Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 29 (20.7.1911)
- Date
- 1911-07-20
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 12. No. 29. Beherrschung des Stoffes ist die fließende Darstellung in sprachlich abgerundeter Form. Was der Geist völlig beherrscht, muß er jederzeit sicher und fließend reproduzieren können, und was er nicht frei und sachlich wiedergeben kann, steht nicht unter seiner Herrschaft. pmin» min 'mn wn* cnum Y'n k7k 17 iDNni oaoann *?tt w din *]7wttn vtrV .-,'v 17 noti „Die Worte der Thora sollen dir so eingeschärft werden, daß sie dir jederzeit geläusig aus dem Munde entströmen, damit du jedem, der dich fragt, ohne Stottern antwortest." (Kidduschin 30.) Die Wiederholung ist um so fruchtbarer, je öfter sie erfolgt, und je ernster es mit ihr genommen wird. Genaue Angaben über die Zahl der Wiederholungen können nicht festgefteüt werden, jedoch findet man darüber im Talmud sporadisch einzelne Bemerkungen. Das mindeste Maß beschränkt sich auf eine viermalige Wiederholung. So oft ist es Pflicht, da Ahron, der die überlieferte Lehre unmittelbar von Moses übernahm, der sie unmittelbar vom Urquell alles Lichtes empfangen, viermal wiederholte, um so mehr tritt diese Pflicht ein bet gewöhnlichen Menschen (Eruwin 54). Jedoch gilt als Regel: Je mehr, desto besser. So hat Raw Ada 24 mal, Risch Loktsch 40 mal das Pensum memoriert (Taanis). Wir finden oft die Stelle im Talmud: wutn '■•7 'vn pot pyma P'v wn ('? wae) KDfiipa „Er lernte es von ihm 40 mal, und es war genau wie in einem Schrank liegend und verwahrt." Eine andere talmudische Sentenz erhöht die Zahl auf 101. (Fortsetzung folgt.) Die indische Lehrerin, ein Stiefkind der Umorgung, eine Anklägerin der herrschenden Verhältnisse. Wie, Hört man fragen, die Lehrerin als Anklägerin! Hat sie nicht den herrlichen Beruf, die künftige Geluiunoit zu belehren nnd zu veredeln, -.'tutet fie dafür iiitiji Liebe, 2am und Anerteniluirg / Gibt es etwas schöneres? „Nein", antworteii lvir, „es gibt nichts Schöneres; aber bitter schwer yoird cS, unentwegt den höchsten Zielen znzustreben, roenn jeder Schritt belauert wird von der Not des.Lebens, von der Unsicherheit selbst der nächsten Zukunft. «Wie kann man gedeihlich wirl>.tt, wenn man unter absolut schlvantenderl materiellen Bedingungen arbeitet. Uno das ist das Los der jüdischen Lehrerin: denn sie ist zum größten Teil aus den Privatunterricht angewiesen. ES verschließt sich ihr, mit wenigen Ausicahinen, die Privatfchule, die Gemeinde- und die höhere städtische Schicke. Nicht etwa, weil sie weniger leiftet, es wird allerkannt, daß sie sich in jeder Hinsicht bewährt, aber sie ist Jüdin. „Hst das möglich," hört man fragen, „im Zeitalter der weitgehendsten sozialen Fürsorge, im 1\). Jahrhundert?" Tie Antwort lautet: „Ja, leider." Und llieiliand tritt allf gegen diese Ungerechtigteit iiii Lande, >vo jedem Bürger, ohne Hinsicht ans Konfession, durch die Verfassung Gleichberechrigung gewährleistet ist? Nein, bis jetzt hat man ruhig zngejehen. Diejenigen, denen hier „zu nah geschah", die Lehrerinnen, waren nicht organisiert und also auch nicht im Stande, für ihre Rechte einzntreten. Doch dies soll mm anders werden. Jin Anschlnf au den Jüdischen Frauenbund hat sich in Berlin eine Bereinigung konstituiert zur Wahrung der berechtigten Interessen der jüdischen Lehrerinnen. Auch in Vpesiau ist ein derartiger Verein eiititauDen, der schon loirksanl arbeitet, während in Berlin von nennenswerten Resultaten llvch nicht gesprochen werden feum. Fr.ilich ist der Zasanlinenschluß lind die Propaganda in der Millionenstadt schwieriger, doch hoffen wir, daß diese Zeilen ihr dienen werden und daß die jüdischen Lehrerinnen, wenn sie von der Existenz des Vereins erfahren, demselben ihr Interesse zuwenden ulld sich mit uns zu gemeinsanler Arbeit verbinden werden. Wir wollen zunächst erstreben, eine sichere Zntttlist der jüdischer! Lehrerin in Gestatt einer Anstellung an einer öffentlichen Schule. ES mitfj, verlangt werden, daß die in gleichen! Maße qualisizierteu jüdischen Lehrerinnen in absehbarer Zeit das _ Der JSraelit._ gleiche Ziel erreichen wie ihre andersgläubigen Kolleginnen. Tie Achtung vor der,Person und den Leistungen der jüdischen Lehrerin muß, sich so steigern, daß man sie nicht ansteilt, obgleich, sondern weil sie eine Jüdin .ist. Dazu freilich muß die Lehrerin unaufhörlich an sich selbst arbeiten und sich zu einer Persönlichkeit entwickeln, die für würdig gehalten wird, mit den höchsten Aufgaben betraut zu werden. Mit der treuesten Pflichterfüllung im Amte soll sich verbinden der Stotz eine ^Tochter des alten Volkes" zu sein. Was dies bedeutet, soll sie den ihr anbertranten Kindern in der Religionsstunde tlarmachen. Nicht inehr sollen Moses und die Profiten ihnen „Hekuba" sein. Aus den Berichten über die Kämpfe und Leiden des jüdischen Volkes so-lt ein heißes ZugeyörigkeitSgefühl, Einsicht für künftige Aufgaben und Verständnis für das eigene BvlkStnin erwachsen. Aus der wiederermeckten Vergangenheit soll eine neue Gegenwart erblühen, die „immer strebend sich bemüht", Versäumtes nachzuholen und Fehler abzulegen. Dazu gehört vor altem, daß die jüdische Lehrerin sich mit Begeisterung für jüdische Lehre und F ü h - rung, mit Liebe für jüdisches Wissen und Schrifttum sich erfülle. Deshalb lernt nnd lehret. Auch hier soll die Vereinigung Helsen. Es wird Gelegenheit gegeben werden, sich über alle unsere Interessen berührenden Dinge in den Zusannnenkünften ausznsprechen. Vorträge, sowohl Außenstehender als auch von Vereinsmitgliedern, sollen weitgehendste Anregung bieten. Ein folgendes zwangloses Beisammensein ivird die Mitglieder einander näher bringen, ihnen Gelegenheit bieten, sich gegenseitig hntsreich zu beweisen. Zu letzteren! Zweck soll dem Verein auch ein Arbeitsnachweis angegliedert werden. Beide Teile, die an einen! solchen Unternehmen interessiert sind, werden sreundlichst gebeten, von dieser Gelegenheit, über die Näheres im September bekannt gegeben werden wird, Gebrauch zu machen. — So mögen denn die vorstehenden Worte uns Freunde werben, jeder Leser dieser Zeiten nrit uns sprechen: „Tie Sache wills!" nnd unser Bundesgenosse iverden. Martha Goetzel. Protokoll der am 5. Juni 1911 zu Frankfurt a. M. abgehattenen General - Berfamlung des BuudeS gefetzesireuer jüdischer Lehrer Deutschlands. Während alle Welt sich dazu rüstete, den Pfingstmontag dem Vergnügen und der Erholung zu weihen, hatten fich in der Aula der Realschule der Israel. Religions-Gesellschaft zu Frankfurt a. M. ca. 100 Lehrer aus allen Gauen Deutschlands zusammengefunden, um fich der ernsten Arbeit hinzugeben. Es war ein erhebender Anblick, diese stattliche Zahl ernster Männer zu überschauen, die gekommen waren, um in ihrer freien Zeit über Berufsfragen und Berufssorgcn id.eller und materieller Natur zu beraten und Isst not lasst um fich Anregungen mancherlei Art zu hclen, um dann aufs neue dem schweren Berufe fich htnzugeben. Und wohl jeder ist auf seine Kosten gekommen. Es gab so viel neues zu hören, so viel Anregungen mit nach Hause zu nehmen, daß wohl niemand Geld und Mühe bereut hat, die er für die (bei vielen wette) Reise verwenden mußte. Um 10*/. Uhr eröffnrte der Borfitzende, Herr Direktor Dr. Lange, die Versammlung. Er gibt zunächst seinen Bedauern darüber Ausdruck, daß der für den Winter festglsctzte Termin der Generalversammlung habe vertagt werden müfien, da diejenigen Kollegen, die als Kantoren tätig seien, am N212N nicht hakten abkommen können. Leider seien auch heute viele treue Freunde teils aus freudigen, teils aus traurigen Anlässen, teils aber auch durch die zu glcicher Zeit in Eschwege ragende Per« sammlung der hessischen Lehrer am Erscheine» verhindert. Doch auch diese haben ihr Interesse durch Zuschriften, in denen fie den Verhandlungen Glrck und Segen wünschen, bekundet. Hierauf begrüßt der Borfitzende mit warmen Werten die Erschienenen, insbesondere He rn Rabbtncr Dr. Breuer scwie den Vertreter der Israel. ReligionSgcsellschast, Herrn I. R o s e n h e i m. Er spricht die Hoffnung aus, daß die Beratungen zu gutem Ende führen und die Ziele deS Bundes fördern na gen. „Möge die Schowuausfitmmung, in der fich noch alle befinden, den Beratungen den besten Erfolg sichern und alle Resultat', die ja denselben Zwecken dienen wie die Feier dieses Festes, nämlich mim pp Dnn1? n*rrm dazu beitragen, dieses hohe Ziel zu c. reichen." Darauf begrüßte Herr I. R o s e n h e t m die Versammlung seliens der Synagogcngemeinde der Israelit. Reltgtonkgesellschaft. Es srt keine bloße Aeußeilichkett, daß die eine Körperschaft die andere begrüßt, denn beide aehörey in ihrem Wirken und St eben zusammen. Dem Redner erscheint das BundrStvema als der wichtigste Teil der Tagesordnung, da es die Stellung bcs Lehrers zu beleuchten habe, ür ffen Tätigkeit in der Schule meist unterschätzt würde. Möge auf dem Worte de, Lehrers stets Gottes Segen ruhen. Es crfolgt die Wahl des Büros, in welches die Herren Stern und Harth- Cöln berufen werden. Der Vorsitzende erstattet darauf einen Bericht über 20. Kult 1911. ote Tättgkett des Bundes in dcn letzten zwei tzahrcn. Die Mttglteberzahl beträgt mehr als 250, d. i. mehr als ein Fünftel der jüdischen Lehrerschaft Deutschlands. Der Bund bildet eine stattliche Minorität, die auch den Gegnern Achtung etnflößen muß. Die Forderung e des Vereins, betr. Anrechnung des Dtenstalters der RrltgionSlehrer find seinerzeit dem preußischen Minister und den betr. Referenten schriftlich und mündlich vorgetragen und vollauf erfüllt worden. Allerdings find auch von anderer Seite Bemühungen in derselben Angelegenheit erfolgt, aber auch wir dürfen uns, wie oben gesagt, einen TeildeS Erfolges zuschretben. Als bet dem Bolksschulgesetz wir allein mit der Freien Bereinigung gegen fttche Kreise kämpften, die eine Erhaltung der jüdischen Volksschulen nicht für wünschenswert erachtet», wurden wir verketzert. Jetzt wird es zwar so dargestellt, als ob der Erfolg anderen Kreisen zu verdanken sei) wir aber habm nach dieser Richtung weitergearbeitet. Wenn auch greifbare Resultate diesmal noch nicht sichtbar find, so hoffen wir, nächstes Mal bestimmte Resultate Mitteilen zu können. Wir wollen durch Aufklärung nicht nur für die Erhol» tung bestehender, sondern auch für Gründung neuer Volksschulen wirken. Der Vorstand ist im Interesse der BundeSmitglieder kräftig tätig gewesen durch Vermittlung bei Srretttgkeiten zwischen Lehrern und Gemeinden und durch Unterstützung bei Prozessen. Der Vorsitzende ersucht die Mitglieder, fich bet drohenden Streitigkeiten an den Bundesvorstand zu wenden. Es ist dem Bund ferner gelungen, nach Verhandlungen mit dem Kuratorium des Jüdischen Lehrerseminars in Köln einen Vertreter in die Verwaltung dieser Anstalt zu entsenden. ES ist daher Ehrenflicht jedes einzelnen Mitgliedes, für diese Anstalt tätig zu sein. Der Vorsitzende berichtet ferner über die PenfionSunb Reliktenkasse, die jetzt in Tätigkeit tritt. Doch war der Vorstand auch bis jetzt nicht engherzig. Sieben Witwen find schon vor Abtauf der Karrenzzen unterstützt und Penfionären find Beihilfen gegeben worden. Die 14 in Deutschland bestehenden Fortbildungskurse in Neligwnswlssenschasten hat her B >nd park subventtoniert. Dte Anregungen der letzten Bundesversammlung find verwertet worden. Die Kursletter erstatten dem Bundesvorstand regelmäßig Bericht über dte gemachten Erfahrungen und dte erzielten Resultate, so daß der Zusammenhang gewahrt bleibt. Dar Anregung für diese Kurse Bibliotheken zu gründen, wird der Borstand seine Aufmerksamkerr wtomen. Ein Anfang in dieser Beziehung ist bereits gemacht, indem Herr Professor Dr. berliner in höchst dankenswerter Werse eine Reihe von Werken auS ferner Bibliothek und eine Anzahl von Exemplaren seiner Schriften dem Bunde geschenkt hat, wofür ihm die Versammlung lebhaftesten Dank zollt. Dte vom Bund eingerichteten Kantorenkurse hatten leider za geringen Zuspruch; es lag deeS in der Schwierigkeit, eme geeignete Zeit zu finoen. Doch soll dte Wetterbtidm.g junger Lehrer rat Kantmat künftighin tn Frankfurt stausinben, und zwar in Anlehnung an eine von dem Bundesvorstand tn die Wege geleitete Einrichtung Es haben nämlich mit der Talmud-Thora-Lehranstalt tn Frankfurt Verhandlungen siattgefunden, dte zu dem Resultate führten, dag genannte Anstalt in Zukunft den Semtnarabtturientrn Gelegenheit gibt, dort zu „lernen" und fich weiter zu bilden. Datz diese Einrichtung große Bcd.utung besitzt, braucht nicht Wetter hervorgehoben zu werden. Der Vorstand hat weiterhin einen Stellennachweis eingerichtet, der schon segensreich gewirkt hat. Bet freudigen und traurigen Anlässen konnte fich der Bund vertreten lassen. Bel der vom Kölner Lchrerscmmar anläßlich der rverleihung der Berechtigung zur Abnahme von Entlassungsprufungen veranstalteten Festferer war der Vuno vertreten. Der Vorsitzende geoenkr sodann det Heimgegangene» Mitglieder Lind- Renzenhetm und Landrabbmer Dr. Löb - Emden, welch letzterer die Ziele des Bundes tn hervorragender Weife gefördert hm. Dte Versammlung erhebt fich zu Ehren der Verschiedenen von den Sitzen. Zum Schlüsse seines Berichtes richtet der Borfitzende die Ausjorderung an dte Versammlung, weiter für den Bund zu wirken zum Heil der Lehrerschaft, in deren Heil dader Judenhen beruht. (Fortsetzung folgt.) L-rresponäenrenn. Nachrichten. Frankfurt a. M. Im Verlage von I. Kaufsmann erscheint demnächst das 3. Heft der Synagogen gelänge von Lberkantor Emanuet Kirschner, München. Tas Werl des rnhmlichst bekannten Verfassers enthält in 73 Nummern neben Sabbat- und Festgesängen auch Gesänge für den JugendgotteSdieikst. Köntgsoerg i. Pr. Ter Verein jüdischer Religionstehrer Ostpreußens hat den ersten Schritt getan, nm die Frage eines Ferienheims für seine Mitglieder zn losen. Es ist ihm gelungen, im Altersheim zu Allenstein während der Ferien ein Zimmer für erholungsbedürftige Mitglieder zur Verfügung gestellt zu elhaiten. Ten Insassen wird bolle Beköstigung in dein mit dem Altersheim verbundenen jüdischen Restaurant gewährt. Das Ziinmer wird auf je 14 Tage an Kollegen vergeben. Tic Vergütung für volle Pension beträgt pro Tag zwei Mark. Auf Antrag wird die Vergütung ermäßigt oder ganz erlassen. Altenstein empfiehlt sich wegen seiner nahe gelegenen herrlichen Waldungen ganz besonders zum Erholungsaufenthalt.