Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 20 (18.5.1911)
- Date
- 1911-05-18
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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•5 ,«■; lut Ld.-c<. euilleton. nab historischer Nouurn von Sara Gngenhrimrr. (Fortsetzung.) So verging der Tag. Liah hatte wiederholt Milch getrunken, fühlte sich trotzdem noch immer sehr schwach und sah ein, das; sie unter diesen Umständen nicht sobald daran würde denken tonnen, das Haus, das sie gastlich ausgenommen hatte, zu verlassen, um Glaubensgenossen aufzuülchen, bei denen sie wenigstens die herannahenden Festtage hätte verbringen können. Tenn das Passahseft nahte mit Riesenschritten, wie wurde sie bei Richtjuden das Fest verbringen tonnen, ohne ein Gottcsgesetz zu übertreten? Sie sann und sann und fand keinen Ausweg, sie war allein! allein! — Sie fühlte sich verlassen von Gott und von stammverwandten Menschen - heiße Tränen füllten oft ihre Augen'und glitten langsam hernieder über ihre bleichen Wangen. Und dennoch fühlte sie, daß sie es ihre Pflegerin nicht merken lassen dürfe, wie schmerzlich sie ihr Alleinsein unter Nichtglaubensgenossen empfand, die Gütige tat doch, was in ihren Kräften stand, es ihrem kleinen Gast so behaglich als möglich zu macheil. Es >var gegen Abend. Die Frau Schmidin hatte ihr Tagewerk vollendet, saß nun an Liahs Belte und bemühte sich, die trübe vor sich Hinblickende aus freundlichere Gedanken zu bringen, doch eine Träne, die eben wieder ihrem Auge entglitt, verriet ihr, daß ihr Bemühen vergebens sei. „Aber Liah! - Doch nein, ich werde dich fortan nie mehr Liah nennen, auch nicht wenn wir allein sind. Du bist mein Dicki, den mir unser guter Herrgott als Ersatz für meinen andern Dicki, der jetzt ein .Engel im Himmel ist, geschickt hat. Aber Dicki, Dicki, du bist doch ein Bub, da darfst dn gewiß nicht weinen." „Ich weine auch nicht!" flüsterte Liah, indem sie mit dem Handrücken sich über die feuchten Augen fuhr. „Weshalb solltest du auch weinen? Ich Hab dich so lieb wie mein eigen Kind, bist du denn nicht auch gern bei mir?" „O, gewiß, ich bin sehr, sehr gern bei euch, Ihr seid doch so gut zu mir. Aber ich weiß nur nicht, tvie es gehen wird, übermorgen beginnt unser Passahfest." „Wirklich, schon übermorgen? In dieser Unglüflswoche Din ich ganz herausgekommen aus der Zeit. Aber es mag schon richtig fein, daß übermorgen das Panahsest ansängt, morgen über Tage haben wir auch schon Ostern. Herr im Himmel? Uebermorgcn düs Passahfest. Was habe ich da sonst zu tun gehabt so kurz vor dem Passahseft! Mir scheint, ein Vierteljahr haben nur leben können einzig rktld allein von dem Passahscst - und nun!" — „Und wie werde ich leben?" flüsterte Liah) „am Passahfest darf ich nicht bei euch essen, beinahe treuen Tage larrg, da werde ich doch sicher verhungern." „Freilich, das kann kein Mensch aushalten, aber bn darfst doch Mazzen essen, das tveiß ich und ich tveiß auch gairz genau, wie die Mazzen gerryacht werden, ich Kn zweinkal dabei gewesen. Unbichwerdedir sschöne Mazzenmachen so vielk Hu Willst, dtt wirst's sehen." * Mah schüttelte dckt Kopf, während ein leises HäWu UM ihre Lippen zuckte. „Ich danke euch, liebe Muhme, Ihrseid sehr, -sehr gut. .Aber solche Mazzos, die' ich am Passahfeste essen dürfA die. könnt Ihr nicht machen, weil Ihr? nicht oas dazu gehörige Mehl, habt." „Habe keine Sorgen, Kind, das werde ich tnir schon schaffen, ich werde das allerfeinfte Mehl nehmen, das es gibt." „Aber daraus kommt es doch gar nicht an, ob has. Mehl fein ist oder nicht, aber ich glaube, es Muß vom Schnittan beaufsichtigt worden seichh sonst darf man es nicht zu den Mazzos gebrauchen." Die Frau Schmidin schüttelte verständnislos den^.Kopf. „Das würde mir leid sein, wirklich sehr, sehr leid. Aber ich kann mir's nicht denken. Ob du dich nicht irrst, Kind?" „Nein, ich irre mich nicht, das weiß ich ganz gewiß. Mazzos von gewöhnlichem Mehl wären ebettso verboten wie Brod." „Verstehen tu' ichs nicht — aber wenn es so ist, so wirst du halt keine Mazzos essen. Leid wär.mirs schon, aber verhungern wirst du deshalb doch nicht, denn ich weiß, Ihr dürft.am Passah noch Verschiedenes essen, vor dem Feste Hab ichs doch in die Iudenhäuser tragen müssen, Fische und Eier und Aepfcl und Nüsse, und wenn ' es die noch gegeben hat auch Karotten und Rüben und Kraut. Also vorm Verhungern brauchst dich nicht zu fürchten, wir haben doch so viele Fische." „Aber die kann ich auch nicht essen, wenn sie in den gewöhnlichen Geräten gekocht sind." „Ja, ja, ich weiß. Aber ich weiß noch mehr, weiß, wie deine Muhime es gemacht hat, daß sie ihre gewöhnlichen eisernen Töpfe auch am Passahfest hat gebrauchen dürfen. Da hat sie ein großes Feuer gemacht und hat ihre eisernen Töpfe hineingegeben und hat sie solange in hem Feuer gelassen, bis sie ganz rotglühend wie durchsichtig waren. Und so werde ich es übermorgen auch mit meinen Töpfen machen, dann werde ich dir darin kochen, was du willst. Wird es so recht sein, Dicki?" „Na, und ob! — Wie seid Ihr so gut zu mir, liebe, liebe Muhme! — Und so gefcheidt! So, gerade wie Ihr es sagt, hat meine andere Muhme cs gemacht, aber mir wäre es doch nie eingefallen." „O, ich habe mir noch viel mehr gemerkt, ich weiß auch, was ihr an den beiden Festesabenden gebraucht. Mazzen natürlich und Ei und einen Knochen und Meerettig und Lattich und Petersilie und Salzwasser und geriebenen Apfel. Isis nicht so?" „Ja, so ists", erwiederte Liah^ schwer aufatmend, denn der Gedanke an die Sederabende, die sie allein verbringen sollte, verdoppelte ihre Trauer abermals. Die mitleidige Frau gewahrte es und bemühte sich abermals, das trauernde Kind zu trösten. Liah erwiderte nichts, sie atmete schwer auf, dunkel lag die Zukunft vor ihren Blicken. Wie hatte sie' sich schon lange auf dieses schönste der Feste gefreut, zu dem sie schon vor Wochen die Vorbereitungen begonnen hatte. Freilich .ehedem, als ihre Muhme, die Frau ihres Vetters noch gelebt hatte, da war es noch schöner gewesen, noch viel, viel schöner. Und vor zwei Jahren, als sie zum ersten mal mit dem Vetter alein beim Seder gesessen, da war es zuerst sehr traurig gewesen, immer hatte der Vetter angefangen und hatte dann nicht weiter können, bis er sich endlich doch bezwungen, und ihr wie alljährlich, von dem Auszug der Kinder Israels aus Egypten erzählt" hatte. Und es war merkwürdig, er erzählte doch immer dieselbe Geschichte, aber immer noch anderes dabei, // - ♦ was sie noch nicht gewußt hatte. Bor zwei Jahren, daran erinnerte sie sich noch ganz genau, da hatte er ihr erzählt, daß die Männer unter den Kindern Israels in Egypten gar nicht so brav gewesen waren, daß Gott sie um ihrer selbst ivillen aus der Sklaverei befreit hätte, daß aber die Frauen sehr brav gewesen wären und daß Gott um der Frauen willen alle Kinder Israels aus Egypten hinaus geführt habe. Und dann hatte er schwer aufgeatmet und hatte gesagt, so ist es auch heute noch, sie solle nur immer daran denken, wie die Muhme gewesen sei und so solle auch sie werden. Und das hatte sie ihm damals versprochen und das gelobte sie auch jetzt, während sie träumerisch sinnend ins Weite schaute, 'denn die Frau Schmidin war hinausgegangen, ihr einen Becher Milch zu wärmen. — Wie war doch diese Frau auch so gut gegen sie, drängte um ihretwillen dm Schmerz um ihr verlorenes Kind zurück und sorgte für sie, als wäre sie ihre Mutter. Das mußte sie ihr auch zu vergelten suchen, zunächst allerdings nur dadurch, daß auch sie den Schmerz um den Tod ihres Vetters' und ihrer Lieben zurückdrängen müsse und sich den Trostesworten der Gütigen nicht unzugänglich zeigen dürfe, wenn sie .sich auch verpflichtet glaubte, sobald sie kräftig genug sein würde, fort zu wandern und Stammesgenossen anfzu suchen. Wenn sie nur wüßte, wo sie solche finden würde! — Aber allein unter Nichtjuden zu -bleiben, das erschien ihr unmöglich, ohne gar manches Gottesgesetz zu übertreten. Und sie wollte keines übertreten, um keinen Preis! Die Nacht verging ruhig, Liah erfreute sich eines ungestörten, erquickenden Schlummers als wäre sie daheim in der gewohnten' UiM gebung. Als sie am Morgen erwachte, zuerst ohne die Augen aufzuschlagen, glaubte sie im anstoßenden Zimmer den Vetter hantieren zu hören. Das war nichts Ungewohntes, denn er hatte ihr immer den Morgenschlaf gegönnt und selbst das Frühmahl bereitet, aber es war di.' Schmidin, die bereits aus der Kirche gekommen war. Mit freundlichem Gruß trat sie zu Liah an das Bett. Mit weit offenen Augen blickte Liah zu ihr empor, begreifen konnte sie .es nicht, wie die Sabbathsran da zu ihr ans Bett gekommen war, aber unwillkürlich wollte sie ihrer Aufforderung entsprechen und sich aufsetzen. Doch schon beim ersten Versuch wurde ihr schwarz vor den Augen und mit bleichen Lippen und halblauten: Aechzen sank sie zurück. Mitleidig schüt telte die Schmidin den Kopf. „Es geht halt doch noch nicht, wirst heule noch im Bett bleiben müssen. Aber trinken mußt doch!" Sie stützte ihr den Kopf ein wenig, hielt ihr den Becher an die Lippen und hatte die Genugtuung, daß sie denselben mit sichtlichem Behagen leerte. „Und nun," sagte Frau Schmidin, „merk aus Dicki, was ich dir werd sagen. Hernach werden die Nachbarinnen kommen, sie haben gesagt, sie kommen zu mir, aber mir scheint, eigentlich kommen sie zu dir. Ich Hab ihnen nämlich erzählt, das; ich getan habe, was sie mir geraten haben, daß ich mir nämlich von meinem Geschwisterkind aus Ldorf einen Buben geholt habe, weil ich das Alleinsein nicht habe aushalten kön nen. Das hat sie gar sehr gefreut, denn die Menschen haben gern, wenn man tut, was sie einem raten, und gleich haben sie mitgehen ge wollt, den Adorfer Buben sich anschauen. Ich Hab ihnen aber gesagt, der Xdorfer Bub schein! wohl ein braves Kind zu.sein, aber ein bisset schwach ist er auch, und darum und weil Sonn tag ist, soll er heute länger schlafen und sich aus ruhen, wegen meiner kann er den ganzen Tag im Bett liegen bleiben." (Fortsetzung folgt.) > 3i A der 2 Göttli verftä lichen fen tt heißt T wie v es siö Diese knüpf tragei hat di und s um d D Bibel überz, Vorsö einen als di wörtli Anort in bei Haus stehen Weise. B> ten, ij jeder göttlic knüpft sind, unter allen sprünc ten d überli, göttlic! ist un Ta ln D> ausgel Scheit