Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 28 (13.7.1911)
- Date
- 1911-07-13
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Der JSraelU. Sette 14. Rr. 28. tlrschel Löbel hat in seinem Bericht vom 25. eptember er., ebenso wie der wegen seiner Kenntnisse der jüdischen und talmudischen Lehren allgemein berühmte Ober-Konsistorialrat Teller p. p. jene Behauptung bestätigt. Es ist ihrer Meinung nach nicht einmal beim Gebet, noch weniger bei den Eidesleistungen eines Juden notwendig, daß er einen Tallis habe." Das Material in den beiden Gutachten wird in dem Berichte des Kammergerichts näher detailliert und dann geschlossen: „Wir glauben daher auch, daß es für die Zukunft wegen der Beschaffenheit des Gebetmantels keiner weiteren Verfügung bedürfe." Dann wird weiter berichtet: „Noch weit weniger scheint uns die Ansetzung eines christlichen Aufsehers auf die gehörige Beobachtung der gesetzlichen Förmlichkeiten bei den Eidesleistungen notwendig oder ratsam, am allerwenigsten aber die Person des Suppl. dazu geschickt zu sein" u. s. w. „Ein solcher Aufseher würde auch diese Aufsicht wohl nicht umsonst führen, sondern dafür bezahlt sehn wollen, das würde die ohnehin schon jetzt sehr großen und unvermeidlichen Kosten einer jüdischen Eidesleistung noch mehr und zwar ohne Noth vermehren. Der Suppl. endlich, welcher so vielfältig seinen Haß gegen die Juden in dieser Rechts-Angelegenheit gezeigt hat, würde deshalb, und als getaufter Jude durch seine Gegenwart eher die Andacht des Schwörenden stöhren als erwecken helfen" usw. „Man würde offenbar zu unnützen Stöhrungen, Kränkungen und Bedrückung der Juden Anlaß geben, wenn man ihre Gebräuche bei einer so feierlichen Handlung als die Eidesleistung ist, der Kritik eines solchen Menschen unterwürfe" usw. „Wir sind daher der allerunterthänigsten Meinung, daß des Suppl. Gesuch, ihn zum Aufseher über die bei jüdischen Eidesleistungen vorgeschriebenen Gebräuche zu bestellen, gänzlich unstatthaft sei" usw. „Ew. König!. Majestät p. P. Das Kammergericht." Diesen Fall hier ausführlich zu behandeln, habe ich mich besonders veranlaßt gefühlt, da in zwei vorzüglich gearbeiten Schriften nur eine hierauf bezügliche Andeutung sich findet: Frankel, Die Eidesleistung der Juden, S. 126 und L. Geiger, Geschichte der Juden in Berlin II. S. 273. — In dem Buche Geigers ist die Geschichte des mors judaico bis zum letzten Tage seiner Existenz fortgesührt. Am 6. Juli 1869 wurde diese Eidesformel durch ein Gesetz als aufgehoben erklärt, „nachdem hundert Jahre verflossen waren, seitdem die erste Klage gegen die bestehenden harten Bestimmungen laut geworden war, nun endlich war das erreicht, wonach man so lange in unermüdlichem Kampf gestrebt hatte." Der letzte Beamte für die Assistenz beim Judeneide an den Gerichtsstätten Berlins war der Schreiber dieser Zeilen, in Gemeinschaft mit dem Rabbinats-Affessor E. Rosenstein und Dr. M. Steinschneider. M Die Statistik in Deutschland nach ihrem heutigen Stand. Georg von Mahr bei der Feier seines 70. Geburtstags am 12. Februar 1911 als Ehrengabe dargebracht. Herausgegeben von F. Zahn. München und Berlin. Verlag von I. Schweitzer (Arthur Sellier). Das Werk wird von seinem Verleger mit Recht als ein Standard work der Statistik bezeichnet. Es behandelt alle Einzelgebiete der Statistik, und zwar im Band I: A. G. schichte, Bedeutung, Organisation und Technik der deutschen Statistik, 8. die Bevölkerungsstatistik, C. die Kulturstatistik - in Band ll. D. die Wirtschafts- und Sozialstatistik. Durchweg wird gezeigt, welche Bedeutung jedem Zweig der Statistik zukommt, was auf dem betr. Gebiet heute Reich, Staat, Kommune, Privatwirtschaft und Wissenschaft leisten und in welcher Richtung Fortschritte erstrebenswert sind. Das Methodische der Sta tistik ist allenthalten in den Vordergrund gestellt. Die materiellen Ergebnisse der Statistik (Zahlen, Tabellen rc.) sind grundsätzlich nur nebenbei berücksichtigt. Im einzelnen verblieb den Bearbeitern in Art und Gl ederung der Behandlung ihres Themas volle Selbständigkeit. Der innere Gehalt des Werkes hat hiedurch, wie sein Herausgeber mit Recht betont, nur gewonnen. Natürlich waren infolgedessen gewisse Wiederholungen, auch widersprechende Ansichten bei Einzelfragen nicht ganz zu vermeiden. Der nähere Plan des Werkes erhellt aus dem ausführlichen Inhaltsverzeichnis, das dem ersten Bande vorgedruckt ist. Ein ausgezeichnetes alphabetisches Sachregister für das ganze Werk findet sich am Ende des zweiten Bandes, das seine Benutzung als Nachschlagewerk außerordentlich erleichtert. Für die Leser dieser Zeitung ist der Abschnitt „Religionsstatistik" von besonderem Interesse, der in Regierungsrat Knöpfe! einen sachkundigen Bearbeiter gesunden hat. Knöpsel erkennt es an, daß das Judentum durch den Verband für Statistik der Juden, d.r „sich tu der Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden ein gut gekettetes Organ geschaffen, einen tüchtigen Stab von Mitarbcillrn herangebildet und schon treffliche Monographien herausgegeben" hat (S. 323 im Bd. I), die bestorganisierte Statistik besitzt. Die Frage, ob sich eventuell nichr auch ein Zusammenarbeiten der verschiedenen Konfeffionen ermöglichen läßt, erörtert Knöpsel nicht. Doch läßt sich ein solches, wenn man an das von Segal in Aussicht genommene großangelegte Quellenw-rk über Konfessionsstatistik denkt, nicht ohne weiteres von der Hand weisen. Doch das ist Zukunftsmusik! Für heute sei nur nochmals betont, daß das vorliegende Buch in keiner größeren Bibliothek eines Statistikers fehlen darf: denn es erfüllt die Wünsche, die ihm sein Herausgeber mit auf den Weg gibt. Das Werk, das in gemeinsamer Arbeit deutscher statistischer Kollegen zustande gekcmmen ist und das klar erkennen läßt, wie sehr Georg von Mayr den jetzigen Stand der heutigen deutschen Statitik mitbewirkt bat, wird dem Jubilar, dem es als Festgabe gebracht wird, zur Ehre und zur Freude gereichen! Es wird sicher auch nach seiner Kritik einen würdigen Beitrag zu dem von ihm angestrebten und schon zu ansehnlicher Höhe aufge richteten Bau einer statistischen Gesamtwtssenschaft repräsentieren! Es wird insbesondere geeignet sein, den sehnltchst gewünschten Abschluß seines eigenen großen Werkes über die Gesellschaftslehre erleichtern! Es wird endlich für die weitere Entwicklung der deutschen Statistik selbst und für die Erfüllung ihrer hohen Aufgaben brauchbare Lehren und Richtlinien geben! Dr. Wassermann (München). nn n"n» ^nn rvtö snx *waö nsv JfV!32CE3Kp Druck und Verlag der Redaktion des "fiVBSn in Vacz Wa'iren) Ungarn. Unter obigem Titel hat dieser Tage ein die Presse verlassen, das man als Bereicherung der yalachischen Literatur betrachten kann. Ter Name des Verfassers jft in miten Kreisen rühmlichst bekannt. Herr Katzburg war schon in seiner frühesten Jugend literarisch tätig. Sein Erstlingswerk “t, das er noch als Talmudjünger herausgegeben, lenkte die Aufmerksamkeit Vieler auf ihn. Einen bedeutenden Namen hat er sich aber erst durch Gründung der obgenannten Zeitschrift halachischm und ___13. Juli 1911. agadischen Inhalts erworben, die einem großen Mit-- arbÄter- und Leserkreis besitzend auf das jüdisch? Geistesleben innerhalb und außerhalb der Grenzen Ungarns von großem Einfluß wurde. Ter rastlos tätige Gelehrte hat sich die schöne, aber dennoch undankbare Aufgabe gestellt zu einen Eommentar zu schreiben. Wir sagen undankbar, denn es ist schon so viel darüber geschrieben, paß man leicht Gefahr läuft, in längst betretene Bahnen zu geraten. Tem Bersasser muß man jedoch zu geben, daß er dies glücklich vermieden hat. Es ist alles neu, alles urwüchsig und alles lebensfrisch, was er dort an den Sprüchen unserer Weisen deduziert und erläutert. Man findet ein Fülle trefflicher Auslegungen, öfters mehrere zu einer Sentenz. Um doch etwas auszusetzen, möchte ich leise bemängeln, daß der Verfasser so häufig aus feinem Erstlingswerk zitiert. Er weiß doch wie die Wett den Spruch 'Töbfl ’JpT u. s, w. auffaßt. Man will vom 22N immer neue Geisiesprodukte haben, weil diese stets geläuterter und gediegener sind als die früheren. In technischer Beziehung sollten weniger Druckfehler Vorkommen. Im Ganzen aber kann mau es ohne Uebertreibung sagen, daß über schon lange nicht so viel Treffliches geschrieben worden ist, als wir in diesem Büchlein finden. Man legt es ungern fort, wenn man's einmal zur Hand genommen. Zur jetzigen L'V^L'Saison sei es jüdischen Kreisen bestens empfohlen. W. L. Biographisches Handbuch der in der k. u. k. österr.-ung. Armee und Kriegsmarine aktiv gedienten Offiziere, Aerzte, Truppen-Rechnungsführer und sonstigen MllUärbeamten jüdischen Glaubens von Moritz Frühling. Selbstverlag des Berfasscrs. Wien II. Taborstr. 20. Das Buch enthüll eine übersichtliche Zusammenstellung reichen amtlichen Aktenmaterials, das der Verfasser an zuständiger Stelle, im Reichskrtegsarchiv, erhalten konnte. So wird man in die Authentizität der Dokumente auch von blindantisemitischer Seite nicht den geringsten Zweifel setzen können. Und diese Dokumente sind samt und sonders glänzende Ehrenzeugnisse für miltärtsche Vorgesetzte jüdischer Konfession, die sich durch außerordentliche Tapferkeit in Krieg und Frieden ausgezeichnet haben. Wir finden in diesem Handbuche der jüdischen Offiziere die Lebensgeschichte von 6 Generälen (darunter 1 Feldmarschallleutnant), 17 Obersten, 15 Oberstleutnants, 48 Majoren und 211 Vorgesetzten niedrigeren Ranges. Nicht weniger als 26 dieser jüdischen Offiziere wurden für besonders tapfere und wertvolle Kriegsdienste mit dem Orden der Eisernen Krone (eine Auszeichnung, die in Oesterreich kaum noch übertroffen werden kann) geschmückt. Bemerkenswert ist, daß die meisten dieser Offiziere als einfache Soldaten ihre dienstliche Laufbahn begonnen haben und sich durch Fleiß, Intelligenz und Diensteifer so von Etappe zu Etvppe bis zu den höchsten Stellen und Würden emporgeschwungrn haben. Von 814 jüdischen Unteroffizieren, die sich gleichfalls einen Ehrennamen in der österr.-ung. Armee erworben haben, verspricht uns der Bersasser, bald in einem zweiten Bande — ebenfalls auf Grund amtlicher Dokumente — zu erzählen. Auch in Deutschland wird denjenigen, die sowohl im Interesse des Rechtes als um der Ehre der deutschen Armee willen das Problem der militärischen Beförderung der Juden einer Lösung zuzusühren suchen, das m-n Frühling in Oesterreich - gesammelte Material wertvolle Dienste leisten. 2cv. Die Deutungen der hebräischen Buchstaben bei Ambrosius. Bon Dav. Heinr. Müller. Separatabzug aus den Sitzungsberichten der Kais. Akvdemie der Wissenschaften in Wien. 167. Band, 2. Abhandlung. Der berühmte Kirchenvater Ambrosius (st. 397) hat seinen jüdischen Zeitgenossen r ichlich zu schaffen gemacht, das hinderte ihn aber nicht, fleißig die Heilige Schrift zu studieren und zu ihrem Verständnis aus jüdischen Quellen zu schöpfen. In seinem Kommentar zum Psalm 118 ('LU erklärt Ambrosius u. a. die Bedeutung der hebräischen Buchstaben. Indem Herr D. H. Müller davon ausgeht, daß des Ambrosius Quelle zuletzt die Buchstabendeutungen Philos waren, die uns aber nicht erhalten find, indem er anstatt dessen die hebr. Editionen vom Alphabet des R. Akiba heranzieht, zeigt er in scharfsinniger Weise, auf welche hebräischen Wörter und auf welche jüdischen Anschauungen und jüdische Methodik die Deutungen des Ambrosius zurückgehen. Wir empfehlen die kleine Schrift denen, die für diese Spezialdinge sich interessieren, wenn wtr auch den darin vertretenen bibUkritlschen Standpunkt mit aller Entschiedenheit ablehnen.