Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 17 (27.4.1911)
- Date
- 1911-04-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israel Ein Centralorgan iür das orthodoxe Judentum Begründet dm Dr. Lehmann In ilbin 92. Jahroaiifl, SranMurfa. III.. Sen 27. Nor« 191». 29. Man 5671. M 17 AB»»«e«e»t pro «ierteljahrr Gewöhnliche Ausgabe Mk. 1.60, HeftanSgabe (Kvnjvruck) Mk. 8.—. Auslandspreise: Gewöhnliche SnSOch«: vesterreich^Lrgarn «Kr., Rußland l Bob« England 8 Hl. ncfflo öV rtp^Mrderlande 1Z0 L, Frankreich Fr*. UO. Abonnements bei allm Postaastalten. Buchhandlungen, sowie direkt bei dem Verlag. HeftanSgabe nur direkt. Der JSraelit erscheint jeden Domeerftag. Inserate: 80 Pfennig für die sechs gespaltene Eokonel-Zeile; Rabatt nach Daris. Mtferatenannahnee um dmch Haasenstein u. Vogler kL-G^ Frankfurt a. und denn Filialen. zahlnnge« können außer direkt au dm Verlag erfolgm per «onto bei der K. 5t. Poftsparkaffe «ie» Mo. 796M. Centn bei dem «. Voftsparkosfenantt Bndapeft Mo.L««A- Conto bei der Migoer TotaMergban» in Miga und derm Klliale». der nadiOrudi Oer nrfiltel unO Correfpon0en?en Oes „IsraeRf" tff nur unter oenauer Queüenanaabe, unO, lowell es (Uh um urOSere HutHhe hanOelf, nur nadi norherioer Oenehmluuno oeRaffefi. — HewarhzMDty (Ungarn). — 6. Per- : Würzhürgi ^Mffrnhejm. — Flehingen. — heim. — Jchenhausen. — Bartschin. — 9. Irchattsüberstchr. 1. Leitartikel: Professor Carl KUty über Judentum und Christentum. — 2 W o ch enrun dsch au: Dir englische Regierung «ud dir Jüdische Einwanderung. — Grganifationsardeit in Galtzirn. 3. Aufsätze: Das Kargsn-Iudeuwm. — Dur Kagr in Jerusalem. — 4. Kleines Feuilleton: Dum Kahrfeitstage Dr. M. Krhmanns Daniel Ehwolsohn. — Aus der alten Frankfurter Judengemeinde. — Eine Ausstellung hebräischer Bibeln. — 5. K orrespondenzen und Nachrichten: Breslau (Jüdische Lehrer.) — Zittau (Schächtftage.) — Generalversammlung der Grsterr. Isr.- fnion. Wien. — Lemberg (Rabbinerversammlung.) — isenstadt (Rabbinerwahl.) — Ungarischer Kries. — Budapest (Jüdische Sektion im Ministerium.) — Verzweifelt nicht! Petersburg. — Die Juden in der Gemeindeverwaltung. Petersburg. — Das rufstsche Kekrutenkontingent. Petersburg. — Urur Iudruausweisuugru. Kiew. — Gmigrauteurlend. Libau. — Drdulnrn-Nandalismus in Tripolis. Paris. — Der neue MedschuschUmumi. Konstantinopel. — 6.Vermischtes: Frankfurt a. M. — Berlin. — Filehne. — Dortmund. — Reichensachsen. — Czernowitz — Petersburg. — Konstantinopel. — Smhrchr ----L. Be re i ns wesen: Frankfurt a. M. — Berlin., --^Hamburg. — Bruchsal. — Charzonow. — ' son alten Unteraltertheim. Briefkasten.. — Bereinskalenöer. — Familiennachrichten. — 10. Beilagen: Erziehung und Lehre: I. Ster, Breslau: Apperzeption und Urproduktion. — H. Reuß: Sauls Sünde des Uumhorsams. — Correspondenz. — Briefkasten. — Feuill.-Beilage: Sara Guggenheim: Kiah. Professor Carl Bilty über Judentum «ml Christentum. Ein kostbares, letztes Vermächtnis hat Hilty dem großen Zkreis seiner Leser und Verehrer hinterlaffen, das bestimmungsgemäß erst nach seinem Tode herausgegeben wurde und uns jetzt vorliegt: Anmerkungen zum Evangelium.*) Obwohl das Buch seiner Natur nach zunächst Ar christliche Leser bestimmt ist, enthält es doch o vielfache Bemerkungen über Juden und Juden- :mn, daß es auch an dieser Stelle gewürdigt werden muß. Als ich es zum erstenmal flüchtig durchlas, war es mir noch unerklärlich, warum er die Veröffentlichung erst nach seinem Tode *) Der volle Titel lautet: Das Evangelium Chr. mit einigen Erläuternden Anmerkungen von Prof. Dr. Earl Hilty. Leipzig. I- C. HinrtchS'sche Buchhandlung. Preis 8 Mk. bestimmte. An dem Mut, der nach Hiltys anderweitig geäußerter Ansicht dazu gehört, sich zum Christentum zu bekennen, hat es ihm auch bei Lebzeiten nie gefehlt. Das beweist der starke christliche Einschlag, der alle seine Schriften charakterisiert, besonders aber die aus den letzten Jahrzehnten seiner ungemein fruchtbaren schriftstellerischen Tätigkeit. Erst bei aufmertfamem Studium glaube ich das Motiv in einer Eigentümlichkeit gefunden zu haben, die diese Schrift von den bei seinen Lebzeiten erschienenen unterscheidet. Bei den letzteren tritt die Persönlichkeit des VerfafferS vollkommen zurück. Seine vornehme Weife ließ immer nur die Sache sprechen, und war immer und überall darauf bedacht, daß man über sie ganz den Sprecher vergesse. Dieser trat immer mit bescheidener Zurückhaltung in den Hintergrund. In diesem Buche jedoch, das uns an die Quelle führt, aus der er die Kraft seines Lebens schöpfte, das er, wie er in der Vorrede sagt, zunächst für den eigenen Gebrauch geschrieben, und zwar in einer schweren, an Kümmernissen reichen Zeit, da tritt er mit seiner ganzen Persönlichkeit hervor, um mit ihr selbst Zeugnis abzulegen für das Ideal seines Lebens. Das Buch ist reich an Stellen wie: „Wer so das Böse gesehen hat, der behält einen unauslvschlisch grauenhaften und widrigen Eindruck davondas sage ich aus eigenen Erlebnissen." S. 88. „Das Erhörliche des SeVetS liegt in seiner völligen Reinhettbann kann eS Vorkommen, daß man der Erhörung von vornherein gänzlich sicher ist. DaS habe ich selbst mehrmals erlebt." S. 205. „Ich habe in meinem Lebm nie ein Leiden gehabt, das mir nicht wohltätig wardas bezeuge ich hier." S. 261. Die wirkungsvolle, ergreifende und geradezu packende Art der Sprache und Darstellung Hiltys hat in diesem Buche eine Steigerung erfahren, die auch denjenigen Gedanken und Reflexionen des Berfaffers, welchen wir bereits in seinen ftüheren Schriften begegnen, einen neuen Reiz verleiht. Das gilt auch für seine Auffassung der Beziehungen zwischen Judentum und Christentum. Sie enthält eigentlich nichts was sich nicht auch in den anderen Schriften Hiltys findet, aber eS ist alles noch schärfer pointiert und man hat noch mehr als sonst die Empfindung, wie der Verfasser mit dem ganzen Gewicht seiner Persönlichkeit für seine Ueberzeugung eintritt. Aber dieser Umstand erschwert es den en Verehrern HiltyS ungemein, ihre Be _: gegen diese Auffassung geltend zu machen. Er und die Gedanken, die er in seinen Schriften niedergelegt hat, find so unzertrennlich mit einander verbunden, daß man nicht die einen bekämpfen kann, ohne wenigstens den Schein zu erregen, als gelte diese Bekämpfung auch der Persönlichkeit des Autors. Dazu kommt noch die äußere Schwierigkeit, daß die hier mitgeteillen Gedanken nicht zusammenhängend und systematisch vorgetragen werden, sondern Abstraktionen sind, die an den Wortlaut des Evangeliums geknüpft, ohne inneren Zusammenhang durch ein ganzes Buch zerstreut sind. Da es aber dennoch geboten erscheint, der Hiltyschen Auffassung gegenüber den jüdischen Standpunkt zu betonen, so mag dies hiermit unter Anlehnung an irgend eine der zahlreichen Schriften Hiltys erfolgen, welche den Gegenstand in einer einheitlichen Darstellung enthält. — Greifen wir zu diesem Zweck ein vor einigen Jahren erschienenes Buch heraus, der den Titel: „Briefe" führt, von welchen einer sich ausschließlich mit unserem Gegenstand befaßt. Es geht durch die sämtlichen Schriften des Verfassers der mllde versöhnende Zug, alles dasjenige festzuhalten und immer wieder aufs neue zu betonen, was allen Religionen und Klaffen gemeinsam ist und gemeinsam sein und bleiben sollte, was sie in einer Zeit, die geliffentlich alles hervorkehrt, was die Geister cheidet und entfremdet, vom Gros der Tagesiteratur besonders wohltuend abhebt. Und dies alles, ohne seinen eigenen positiven kalvinistisch-protestantischen Standpunkt zu ver» leugnen. Es wird im Gegenteil mit einer Wärme, Ueberzeugungstreue und mit einem Reichtum von Wtffen und Geist vertreten, welche die Werke des Verfassers zu Agitationsschriften im besten Sinne des Wortes für die religiöse Anschauung ihres Berfaffers macht. „Unsere Sache istls, der tbealtsttschen Lebensauffassung tm weitesten Sinne wieder ihren Platz, gegen den geisttötenden und charakterlosen „Realismus" unserer Zeit, in der kommenden Generatton zu verschaffen- und wenn wir diese- Lebens werk ausgerichtet haben, so aut ober so schlecht, als wir es vermochten, bann haben wir unsere Lebensarbeit getan." Wer, der auf dem Boden irgend einer post, tiven Reliaton stebt, wird diesen Worten des