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Der Israelit · 1911-05-04 · Heft 18 (4.5.1911) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 18 (4.5.1911)
Date
1911-05-04
Page
– (sequence 17)
Language
German
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T. Jahrgang JS. S. Monats-veilage zun „jsraelir TmatimtHciM Redaktiont Rabbiner Dr. o. <Holf ta Köln „Eehr uns unsere Zw zählen.“ Würde die Zeit der Zählung zwischen Pessach und Schowuauth uns mit Bewußtsein die Pflicht zu zählen erfüllen lassen, die ernste Erfassung dieses Psalmwortes müßte dem sittlichen Erfolg der Ssirah bedeuten. Nirgends im Leben ist das^Zählen Selbstzweck — und die Mizwo b des Zählens sollte ohne erkennbares Ziel eine ethische Handlung sein, nichts als ein geistloses Zählen von Tagen und Wochen? Nimmer! Altertum und Mittelalter haben traurige Erlebnisse aus diesen Tagen des Zählens zu verzeichnen. Draußen die Sonne in der Statur; und bunt und heiter entfaltet sich herrlich ein munteres Leben in Wald und Flur. Freude zieht ein auch in des Menschen Brust und wonnetrunken tummelt auch er sich auf den grünenden Matten der Lust. Fröhlich freut er sich seines genießenden Daseins. Leicht lebt er den Tag des sinnlichen Rausches. Da hat er schon die Pflicht vergessen, die den Menschen wegruft von dem tändelnden Tanz mit und in der Schöpfung des Schönen zu jener schöneren Welt der Pflege der lebendigen Schöpfung, von diesem unbewußten Leben zur Wahrung und Stärkung des bewußten Lebens. Zum Menschenkreise sammle sich der Mensch, erwecke dort des Lebens Leben, streue den Segen seiner Hände. Erfreue erst, um sich dann zu freuen mit des Daseins höchster Freude, mit der Blüte alles Menschenwirkens, einem Leben höchster, ernstester Sitte, einem Leben von und zu der Tauroh hin, einem Leben reich an Taten, einem Leben, an dessen rastlosem Streben man erkennt, daß er gelernt, unsere Tage zu zählen. Die gewöhnliche Pessachklage nach Pessach. Nach Sukkoth die Eßrogim und nach Pessach der Katzenjammer — allerdings nicht infolge der Arba Kaußauß, wohl aber wegen der hohen Rechnungen für die vertilgten Kolonialwaren. Schon in Nr. 9 des vorigen Jahrganges Ihres geschätzten Blattes bat ich Sie, Herr Redakteur, meinem Unmut Luft machen zu dürfen. Ich wußte, daß ein praktischer Nutzen daraus nicht erwachsen würde. Alt eingerostete Schäden lassen sich nicht fortblasen. Die zuftändig-n Stellen aber lassen sich häusig durch Rücksichten und Vorsichten, auch wohl durch Ansichten bestimmen. Sie werden ja von den besten Absichten geleitet. Die Aussichten, die sich aber dabei auf die Erfolge solcher Erschwerungen in Hinsicht auf die Mehrung und Hebung der religiösen Gewissenhaftigkeit in majoiem Dei ffloriam eröffnen — lassen nur allzu empfindlich die Einsicht vermissen. Es gibt nämlich so ganz nebenbei auch ein aus Konsumenten bestehendes Volk, das die Zeche zu zahlen hat) und manchmal ist es interessant zu wissen, wie Maßnahmen, die höheren Orts zum allgemeinen Wohl ergriffen werden, da unten wirken. Schließlich kann man denen doch nicht den Mund verbieten, die da so renitent sind, in ihrem beschränkten Untertanenverstand zu meinen, daß die Geschäfte für das Volk da sind. Man muß sich auch die Rückständigkeit gefallen lassen, die ab und zu an das veraltete Talmudwort erinnert, das wohl früher einmal Geltung gehabt haben mag: die Thorah nimmt Rücksicht auf Israels Geld. Wir wollen dabei gar nicht auf einzelne Artikel eingehen. bei denen eine Preiserhöhung geradezu eine Täuschung des Publikums ist, weil dieselben zu Pessach nicht anders aussehen, als wie sie der Himmel auch sonst im Jahr wachsen läßt. Nur wollen wir auch in diesem Jahr — wahrscheinlich so nutzlos wie im Vorjahre und, wenn wir es erleben, int nächsten Jahre — es nicht versäumen, im allgemeinen darauf aufmerksam zu machen, daß man nicht ungestraft für immer auf die Gutmütigkeit der Käufer rechnen darf. Man kann dabei recht ernstlich Gefahr laufen, eines schönen Tages das Kind mit dem Bade auszuschütten. Man braucht sich nicht zu wundern, wenn einmal der Bogen, der zu straff gespannt ist, springt. Indem ich Sie bitte, diese Zeilen wieder zu veröffentlichen, vielleicht höhlt steter Tropfen doch endlich den Stein —, bin ich Ihr ergebener B. L. Eine Cehrer>Uer$ammlnng in Westfalen. Wie warm und lebenskräftig das gesetzestreue Judentum in Westfalens weitverzweigten Gauen pulsiert, das beweist aufs glänzendste die von Herrn Rabbiner Dr. Brader am 9. April d. Js. nach Recklinghausen einberusene Konferenz. Freudig waren fast alle die dem „Verein zur Wahrung der religiösen Interessen des Judentums in Westfalen" unterstellten Lehrer dem Rufe des neuen Rabbiners gefolgt, um mit ihm alle den Lehrer- Ws der Gegenwart. Von S . - - (aus dem Jeschurun 1863). (Fortsetzung). Mit innigem Wohlbehagen schien eine schöne junge Dame diese einzuatmen. Sie schien die frische Lust wohl längere Zeit entbehrt zu haben, denn ihre durchsichtige Blässe und ihr matter Gang ließen auf keine ganz ungetrübte Gesundheit schließen. Dies mochte wohl auch der Grund sein des etwas trüben Ausdrucks in ihren einst so lebensfrohen Zügen. Ein bildschönes Kind von ungefähr vier Jahren hüpfte spielend an ihrer Seite. Es war Arabella, die mit ihrem Söhnchen die schattigen Alleen langsam durchschritt. Munter sprang der lebhafte Kleine um ste herum- Tausenderlei Merkwürdigkeiten hatte er ihr zu berichten, von den bunten Schmetterlingen, die wie Blumen aussahen, den schwarzen Bienen, denen er durchaus Honig machen Zusehen wollte u. dgl. m. Eben entdeckte sein suchendes Auge ein paar herrliche goldgelbe Blm men, wahre Wunder von Schönheit, mit einem lauten Freudenschrei begrüßte er sie, es gab der Gänseblümchen gar zu wenig im Park. „Mama, Mama, geschwind komm her und sieh die wunderschönen Blumen!" Aber die Mama war viel zu langsam für die Ungeduld des Kleinen, rasch entschlossen faßte er die prächtigen Blumen, riß sie aus der Erde und brachte sie im Triumph seiner Mutter. „Sind sie nicht herrlich?" rief er ihr entgegen. „Kind, Kind, was machst du? Es ist ja Sabbat, heute darfst du nicht abreißen." „Warum denn nicht?" „Weil man am Sabbat nichts reißen darf, das weißt du ja schon." Der Kleine schüttelte die blonden Locken, die Sache schien ihm nicht recht zuzusagen. „Aber, wer hat es denn eigentlich verboten, daß ich am Sabbat Blumen pflücke, Mama?" „Der liebe Gott, Emil, der dich und die schönen Blumen gemacht hat, und der auch die ganze schöne Welt und alle Menschen geschaffen hat." „Und dich und Papa hat der liebe Gott auch gemacht, nicht wahr Mama?" „Allerdings, liebes Kind, alle Menschen hat der liebe Gott geschaffen, und darum müssen auch alle Menschen tun, was der liebe Gott befohlen und lassen, was er verboten hat." „Aber Papa reißt ja doch am Sabbat, darf Papa es denn?" „Du irrst, liebes Kind, am Sabbat reißt Papa nichts." „Doch, doch, Mama, ich habe es ja selbst gesehen, als Papa heute morgen den Brief von den Großeltern ausgemacht hat, da hat Papa dabei gerissen." Schmerzlich zuckten Bellas Lippen. „Papa hat wahrscheinlich im Augenblick nicht daran gedacht, daß heute Sabbat ist", erwiderte sie leise. Ermüdet setzte sie sich auf eine Rasenbank und stützte ihr Haupt auf die durchsichtige Hand. Emil zerpflückte spielend seine Blümchen. „Du reißest doch, Kind?" „Ich denke eben nicht daran, daß heute Sabbat ist", war die Antwort des Kleinen, der munter in seiner Beschäftigung sortfuhr." „Ich kann dich nicht mehr lieb haben, Emil, wenn du tust, was der liebe Gott verboten hat, und der liebe Gott wird dich auch nicht mehr lieb haben." „Hast du und der liebe Gott Papa auch nicht mehr lieb?" Der große Sultan, Emils liebster Spielefährte, kam daher gerannt, Blumen samt Sabat waren schnell vergessen und fröhlich tummelte er sich mit seinem vierbeinigen Freunde. Aber in düstern Gedanken versunken saß Arabella da. Sie, der unsere heilige Religion als das Höchste galt, sah diese vernachlässigt von ihrem Gatten, wie konnte sie hoffen, daß sie ihrem Sohne heilig sei? Welch eine Zukunft sah sie für das Äesen, das ihr teuer, unendlich teurer als das Leben war. Einst hatte sie wohl den süßen

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