Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 30 (27.7.1911)
- Date
- 1911-07-27
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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y%TF&? Ekelte 6 Ho.‘ 3 s %r>: Ja., tJ.-{,yu; -^u, y »tt Giftfrucht gereinigt wird, die die höchste Gefahr für die kommende Generation in sich birgt." ni m" bei Petach-Tikwahstattgefmidenen Arbeiterversammlung mitgeteilt, die mit einem empörenden b"n rat* 7V?n verbunden war undgroße Erregung in der zum überaus größten Teile von gefetzestreuen Juden bewohnten Kolonie Petach-Tikwah, sowie in der gesamten noch zur Thora haltenden Judenheit Palästinas hervorgerufen hat. Die Erregung fand in einer letzthin hier abgehaltenen Versammlung ihren beredten Ausdruck. Die Kundgebung fand in der sephardischen Synagoge „Kehilath Jacob" statt und war von hiesigen Teilnehmern wie auch von Deleierten aus Jerusalem und vielen Kolonien stark esucht. Außerdem war noch eine Reihe schriftlicher Proteste aus „Rischon le Zion" und anderen Kolonien eingegangen, die zur Verlesung gelangten. Nach einer Einleitungs- und Begrüßungsrede des Vorsitzenden, Herrn David Lipschitz, ergriff Herr Oberrabbiner Kuck aus Jaffa das Wort und schilderte in wirkungsvoller Weise den Listigen Niedergang, der sich in dem Treiben erer, die durch Negierung und Verletzung der jüdischen Religion die Sache des Judentums vertreten zu können glauben, kundgibt. „Allein, führte der Redner weiter aus, die trüben Erscheinungen, die uns so tief schmerzen, vermögen uns doch nicht zu entmutigen, sondern müssen uns ^um Kampfe aufmuntern, zum Kampfe gegen die inneren Feinde, gegen die verirrten Brüder, die da wähnen, dem jüdischen Organismus durch Tötung der jüdischen Seele irgendwie dienen und helfen zu können." Es sprachen außerdem Herr Rabbiner H u r - Witz, Redakteur Fr um ki n, sowie noch mehrere Redner aus Petach-Tikwah und Jerusalem. Auch die Gegenpartei schickte einige ihrer Wortführer vor,' die den Versuch machten, ihre Kollegen in Schutz zu nehmen, und zwar mit dem sondrrbaren Argumente, daß „En Ganim" Privateigentum der Arbeiter sei und diese das Recht hätten, sich in ihrem Hause nach ihrem Belieben zu benehmen. Mit treffenden und scharfen Worten wies Herr Oberrabbiner Kuck diese seltsame Auffaffung zurück. Nach Verlesung mehrerer Protestschreiben wurde mit großer Stimmenmehrheit folgende Resolution angenommen : „In der am dritten Tamus in der Synagoge „Kehilath-Jakob" stattgefundenen und von den Rabbinern, den Stadtältesten, allen angesehenen Bür- Sern und von Vertretern aus Jerusalem und den Kolonien besuchten öffentlich n Versammlung wird öffentlich Protest erhoben gegen das betrübende Vorkommnis in En Ganim bei Petach-Tikwah. — Die Versammlung spricht ihr tiefstes Bedauern ms über die Konferenz der Arbeiter am Schewuaus und dem darauf folgenden Sabbat, bei welcher es zu einer öffentlichen empörenden Verletzung der Religion Kommen ist. Abgesehen davon, daß viele Teilnehmer der Konferenz am Sabbat und am Feiertage zu Rcß zum Versammlungsort gekommen sind, ist auch wahrend der Verhandlungen Protokoll geführt worden und find alle schriftlichen Arbeiten ohne Rücksicht auf die Fest- und Sabbatweihe verrichtet worden, ohne Rücksicht auf die Folgen dieses schändlichen Treibens, die eine tiefe Schmach sür das neue Palästina bilden. Diese öffentliche Verletzung des Sabbat und der andcren Vorschriften der Religion erweitern die Kluft zwischen der alten 1 nd neuen Generation immer mehr und richten Verwüstungen an, die zur Enttäuschung des gesetzestreuen Elementes führten.' Die Versammlung erhebt außerdem scharfen Protest gegen das Lehrerkollegium des Gymnasiums, welches es sich zum Ziel gesetzt hat, die Autorität der Thora und der Propheten in den Augen der Jugend zu untergraben und durch das System der von den Feinden des Judentums übernommenen Btbelkritik unsere alten Urkunden ihrer Heiligkeit und ihres traditionellen Geistes zu entkleiden. Die Bersammlullg erachtet es als ihre heilige Pflicht, ihre. Protestkundgebung all denen zu unterbreiten, die treu der jüdischen Tradition geblieben sind, den Schmerz ob solcher Verirrungen und Ausschreitungen'mit uns lmpfinden und die Gefahren, die von' ihnen der Kolontsatton in Palästina drohen, einsehen. Mögen alle, die mit uns denken und fühlen, ihre Stimme gegen dieses Treiben erheben, * damit der heilige Boden Palästinas von einer Die Versammlung und die Resolution machten hier gewaltigen Eindruck und es ist zu hoffen, daß auch die resoluten Jünglinge ein wenig in sich gehen und aus der wohlverdienten empfangenen Lektion etwas lernen, was ihnen sehr zu Nutzen gereichen könnte. llermiscbttr. Nürnberg, 24. Juli. Die Misrachi-Ortsgruppe in Nürnberg ichretbt uns: Auf die Darstellung der Affäre Mosfinsohn seitens der hiesigen Zionistischen Ortsgruppe haben wir kurz folgendes zu erwidern: 1. Die Vorstandschaft der Zionistischen Ortsgruppe ist lange vor der enbgtlttgen Berufung nicht von „irgend einem Mttgltede", sondern von ernster unterrichteter Sette aufmerksam gemacht worden auf die Konsequenzen eines solchen Affronts. 2. Ferner hat ein mtSrachtstisches Vorstandsmitglied der Zionistischen Ortsgruppe sofort nach Bekanntwerden des B o r st a n d s - Beschluffes sein Amt ntedergelegt und vor Eröffnung der vielgenannten Ortsgruppensitzung nochmals ganz energisch und bestimmt Widerspruch erhoben gegen die Berufung .deS' Herrn Dr. Mosfinsohn» der in seiner Dtskusfionsrebe offen Farve bekannt hat. 3. Wenn wir trotzdem zugeben — und die Vorstanbschast der Zionstischeu Ortsgruppe stellt bas der offiziellen Lesiung gegenüber in „loyaler Weise" auch nicht in,Abrede —, daß in der Mitgliederversammlung der Zionist. Ortsgruppe vom 14. Junr er. außerhalb der Tagesordnung iN vorgerückter Stur de die Rednerfrage gestreift und der Name Mosfinsohn erwähnt wurde, so müssen wir es zum mindesten als Illoyalität erklären, wenn der Vorsitzende tn Kenntnis der Sachlage den Vorschlag in einer solchen Weise der Versammlung unterbreitete, daß eine ganze Anzahl der anwesenden Mitglieder, auch NichtmiSrachisten, vor allen Dingen der am Vorstandstisch fitzende Herr Oberndorfer, nichts davon gehört hat. Wir müffen eS daher gasiz entschieden zurückwetsen, daß wir die Konsequenzen der unS vermeintlich nachgcwtesenen Unaufmerksamkeit zu tragen hätten, um so mehr als eS stch tn dieser Angelegenheit um eine für uns hervorragend wichtige Sache handelte. 4. Ueber die Frage, Wa8 jüdisch und unjüdisch sei, lasten wir unS mit den Herren auf keine Dtskusfion ein angesichts der eminenten Gefahr des Systems des hebräischen Gymnasiums für die Zukunst Palästinaswir wissen uns darin einig mit den besten Kennern Palästinas, die unser Vorgehen durchaus billigen, wenn fie auch nicht unserem religiösen Standpunkt angehören, die aber gelernt haben und wisten, was Judentum tn seiner Totalität bedeutet. 5. TaS Baseler Programm lautet: „Der Zionismus erstrebt die Errichtung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte." Bon Kulturbestrebungen enthält dieses Programm nichts, und nur unter dieser Voraussetzung schlcffen sich Gesetzestreue dem Zionismus an. Wir erkennen dieses Programm anwir haben für dasselbe gekämpft, lange Jahre vor der letzten Aera der Borstandschaft — wir sind keine Zionisten von gestern und nicht eine Minorität, sondern die Majorität der hiefigsn Ortsgruppe und werden weiterkämpfm. Marburg a. d. L., 17. Juli. Mit Bezug auf eine Notiz tn Nr. 26 unseres Blattes, tn der der Marburger Zionistischen Ortsgruppe zum Borwurf gemacht wird, baß sie zu einer Agttat onSversammlung in Gießen am Emladungen versandt hätte, teilt unS letztere y. a. mit, daß d e Zionistische Ortgruppe Marburg dem betr. Buchdrucker in Gießen die Adressen zur Absenbung der Einladungen schon am Freitag Morgen gegeben hatte. Es sei also dem Manne wohl möglich gewesen, noch vor fXSXSf die Etnlodugen abzusenden. Wenn er das nicht getan hat, so sei die Ortsgruppe nicht dafür verantwortlich zu machen. Dortmund, 19. Jul. Nach jahrelangem Bemühen ist es der Israelitischen ReligtonSgesellfch aft rttP Dortmund gelungen, den Bau einer niptt durchzuführen. Am 1. August soll dieselbe ihrer Bestimmung übergeben werden. Memmingen, 21. Juli. Die Konfesfionsstattstik der Stadt Memmingen lautet: 6459 Protestanten, 5552 Katholiken, 9 Uvierte, 102 Reformierte, 17 8 Juden, 28 Altkatholiken, 27 Adventtsten. Waibftadt, 15. Juli. Hier befindet sich auch ein jüdischer Frtedhvt, der 1 Kilometer weit von der Stadt entfernt, auf Waldeshöhe liegt. ES ist eine uralte Begräbnisstätte, dte, wre es heißt, schon ca. 630 Jahre besteht. Sie umfaßt gegen 3000 Gräber. Der Friedhof ist mit einem lebendigen Zaun aus Etchen- und Tannengehölz umgeben und als Eingangspforte dient das 5et der letzten Erweiterung des Friedhofes neuerstellte Leichenhaus. Bon diesem auS durchz'ehen den Friedhof schöne Gehwege und reizende Tanne» allem. Im Osten fehlt der Zaun und die Begräbnisstätte geht allmähltch tn Buchenwald über, unter dessen Schatten noch da und dort uralte Grabsteine dem Beschauer Kunde geben, daß hier ein Mensch einst seine letzte Ruhestätte gefunden. In diesem, in solcher Größe nur selten - " \ 27. M W1 anzutreffenden Gräberfelds, befinden stch viele Grabdenkmäler, welche für dte Altertumsforscher von großem Interesse sein bürsten. Auf den alten Grabsteinen find sämtliche-, Inschriften tn hebräischer Schrift. ES ist zur Zeit eine Kommisfion damit beschästtgt, möglichst sämtliche Namen der Begrabenen und die Zeit ihrer Beerdigung turch genaues Studium der Stein nschristen zu ermitteln. Sämtliche St ine werden neu nummeriert und auf grund des gewonnenen Materials ein Verzeichnis aller Begrabenen aufgestellt, um besonders den Nachkommen derselben auf Verlangen genau die Stelle angeben zu können, an der einer ihrer Vorfahren begraben liegt. Früher bildete der Friedhof auf dem Mühlberge in Waibstadt die gemeinsame Stätte, in welcher dte Verstorbenen von ca. 30 jüdischen Kultusgemeinden ihren „guten Ort" fanden. Im Laufe der Jahre jedoch haben verschiedene größere jüdische Gemeinden stch eigene Friedhöfe errichtet. Immerhin ist es aber auch heute noch eine ansehnliche Zahl von Gemeinden, welche, vereinigt zu einem Israelitischen Begräbntsverband, ihre Toten auf Waibstädter Boden begraben. verelnsmsev. Karlsruhe, 21. Juli. Der 23. Jahresbericht des „Landesvereins zur Erziehung israelitischer Waisen tm Großherzogtum Baben" ist soeben erschienen. Die Gesamtzahl der der Fürsorge deS Vereins anvertrauten Kinder belief sich am Anfang der BertchtSzeit auf 108 Kinder. Im Laufe des JahreS schieden 18 auS und traten 10 wieder ein, sodatz am Ende des Jahre 1910 100 Kinder tu der Obhut des Vereins stch befanden. Speyer, 23. Juli. Der dritte RechenschaftS- Bertcht des „Israel. Kreis-AsYl-BeretnS für die Pfalz" verzeichnet dte erfreuliche Tatsache, daß stch die Mitgliederöeiträge tm Berichtsjahre von 8379,55 Mk. auf 9070,45 Mk. erhöht haben. Er stellt ferner fest, daß es vielseitigen Bemühungen gelungen ist, tm Auslande, besonders in Amerika u. a., schöne Erfolge zu erzielen. Das Gesamtvermögen des Vereins beziffert fich nach 2*/z jähriger Tätigkeit auf rund 125 500 M. ' Dte Arbeiten der Baukvmmisfion find soweit gefördert, daß der 3. ordentlichen Mitgliederversammlung Bauplätze tn Neustadt a. H., Kaiserslautern und Bergzabern zur engeren Wahl in Vorschlag gebracht werden können. Der Entscheidung jener Versammlung bleibt es überlaffen, unter den vorgeschlagenen Plätzen zu wählen und wird es alsdann hoffentlich möglich sein, die Projektierungsarbeiten so schnell zu fördern, daß noch im Laufe deS Jahres 1911 mit der Erbauung des Asyls begonnen werden kann. Personalien. Brette», 20. Juli. Herr Hauptlehrer Mach, welcher fett sechs Jahren an der htestgen Volksschule tättg gewesen, ist nach Pforzheim berufen worden. AlS Mensch und Lehrer hat fich Herr Mach während seines Hierseins die Hochachtung und Wertschätzung aller Einwohner ohne Unterschied der Konfession erworben. Seine berufliche Wirksamkeit wurde seitens seiner Vorgesetzten Behörde stets anerkannt, und Schule und Gemeinde verlieren diese tüchttge und erprobte Lehrkraft mit größtem Bedauern. Usfenhem, 17. Juli. Dieser Tage trugen wir einen Mann zu Grabe, wie fie leider im Judentum immer seltener werden: Herrn Privatier Moses Stork. Bon frühester Jugend an lag ihm neben der Sorge um die nDJIS auch die um tcMC '211 am Herzen - seinem Einflüsse ist eS zuzuschreiben, daß tn seiner Heimatgemeinde Ermetzhofen noch alle religiösen Institutionen tm jüdischen Sinne aufrechterhalten blieben. Mit einem pävagogischen Geschick erzog er seine Kinder zu guten Jthubim. Bon einer edlen gleichgesinnten Gattin unterstützt, war sein HauS das Muster eines echt jüdischen harmonifchenFamMenlcbens, von dessen Strahlen alle Etn- und Ausgehenden erwärmt wurden. Bon seiner Beliebtheit zeugte der imposante Letchenzug, der den ehrwürdigen Greis zu Grabe geleitete. Herr DistrttkSrabbtner Dr. Kohn widmete dem Verblichene einen warmen Nachruf und tröstete dte Hinterbliebenen. DaS Andenken an McseS Stark wird ein gesegnetes bleiben. n"32ttn Edelsingen, 23. Juli. Im nächsten Monat begeht Herr Lehrer H. Kahn dahier sein 25jährtges Dienstjubtläum. Ca«berg, H.-Naffau, 19. Juni. Dem peustonterten Reltgionslehrer der htestgen jüdischen Kultusgemeinde, Ferdinand Hehmann, wurde der Adler derJnhaber des HauSordenS von Hohenzollern verliehen. Uereinskaiender. Verein Mekor Ehajinr. (BeretnSlokal Langestraße 18.) Samötag, den 29. Jult, nachmittags 4'/* Uhr im Hörsaale der Synagoge Friedberger Anlage Nr. 5: Mikro-Vortrag deS Herrn Moses Goldstein.