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Der Israelit · 1911-05-18 · Heft 20 (18.5.1911) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 20 (18.5.1911)
Date
1911-05-18
Page
– (sequence 20)
Language
German
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*t. 1A Sette 24. L>rr 9M) 12. April 191 3 tag auf dem Fridhos ugen, der nach Han sie gar ein n>ek musen zihen, ach hat man sie beraubt, man hat si welcn gar in leger (Lager) firen, is gar vil dar von zu schreiben. Is gar zu vit von Bele gewesen, as sie hat die tochter .in ein selchen wesen her geschickt." 'Tas Reisen gehört auch sonst nicht zu den Annehmlichkeiten, die Straßen sind unsicher, Raub und Plünderung an der Tagesordnung: ^,,seit wissen," heißt es an einer Stelle, „as Schmuäl Sohn des Rabbi Abraham Wallerstein is her kumen nackct un blos, Hot gesagt man het in zu Niklsburg beraubt"; von einer anderen Reisegesellschaft wird erzählt: „sein schier alle gefangen worden." Nicht nur auf Reisen und nicht bloß von Wegelagerern werden Juden beraubt, wie aus folgendem Berichte hervorgeht, den Ehawa Slaves ihrem Schwiegersohn Israel Auerbach erstattet: „seit wissen as der Herr von Preim hat Lipman un sein schwager ales genumen, un noch derzn gepeinigt mit gefängniß: hat in mer genumen as 30 000 od was er in schuldig is, so haben sic in verklagt bei dem kaiscr (seine macht werde erhöht) nun hat er in kein beschad (Bescheid) nit geben, bis as er wert zu winn sein." Erfreuliche Nachrichten, die diese Briefe nach Wien bringen sollten, bezieheu sich nur auf Familienfeste: so teilt Samuel mit, seine Frau habe ihm einen Sohn geboren: „aso Hab ich mnt (Absicht) gehat zu beschneiden in der alt net schul, hat man gleich Sonntag die Vorsteher drinnen gemacht (gewählt», Hab cs tuisen in Meisls schul lasen beschneiden," die Frau des Chauoch Hatnerschlak schreibt :rach Wien, sie habe zu einer Beschneidung „reschige (Gebäck) machen müssen." Neben Toilettenfragen werden auch ernste politische Ereignisse besprochen: „sonst sei wissen, as man den könig den Heidelberger gekaut hat hie mit großen Ehren un sie auch, in Montag den 28. Cheschwan un sie am Donnerstag dern Neumond des Kistern." Hencle Heller will von ihrem Schwager Simon Wolf Auerbach erfahren, ob „der duks aufpeiarn (Herzog von Bayern- Nörkingen (Nördlingen) eingennmen." Geradezu rührend ist die Sorge, di? manche Briesschreiber, allen voran der berühmte Prager Rabbiner Lipmann Heller, dn'an wenden, ihr? Kinder gut zu versorgen, ganz besonders gelehrte Schwiegersöhne zu erlangen. 5. man einen geeigneten gelehrten jungen Mann ausfindig gernacht, so ist rnan in banger Sorge, es könne ein anderer zuvorkommen, und es ist wohl bezeichnend, daß die Chiffreschrift, die in zwei Briefen vorkommt — „Oieheitnsprach" wird sie genannt — hier fast ausschließlich dem Zwecke dient, eine aufgespürte gute Partie besprechen nttd doch völlig geheimhalten zu können. Die Jagd nach einem gelehrten Schwiegersohn ist die Folge der ganz attßerordcntlich hohen Bewertung der Gelehrsam-, feil bei den damaligen Inden. Auch dafür enthält unsere Briefsammlung manch schönen Beleg. Chanoch Hamerschlak, selbst wohl ein ungelehrter Mann, macht seinem in Wien weilenden verheirateten Sohtt Arott bittterc Vorwürfe, daß er sich zu wenig tnit dem Studium befasse: „vor inischkeln (verächtliche Bezeichnung, soviel wie: Geldgeschäfte treiben) Heft villeicht nit der weil." „den ich es ganz un gar nit wil leiden, das du drumeln solst (drumeln----mischkeln), den ich wil dir halten den besten Lehrer, den ich in Prag bekamen kan . . . der halben ver Hof ich das du mir hie wen must lernen als dorten un derfst nischt ver zeren tan dir Gottlob die keft (Kost) wo! geben . . . kan dir nit genügen schreiben wie mich Gott erfreut Hai mit meinem Schwiegersohn Jsack, wie er Tag un Nacht lernt un ausdauernd is . . . Jsak het dir gertr geschribetr so hat ihm der Rebbe Reb Jesaia zu saget! geben (der Oberrabbiner Jesaia Horowitz hat ihn' beauftragt, beim getneinschaftlichen Stltdium vorzutragen) mus lernen." Kürzer faßt sich ein anderer Vater,' der seinen Sohn ermahnt: „lernt tut schreib ge tut spazieren." .Historisch wertvoll ist die Nachricht über einen Tumult in der Jndenstadt, der am Sonntag, den 3. November, von einem Soldaten verursacht wurde, von dein cs beißt: „ein einlanf is gewesen in unseren gaffen, is as in chorben (Tempelzerstörnng- Zugängen." Wie man aus dem Angeführten ersieht, ist die vorliegende Briessammlnng reich an kulturhistorisch Wertvollem, es bietet z. B.> einen ganz besonderen Reiz, Männer, die die Wissenschaft des Judentums noch heute zu ihren Zierden zählt, wie Lipmann Heller und Jesaia Horwitz, in ihrem Familienleben belauschen zu können. Ter wissenschaftliche Wert der Publikalion ist ein zweifacher, erstens fördert sie ganz bedeutend die Kenntnis der jüdisch-deutschen Mundart, ganz besonders darnni, iveil die Orthographie der Briefe sich zntneist der Phonetik anlehnt, und wir erfahren, wie die Prager Juden das Jüdischdeutschc sprachen. In dieser Beziehung sind die Briefe auch für den Germanisten von Wort. Wichtiger aber schritten nftr die Ergebnisse unserer Briese für die jüdische Geschichte, speziell die Genealogie der bedentendstett Prager Judensamiltett; auch da kann man das Verdienst der gelehrten Herausgeber nicht hoch genug anschlagen, die es verstanden haben, mit großem Scharfsinn aus gleichzeitig amtlichen Urkunden bekannte Familien mit den in diesen Briefen erwähnten zn identifizieren, d. h. ihre bei Juden gebräuchlichen Familiennamen zu eruieren. So nehmen z. B. in Urkunden und Stadtbüchern des 16. und 17. Jahrhunderts Mitglieder der Familie Mpnk einen breiten Raum ein: in den Privatbriefen ist nun — von einer schüchternen Andeutung ebaesehen — zum ersten - male der Nachweis erbracht, daß Munk der Beiname einer der vornehmsten Prager Judensamilien, der Familie Teomim, ist. Das Namensregister enthält zahlreiche Namen, die sich Jahrhunderte in Prag erhalten haben, wie: Auerbach, Bachrach, Deutsch- Epstein, Fanto, Fleckls, Garschils, Gerschnni, Hamerfchlag, Harpner, Heller, Haurwitz, Jppen, Landau, Liberls, Lipschitz, Mendls, Popper, Pribram, Reiniger, Saks, Slawes, Spira, Schick, Ulmo, llnger, Wallerstein, Welsch, Zoref. Tie Briefe sind so ediert, daß die Einsichtnahme jedem möglich ist, sie sind auch in deutsche Schrift transskribiert, ein jüdischdeutsches Wörterbuch ist beigegeben, Exkurse und zahlreiche Anmerkungen erleichtern das Verständnis; von den Originalen erhält inan eine gute Vorstellung durch einige Faksimilia und die Mbildung der interessantesten Siegel. Ainderecke. Der Stab mofts. (Nach dem Midrasch und anderen jüdischen Quellen.) Als am sechsten Schöpfungstage die Welt in ihrer Herrlichkeit entstanden war, da schickten zur Zeit des Sonnenunterganges die Engel sich an, dcn Sabbat würdig zu empfangen und sie begannen das Lied: „Komm laßt uns jauchzen und singen vor dem Herrn!" Da sprach der Allgütige: „Ihr Geliebten und Ihr Lieblichen, ich bitte Euch, wartet noch kurze Spanne Zeit, denn wohl steht das All in seiner ganzen Herrlichkeit vor Euch, aber noch habe ich einige unbedeutende Dinge ins Leben zu rufen. Die Erde muß noch einen Mund bekommen, mit dem sie den Korach verschlingen, der Brunnen muß noch eine Mündung erhalten, der Israel in der Wüste Wasser geben wird, die Eselin, auf der dereinst Bileam reitet, bedarf noch der Sprachwerkzeuge, dann sind noch die Regenbogen, das Manna, der Schamir, die Schrift und die Tafeln zu erschaffen." Und indem Gott dies sprach, hatte er dies alles auch geschaffen. Dann schnitt er von dem Baume der Erkenntnis und des Lebens einen Zweig und verfertigte daraus den Stab, der in der Hand des weisen Führers das Volk Jisraet leiten sollte zur Größe und Freiheit (vergl. Pirke R. Elieser 40). Der Stab wurde dem ersten Menschen zur Aufbewahrung übergeben, den er nahe dem Orte seiner Herkunft unter dem Baume der Erkenntnis niederlegte. Als Adam aus dem Paradies vertrieben wurde, war es seine Bestimmung die Erde im Schweiße seines Angesichtes zu bearbeiten. Aber das fiel ihm furchtbar schwer, denn weder Eisen noch sonst irgend ein Metall hatte er gefunden, das war erst dem Tubalkain Vorbehalten und obschon er von der Erde bis zum Himmel ragte, wußte er trotz allen Schweißes den er vergoß, nicht, wie er dem Erdboden irgend welche Früchte entlocken könnte. Da machte er eines Tages, wie zufällig mit dem aus dem Paradiese mitgenommenen Stabe einige Schürfungen in der Erde und siehe da, die kostbarsten Früchte und Getreidearten kamen sofort zum Vorschein, von jener Zeit an hatte Adam es leicht, den Boden zu bearbeiten. Eine leise Berührung des Bodens mit dem Stabe und alle seine Wünsche waren erfüllt. Vor seinem Tode übergab Adam jenen Stab an Chanoch, von diesem ging er auf Noah über, dem er beim Bau der Arche gute Dienste leistete. Als Abraham späterhin auf Anzeige seines Vaters durch Nimrod in den feurigen Glutofen geworfen werden sollte, gab Eber ihm den von Noah geerbten Stabmit diesem in der Hand entging er unverletzt der Gefahr. Als er dann in der Pesachnacht den Räubern Lots und deffen Vermögens nachsetzte, da brauchte er nur den Stab seiner Ahnen zu erheben und ungeheuere Angst überkam die fliehenden Könige. Jizchak empfing den Stab aus des Vaters Hand nach der Akedah und als er alt geworden und seine Augen dunkel waren, um zu sehen, da führte ihn der Stab bei seinen Ausgängen. Später nahm Jakob diesen Stab mit nach Aegypten - vor seinem Hinscheiden übergab er ihn Joseph „als einen Vorzug vor seinen Brüdern" (I. Mos. 48, 22). Und damit erhielt er die Schwungkraft Jakobs, die ihn selbst vom Hirten zum Grundstein Israels werden ließ. (I.Mos.49,24). Nach Josephs Tode ließ Pharao dessen gesamten Nachlaß unter den Beamten und Würdenträgern seines Hofes versteigern. Dem am Hofe Pharaos als Rat und Bilderschriftkundiger sich aufhaltenden Reuel, der auch bei sich zu taufe in Midjan einen ausgedehnten Handel mit ötzenbildern betrieb und namentlich altertümliche Götzen sehr zu schätzen wußte, gefiel der Stab ausnehmend gut, denn er hielt ihn ebenfalls für eine irgend einem Dienst geweihte Säule. Pharao schlug sie daher zu einem zivilen Preise zu. Als Reuel später seiner Stelle enthoben wurde, weil er Pharao den Rat erteilt hatte, den Kindern Israels nichts zu leide zu tun, ging er wieder nach Haufe nach Midjan, nahm den Wunderstab mit und pflanzte ihn in seineu Garten. Mit ihm, dem Fürsten des Landes, strebten die Prinzen der Umgegend sich zu verschwägern, besonders war es die schöne und edle Zippora, um deren Hand alle warben. Um den allzugroßen Troß vornehmer Freier zurückzuhalten, stellte er die Bedingung, daß nur der, welcher imstande sei, jenen Stab mit eigenen Händen ohne jede weitere Beihilfe dem Boden zu entreißen, seine Tochter Zipporah zur Gattin erhalte. Die kräftigsten Helbensöhne der Midjan iten und Kananiten strengten sich vergebens an, niemand vermochte an dem Stabe zu rütteln, so fest stand er im Boden gewurzelt. Und die fürstlichen Bewerber mußten allesamt mit Schimpf abziehen. Da nahte sich die schüchterne Zipporah ihrem Vater und sprach zu ihm: „Vielleicht kann Moscheh den Stab der Erde entreißen, jener Moscheh, den Du seit sieben Jahren im unterirdischen Verließ schmachten lassest?" „Glaubst Du denn wirklich, daß dieser noch lebt?" „Doch wohl, erwiderte Zipporah," die ihr Geheimnis, daß sie ihn mit Speisen versorgte, nicht verraten wollte, „dem allmächtigen Gotte ist nichts unmöglich." Sie stiegen gemeinsam hinunter in den Kerker und trafen Moscheh in Lebensfülle zu seinem Gotte betend. Jithro befreite ihn sofort, ließ ihn scheeren, die Kleider wechseln, reichte ihm Speisen und führte ihn in den Garten, damit er sich dort erhole. Da Moscheh die freie Luft atmete, fiel er zuerst nieder vor Gott und betete inbrünstig die Tefiloh le Mosche, den 90. Psalm, in dem er sich die Bedeutung seiner künftigen Sendung für die Geschichte der Menschheit zur Erkenntnis brachte. Dann blickte er sich um und nahm jenen Stab wahr, auf dem der göttliche Name sich befand, er eilte hin, rief den Namen Gottes aus und der Stab beeilte sich, in seine Hand zu gelangen. Reuel trat heran und — den Wunderftab in Moschehes Händen erblickend ries er: „Wahrlich, dieser Mann ist zu Großen beschickten, ich sehe jetzt er wird einst der Befreier seines Volkes sein. Dieser Erwählte Gottes soll meine Tochter besitzen." Moscheh führte die Geliebte als Gattin heim und Reuel übergab ihm alle seine Heerden, daß er sie in fruchtbaren Gegenden weide. Und während die Kinder Israels in der furchtbarsten Knechtschaft schmachteten, als sie seufzten nach dem Tode des Königs von Mizrajim, da bereitete sich, ohne daß sie eine Ahnung davon hatten, fernab von ihnen in der Wüste ihre Rettung vor, indem -er Herr zu Moscheh sprach: „Diesen Stab nimm in Deine Hand, mit ihm kannst Du Wunder tun."

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