Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 20 (18.5.1911)
- Date
- 1911-05-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Der JSraeltt. -**•*?;* •?» t: WflyjgL-•^Wjj-Jt 18. Mt Ml kleinen <&täbtäjm bt8 jüdische» AnfiedlungSrayonS wieder eingesetzt. Bisher liegen Meldungen über Brände auS folgendm Orten vor: Am 14. April brach im Städtchen Usda (Gouv. Minsk) ein großes Schadenfeuer aus, dem zahlreiche jüdische Kramläden und Wohnhäuser, ferner eine Reihe von Bethäu>ern und Bothe-Mtdroschtm zum Opfer fielen. Bereits zwei Wochen vorher brannten in demselben Städtchen fieben Häuser jüdischer Einwohner ab. — In S k i d e l (Gouv. Grodno) wütete dieser Tage ein großer Brand, der insbesondere große Ledervorräte dortiger jüdischer Kaufleute vernichtete. — DaS Städtchen P a l e f ch t t (Gouv. Beffarabien) ist fast vollständig niebergebrannt. Zahlreiche jüdische Familien find obdachlos und dem größten Elend preisgegeben. New-Vork, 11. Mat. Wie die „New-Iorker Handelszeitung mittetlt, gelang es den Bemühungen der jüdischen Einwanderer-Htlfsgesellschaft einem betagten Ehepaare namens N o ch t m und Lea Da stk, nach einem Zwangsaufenthalte von 165 Tagen auf Ellrs Island, die Zulassung zu den Ber. Staaten zu erwirken, und zwar gegen Stellung einer Bürgschaft von E>00 Dollar — und dies trotzdem die Leute Verwandte in New-Iork wohnen haben und selbst über Geldmittel verfügen. Uertin$we$tn. Frankfurt a. M.» 10. Mat. In der letzten, zwecks Gründung einer Turnabtetlung veranstalteten Versammlung der „Zionistischen Jugendgruppe" hielt Herr L. Perlmutter ein Referat über „Die Ausbreitung des Turnens unter den Juden." Der Redner betonte, daß nach Anficht maßgebender Mediziner und Statistiker brr Anteil der Juden an allen Krankheiten, die aus Mangel an körperlicher Arbeit entstehen, ein unverhältnismäßig hoher fei. Der Mangel an beruflicher körperlicher Arbeit müsse durch außerberufliche ersetzt werden. Dieser Gedanke habe die Jüdische Turnerschajt vor 10 Jahren geschaffen, die heute über 40 Vereine mit 5000 Turnern umfasse. Die gegen eine selbständige jüdische Turnerschaft erhobenen Einwände wies der Redner als unbegründet zurück und betonte, daß zunächst nur die Errichtung einer Turnabtetlung geplant sei. Der Redner schloß mit der Mitteilung, daß Turnhalle und Lehrkräfte sowohl für die Herren als auch Tamenriege bereits gewonnen seien. Rach einigen Ergänzungen des Herrn Turnlehrer Robert Braun wurden dann Fräulein A. Rosenbaum und Clemence Mayer, sowie die Herren Zahnarzt Bruno Strauß, L. Goldschmtdt, A. Meyer und A. Wetl in den Ausschuß gewählt. BtS jetzt sind 82 Mitglieder der Turnabtetlung beigetreten. (Ueber die Wichtigkeit des Turnens für die gesundheitliche Entwicklung der Jugend ist weiter kein Wort zu verlieren und es ist gewiß mit Freuden zu begrüßen, wenn auch die jüdische Großstadtbevölkerung immer mehr zu dieser Einfichr gelangt. Wenn aber, was vielfach destrtlten wird, das Bedürfnis nach einem separaten jüdischen Turnverein in hiesiger Stadt wirklich vorhanden sein srll, so ist es doch auf jeden Fall bedauerlich, daß dieser Verein unnötiger Weise unter einer Partetflagge bebründet wird. Dte Red.) Köln, 12. Mat. Am 28. April trat im Hotel Berlin zu Köln der Vorstand des „Israelitischen KrankenheimS Neuenahr" zu einer Sitzung zusammen. Dieselbe wurde, von dem Borfitzenden, Herrn Kommerzienrat Wahl aus Barmen geleitet. Seit dem vorigen Jahre hat der Verein in einem von th.ll zu seinen Zwecken gemieteten Hause seine Aufgaben unmittelbar tn Angriff genommen und die Leitung in dte vertrauet werten Hände der vorzüglich bewährten Oberschwester Sophie Meyer ntrdergelegt, dte der Frankfurter Echwesternverem uns in liebenswürdiger Weise zur Verfügung gestellt hat. Dte Kranken werden dort genau nary der Anordnung des Arztes behandelt und rituell verpflegt. ES konnten im vergangenen Jahre 40 Prozent der Bewerber die Wohltaten deS Vereins genießen. In dieser Saison sollen nach Beschluß des Vorstandes tn der anfangs erwähnten Sttzung 00 Prozent Gesuche berücksichtigt werden. Pretzdurg, 11. Mat. Der Machsike Hadaß- Vorpano derKoautate Preßburg und Wteselburg beschloß in seiner gestern hier abgeyaltemn Sitzung, eine größere Summe sofort als Sttpendtenfonds für tn den Komitaten Preßburg und Wieselburg wohnende bedürsttge Talmndjüttger zu reservieren. Dte Führung dieses Ve.bandrs liegt tn den bewährten Händen deS unermüdlichen Herrn Oberrabbiner Schreiber in Preßburg und seines tätigen Mttarbetterstabes, der beiden Vizepräsidenten, Herren Oberrabbiner zu Dunaszerdahely und Galant« und der Vorstandsmitglieder Rabbiner Frtedmann tn Preßburg, der Herren Oberrabbiner zu Boldogaßzony, Pöstyen und Stampfen.?ekro«aue«. Amsterdam, 16. Mai. Eines der hervorragendsten unserer Gemetndemitglteder, Herr B. E. Eit je, beging heute tn aller Stille seinen fiebzigsten Geburtstag. Eine offizielle Jubelieter würde dem bescheidenen Sinne des Greises widerstrebt haben und mußte daher unterbleiben. Dennoch möge es gestattet sein, wenigstens an dieser Stille ihm vle herzlichsten Segenswünsche zu seinem Jubeltage auSzusprechen. AuS einer bekannten, echt jüdischen Familie stammend, erwies sich Herr Eitje, N21VNN '2"^2 bv erzogen, später alS der würdige Schwiegersohn deS immer noch tn gesegnetem Andenken fortlebenden Rabbt Moses Pol lack b"X\i dessen Traditionen in den» Eitjeschen Hause sortleben. Aber mehr noch alS im inneren Familienkreise zeigt der Jubilar seine Stärke als Kämpfer für das überlieferte Judentum tn einer Anzahl von Kollegien, ln denen er zum Teil seit Jahrzehnten angehört. So war er eine lange Reihe von Jahren eines der hervorragendsten Mitglieder des Gemetndeausschuffes und als Vorsteher hat er mehrere Jahre hindurch seine knapp bemeffene Zeit und seine hervorragenden Fähigkeiten dem Dienste der Gemeinde gewidmet. Auch als Mitglied der Zentralbehörde der holländischen Judenheit und der mit der Geschäftsführung dieser Körperschaft betrauten permanenten Kommission hate er Gelegenheit, seine hingebende Liebe für das orthodoxe Judentum zu betätigen. Es bedarf kaum der Erwähnung, daß dte Förderung der Thorawiffenschaft die große Leidenschaft seines Lebens ist. Selber mit schönem Wiffen ausgestattet, und bereits vor 26 Jahren von dem hiesigen Oberrabbtnate mit dem Chowertttel geehrt, arbeitet der Jubilar unermüdlich als Präses der größten ReltgionSfchule, als Mitglied des Kuratoriums des Rabbinerseminars, alS Präses der der Versorgung bedürftiger Seminarschüler gewidmeten Rabbi Jesaja Klerekop-Stiftung. Neben diesem aber schmückt den Jubilar vor allem die Krone der Wohltätigkeit. Seit dem Ableben dls sel. M. S. Rubens ty'jfr leitet der Jubilar das Kollegium der Pekidim und Amarkaltm mit dem ihm eigenen Eifer und bekundet sein lebhaftes Jntercffe für das Wohl unserer palästinensischen Glaubensgenoffen durch die intensive Arbeit tm Dienste dieser Körperschaft, eine Arbeit, die fast täglich mühevolle Konferenzen und Beratungen erfordert. Dte tn den letzten Jahren wachsende Sympathie für alle auf die Förderung des heiligen Landes gerichteten Bestrebungen und die lebhafte Teilnahme, dte man vor allem auch der Arbeit der Pekidim entgegenbringt, sind dem Jubilar an setnem Jubeltage zweifellos Gegenstand hoher Befriedigung und Beglückung. Aus dem Herzen ber Tausende, dte Herrn Ettje schätzen und verehren, steigt die innige Bitte zu Gott empor, daß er uns diesen herrlichen Träger jüdischer Ideale D1!»’ “ptfS in ungeschwächter Jugenbkraft erhalten möge. •imin td2Si 'n 1122*? Posen, 12. Mat. Fetnfinntg vergleicht daS Judentum dasLeben eines von ttefsterSottesfurcht durchdrungenen "12 mit einem stolzen Baume zunlal einer Zeder- Sie wurzelt in der Erde, ihr Wipfel ragt in den Himmel. Dte harmonische, zu einem gefälligen Ganzen zusammenschmelzende Bereinigung des Göttlichen mit dem Weltlichen, der JHK 22 ."N1N, ist die lebensvolle Darstellung des tn sich abgerundeten Judentums, und dieses Bild bot uns in markantem Kolorit bas nun durch den Tod jäh abgeschloffene Dasein Isaak Pleßners, des würdigen Sohnes des großen Rabbt Salomon Pleßner Kaufmann, von unermüdlichem Fleiße, in rastlosem Ringen um die notwendigen Güter dieser Erde, lernte, forschte er von frühester Jugend an in der Thauro. Jrder Odem seines Lebens war ein Hauch von dem Geiste seines großen Vaters. Wie viele '32 leben heute, welche die Kraft besitzen, alle ihre Söhne so für letßtges Thorastudtum zu begeistern, wie er? Sie alle „lernen" in dieses Wortes wahrster Bedeutung, und ihre Häuser gehören zu den frömmsten, vorbildlichen der altehrwürdtgen Gemeinde Posen. Man muß Zeuge des geräuschlosen, von innigster Wethe erfüllten Famtltenglücks gewesen sein, weicheer an der Sette einer seelisch ebenbürtigen Gattin aufzubauen und zu erhalten verstand, um den Verlust einer Kehilo von der Bedeutung der Posener Judenschaft zu ermessen. Man muß Zeuge gewesen sein der Begeiste-- rnng, die den ganzen Menschen durchglühte, wenn er, ein geradezu klasfischer Baal Tefillo, auf den Adlers flügeln die ganze Gemeinde mitreißender Andacht ich emporgehoben fühlte. Alles stand unter dem Banne seine Herzenstöne. Man muß Zeuge gewesen sein der Geduld und Ergebung, mit welcher er dte herbsten Schickungen früherer Jahre und die körperlichen Schmerzen seiner letzten Jahre ertrug. Und über dieses ganze reiche Innenleben breitete stch wie feiner Schmelz, wie zarter Hauch eine rührende Beschetdenhett, ein Bewunderung heischendes 2J2tn* Wer wird die Lücke ausfüllen? Möge ber Segen eines Ecdenwallens tn der jüdisch-geistigen Kraft seiner Nachkommenschaft wirksam bleiben! L. H. Bauske (Kurland), 10. Mai. Eme erschütternde Nachricht habe ich Ihnen heute mitzuteilen. Ein Mann, auf dem dte Hoffnungen Wetter Kreise deS gesetzestreuen Judentums ruhten, ist in der Blüte stiner Jahre von uns gegangen: der bekannte junge Gelehrte Rabbi Jakob Ephratmfon ist einer tückischen Krankheit erlegen. EM Mann, tn dem sch ttesgründiiches Thorawiffen mit ungemein vielseitiger prosanrr Btlcung vereinigte, schien er geradezu Prädestiniert, an der äußeren Neugestaltung dec Dinge und ber Organisation der Gesetzestrruen tn Rußland mttzuarbetten. Um so mehr als der tatkräftige und wtffenSdursttge junge Mann auch das thoratreae Leben anderer Länder an der Quelle studierte. Dte geordneten Berhältntffe der westlichen Orthodoxie zogen ihn mächtig an. In Berlin, in Frankfurt und besonders tn Fulda, wo er einige Zeit an ber Sette deS Herrn Rabbiner Dr. Cahn wirkte, gelang es ihm, sich große Liebe und Wertschätzung zu erwerben. Seine Bescheidenheit hinderte ihn daran, frühzeitig an die Oeffentltchkett zu treten. Sein ganzes Sinnen und Trachten ging vorerst dahin, recht viel Wiffen zu sammeln, zu sehen und zu lernen, um dann seinen Glauvensbrüdern und Gefinmmgsgenoffen tn seinem Heimatlande mit der modernen Waffe der Bildung tn der Hand nach außen und nach innen betzustehen. Aus diesem Grunde unterließ er es auch vorläufig, obzwar ihn Alter und tiefes Talmudwiffen längst dazu berechtigt hätten, stch um eine Rabbtnerstelle zu bewerben. Denn frei von Amt und Bürden wollte er fich für große Aufgaben vorbereitcn. Als höchstes Lebenstdeal schien ihm dte Bereinigung ber Gesetzestreuen aller Länder zu einen mächtigen jüdischen Gesamtkörper und seine rege Agitattonstätigkeil tn Rußland galt ganz diesem Ziele. Bet all dem lebte er in ärmlichen Verhältnissen, da er es nie verstand, auf seine materiellen Vorteile bedachtzu sein, aber innerlich reich war lamilieunacblicdre». Geburten: Einen Sohn: Hermann Frankenthal (Mayer) Frankfurt a. M., HermeSweg. — Hermann Rechnitz (Ehrenreich) Preßburg. Vermählte - Dr. Joseph Breuer, Rika aeb. Eisenmann, Frankfurta.M.-Antwerpen. — Rabb. ChaimRubin« stein. Zerne geb. Samasch, Kendan b. Kowno.. Versterben«: Commerzienrat Benjamin Hirsch, Halberstadt, 71 Jahre. — David Wechsler, Hamburg, 72 I. Barmlzwohfeier: MoseS, Sohn von Simon Unna, Kl. Obermainstr. 30, Shnag. der JSr. Männer« und Frauenkafse, Rechneigrabenstr. 18. — Paul, Sohn von Leonhard Bauer, Beethovenstr.22, Westend-Synagoge Unterlindau. Sabbat - Anfang u. Ausgang '2NPN21 "1.-72 22V KT: Anfang •at«M AuSgang UhrlMin. 1911 5671 UhrlANu. 20. 22. 9r*affatt*.K9. 7 45 Mai Jiar 9 06 mnm .... — — 8 55 München . , . — — 8 41 Gtrnfchnrg . 7 80 9 — Stuttgart. . . 7 15 8 55 Posen .... — — 8 40 -rSrnberg . . 7 30 8 48 Hamburg. . . — — 9 21 Für de« Reklameutetl ist die Redaktion nicht verantwortlich? insbesondere ift es ausschließlich Sache der Leser, die im Reklameteil enthaltene« Empfehlnuaeu ritueller Ware» oder sonstige Angabe« religionSgefetz liche« EharakterS ans ihre Znverlüsfigkeit z« prüfe«. Menbadm Druckluft Anlage Telefon 123. Offenbuch ä. M. Telefon 123. Unübertroffene bewährteste Tepplohreinlgung. Allen voran ist die Perfekt muß man schneidern lernen, erf ekt wird bei uns schneid . gelehrt erfekt nicht mit auderenünter nehmen za verwechseln, erfekt schneidern lernt man innerhalb 2—3 Monaten. Mäßiges Honorar. Annahme v. Schülerinnen — täglich —— Frankfurt a. 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