Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 23 (8.6.1911)
- Date
- 1911-06-08
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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IKJSRW&kw' '" Seite 12. No. 28. Der JSraelit. 8. Juni 1S11. verständlich auf feine Mithilfe! Gibt es denn nicht auch neben dem Thorastudtmn fo ettvaS wie Fortbildung auf Profanem Gebiet? Sollten die jüdischen Lehrer ganz den Ehrgeiz Verloren haben, mit ihren christlichen Kollegen in d.n Stal desveretnen als Gletchstrebende zusammenzuwirken? Kann oder darf fich der jüdische Lehrer von der prccktischen Betätigung innerhalb der gemeinnützigen Vereine seines W rkungskretses ausschließen, sobald fie interkonfessionellen Charakter tragen? Ich weß: Leben ist Tätigkeit, und nur derien'ge hat gelebt, der tätig gewesen ist, aber weil unS das Leben einmal zur Vielseitigkeit zwingt, dürfen wir, wenn wir aufrichtig sein wollen, nicht den Anschein erwecken, alS könnten wir überall Meister sein. So wenig man von dem Arzt verlangt, daß er Spezialist für alle möglichen Krankheiten sci, so wenig darf man ähnliche unbillige Forderungen an den Lehrer stellen. Auch ich halte es, wenn unser Stand nicht verflachen soll, für notwendig und nützlich, daß Hochziele aufgestellt werden, und ich sehe es ferner alS selbstverstär dlich an, daß wo eine Begabung nach der einen oder anderen Sette fich zeigt, diese ihre Ausbildung erfahre. Wem Mutter Natur gute Sttmmittel verliehen, mag fich zum Kantor auSbtlben und vorausgesetzt, daß er künstlerisch veranlagt ist,*) wird auch sein Bor trag von dem Geiste der 5kunst durchwlht sein. Wer daS Glück hat, in einer frommen Gcmeirde und unter günstigen Verhältnissen zu wirken, der wird, falls er selbst gut „lernen" kann, seine Schütt r wenigstens in die Vorhallen des Talmud einführrn. Wer mühelos über das „freie Wort" verfügt, der mag fich zum Redner he anbilden und wer eS durch Fleiß zum NNVIV VNw gebracht, vor dem habe ich dieselbe Hochachtung wie vor demjenigen, der als K*Tlp allln Ansprüchen genügt. Aber ich bestreite, daß der Durchschnittslehrer es dahin bringen kann, das Höchste auf den allerverschtedensten Gebieten zu leisten. Man könnte fich damit begnügen, den Herren Referentm ein wenig Wasser in ihren Wein zu gießen, wenn nicht überall der Ruf erhoben würde: das jüdische Seminar leistet hier zu wenig und dort zu wenig, unsere Vorbildung war in diesem Fache zu gering und in jenem ungenügend. Ich habe keine Veranlassung, '.ür die Seminare eine Lanze etnzulegen, oder die Berechtigung dieser Borwürfe im einzelnen zu prüfen, aber ich meine, auch daS Seminar kann nur allgemeine Grundlagen btetm und muß es dem einzelnen Überlossen, 1 entweder auf ein spezielles Fach zu werfen, oder, was entschieden vorzuztehen ist, seine Fortbildung harmonisch auszugrstallen, nichts zu vernachlässigen, aber auch kein Steckenpferd zu reiten, sondern ein tüchtiger Lehrer schlechtweg zu werden. Ich würde es sehr bedauern, wenn unsere jüdischen Lehrerbildungsanstalten, von allen Setten gedrängt, fich nun ihrerseits den Luxus eines Steckenpferdes gestatten würden, anstatt ihren Blick auf «bas Ganze" zu richten. Künftige „Schulmeister" sollen aus ihnen hervorgehen! DaS möge ihr Stolz fein! Ich möchte aber noch aus einem anderen Grunde vor jeder Uebertreibung warnen. Unsere Gemeinden find wahrlich heute schon ziemlich anspruchsvoll, besonders wenn man die Gegenleistung ins Auge faßt. Was soll erst werden, wenn der Parneß in Buxtehude auf gr-unü unserer eigenen Forderungen an „feinen" Lehrer dieselben Ansprüche stellt, wie die Großgemeinde an ihren Rabbiner, an ihren Kantor und an ihren Schochet? Wer soll denn die Lehrer für solche Glanzleistungen bezahlen? Bet einem sehr großen Teil unserer Gemeinden fehlt eS nicht bloß an dem Können, da ste an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angekommen sind, sondern auch an dem Wollen. Und nicht, bet diesen allein. Als vor ca. 10 Jahren die hessischen Bolksfchullehrer für das Kantorat eine besondere Vergütung beanspruchten, da wandte stch die Regierung an die P r o v i n z i a l ä m t e r um ein Gutachten Über die Berechtigung dieses Anspruchs. Diese erklärten einmütig, das Kantorat verursache keine besondere Mühe und bedürfe keiner besonderen Borbereitu g! Dabet erfordert allein das Letenen in dem Sinne des Herrn Rabbirer Dr. Hirschfeld, wenigstens für die 10 ersten Jahre, eine tägliche Borbereitung von etwa zwei Stunden! Daß ein derarttges Leienen eigentlich nur dem entspricht, sei hier nebenbei bemerkt. Ist irgend eine AuSficht vorhanden, daß unsere Gemeinden künftig einsichtiger sein werren alS die genannten Behörden, deren Vorsitzender ein Rabbiner ist, der in bieftn Fragen doch eigentlich Sachverständiger fein sollte? Ich möchte es vernein n. Die Weiter- und Fortbildung der jüdischen Lehrer ist von hoher Bedeutung, und daß fie keine einfache Sache ist, erweist fich schon ka aus, daß fie gar nicht von der Tagesordnung verschwindet. Wer wre viele von unseren Köllen jahraus jahrein, gänzlich isoliert, in einer Umgebung zu leben gezwungen ist, vre nichts weniger a's förderlich auf ihn einw rkt, der hat eS doppelt nötig, sich geistige Nahrung und Erhebung zuzuführcn und er kann nicht wählerisch sein. Schließlich ist kein Boden so steinig und unfruchlbrr, daß er nicht dem Nahrung Such nden wenigstens etwas bietet. Aber wer die Aus wähl bezüglich feiner Bildun^smtttel hat, dem muß man entschieden abraten, fich um aufe. er Vorteile willen gänzlich etwa auf Mufik ober fremde Sprachen zu Wersen. Jede Einseitigkeit rächt fich, besonders aber bet dem *) Diese Kleinigkeit soll, nie ich mir sagen ließ, rmbcdmgie BorauSsitzung ür den künstlerischen Vortrag sein. jüdischen Religionslehrer. Ihm gerade tut nicht' ein Spezialistentum, sondern Vielseitigkeit notgerade er muß stch davor hüten, stch von setnem Bemfe fo r t Milden, d. h. s ch von ihm zu entfernen. Ich befürchte freilich, ein Prediger in der Wüste zu se n. Ich befürchte, ein Teil unserer Jugend wirb nicht mehr ihre Befriedigung suchen in dem, was uns Aelteren als Ideal vorschwebte, nämlich durch gründliche Thorakenntnisse uns unseres Namens als Religionslehrer würdig zu erweisen, sondern ste wird versuchen, als Künstler und als Prediger zu brillieren, tlsdesl sibi! Wir aber wollen festhalten an dem Grundsatz der allseitigen Fortbildung in unserem Berufe und unseren Blick auf das Ganze richten gemäß dem schönen Wort: „Denn wer den Sinn aufs ganze hält gerichtet, Dem ist der Streit in seiner Brust geschlichtet." (Schiller in „Huldigung der Künste.) I. Ehrlich in M. S. vir Cenerslversammlnng des Bundes fl. j.Cehrer Deutschlands. Ei,r Stimmungsbild. Der „Bund" ist ein maßgebender Faktor in der Lehrerbewegung geworden, der sich nicht mehr übersehen läßtwer noch daran gezweifelt hätte,' der wäre durch die diesmalige Tagung am Pfingstmontag eines Besseren belehrt worden. Nicht etwa durch die imposante Zahl der Teilnehmer ■— sie war geringer als in den vorausgegangenen Versammlungen, da der Tag recht ungünstig gewählt war —, wohl aber durch den Geist der Großzügigkeit, der der ganzen Veranstaltung anhastete. Wir erinnern uns nicht, in den 33 Jahren, die wir im Lehrerleben stehen, einer Konferenz beigewohnt zu haben, die einen solch harmonischen und befriedigenden Verlauf genommeil. Draußen lachender Sonnenschein und drinnen im Saale jene ernste und dabei doch gehobene Stimmung, wie sie den Beratungen der jüdischen Lehrer nun einmal eigentümlich ist, noch etwas wie Schowuaus-Stimmung, wie der Vorsitzende, Herr Realschuldirektor Tr. Lange, in seiner Begrüßung richtig bemerkte. Wir wollen dem Protokoll nicht vorgreifen und beschränken uns deshalb darauf, nur die wesentlichsten Momente aus der Tagung hervorzuheben. Zunächst zum Bericht des Vorsitzenden: Ter „Bund" ist nach außen und nach innen erstarkt. Er zählt heute über 250 Mitglieder und wird durch die demnächst stattsindende Gründung eines Vereins, für Mitteldeutschland ein weiteres korporatives Mitglied gewinncu. Seine Pensionskasse besitzt ein Vermögen von 25000 Mart und gewährt den Bezugsberechtigten eine Unter-- stützungsquote von 100 Mk. Ter „Bund" hat überall da, wo es sich um gesetzgeberische Maßnahmen handelte, wie bei dem preußischen Lehrerbesoldungsgesetz, in Verbindung mit der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" die Interessen der jüdischen Lehrer in tatkräftigster Weise vertreten und wesentlich dazu beigetragen, daß dies letztere Gesetz für die jüdischen Volksschullehrer so. günstige Bestimmungen enthält. Von demselben Geiste getragen sind auch die Schritte, die der „Bund" in der Angelegenheit des Versicherungsgesetzes für Angestellte unternommen. Nachdem Herr M. A. Loeb-Frauksurt a. M. bereits in einer Vorstandsitzuug des „Bundes" über die Bedeutung des Gesetzes für die jüdischen Kultusbcamten referiert hatte, hielt er aus der Generalversammlung einen lichtvollen Vortrag, der die Allwesenden mühelos durch das Labyrinth der 376 Paragraphen des Entwurfs führte und sie über alle einschlägigen Fragen orientierte. Eine Kommission wird über die weiteren, sofort KN ergreifenden Maßnahmen beschließen. Besonders nach einer Richtung hin wird sie eine segensreiche Tätigkeit entfalten können. Ta es feststeht, daß die in einigen deutschen Staaten, wie im Großherzogtum Hessen, und in einigen preußischen Provinzen, wie in Rheinland, Westfalen und im Regierungsbezirk Kassel bestehenden sogen. Kvmmnnalkasscn (Fürsorgekasse in Hessen) dem Lehrer bei gleichen Beitragen weit größere Vorteile bieten als die geplante Privatbeamtenversicherung, so wären die jüdischen Vorstände dahin zu bearbeite», daß sie ihre Beamten in die genannten Kassen einkanfen, bevor das Gesetz zur Verabschiedung gelangt. Nicht geringer von Bedeutung ist das, was der ..Bund" zur geistigen Erstarkung des jüdischen Lchrcrstandes geleistet. Tie von ihm ins Leben gerufenen und subventionierten Fortbildungskurse funktionieren zur vollen Zufriedenheit und sind Mittelpunkte rüstigen Strebeus. Ter Leiter des „Bundes" hat außerdem in Ausführung eines in der jüngsten Vorstandssitzung gefaßten Beschlusses der Berlvaltung der Frankfurter 712'kv'' den Vorschlag unterbreitet, für Scminarabiturienten einen zunächst auf ein Jahr sich erstreckenden Fortbildungskurs zu eröffnen, aus dessen Lehrplan der „Bund" einen bestimmendell Einfluß haben ulid der auch der Fortbildung im Kantorat dienen soll. Ter Plan ist im Prinzip gutgeheißen worden und ein früherer Zögling des Kölner Seminars macht bereits von dieser Einrichtung Gebrauch. Im Mittelpunkt der ganzen Tagung stand der Vortrag des Herrn Oberlehrer Tr. Rothschild-Halberstadt. Ueber den Einfluß des Lehrers auf die der Schule entwachsene Jugend. Was sein Referat so überaus wertvoll machte, das war dieUeberzeugung: hier spricht ein Mann über ein Thema, über das er nicht nur reiflich nachgedacht hat, sondern das ihm auch eine Herzensangelegenheit ift; es ist ein Gfehiet, auf dem er bereite reiche Erfahrung besitzt und schöne Erfolge erzielt hat. Auch die Pessimisten unter uns mußten anerkennen, daß, wo ein so starker Glaube au den Sieg des Guten vorhanden, der schließliche Erfolg nicht ausbleiben kann. Tie „Israelitische Religionsgesellschast Frankfurt a. M." hatte für ein solennes Mittagessen gesorgt; daß es während desselben an den üblichen Toasten nicht gefehlt, braucht nicht erst erwähnt zu werden. Tie Tagung dauerte, die zweistündige Essenspause eingerechnet, von morgens 10 bis abends 7 Uhr. Ter Vortrag des Vorsitzenden, über. die Bedeutung der Elihureden im Buche Jjob muhte leider arrsfallen und wurde als erster Vortrag aus Me Tagesordnung der nächsten Generalversammlung gesetzt. Allgemein wurde gewünscht, daß diese sich auf 2 Tage erstrecken solle. Das wird umso nötiger werben, ba der „Bund" künftig einen wesentlichen Teil seiner Tätigkeit in die Kommissionen verlegen muß und sein Arbeitsgebiet demgemäß ein viel ausgebreiteteres sein wird. 22"Y1 das war der Wunsch, in dem die Verhandlungen ausklangen. Er wird mit Gottes Hülfe in Erfüllung gehen, wenn alle Beteiligten ,nitarbeiten an der Hebung der jüdischen schule und des jüdischen Lehrerstandes. Die 3 Lehrerbildungsanstalten im Kreise Untertraniken. Die beiben Präparandenschulen zu Burgpreppach und Höchberg und das Seminar zu Würzburg, ans verhältnismäßig engem Raume zusammcngedrängt, haben eine weit über den Rahmen des Kreises und Königsrciches hinausreichende Bedeutung. Tie beiden Präparandenschulen sind die einzigen selbständigen derartigen Anstalten im ganzen Reiche. Sie sind zwar in erster Linie auf die bayrischen Anforderungen für den Uebertritt in das Würzburger Seminar zugcschnitten, liefern aber auch alljährlich Schülcrmateriai für andere Seminarien, besonders insofern ein immerhin beträchtlicher Teil ihrer Schüler Nichtbayern sind und in die heimatlichen Seminarien eintreten; das Würzburger Seminar aber, die einzige orthodoxe derartige Anstalt in ganz Süddeutschland, hat schon die fernsten Gegenden, weit über Bayern und selbst Deutsch land hinaus, mit Lehrern versorgt. Tie Jahresberichte dieser Anstalten dürfen darum ein ganz bcson ders reges Interesse bei der großen Öffentlichkeit erwarten. Wenn trotzdem gar mancher die Berichte nur flüchtig durchblättert, sich vielleicht damit begnügt, seinen Namen in der Spenderliste gefunden zu haben, so mag die Ursache darin liegen, daß jedem solchen Berichte in seiner Knappheit und Kürze eine gewiss? Trockenheit anhaftet. Und doch könnte ein solcher Bericht so viel und so mancherlei erzählen, .wenn er gründlich und mit Interesse gelesen würde und gar viel Ungesagtes ließe sich aus dem Gesagten erschließen. Versuchen wir darum einmal, gleichsam zwischen den Zeilen zu lesen und anstatt trockener Rekapitulation der Berichtsangaben eine lebensvolle Darstellung des Ringens und Schaffens, des Stre bens und der Erfolge zu geben. Nicht aber charakterlose Lobhudelei soll es sein, nein, ehrliche Ueberzeugung komme zum Ausdruck und wo hie und da eine Aenderung gewünscht wird, ist dies nur dem Streben entsprungen, der guten Sache zu dienen. Und schon eingangs sei hier hervorgehoben, daß wohl manche der zu gebenden Anregungen vorerst nur frommer Wunsch bleiben wird, weil sich materielle Schwierigkeiten in den Weg stellen, weil die Anstalten alte nicht genügend pekuniär fundiert sind, teilweise mit Defizit arbeiten müssen, weil die große jüdische Oeffentlichkeit, für die doch die .Anstalten einzig und allein arbeiten, ihre diesbezgl. moralische Verpflichtung nicht in vollem Maße erfüllt. Kann der Berichterstatter einer Anstalt nicht in dieser Deutlichkeit sprechen, um nicht auch noch seinen Spendern Vörden Kopf zu stoßen, so ist es umso mehr Pflicht der interessierten Presse, vor allem also auch der Fachpresse, hier einmal ganz offen zu reden. Tagtäglich liest inan von Vermächtnissen und Stiftungen für Zwecke aller Art: für Monumentalbrunnen und Denkmäler werden Tausende gespendet, nur an die Lehrerbildungsanstalten, die doch fundamental sind für die Erhaltung des ganzen Judentums, scheint niemand zu denken und ich kann hier absolut keinen Unterschied machen zwischen den Glaubensbrüdecn orthodoxer und liberaler Richtung. Tie orthodoxen Anstalten sind am ärmsten und registrieren es schon als ein Ereignis, wenn ihnen einmal eine Jahrzeitsstiftung mit ganzen 300 Mk. zugewiesen wird. Möge dieser Bericht auch nach dieser Richtung anregend und bessernd wirken. (Fortsetzung folgt.) 8. rar i nth 1t unle Ha Durch in der verhält Kil in elegi zu verk Lelbstv reicht, aiireaer den Le! BucheS durch d Büro i Fi B«i des fället Jnsei E •<