentier Moritz Gold ring in Brcswu hat dem jüdischen Krankenhause in Posen die! neuesten elektro-dtagnostlschen und hydrotherapeutischen, Apparate geschenkt. Kurnik, 6. Aug. Die jüdische Volksschule ist mit Einverständnis der jüdischen Gemeinde und Genehmigung der kgl. R gterung aul gelöst worden. Warschau, 6. August. Auf Grund der amtlichen VottSzählungsveiechnung beträgt die Zahl der Juden m Warschau 908 061 Seelen/ d. i. B71/* Prozent der Bevölkerung. Petersburg, 4. Aug. Die Petersburger jüdische Gememoe beschloß, zum Andenken an den verstorbenen Baron Harare Gunzburg ein jüdisches Museum zu errichten. Das Museum, drffeu Detailpläne bereits auSgeaidcttet sind, wird das reichhaltigste und wertvollste jiiötjae Museum weiden. Sofia, 8. rmgust. Der Adjutant des spanischen Marmemlmsters, Major Ma uel de Lara, Mitglied der Madrider Akadinue der schönen Künste, bereist gegenwärtig die Balkanlänöer und den Orient, um >m Auftrag der spanischen Regierung die a l t e n spantsch - jüdtschen Lieder, die noch unter den Sephardrm bis zum heutlgen Tage erhalten blleben. zu sammeln. Manuel de Lara, der zu den bekanntesten Dlchrern seiner Heimat zahlt, hat bereits Bosnien, Serbien und Bulgarien bereist uno fand überall das freundlichste Emgegenkommen. In Sofia sicherte er fich die Mitarvew des OderrabStmrs Dr. Ehrenpreis. De Lara befindet stch jetzt aus dem Wege in die Türket, wo er besonders reiche Erme sür seine Ausgabe erhofft. Konftanlinopel, 3 Aug. Außerordentliches Aufsehen erregr öie heule Nacht dorgmvmmene Verhaftung emes als Mann verkleideten türkischen Mädchens, das im Judenvtertel bei dem Versuche, einen neuen Brand zu legen, in flagranti ertappt wurde. Die Behörden, dle nach wie vor uberzeugt find, daß die «randstismngen von den politischen Gegnern des heurigen Regimes herrühren, glauben den Verbrechern auf der «pur zu fern. New Vork, 2. Aug. Das Geschenk, daS die amerikanischen Rabbiner dem Präsidenten Taft anläßlich dessen fiibsrner Hochzeit widme en, ist ein kunstvoll gearbeiteter Silbergegenstand, der die Form einer Bank Hai, die hebräische und englische Inschriften trägt. Das Kunstwerk wurde in dem Atelier eines Jerusalemer jüdischen Goldschmieds hergestellt. ferroaalirv. B am Jsr, Menfte Mensausgez B hohen Leiden spital Oberr Gemei! tiefbet 9 dächtn Insttt Ls « aus £ Sprich den j Herrn zu des rar •ntl Frankfurt a. M., 8. Aug. Herr Schreinermeister Josef LubowSky und Frau begingen heute das Fest der silbernen Hochzeit. Fraukfurr a. M., 8. Aug. Herrn Stadtverordneten Josef Fromm, dem Sohne bes bekannten Rabbin.rs S. Fromm s. A, wurde vom Großherzog von Hessin das Stttierkreuz erster Klaffe des Ordens Philipps deS Grotzwütigen verliehen. Gerolzhofe«, 6. Aug. Sine echte JTOK wurde mir Fraa Sophie S u ß m a n n hterselbst Heu e zu Grabe getragen. Wiewohl die Verlebte das patriarchalische Alter von 79 Jahren erreichte, so ist ihr HUm^ang doch tief zu beklagen, da sie zu jenen Ebleu gehörte, die noch echt jüdischer Geist beseelt und deren Anzahl leider immer geringer wird. Am Grabe sprach Herr Lehrer Reiter tie,empfundene Worte eheenden Gedenkens. Burgkundstadt, 7. Aug. In tiefe Trauer wurde unsere Kuiws^ememde durch zwei schwere Verluste versetzt. Am 23. <juli versch.eö nach längerem mit größter Geduld ernageiam Leiden im 6S. Lebensjahre $itt «alomon Rothschild, langjähriger Borpand der Gemeinde und vieler Wohllätigkeusansralten, der wegen Krankheit vor einigen Jahren von seinen Aemtem zurück- «In Ha SU! ml Ko «s fl wi: