Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 31 (3.8.1911)
- Date
- 1911-08-03
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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... ** '..•‘‘T.t’; Sette 18. Nr. 31. Der JSraeltt. 3. August mi. Pädagogische Psychologie, und ich wünsche, -aß die Ergebnisse ihrer Forschung Gemeingut aller Lehrer werden mögen. Sie werden sich der Einsicht nicht verschließen können, daß das Gebiet der Pädagogik, aufgedaut auf psychischer Grundlage das Feld ihrer eigentlichen Berufstätigkeit ist. ES wäre daher wünschenswert, daß im Programm derjenigen Ferienkurse, welche in Universitätsstädten stattfinden, auch experimentelle Pädagogik unter -er sicheren Führung eines fachkundigen Professors Raum finden möge, wofür den Lettern -er Kurse der Dank der Kollegen sicher sein wird. Berfebt iivel die «. Mreroersammimig der Israelitischen Cebrerkonferenz Hessens zu Escbwege an s Ml i-ii. Sonferenztag in Eschwege! Wie ein Zauber wirke der Ruf und treibt die israelitischen Lehrer in großer Zahl zu dem Orte der Tagung. In vollen Zügen genießen fie die Schönheit des herrlichen Stückchens Erde. Und mit der Natur vereinigt stch die Bewohnerschaft, um de» Lehrern den Aufenthalt schön und angenehm zu mach«. Hier in Eschwege lebt und hat von jeher eine Bevölkerung gelebt, die die Arbeit des Lehrers zu würdigen weiß. So fällt es denn dem Borfitzenden, Herrn Oppenheim»Treysa, nicht schwer, in seiner Begrüßungsrede die rechten Worte zu finden. Nachdem er die anwesenden Herren Vertreter der Vorsteherämter, die Herren Provinzialrabbinen Dr. Munk-Marburg und Dr. Bamberger -Hanau, begrüßt und betont hat, daß die Lehrerschaft die guten B^tehungen zu de« Bor-- steherämtern zu schätzen und zu würdigen wtffe, richtet er warme Worte des Willkommens an die Herren Vertreter der israelitischen Gemeinde Eschwege, ihren Rabbinen, dm Kreit ältesten, die Synagogenältesten und die verschiedenstm Institutionen vertretenden übrigen Herren. Die Gemeinde Eschwege war stets von der Erkenntnis burchdrungm, daß die Männer, bmm die Erziehung der Jugend anvertrautt war, frei sein müßtm von den »Bletfohlen der Existenz sorgen", und so hat Eschwege in allen Besoldungsregelungen Vorbildliches geleistet. Die anwesmdm Herren Kollegen des BezirkSveretnS begrüßend er.nnert der Redner in längeren Ausführungen an die Pioniere unseres Standes, insbesondere an den JBeretn£toätei" Christian Liebermann, der hi« in Eschwege seine ^Schulnachrichten für Kurheffen" ins Lebm rief und so dm Grund zum Hesfischm Bolksschullehrerverein legte. An der Entwicklung des Schulwesens, an der Ausgestaltung der die wirtschaftliche Lage der Sichrer betreffenden Gesetze hat unser LehrerveretnSwesm hervorragenden Anteil. So erhellt auch schon hieraus, welche Beziehungen die Lehrerschaft in Eschwege hat. Die Lehrerschaft im Ganzen! Wir wiffen uns eins mit ihr,' an ihren Bestrebungen nehmen wir innigen und tätigen Anteil. Die Existenz eines blonderen jüdischen Lehreroereins bedeutet keine SondrrVündelei, sondern nur eine Ergänzung, derer die in dm Gesamtveretnen geleistete Arbeit für unsere besond«m B«hältnisse bedarf. Unter dm die wirtschaftlichen Berhäimiffe der Lehrer umgestaltmden Gesetze nmnt der Redner besonterS das PenfionSgefttz, bas in diesem Joche sein sünfundzwanztgjährigeS Jubiläum feierte. Er schildert die trostlosen Verhältnisse, unter denen die Beteranenen unseres Standes vor Erlaß deSselbm zu leiden hatten und stellt an einem eklatanten Beispiele fest, welch großen Fortschritt das Gefttz uns brachte. Am Schluffe seiner wirkungsvollen Rede entwirft Herr Opppenheim ein Programm, nach dem er dm Verein zu leiten gedenkt. Er ist zum ersten»ale Borfitzender dir Versammlung, und es ist selbstverständlich, daß er in kurzen Worten den Weg zeichnet, den er geben will. Eines habe er mit allen Kollegm gemeinsam: Die Liebr zum Stande und den Willen, zu leisten, was ihm zu leisten möglich sei. Aber mit diesem vereinigt sich eine mehr alS zwanztgtährige Erfahrung, in der Verwaltung des Vereins. Die Grundsätze des erstm Letiers der Konferenz, des würdigen, unvergeßlichen Dr. Stein, sollm auch für ihn maßgebend sein: »Nicht durch 5kraft und nicht durch Macht", sondern mit dem Geiste der Milde und Nachsicht, der Besonnenbett und ruhiger Ueberlegung werde er das BereinSschiffiein lenken. Furchtlos und beharrlich aber ohne Uebrreilung werde er das Ziel verfolgen, dem die Lehrerschaft nachstrebe. Reicher Beifall lohnte den Redner am Schluffe seiner von glühender Begeisterung für dm Lehrerveruf und die Lehrer ideale getragmen Ausführungen. Bon tcrrn Landrabbtncr Dr. Doctor«Caffel und Herrn ollegm Schwarzschtld -Schlüchtern find inzwischen BegrüßungStelegramme eingelaufen, die zur Verlesung gelangen. Es folgen nun die Begrüßungsreden der anwesenden iste und derm Erwiderung durch den Borfitzmvm. Die Herrm Drc^M u n k-Marburg und Dr. Bamberger- Hanau über bringen die Grüße ihrer Borsteherämter,' Herr Dr. Cohn- Eschwege nimmt in geistvollen Worten Bezug auf daS vergangme Wochenfestes sprechen dann noch die Hrrrm Katzenstein als Kreisvorsteher, Freuden st ein als Gemein-eättester und Leopold Plaut alS Vertreter der Julius Bim-Loge. Besonderen Anklang fanden die Worte beS Herrn Kollegm Mangold'Eschwege^ laut«, freudiger Beifall durchbrauste dm Gaal, als er geendet. (Schluß folgt.) Protokoll der am 5. Juni 1911 zu Frankfurt a. M. abgehaltenen General - Berfamluug des Bundegesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands. (Fortsetzung.) In der Debatte, die sich an den Bericht des Vorsitzenden anschließt, macht Herr Tr. Rothschild- Halverstadt davon Mitteilung, daß sich 10 Lehrer Mitteldeutschlands zusammengetan hoben, um einen Zwcigverein des Bundes zu gründen. Betreffs der Zahlung der Quote an pensionierte Vereinsmitglieder wird aus der Versammlung heraus der Wunsch geäußert, daß man solchen Mitgliedern, die schon 4—5 Jahre dem Bund angehören und sich vor Ablauf der Karenzzeit pensionieren ließen, die volle Quote zahlen solle, besonders wenn sie weiter für den Bund tätig sind. Ter Vorsitzende erkürt die Notwendigkeit der eingerichteten Karenzzeit. Im Anfänge nämlich lag die Gefahr vor, dafi manche dem Bunde beitreten würden, deren Pensionierung in naher Aussicht stand um schon nach kurzer Zeit vom Bund die Pension zu beziehen. Im allgemeinen aber sei der Vorstand niemals engherzig gewesen und habe auch in gegebenen Füllen immer die volle Pension gewährt. Um der Bllndeskasse größere Einnahmequellen zu verschaffen, wird der Vorschlag gemacht, Telegramm- Abtösungsformülare an die einzelnen Lehrer zu verteilen, deren Erlös sie der Bundeskasse zufühven mögen. Ter Vorschlag findet allgemeine Billigung. Aus der Versammlung wird die Anfrage an den BorsiKenden gerichtet, warum der Bund Nur jritr das Cölner Lehrerseminar, nicht aber auch für das Würzburger eintreten solle, da dieses doch auch der Richtung des Bundes angehöre. Ter Vorsitzende erwiderte, daß es selbstverständlich nicht in seiner Absicht liege, das Würzburger Seminar auch nur im entferntesten, zu schädigen, sondern im Gegenteil; es sei ganz selbst-- verständlich, daß die Mitglieder des Bundes auch für das Würzburger Seminar tätig sein müßten und daß sie ihm ebenso Zuwendungen zu machen hätten, wie dem Cölner Seminar. Näher aber als das Würzburger Seminar stehe uns das Cölner und zwar deshalb, weil der Bund Sitz und Stimme im Kuratorium des Cölner Seminars habe. Mit dieser Vergünstigung habe der Bund auch Verpflichtungen übernommen. Außerdem ist das Cölner Seminar das einzige in Preußen, das ganz auf unserem Standpunkt steht. Daher ist es unsere hohe Pflicht, es zu unterstützen. Ter Delegierte des Zweigvereins „Rheinland" beantragte, Zeit und Ort der nächsten Generalversammlung festzufetzen. Tie Versammlung aber hält es nicht für angebracht, schon die Zeit für 2 Jahre voraus festzulegen, dagegen kommt man dahin iiberein, die nächste Versammlung nicht in Frankfurt abzuhalten. Cs wirb Cöln a. Rh. vorgeschlagen. Ter Vorstand wird, »venu irgend möglich, diesem Wunsche entsprochen. Zunt Punkt: „Errichtung und Erhaltung von Volksschulen" wird darauf hingewiesen, daß sehr viele Volksschulen in Gefahr sind, aufgelöst zu werden. Der Vorsitzende bittet in solchen Fällen dem Bundesvorstand sofort Mitteilung zu machen, damit alles geschchen könne, um dies zu verhindern. An die Debatte über den Rechenschaftsbericht schließt sich der Kassenbericht des Rendanten. Herr Eltliugcr berichtet folgendes: Geehrte Herren! Meinen Kafstnbericht über die beiden Jahre 1909 und 1910 seit unserer letzten Generalversammlung kann ich kurz fassen. Sie Alle haben sicherlich den ersten Rechenschaftsbericht des „Bundes" erhalten, welcher die'sämtlichen Einnahmen und Ausgaben der Cassa des Bundes sür die ersten vollen 5 Jahre unserer Tätigkeit 1905 bis ittd. 1909 umfaßt, itt welchem also noch das Jahr 1909 mit enthalten ist. Das Jahr 1910 bewegte sich in ruhigen Bahnen: Unsere Einnahmen in diesem Jahre waren: Außerordentliche Beiträge 1 -760 Mk. Lchrcrbciträge und Eintrittsgelder Geschenke Zinsen incl. Tiv. des „Israelit" 075 506 698 zusammen 3 429 Mk. Die Ausgaben waren: Fortbildungsnrrse 696 Mk. Witwen-Pensionen 275 „ Spesen (Reisespesen, Zuschuß zur General- Bcrsammlung, Drucksachen und Porto) 310^, Einnahm. u ab Ausgaben zusammen 1281 Mk. 3 429 Mk. 1281 Ueberschuß des Jahres 1910 2148 Mk. hierzu Vermögen laut Bericht Vermögen Ende 1910 24 286 Mk. Unsere Einnahmen aus Geschenken sind etwas zurückgegangen und auch die abgelausenen 5 Wonatc dieses Jahres " haben uns darin keine Besserung gebracht. Die Ursachen liegen zum Teil daran, daß zuviel neue Vereine entstehen, die unseren Einnahmen Konkurrenz machen. Hoffen wir, daß ich Ihnen in der nächsten General-Versammlung wieder höhere Einnahmen melden kann, und suchen wir, jeder in feinem Kreise, dafür Propaganda zu machen. (Fortsetzung folgt.) Lomspondenr. IN Ans Bayern. Montag, 7. August, findet Kitzingen, Hotel Stern, vormittags 9 Uhr anfangend die 32. Generalversammlung des Lehververeins fü das Königreich Bayern mit folgender Tagesordnur statt: 1. Begrüßung, 2. Berichterstattung des B einsvorftandes, 3. Bericht der Rechnungsrevisoren und Entlastung der Verwaltung, 4. Anträge: 1. Tie Gen ralversammlung des israelitischen Lehrerve reins fü das Königreich Bayern beschließt: 1. Es ist eine aus drei Mitgliedern bestehende Rechtsschutzkommission zu gründen, 2. zur Aufbringung der dazu irötigen Mitt ist ein weiterer Beitrag von 1 Mk. jährlich zu leisten Antragsteller: Nathan Ehrcnreich-Forchheim. II. 4. E sollen innerhalb des israelitischen Lehrervereins sü Bayern Bezirks-Vereine errichtet werden analog denei des allgemeinen bayerischen Lehrerevreins. 2. Ter israelitische Lehrerverein gründe innerhalb seiner Mit glieder die Institution eines Ehrenrats (Ehrengerichts 3. Zur Schlichtung von Streitigkeiten sowohl a) zwischen den Gemeinden und ihren Beamten, al auch: b) zwischen dem zuständigen Rabbiner und dem Lehrer (Beamten) mögen (von Fall zu Fall) Schieds geeichte errichtet werden. Der Passus über Schiedsgc richte soll in jeden Anftellungsvertrag aufgennmmei werden. Antragsteller : Leopold Godlewsky - Amberg III. 1. Anträge sind mindestens ein Vierteljahr vor der Generalversammlung beim Ausschüsse einzubringen. Sie werden vom Ausschüsse oder einer von diesem gewählten Kommission vorberaten. Das Ergcbn: dieser Beratung wird durch ein Referat des Antrag stellers der Generalversammlung zur Beschlußfassung unterbreitet. Ter Antrag selbst ist vier Wochen vor der Generalversammlung den Mitgliedern bekannt zu geben. 3. Es möge ein Literatur-Ausschuß, gebildn werden, dessen Aufgabe sei: a) Schulbücher für den jüdischen Religionsunterricht auf ihre methodisch Brauchbarkeit zu prüfen, b) Lektüre für die jüdisch Jugend nach ihrem erziehlichen Wert zu begutachten c) die von sonstigen Jugendschristen ausschüsscn em pfohlenen Bücher auf ihre Stellung mm Judentum hin zu beurteilen. Die Ergebnisse sino in geeignete Weise zu veröffentlichen. Antragsteller: D. Wein mann-Burgpreppach. IV. Tie Verwaltung des isra Mischen Lchrcrvereins für das Königreich Bayern wollt an die Kuratorien der Prqpärandenschulen in Burg preppach und Höchberg und des Seminars in Würz bürg das Ersuchen richten, je einen Vertreter der Lehrerschaft zu kooptieren. Antragsteller: S. Ding felder-München. 5. Referat: „Was kann der jüdisch Lehrer tun, um die der Schule entwachsene Jugent dem Judentum und seinen Interessen zu erhalten? Leitsätze. 1. Eine Einwirkung auf die Jugend z diesem Zweck ist unbedingt notwendig. 2. Bei de Betätigung dieses Einflusses sind zwei Gebiete unterscheiden: Land und Stadt. I. Land, a) Di Verhältnisse auf dem Lande bedingen vor allem ein Eingreifen des Lehrers inbezug aus Berufswahl uni Stellenvermittlung, d) Ter LeAer wird zwanglose Zu samnlenkünfle der Jugend beiderlei Geschlechts behuf Belehrung über religiöse und geschichtliche Gebiet und Besprechung von allgemeinen jüdischen Tages fragen veranstalten, c) Tie männliche Jugend mög mit den wichtigsten Religionsvorschriften vertraut ge Macht werden und die weibliche soll über die wesent lichen sie speziell berührenden Fragen Aufschluß er halten, d) Tie Errichtung einer Bibliothek und di Einführung von Leseabenden sind anzustreber II. Stadt, a) Der Lehrer in der Stadt muß — weni nröglich im Verein mit gleichgesinnten Männern zunächst einen zwanglosen Zusammenschluß der Ingen, herbeisühren. b) Tie Tätigkeit in diesen Vereinen so! auf die Pflege des religiösen Sinnes und auf vd\ giöfe Weiterbildung hinzielen. Auch Angelegenheit^ der allgemeinen Judenheit sollen der Betrachtunc unterliegen, c) Tie Innigkeit des Zusammenschluss:'-: kann durch gemeinsame Vergnügungen, durch Spor, und durch Begründung einer Bibliothek und Lesehall erhöht werden. 6) Durch Betonung der nationale: Idee wird der Lehrer dem Vereine auch solche jung: Leute gewinnen, die nicht streng dem Religionsgest! entsprechend leben, e) Auch auf die akademische Ingen! suche der Lehrer seinen Einfluß geltend zu machen f) Die Betätigung in der Jugendfürsorge setzt eine: auf seine Weiterbildung bedachten, ideal veranlagte: Lehrer voraus. Referent: H. Klugmann - Höchberg 6. Die Privatbeamtenversicherung. (Referent: N Ehrenreich-Forchheim. 7. Freie Besprechi(fig von Schul und Standesangelegenheiten. 3. A üiüjukiüuib