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Der Israelit · 1911-04-06 · Heft 14 (6.4.1911) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 14 (6.4.1911)
Date
1911-04-06
Page
– (sequence 21)
Language
German
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ßk 16 Seite 20. Der Israelit 11. April 1911 tiven Wollen des Sohnes Ahrons abhängig (Sota 38 b). Zuletzt sei nur noch darauf hingewiefen, daß selbst das äußere Verhalten, die Art und Weise, wie dieser Akt vollzogen wird, für die Unselbständigkeit des Priesters bet dieser Handlung ein beredtes Zeugnis ablegt. Seine Hände muffen in Schulterhöhe wagerecht ausgestreckt sein. Diese Handlungsweise zeigt dem Priester, daß er nur ein Werheug Gottes sei (Tam. 7, 2 daher ist es wohl, daß ",7372 7723 or** eparon oy Sota ibid.) (Fortsetzung folgt.) Oie Disposition in den Heiligen Schriften. Bon Dr. M Murrt in Lemberg. VII. Pentateuch. 3. Leviticus. Genesis und Exodus sind die Bücher, welche Genügsamkeit und Gehorsam als Vorstufe zur geistigen Erziehung lehren. Die Abwehr der Schädlinge (Genesis) ermöglicht die Volksentstehung (Exodus). Genügsamkeit erzieht zum Gehorsam, Gehorsam zum Glauben, Glauben zur Erkenntnis. Levitirus ist das Buch, welches Glauben verlangt, den Glauben an Gott; es ist das Buch des Gottesvolkes, der Gottespriester. Die Gesetze des dritten Buches Mosis üben uns im Glauben an Gott. Schon die Einführung des Buches mit der Vorbemerkung 7K t*7pn es erging ein Ruf an Moses, deutet an, daß etwas Neues beginnt. Moses wird gerufendie Redequelle ist nicht mehr die zu erklimmende Spitze des Gottesberges, sondern das Versammlungszelt neben dem Berge Gottes. Israel ist seinem Gotte näher gerückt. I. Opfertehre. Das Wort „Opfer" für das hebräische )37p hat schon viel Debatten veranlaßt. 732p bedeutet das Gebrachte. *) r^iy „ „ Steigende. Wv>V „ „ Harmonische oder Befriedigende. nroo „ „ Hingelegte. Die Opferwilligkeit des s’npD des Opser- Bringendcn ist ein wesentliches Moment. Zum Wechsel im Ausdruck von D*7K in P£0 im Kap. 2 bemerken die Exegeten 3'7p» Kin ltt?£3 Nt*. Der Arme bringt seine Seele dar mit der kleinen Gabe, er fühlt den Mangel in seinem Vermögen mehr als der Reiche bei der großen Gabe. Dies wäre jedoch nur eine Konstatterung der Tatsache, daß der Arme opferwillig ist und sein Gefühl bezwingt. Die Opferung, das heißt willige Hingabe seines bösen Gefühls, ist von allen Exegeten als auch schon von den Propheten teils als Ziel, teils als selbstverständliche Voraussetzung der Opfergabe anerkannt. Den Ausdruck n*?iy on'tpyi (Numeri 29,2) erklärt der Sohar. „Ihr sollt euch ganz Gott widmen am Rosch Haschono." Derselbe Ausdruck wird von der Bibel nun in Numeri an mehreren Stellen angewendet, so Kap. 15, 3 ff., ferner Kap. 28,4,6,8. Die Verallgemeinerung für alle Opfer ist damit gestattet. Daß der Ausdruck vorzüglich im 4. Buche erst vorkommt, hat darin seinen Grund, daß dieses Buch eine höhere Stufe des Opfernden voraussetzt als das dritte Buch Mosis. Das dritte Buch Mosis enthält erst die Vorstufe zur Erreichung dieses Zieles. Wenn aber der Opfernde dieses Ziel nicht im Sinne hat, so lehrt Leviticus schon, *) Die Redaktion hält sich zu der Bemerkung verpflichtet, daß sie in dieser Uebersetzung mit dem verehrten Herrn Verfasser nicht übereiustimmt. daß das Opfer zur Sünde wird. Kap. 17,4 nennt es einen Mord. Sogar das von Gott befohlene Opfer wird ohne diese heiligende Absichtzum Abscheu in den Augen Gottes (Jes. 1,11 ff., Maleachi 1,6 ff., Psalm 51, 18—21. Samuel (15,22) nennt Gehorsam die Vorstufe zum Opferkultus. Leviticus ist das Buch des Glaubens, das Buch der Richtung zu Gott, wie der Stamm des Baumes sich zum Himmel richtet. Es ist dies die erste geistige Stufe, durch die sich der Mensch vom Tiere unterscheidet. Wie nun das Buch Exodus am Beginn seinen Gegensatz zum Buche Genesis durch Betonung des Gegensatzes zwischen Jsraelvolk und Jakobsraffe hervortteten läßt, so finden wir auch hier den Unterschied zwischen dem zweiten und dritten Buch in den ersten Sätzen: „Rede zum Jsraelvolk, wenn ein Mensch usw." V7t*, nicht das gewöhnliche WK. Unsere Erklärung „Mensch und nicht Tier" stimmt mit den halachischen 7V1VN nt* K'Sin1? überein. Nur der glaubende Jude ist gemeint. Das Opfer setzt also den gläubigen Charakter des zum Jsraelvolke gehörenden Opfernden voraus. Fehlt eine der Bedingungen, so ist das Opfer Sünde. Wer nicht danach strebt, das Tier in sich zu töten, hat kein Recht, das Blut eines andern TiereS zu vergießen. Wer nicht den guten Willen hat, seine Gelüste zu vergeistigen, ist nicht berechtigt, Gottesgaben und menschliche Verarbeitung von Gottesgabcn in Feuer aufgehen zu lassen, also zu zerstören. Wer nicht an Gott glaubt, wer nicht wenigstens, während er das Opfer bringt, den festen Vorsatz hat, dem Geiste die Suprematie über das Tierische seiner Veranlagung einzuräumen, ist ein Mörder, wenn er ein unschuldiges Lamm hinschlachtet und seinen Körper pflegt. Diese Auffaffung von Opferung entspricht auch dem Gebet, welches der Schone-effrei am Nachmittag eines Fasttages angeschloffen wird. „Das Blut und das Fett, um das ich durch Fasten geschwächt bin, möge als auf dem Altar geopfert angesehen werden." Die Kapitel 1—7 enthalten die Opferlehre, d, h. in erster Linie die Beschreibung der verschiedenen Arten von Opfern und die Art ihrer Darbringung. Die Pflicht zu opfern ist hier weniger zum Ausdruck gebracht worden; nur soweit die Beschreibung es verlangt, daß die Beranlaffung zur Darbringung der betreffenden Art Opfer erwähnt werden mußte. Selbst das kategorisch gemeinte Opfer M7133 ni72v ist durch das konditionelle,*) oder temporale, „Wenn" eingeleitet. Daran schließt sich der Befehl an, mit welchen Opfern das Etnweihungsfest des Heiligtums begangen werden soll, und die Einweihung selbst (Kap. 8—10). II. Reinheitslehre. Die Speisegesetze (Kap. 11) bilden den Uebergang von der Opferlehre zur Retnheitslehre. Sie sind die erste Anwendung der Opferlehre. Enthalte dich von Speisen, die unrein sind, d. h. die tierische Genußsucht im menschlichen Körper fördern. rpzn Nt* D'DDntt Halte deinen Körper äußerlich rein und reinige ihn von Verunreinigung, sei es durch Selbstverschulden oder durch Naturveranlagung entstanden (Kap. 12—15). Kap. 16 enthält die Pflicht zu opfern und zu fasten, um die Sühne für begangene Sünden zu erreichen. Diese Sühne wird Reinigung genannt. Jedes andere Opfern oder auch nur Schlachten von Tieren zum Genüsse, ohne das Blut und das Fett auf den Altar zu bringen, ist Blutvergießen (Kap. 17), selbst das Blut nicht opferfähiger Tiere, nämlich Vögel und Wild, muß in Erde eingehüllt werden und ist verbotener Genuß. Der Schluß dieser Reinheitslehre bildet den Uebergang zur Heiligkeilslehre. Die Regelung *) Es wird sonst als iterativ aufgefaßt, vergl. Rascht z. St. d. Red. des geschlechtlichen Verkehrs (K. 18) ist für die Menschheit das, was die Speisegesetze für de« einzelnen Menschen bedeuten, nämlich die Reinheit d er Men schheit,Reinheit,Wiederreinigung des Menschen und Reinheit der Menschheit find die drei Teile dieser zweiten Abteilung des Buches Leviticus. III. Heiligkeitslehre. Rein ist derjenige, der sich nicht verunreinigt. Darum braucht er aber noch nicht heilig zu sein. Es genügt nicht, sich schlechter Handlungen zu enthaltenum heilig zu sein, soll man nur Gutes tun. Heilig ist der, der nur Gutes tut; sich also nicht damit begnügt, daß seine Handlungen erlaubt sind, sondern auch von erlaubten Handlungen sich zurückhält, wenn sie nicht einen höheren Zweck haben. Jeder Schritt, auch der Genuß ist für ihn eine Tat im Dienste Gottes. Er tut nichts zweckloses. Der Ausdruck „erlaubter Genuß" ist ihm fremd, erkennt nur „gebotenen Genuß". Er genießt, entweder um sich zu kräftigen, das heißt sein Leben zu erhalten, oder weil dieser Genuß zu dieser Zeit geboten ist, oder endlich, um die Fülle der göttlichen Natur kennen zu lernen. invrn onay 1PV2" ponv 'ß 'V^V>173 anw 'i'v ntrw 7p fi3VM pn fn7 Tny p3 V'** 72'V7 'tö’HB mrvxv mn **"-» 73t* t*^ miav rraw na Y3^n2 21731 n“y mn td y3v pm N77?ÖD Ml (r"Ö f37 'D n'K p"V) 1713733 .llivh am 1'N' vniaiis 7210 Diese Definition macht nicht auf philosophische Genauigkeit Anspruch, sondern soll den Begriff veranschaulichen. Ich möchte Heiligkeit die Reinheit des Geistes nennen. Tierische Genüsse verunreinen den Körper, der Geist jedoch kann nicht verunreinigt werden, sondern soll den Körper vor Genußsucht schützen. Er soll dem Körper nur das geben, was zweckdienlich ist, fehlt ein Zweck, so bleibt als Grund für den Genuß nur die Genußsucht übrig, und diese soll eben bekämpft werden. Der Geist betrachtet den Genuß nur als die notwendige Lebensform, um den Körper lebensd. h. denkfähig zu erhalten. Die Genüsse veranlaßen Vorurteile- Vorurteile nehmen dem Denken die Klarheit, die Reinhett. (Fortsetzung folgt.) Dücdetscd-n. „Das Lied der Lieder", übersetzt und erläutert von Willy Wolf. Sänger & Friedberg. Frankfurt am Main. 71 Seiten. Das Merkchen liest sich sehr bequem, da auch der Text in den fortlaufenden Kommentar mit ausgenommen ist, wie alle wiffenschaftlichen Kommentare gedruckt zu werden pflegen. Der Verfasser versteht es, den einheitlichen Gedanken des Buches nachzuweisen: Israels Verhältnis zu Gott und der Menschheit. Große Gedanken tun sich vor dem Leser auf. Das Sem und Sollen Israels unter den Völkern als Siegelbewahrer reiner Menschlichkeit, die sittliche Aufgabe -es Menschengeschlechts und ihre Erfüllung treten in klaren Linien, in idealer Hoheit gezeichnet, vor unser geistiges Auge. Eine Lektüre dieses Merkchens dürfte die geeignetste Vorbereitung zum Pessachfest sein, um in dasselbe in weihevoller Stimmung, durchdrungen von der historischen Erkenntnis der Bedeutung der Erlösung für die fernste Zeitentwicklung, einzutreten.

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