Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 29 (20.7.1911)
- Date
- 1911-07-20
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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«ette S Ko. 29 »R Sttdtftt, 20. Juli lill Gesellschaft nahm die Frage sehr ernst, arrangierte eine' gründliche wissenschaftliche Untersuchung der Frage, zu der Kapazitäten der Wissenschaft, wie Professor Pawlow herangezogen wurden, und gab schließlich ihr Gutachten oahin ab, daß die „Schechitah" als die humanste Art des Biehfchlachtens anzusehen sei. Ob auch die von der Moskauer Stadtobrigkeit berufenen Veterinäre mit dem gleichen Ernst und der gleichen Gründlichkeit an ihre Aufgabe herantreten werden? England. In Zacken Ser Zonnnfsgsrutie. London, 10. Juli. Der Konferenz der jüdischen Parlamentarier in Sachen des Sonntagsruhegesetzes, von der wir in letzter Nummer berichteten, folgte letzten Montag eine höchst imposante jüdische öffentliche Volksversammlung die von vielen Tausenden besucht war und an der auch die Notablen der Stadt, viele Deputierte nnd die Spitzen der englischen Judenheit teilnahmen. Da sich der Saal für den kolossalen Zudrang der Teilnehmerzu klein erwies, wurden auch Parallelversammlungenunterfreiem Himmel abgehalten. — Im Saale führte Herr H. Alexander den Vorsitz, der nach Verlesung von Entschuldi- §ungsschreiben des erkrankten Chiefrabbi, des ord Rothschild u. a. m. den zur Verhandlung stehenden Gegenstand eingehend besprach. Er schilderte die wirtschaftlichen Schäden und religiösen Gefahren, die vom Sonntagsruhegesetze der englischen Judenheit drohen. Das Entgegenkommen des Minister Churchill, der den Juden sehr wohl geneigt sei, sei dankbar anzuerkennen, aber noch keineswegs den berechtigten Wünschen der jüdischen Bevölkerung entsprechend. Die sabbathaltenden Juden, sagte er, müßten vom neuen Gesetze völlig unberührt bleiben, zumindest aber die in London, Liverpool und Manchester. Ltonel Rothschild lobt ebenfalls den guten Willen des Minister Churchill, meint aber, daß mit vielen anderen hindernden Faktoren zu rechnen sei. Er, Redner, habe aber bet einer Aussprache mit einem Mitglieds der Regierung den Eindruck gewonnen, daß bei einmütigem entschiedenen Auftreten noch weitere Konzessionen in der Sache der Sonntagsruhe zu erlangen seien. Der Deputierte Steward Samuel (Bruder des Minister Samuel) erwähnt, daß auch noch andere Gesetzentwürfe (Fremdengesetz, Versicherungsnovelle) zur Beratung stehen, die die Juden mehr oder weniger berühren. Das Sonntagsruhegesetz schneide jedoch so tief ins jüdische Leben ein, daß wir in dieser Beziehung nichts zu bitten haben, sondern unser Recht fordern müssen. Auch zwei christliche Deputierte ergreifen das Wort und versprechen, für das religiöse Recht der Juden im Parlamente einzutreten. Es sprechen noch die Herren Strauß, Leopold Rothschild und Dr. Salkind. Letzterer begrüßt es, daß hier Ost- und Westjuden einmütig für die heiligen Güter ihrer Religion kämpfen. Es wird dann folgende von Lionel Rothschild vorgeschlagene Resolution einstimmig angenommen : „Die heutige, von vielen tausenden < Juden besuchte Versammlung legt Protest gegen das Sonntagsruhegesetz in seiner geplanten Form ein, das eine Gefahr bedeutet für die sabbathaltenden Juden, da es die Juden vor die Alternative stellen würde, entweder den Sabbat zu entweihen oder sich mit fünf Arbeitstagen in der Woche zu begnügen. Die Versammlung fordert, daß man die Juden gänzlich aus dem Sonntagsgesetze ausnehme oder eine Zusatzbestimmung aufnehme, die den sabbathaltrnden Juden die Sonntagsarbett uneingeschränkt gestattet." Herr Karl Stetkauer beantragt, die Resolution unverzüglich dem Ministerpräsidenten und dem Minister des Innern zu übermitteln und findet damit die ungeteilte Zustimmung der Versammlung. Zum Schluffe besteigt der als Gast anwesende Baron Alfred Ginzberg aus Petersburg (Sohn des Baron David Ginzberg?"T) die Rednertribüne und übermittelt „den freien englischen Bürgern in ihrem Kampfe für ihr Recht den Gruß der russischen Brüder", was ihm eine stürmische Ovation seitens der tausenden Teilnehmer aus Whitechapel einbrrngt. Unter Absingung der englischen Hymne wurde die Versammlung gegen Mitternacht geschloffen. Frankreich. Wnris, 16. Juli. Von der Existenz des Judentums in Frankreich erfährt man hier und da durch eine gelegentliche Rabbinerversammlung in Parts. Eine solche fand wieder letzte Woche statt. Man beschloß u. a. die Abfassung eines neuen Gebetbuches mit französischen Gebetstücken im Texte und kurzer ftanzösischer Inhaltsangabe der hebräischen Hauptgebete. Ebenso sollen belehrende und Erbauungsschriften veröftentlicht werden. Natürlich fehlte auch die Frage der Ehescheidung auf der Tagesordnung nicht. Man konnte sich jedoch noch nicht entschließen, in den saueren Apfel zu beißen, und man verschob den heiklen Gegenstand auf die nächste Tagung. Dagegen beschloß man, Trauungen in der ersten Hälfte der drei Trauerwochen ohne weiteres vorzunehmen. Die von der Nabbinerversammlung gefaßten Beschlüsse sollen durch das Zentralkonsistorium, vorausgesetzt, daß es dieselben anerkennt, den Vorständen aller französischen Gemeinden milg:- teilt werden. Der ,17nivers l8r»sl,te", drückt sich in einem Artikel sehr begeistert über den Gang der Verhandlungen und ihre Erfolge aus. Dem objektiven Beurteiler wird aber auch durch diese Versammlung klar, daß dem Abfall vom Judentum, durch viel Jahrzehnte von den Lehrern und Führern verschuldet, mit neu en Gebetbüchern und Erbauungsschriften nicht mehr beizukommen ist. ®ürkei. Rabbi Mob JTteir bleibt. Sakottikr, 16. Juli. Der „Progres de Salonique“ meldet: Der Vorstand der hiesigen Judengemeinde hielt eine Plenarversammlung ab, um zur Frage desOberrabbinates von Saloniki infolge der Berufung des Grand Rabbin Jacob Meir nach Jerusalem nochmals Stellung zu nehmen. Nach eingehender Debatte wurde mit L9 gegen 14 Stimmen beschlossen, den Grand Rabbin zu bitten, an der Spitze der Saloniker Gemeinde zu verbleiben. Eine Abordnung von zehn Notabeln der Gemeinde begab sich zum Großrabbiner, um ihm den Beschluß mitzuteilen und auch ihrerseits ihn zur Berücksichtigung dieses Beschlusses zu bewegen. Nach längerer Beratung gab der Großrabbi schließlich nach und erklärte, in die Verlängerung des Dien st vertrag es auf drei Jahre einzuwilligen. Wie von anderer Seite besonders hervorgehoben wird, haben die 14 Mitglieder der Plenarversammlung, die in der Minorität geblieben, bloß dagegen gestimmt, daß Rabbi Meir nochmals gebeten werde, in Saloniki zu bleiben. Sie stimmten vielmehr dafür, es vollständig dem Ermeffen des Großrabbt zu überlassen, dem wiederholt geäußerten Wunsche der Gemeinde Folge zu leisten oder nicht. Palästina. Jerusalem, 13. Juli. Hier haben mehrere höhere Beamte erklärt, daß, falls sich eine größere Anzahl ausländischer Juden mit dem Ersuchen an die Regierung wendet, ihnen die türkischen Bürgerrechte zu verleihen, sie bet der Regierung großes Entgegenkommen finden werden. Ein Beamter fügte hinzu, daß sich der neue Gouverneur, der demnächst nach Jerusalem kommen wird, besonders mit der Frage der Ottomanisierung der ausländischen Juden befassen wird. $ $ * Wie in hiesiger Stadt so ist auch nunmehr in Haifa die Wahl eines Waad Hair zustande gekommen. Der Waad ist nemetnsam von den aschkenasischen und sephardischen Juden gewählt worden. Demselben gehören an: Dr. E. Auerbach, Direktor Kaisermann von der Anglo Palesttne Company und noch andere angesehene Männer der Gemeinde. Der Waad hat bereits seine Arbeit begonnen, und es ist zu erwarten, daß er eine nutzbringende Tätigkeit entfalten wird. Ueraifscbtes. Köln, 17. Juli. Ein echtes Thorafeft war der hiesigen Synagogengemeinde Abaß Jefchurun am p^21 npn 'S rot? zu feiern vergönnt. Am diesem Tage wurde die von den Gemeindemitgliedern durch wöchentliche Zahlung minimaler Beiträge gestiftete nLL ihrer Bestimmung übergeben. Am Donnerstag vorher war nach dem Minchagebete von den fTKmn Hltt der Gemeinde das nöD zu Ende geschrieben worden, hernach versammelte fich eine ansehnliche Zahl 'ani# min zur niXtt n'liro im Restaurant der Gemeinde. Herrliche min '12*7 würzten das festliche Mahl. Zunächst erklärte der Rabbiner, Herr Dr. Carlebach, in k l a s s i s ch e m H e b r ä t s ch, daß die Bvrschrtst, den Schluß der min inmitten der Zeile, nicht etwa am Schluffe derselben etntreten zu lasten, schon darauf hwj weis«, daß mit der 2n22V min die Lehre Nicht beendigt sei, sondern ihre Vollendung und ihren Abschluß erst im mündlichen Gesetze finde. j Herr Josef Seligmann weihte als Vorsteher sein GlaS dem unermüdlichen Führer und Letter der Gemeinde,' Herr Michael Munk erklärte in geistvoller Weise verschiedene Q'plBS un) schilderte den Werdegang des neuen nLO» das dadurch zustande kam, baß Herr Seminarlehrer Gut nach dem Muster der Höchberger Gemeinde und dem Vorbilde seines großen Schwiegervaters, Nathan Efchwege die Anregung zu dieser Sttstunggegeven habe, die dann durch den R a b b i n e r in die Tat umgesetzt worden sei. Herr Dr. Lorsch erklärte finnig den jüdischen Begriff von Freude und Freiheit. Herr Semtnarlehrer Gut sprach über das Brunnenlied der Sibrah und seinen Zusammenhang mit der min *122 und Herr Willy Wolf über das pplKn UD22 VTl Nachdem auf Anregung deS 'Herrn van Cleef durch Berstetgerung des Tischgebets 63 Mk. für eine weitere min 1SD bereitgestellr wurden, fand die echt jüdische nniöir unter musikalischen Darbietungen ihren finnigen Abschluß. Am n2V selbst übergab der Gemeindevorsteher, Herr Dr. Ochs, in Asfistenz der beiden ältesten Gemetndemitglieder die neue min *1SD dem Rabbiner, hieraus folgten nach dem BegrüßungSchor die sieben üblichen niBpn um den festlich geschmückten Almemor. In meisterhafter Rede verbreitete sich nach der, min°Borlesung Herr Rabbiner Dr. Carlebach über i den Wert und die hohe. Bedeutung der Zusammengehörigkeit und des etnträchltchen Wirkens aller Gestnnungs-1 genoffen. Wir schließen mit dem inntgen Wunsche, daß dieser Appell des Herrn Rabbiners, einträchtig und geschlos sich um die Thora zu scharen, nicht ungehört verhallen, sondern kräftig wirken möge, aus daß die Adaß Jeschurun jederzeit auf die Ihrigen rechnen und zählen könne, um ihr hohes Ziel stets energischer zu verfolgen: 12N1 min*? 1122. Düsseldorf, 17. Juli. Dev hier kürzlich gegründete eretn für Rheinland und Westfalen^ oesten Mitglieder sich verpflichtet haben, binnen einem j gewiffen Zeitraum je eine n2DI2 auszulernen, bringt zur Kenntntsnahm» der Beletilgten, daß sich die Herren M. A. Fink, Vorsitzender deS Vereins min 'p'lNv/ j Köln, Peterstraße 12, I. Hurwitz, Duisburg, KühlungSgaffe, Simon Schächter, Aachen, Thomasgaste 31, bereit erkiärt haben, den Lernenden mit Erläuterungen und Erklärungen zur Seite zu stehen. Nürnberg, 16. Juli. Mit dem 14. Juli schloß baS Schuljahr am Talmud-Thora-Jnstitut tm! benachbarten «sch w a b a ch. Die Anstalt kann auch Heuer wieder mit ihren Erfolgen zuftteden fein; drei der Schüler wurden am Köntgl. Provtnzial-Gymnalum öffentlich [ belobigt. Darin zeigt sich aus's neue die Bestätigung, daß man recht gur einige Stunden Unterricht zu gunsten I des Gottesdienstes am Srbbat und Festtagen entbehren | kann, ohne daß nachteilige Folgen zu befürchtet wären. ES ergibt sich immer deutlicher, daß die seinerzeitige Um