Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 20 (18.5.1911)
- Date
- 1911-05-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2. Nr. 20_ nur 5. Nach dem nunmehr vorgenommenen Modus der Stim menverteil nng wurde Frankfurt a. M. 45 Sitmmen erhalten, Breslau 40, Cöln 22, Müncherl -1, Posen 12, Königsberg 0, Danzig und Stettin je 6 nftv. Berlin mit der Hüchstzisfer von 80 Stimmen tvärc «roch irnmer ungenügend beteiligt. Indes sollte Berlin ilicht einen allzu überwiegenden Einfluß ansüben der Provinz gegenüber. Ter Bedeutung der O-emeindeverbände entsprechend hat jeder derselben 10 Stimmen erhalten." Bor allem ist es merkwürdig, daß der bisherige Modus, der angeblich „kein sicheres Bild von der wirklichen Stimmung der Gemeinden" gab, den Leitern des Gemcindebundes jcchrzchntelang vollkommen einwandfrei erschien, genau solange nämlich, als die Gem e ind enihreBla nt o-Voll nt achten d e m A u s s ch u ß s e l b st a n v c r t r a u t e n und es diesem überließen, ihre Interessen zu vertreten. Daß diese Ausschuß-Vertreter sich über die „Wünsche und Interessen der von ihm vertretenen Gernciltden nicht zu informieren brauchten" und de facto also auch nicht informierten, glauben wir gerne, und die bisherige Geschichte des Organisations-Gesetzes — abgesehen von anderen Episoden — hat dafür den glänzendsten Beweis geliefert. Ganz anders diejenigen Vertreter, die sich p r i v a t i m der Interessen der kleinen Gemeinden und Mar nicht nur ihrer materiellen, sondern auch ihrer religiösen Interessen angenommen haben, und als ihre Mandatare auf dem letzten Gemeindetage anftratcn. Hier lag wirklich ein Bertranensverhältnis vor, das in der itatiivliäjicn Jnteressengen:einschaft zwischen Gemeinde und Vertreter begründet war, und das, nicht zufällig, sondern mit innerer Notwendigkeit zu den dem Gemeindcbund so sehr auf die Nerven gefallenen Kämpfen des letzten Gemeindetages führen mußte. Was die vorgeschlagene Satzungsänderung aber erstrebt, das läßt sich durch Ziffern, und wären sie theoretisch noch beweiskräftiger, nimmermehr begründen. Denn das Ergebnis des ganzen Kalküls, die Politische M a ch t v e r t e i l u n g, die aus der Basis dieser traurigen, den Niedergang des deutschen Judentums verkündenden Ziffern, vorgenommen werden soll, nmrde eine himmelschreiende Gewaltherrschaft und eine niemals wieder gutzunmchende S ch ä d i - gung der jüdisch-religiösen Interessen bedeuten. Fremd, mit jedem Tage fremder, stehen ja die Großgemeinde-Verwaltungen, die dünne Oberschicht von wenigen Millionären und „Intellektuellen", die man unter diesen: Namen begreift, dem Fühlen und Denken der außerhalb der Großstadt lebenden Juden, ja selbst dem Mit- _ »et Jsrarltt. telstand und den kleinbürgerlichen Kreisen der Großstadt selber gegenüber. Man braucht z. B. nur in den vorletzten „Mitteilungen" des „D. I. G. B." zu lesen, in welcher Weise auf dem Verbandstage über die tenpn ber ntOYltP, über den Religionsunterricht durch Lehrer alten Schlages (selbst in Notfälle) geurteilt wurde, um die ganze Kluft zu ermessen, die zwischen den Anschauungen dieser sich selbst kürenden „Führer" und der Masse der jüdischen Bevölkerung gähnt. Fremdherrfchaft, nicht natürliche Organisation, bedeutet darum die vom Gemeindebnnd mit seiner Satzungsänderung erstrebte Oligarchie der Großgemeinde-Vorstände, die ihrerseits nicht einmal das moralische Recht haben, als Repräsentanten der angeblich hinter ihnen stehenden großstädtischen Massen aufzutreten. Es ist ein Vorgeschmack künftiger Seligkeit, den die neueste Gemeindebund- Aktion darbietet, ein Vorgeschrnack der Macht- Ansprüche, die von unseren selbstlosen Großgemeinden an jede gesetzliche Organisation der preußischen Judenheit geknüpft werden, ein Vorgeschmack auch für das ganze Ausmaß der Nichtachtung, die man in jener: Kreisen dem Selbstbestimmungsrecht und der Würde der kleinen Gemeinden entgegenbringt. Von gewaltiger symptomatischer Bedeutung wird es .sein, ob diese Keinen Gemeinden den Nackenstreich, den man ihnen zugedacht, ruhig hinnehmen, oder ob sie tvie e i u Mann für die Erhaltung ihrer Rechte eintreten und das Attentat abwehren werden. Bei vernünftigem und furchtlosem Vorgehen, das sich weder durch leere Drohungen mit einem „Großgemcindcn-Bund" oder einem Austritt Berlins mit seinen 12.000 Mk. Beitrag, noch auch durch die Zusage „entgegenkommender" Handhabung der Macht beirren läßt, muß und wird es möglich sein, die geplante Satzungsänderung zu Fall zu bringen. Kschmntuöscha«. Das Kiemer Rifualmorömärchen in 9er ruffifdien Duma. Es ist immer das gleiche Gefühl der ohnmächtigen, inneren Entrüstung, der tiefen namenu«,. __18. Mai 1-11 losen Niedergeschlagenheit, wenn man sich wegen einer Anklage zu verantworten hat, deren Haltlosigkeit, deren infamer Zweck offen vor aller Weit liegt. Statt jedes Wortes der sachlichen Verteidigung will sich ein Verzweiflungsschrei der Brust entringen, der mit der Kraft eines Gttesurteils überzeugen müßte. Allein wen? Etwa die Ankläger und Hetzer, die in ihrem tiefsten Innern ja selber nie an die von ihnen verbreitete Mär aealaubt haben? . . . Wieder die unselige Blutlüge zum Vorwand einer Judenhetze. Und der Hooligan steht bereits kampfaerüftet und wartet auf die Parole, nein, die ist bereits gegeben: Blut für Blut! Er wartet nur noch auf den Zeitpunkt, auf das ' Kommando zum Losschlagen. . . . Denn diesmal ist es Rußland, wo das grausige Märchen die blutdürstige Masse im Atem hält und unheilschwanger das Judenviertel umschwirrt. Das ist für Rußland ein Novum, ein, so unsinnig paradox es klingen mag, ein Zeichen der etnziehenden Kultur. Rußland ist nämlich nicht das Land der Ritualmordmärchen. Die Geschichte der letzten Jahrzehnte nennt als Schauplätze für diese scheußlichste aller Hetzen Tissa- Eßlar, Xanten, Polna, Könitz, also Oesterreich-Ungarn und Deutschland. In Rußland bedurfte es eben einer besonderen Begründung für Judenexzesse nicht. Man schlug auf die Juden ein, in unblutiger und blutiger Weise, durch Ausnahmegesetze und gelegentliche Progrome, ohne im Märchenreiche nach phantastischen Motiven zu suchen, aus dem einen, einfachen und dem Russen so klar verständlichen Grund — weil es Juden sind. . . . Nun aber bricht auch für Rußland eine neue Zeit heran, eine Zeit, die Fremdwörter wie Konstitution, Parlament, usw. gebracht hat. Denen um Markow und Purischkewitsch graut es vor dieser neuen Aera, die ihrer Meinung nach echtrussische Wesensart untergraben würde. Also muß das Vaterland gerettet werden — durch Pogrome. Und geht es nicht mehr anders, verschreibt man sich aus dem verhaßten Westen jenes allenthalben guterprobte Mittel: das Blutmärchen. In Rußland beginnt indessen so etwas, nicht wie in Europa, mit der regulären Untersuchung, sondern mit einer Pogro mPanik und endet nicht mit der Freisprechung oder, wie im Falle Hilsner, mit einer ungerechten Verurteilung der Angeklagten, sondern . . . Nun, wir wollen keine Gespenster an die Wand malen, wiewohl sich die Lage nach der Dumaverhandlung am letzten Freitag gewiß nicht verbessert hat. Es ist nämlich den Progomhelden gelungen, die Blutlüge parlamentfähig zu machen. Was sich Die indische Zahl. Sefirohgedanke«. Jüdische Zahlen sind goldene Zauöerschlüfsel zu geheimen Fächern, in denen in der ansgelüsten Form der Erinnerung schwache Reste einstigen Glücks und daS Swigfrtsche jüdische Weh jedweder Zeit ausbewahrt find, zum Zeitenschoße, in denen unS ruhen die schwarzen wie die heiteren Lose. Jüdische Zahlen stnd zugleich geheimnisvolle Merkworte, mit denen wir uns jene wundersame Welt erschließen, die, von den Wellen der Ewigkeit umspült, die Wurzeln unseres Volkstums birgt. Und nicht selbstvergessen und erdenentrückt taucht die jüdische Volksseele in diese Welt"der ewigen Wunder unter, sondern nur, um an der Quelle unseres Seins Gesundung und Straft zu schöpfen für die Aufgaben des lebendigen TageS . . . Denn ist auch daS jüdische Golusletb der Jahrtausende ein weites, weite- Meer, bas reißend und wtldbrausend die VSlkergeschichte durchkreuzt, so ist doch dieses Meer voll von grünen, sonnengeküßten Inseln, auf denen die Hoffnung blüht, ausgehend von einem goldmen BSlkerfrühling und zu der Menschheit höchsten Höhen führend. Und von der Erinnerung an diesen BSlkerfrühling, der fich mit dem Auszuge Israels aus geistigem Winterlande der Welt ankündigte, der Erinnerung an daS wüstenwandernbe Jungtsrael, das, einem hehren Ziele zustrebend, voll glühender Erwartung die Togo von Raamses bis Sinai zählte, geht heute noch der Jude aus, wenn er am sinkenden Lenzestage sich zum Zählen in seinem Gotteshause etnfind.t. Dann aber schließt er hoffnungsfreudig mit drm Gebete von der Errichtung des Tempels, das ergänzt wird durch den Psalm von Menschenheil und Völkerglück, wie es aus gemeinsamer Erkenntnis und restloser Anerkennung des einen wahren Gottes Israels ersprteßen muß. Zwischen Segensspruch und Nachgebet, zwischen Vergangenheit und Zukunft liegt aber die Zahl. Mitten in der Festwoche aus der Freude geboren, stimmt sie uns im Wachsen immer ernster, immer trauriger, nötigt sie uns eine stille Träne nach der andern ab, verliert aber, je mehr sie sich dem Feste deS Gesetzes nähert, immer mehr an Traurigkeit und Bitterkeit. Und zuletzt ist es nur noch ein Zug von Größe und Erhabenheit, der als Schlußvtlanz der Zahlen übrig bleibt.. . Wir zählen — und sehen zunächst JungtSrael im heißen Wüstensande, aus dem ersten Freiheit? rausche erwachend, die geistigen Sklavenketten von fich abwersen und mit jedem Tage immer weiter und sicherer zur GotteShvhe emporsteigen; wir sehen, die Braut für den Tag der Vermählung sich schmücken, und etwas von der weltbewegenden Größe jener bedeutungsschweren Werde-- zett zittert nach tn unserem Gebete: „Unbarmherziger, stelle den Dienst deS heiligen Tempels — die Erkenntnis unserer Bestimmung — wieder her!«- Wir zählen weiter. — Und das Bild hat sich um etwas verändert: Des Volkes Maienblütezeit hat einem satten, vollen, reifenden Sommer Platz gemacht. Nicht ist es mehr brennender Wüstenboden, auf dem Israel geht und zählt, sondern eigenes, sonniges Landgrüne Auen, wogende Felder, umrändert von Bergen, auf denen die Rebe blüht und der Feigenbaum reist, auf denen der bodenständige, innerlich glückliche jüdische Bauer die Aehren zählt und ste zu einem Garvenopser für das Gksetzesfest anwachsen läßt, steudtgen Herzens die Garbe dem Gesetze opfert, mag das Schicksal des der dunllen Erde anvertratuen Samen fich auch wie immer gestalten ... Er ist voll gesunder Märsche und Hoffnungen und im Kampfe mit den Elementen gestählter Zuversicht. Und etwas von jenem ehernen Glauben, jener erdschweren Zuversicht schwingt in unserem Gebete mit, da wir heute zählen. „Es sei Dein Wille, daß errichtet werde das Heiligtum — das einstige jüdische Glück — bald in unseren Tagen!"- Und nun verdüstert sich, indes wtr weiter zählen, das Bild vollends. Ein Schrei entringt fich unserer Brust. Und bald ist eS uns, als zählten wtr nur mehr Tränen und Seufzer, zerstörtes Familtenglück und vernichtetes Gemeindeleben, die Summe — deS Golusletdes . . . Wir zählen die Häupter unserer Lieben Ü'tS'jfXVlt i ie auf ihre Art auch stolz und groß und stark den jüdischen Boden bestellt und — mit ihren: Blute — gedüngt haben, die in ihrer Weise ebenfalls freudigen Herzens die Aehre, die das blühende irdische Leben bedeutet, der Thora geopfert haben.- Dann erfaßt uns einen Augenblick der Jammer der düsterm Zeiten unserer leibreichen Vergangenheit und wir stimmen daS alte Lied an, das Lied von Judenschmerz und Judenhoffnung, wie es uns unsere BegleUerin durch 18.! Mar düng letzten dünge len, k> voller der § unwü vor! mini daß, , Ermit Und misst M mlssio von! binn gesej Lebe»! daß a nicht | daß i ihre! steht : kommt lingt i beit ihre 5 petto« Dt Unfrei Runds didat der D zeigt \ Nolle kenden „hoch Assimt und C dene 5 „edlen noch e überwc rechtfei Fahrei hat er die Sl dritten Male! juives'1 die Iah bewahrt von frü Vergesst und Hä 5enn, ^olt an VINN n ä ch st setze daß Israel, zurückkel * So Lonne i ging — von der Ahnen s gesehen, »Laß a B ö t e r zu wci Der ^oden t auf, da die Böll Tein Nc