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Der Israelit · 1911-06-01 · Heft 22 (1.6.1911) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 22 (1.6.1911)
Date
1911-06-01
Page
– (sequence 21)
Language
German
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Der JSraeltt. Seite M No. 22. Beweis« miterfahren und erlebt. Was er in bezug aus seinen kaufmännischen Beruf und im Kreise seiner Religionsgemeinschaft gewirkt und geschaffen hat, davon geben uns die vielen Nachrufe in den TagesbläLtern von nah und fern wenigstens eine Ahnung. Als Stadtverordneter in. unserm Kreise hat er seit 30 Jahren sein großes Interesse für alle Angelegenheiten unserer Stadt mit Hingebung betätigt, und soweit ihm seine vielen Geschäfte und Reisen irgend Zeit liehen, fehlte er nie in unseren Versammlungen und nahm an den Beratungen immer den regsten Anteil und förderte sie mit seinem Rate. — Was uns aber über sein Wirken und Schaffen hinaus für den Hingeschiedenen niit größter Hochachtung erfüllt, das war sein lauterer, wahrhaftiger, edler Charakter. Er war ein offener, begeisterter Bekenner des orthodoxen Judentums und hat durch sein ganzes Leben bewiesen, welch hohen ethischen Wert und Einfluh tiesinnere Religiosität für den Menschen hat. — Von aufrichtigem, herzgewinnendem Wohlwollen erfüllt, hat er uneingeschränkte Wohltätigkeit geübt in grohen wie in kleinen Kreisen ohne Unterschied der Religion, er sah nur den Menschen an, nicht die Konfession, ein wahrhaft humaner Mann. Er war keine streitbare Kampfesnatur, sondern durch und durch von Friedensliebe beseelt ist er immer und überall, wie. er mir selbst sagte, eifrig für den Frieden eingetreten. Seine Einfachheit und Bescheidenheit im Verkehr liehen kaum . seine Bedeutung erkennen, erwarben ihm aber hei allen, die ihm näher traten, Bettrauen und Liebe, und auch ich habe vielfach Gelegenheit gehabt, seine edle, vornehme Gesinnung kennen und schätzen Lu lernen, und werde sie nie vergessen. Vor wenig Monden konnten wir ihm noch unsere Glückwünsche zu seinem 70. Geburtstage darbringen, den er noch in voller Rüstigkeit und ungeschwächter Geisteskraft erleben konnte, und den er noch auszeichnete durch eine reiche milde Stiftung für eine segenvolle Einrichtung in unserer Stadt, und nun ist er uns bereits durch einen sanften Tod entrissen! Wir alle, meine Herren, des bin ich sicher, werden dem Hingeschiedenen braven Manne ein unauslöschliches, ehrenvolles, dankbares Andenken bewahren. Zur Bestätigung dessen haben Sie sich von Ihren Sitzen erhoben; ich stelle das fest und danke Ihnen." Marburg, 27. Mai. Der König!. Kronenorben 4. Klasse wurde Herrn Koppel Strauß hier verliehen. Herr Strauß hat'fast drei Jahrzehnte hindurch das Amt eines Gemeindrälttsten der hiesigen jüdischen Gemeinde bekleidet und wurde auf seinen Antrag wegen seines hohen Alters — er befindet fich in seinem 81. Lebensjahre — heute aus feinem Amte entlassen Die Ueberreichung des Ordens und die Entlassung erfolgte in der Synagoge durch Herrn Prvdinzialrabbtner Dr. Munk unter anerkennender Hervorhebung der verdienstvollen und erfolgreichen Wirksamkeit des Herrn Strauß für die religiösen Interessen der Gemeinde. Hamburg, 26. Mai. Dem schweren Leiden, mit dem er.seit Jahren gerungen, ist Herr Salo Lanzkrön am 21. Jjar erlegen. So wenig überraschend der Gemeinde auch die Nachricht von seinem Tode gekommen ist, so können diejenigen, die ihm im Leben nahe standeü, sich mit dem Gedlchken doch noch nicht abfinden, daß dieser echte, brave der das 60. Lebensjahr kaum erreicht hatte, für immer von unS gegangen ist. In Nauheim, wo er Linderung von feinem tückischen Leiden gesucht harte, ist er nach kurzem Aufenthalt vom Tode überrascht worden. Er war kein Führer der Gemeinde, er ist eigentlich niemals hervorgetreten im öffentlichen Leben und doch war daS des Qf'Tin fl’2 Langenfelde viel zu klein, um die große Träuerversammlung aufzunehmen, die herbetgeeilt war, dem Freunde daS utzte Geleite zu geben. Wir bemerkten unter anderen neben den Herren Oberrabbinern von Hamburgund Altona, den Schwiegervater des Verstorbenen, Herrn Rabv. Dr. C ohn-Jchenhause«, Herrn Rabb. Dr. Iakobsohn - Gnesen, die Herten Klausrabbtner Cohn, Dr. Steingut und Dr. Lichtig und viele andere Q^oan '’TDbn* Zuerst ergriff der greise Schwiegervater des Verstorbenen, Herr Dr. Cohn- Jchenhausen, das Wort, um dem geliebten Schwiegersöhne AbschtedSworte namens der Familie zuzurufen. Er betonte, wie der Verstorbene, der dit mustergültiges Beispiel kaufmännischer Pflichttreue war,, jede freie Stunde ausnutzte, um zu lernen, das Gelernte praktisch zu verwerten und im Verein mit seiner gleichgesinnten Gemahlin seiner Kinderschar die Worte der Thora inS Herz zu pflanzen. In seiner Eigenschaft als Lehrer des B-rstorbencn sprach Herr Oberrabbiner D. Seiner*Altona ehrende Worte deS Angedenkens und ermahnte die KMder, dem Bater nachzueifern in der Erfüllung bls Gotteswortes. * Kein Äuge vlüb tränenleer, als der Bruder deS Verblichenen, Herr Dr. med. Lanzkron, daS Wort ergriff, um in hrrzbewrgendenden Worten dem teuren Bruder dm Ab'.chtedSgrvß zuznrufrn. pv^ ^21 rD"0^! Hamburg, 26. Mai. Hochherzige Männer unserer Gemeinde haben sich zusammengefunden, um daS Angrdenken unseres unvergißlichen OberrabbtnerS Hirsch zu ehren. Sie erwarben die rlichhalttge, wiffenschaitliche und wmvrlle Bibliothek des Verewigten um sie der Allgemetr.hctt zugänglich zu machen. Jm SttzungSfaale des Synagogenv rbankeS versammelten sich daher e stern als am 2. JahrzritStage eine große Schar Gemetndemttglteder, um der Eröffnungsfeier der daselbst aufgestellten Bibliothek beizuwohnen. In formvollendetem Bortrage gedachte unser ehr würdiger Herr Oberrabbiner Dr. Spitzer der großen Herzenseigenschaften, der hehren Tugenden, durch welche uns der verewigte Raw als Ideal vorschwebt, gedachte der großen Verdienste, die er fich um die Hamburger Gemeinde erworben hatte und ermahnte die Erschienenen, die gebotene Gelegenheit zu ergreifen und durch Thorastudium das, waS der Meister bei Lebzeiten als sein höchstes Ziel betrachtete, in erhöhtem Maße weiterzupflanzen. Groftwardein, 18. Mat. Eine Heldenftau, gleich groß im Leben wie im Leiden, ist mit der verschiedenen Witwe Jfidor Ullmann ins Grab gesunken. Einer alten jüdischen Patrizierfamilie entstammend, war ihr einziges Streben, das stolze HauS ihres genialen Gatten, der mit ein Führer und Fahnenträger im Kampfe war, in seinem Geiste auszubauen und es zur Musterstätte von Thora, Awoda und echtm Gemilus Chessed zu gestalten. Bet ihrer Bahre stand tief erschüttert nicht nur ihr engerer Familienkreis, für den Herr Josef Schlesinger aus Pest ergretfmdeDankes¬ und Abschiedsworte sprach, sondern die ganze Gemeinde. Eine große Schaar gab ihr das Ehrengelette und die Rabbinen mit Herrn Fuchs an der Spitze gaben dem herben Verlust beredte« Ausdruck. Möge der All Vater ihre ttefbetrübte Familie ttösten. Felsö Biso, 17. Mai. Niederschmetternd wirkte auf uns der Tod unseres Rabbiners G ü n z l e r Gr wirkte seit 40 Jahren in unserer Mitte und hat in dieser Zeit mit seltenen Eifer den heiligen Thoragetst in unsere Mitte verpflanzt und jüdisches Leben eingebürgert. Er war ein Gaon vom alten Schlag, dem das „Lernen" LebenSelement war und genoß als halachische Autorität Anerkennung wett über die Grenzen unseres Landcs. Nicht selten kam eS vor, daß ftch Andersgläubige fteiwtllig seinem Richtspruch, der im Geiste des rnin p*f gefällt wurde, unterwarfen. Und es war herzerhebend zu sehe«, mit welcher Bewunderung die Fremden zu ihm emporblickten und in ihm die Autorität der Thora verehrten. Bei seiner Bahre gestaltete fich diese Verehrung zu einer großen Demonstration der ttesen Tracer um einen Edlen, Großen, Weifen und Frommen. y'Xl- Lodz, 12. Mai. Gestern nachmittag verstarb in Lodz auf der Podrzecznastraße Nr. IS Herr Nute Lebowitsch, der das 106. Lebensjahr erreicht hat. Der Verstorbene hat an dem polnischen Ausstande 1830 teili genommen und zeichnete sich dort als Krieger aus. BtS zum letzten Moment erfreute er fich einer seltenen Rüstigkeit. DaS Gedächtnis war ungefchwächt und auch sein Gehör und Gesicht. Lebowttsch kam nach Lodz aus Srock als achtjähriger Knabe. Er htnterließ 13 Kinder, 72 Enkel, 148 Urenkel und 26 Ururenkel, also im ganzen 259 Nachkommen. Sein ältester Sohn, der noch am Leben ist, ist 73 Jahre alt, und der jüngste, den er von der zweiten Frau hatte, ist 19 Jahre alt. In seiner Famlte erreichten alle MUglteder ein hohes Alter von 90 bis 100 Jahren. Sein Großvater verstarb als 113jähriger Greis. Sprecbraal. Werte Redaktton. Mit einem meiner Freunde kam ich bet gegebener Gelegenheit in Meinungsverschiedenheit über den Punkt, ob man die in einer jüdischen Versammlung abwesenden Leute einfach zählen dürfe, oder auf Umwegen, wie z. B. durch Ausschretben der Namen u. dergl. die Summe der Anwesenden sestslellen solle. Ich war der Meinung, daß dies im Sinne der ersten Berfe von '2 fl EHE) nicht statthaft sei und fügte die vom zur Stelle gegebenen drei Erklärungen an: 1. wegen jnn s'V, 2wegen rpiaßö n2“12n p* prn )Ö '1VON 1212 3. die allegorische Erklärung, daß eine Einheit bildet, die nicht durch das Auflösen in einzelne Einheiten getrennt werden solle. Alle diese angeführten Gründe waren aber meinem Freunde noch nicht genug allgemein verständlich, und möchte ich Sie darum ergebenst ersuchen, mir einen noch verständlicheren Grund anzugeben. M. G. Darauf möchten wir folgendes bemerken: Das Leven deS Einzelnen hängt — soweit pfln JVH2 waltet — von dem Gleichgewicht ab' zwischen dem, waS er von der Welt empfängt und der fittltchen Leistung, die er ihr gewährt. Die Unzulänglich Seit der Einzel letstung wird nun ergänzt und ausgeglichen durch die deS BmderS, und eS tritt infolgedessen, solange der Einzelne fich nur alS Glied der Gesamtheit fühlt, seine relative Unwürdtgkett nicht in die Erscheinung. Zählt man daS einzelne Individuum, so wird dieses als Persönlichkeit gleichsam in den Vordergrund der Betrachtung geschoben, und eS fetzt «fich der Gefahr auS, in feiner Etnzelletstung zu leicht befunden zu werden. (Die Red) Briefkasten. C. E. in G. Ueöer die Vereins feier ist utt bereits von anderer Seite Bericht zugegangen. Tie an deren Berichte haben wir dankend akz ptiert. _, 1. Juni 1811 I. L. B. Wir haben über die Auszeichnung bereits zwei Mal berichtet und glauben nicht, baß eS dem bescheidenen Sinne des Gefeierten entsprechen würde, es noch ein drittes Mal in dieser ausführlichen Weise zu tun. R. D. Uns ist von der Sache nichts bekannt. W. R. Ist unS nicht genügend bekannt. Birlletch? kann Ihnen Herr Rabbiner Dr. Kahn, Wiesbaden, die gewünschte Auskunft geben. P. A. in Aw. Selbstredend hat eine Zusammenkunft in der ersten Schowuosnacht, in der, w e in Ihrer Gemeinde, nicht in vorgeschriebener Weise — nach dem pp’fl — gebetet und „gelernt" wird, sondern bei einigen wenigen Gebeten und guter Bewirtung der weitaus größere Teil der Nacht mit geselliger Unterhaltung auöaefüllt wird, ihren Zweck verfehlt. Auch die schöne Ansprache des Lehrers vermag daran nichts zu ändern. Sie mag ganz am Platze sein, aber als Ersatz für bas übliche Lernen kann fie nicht angesehen werden. Uereintkaleitaer. Verein Mekor Chajim. (Bereinslokal Langestraße 18) Sarnktag, den 3. Juni, nachmittags 4 Uhr im Hörsaale der Synagoge Friedberger Anlage Nr. 5: Vortrag des Herrn Lehrer E t n st ä d t e r über „D er D e k a l o g". lamittennacdttchten. Geburten: Einen Sohn: H. Frankfurt (Hermann) Nürnbeg. — Joseph KönigShöf er (Nelken) Breslau. Verlebt« : JohannaL e v y, Oberrabbiner Dr. Hermann Klein, London-Kronstadt (Eisenstadt). BarmiEwobfeler: Max, Sohn von Herrn Simon Walter, Lembach i. Elf. Labbai - Anfang u. Ausgang Freitag, 2. Juni mr72EH 'S Festeingang in Frankfurt a. M. 8.10 Uhr p^tp^fl I'N'H fl2tP AJfl2tP '2 II: Anfang Datum AuSgang Uhr iMin. 1911 5671 UhrlRin. 3 7. Stnnffnrt n.«. 7 45 Juni Siwan 9 25 Berlin .... — — 9 18 München ■ . . — — 8 59 Strnßchnrs - 7 30 9 15 Gtnttgnrt. . . 7 30 9 15 Boien .... — — 9 9 Nürnberg . . 7 30 9 4 H a mb nra. . . — — 9 46 Für dem Reklamenteil ist die Redaktion nicht verantwortlich; insbesondere ist es ansfchlieftlich Sache der Leser, die i« Rettameteil enthaltene« Empfehlungen ritueller Ware« oder sonstige «ngaden religionsge setz liche» Charakters ans ihre Zuderlüsstgkeit zu prüfen. Maschinenstrickerei Selma Voges Frankfurt am Main + Hochstrasse 23. An- und Neu stricken von Strümpfen mit bestem Material und billigen Preisen. Größte Auswahl in Strümpfen und Handschuhen. 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