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Der Israelit · 1911-04-06 · Heft 14 (6.4.1911) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 14 (6.4.1911)
Date
1911-04-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Der Israeli Ein Centralorgan lür das orthodoxe Judentum Begründet non Or. Lehmann in Mainz 52. lahrgaita SäS Sranhturfa. m., den 6. nprll 1911 8 Milan 5671. m14 IKumttcmettt pro Bterieljahri Gewöhnliche Ausgabe Mk. 1.56, HestauSgabe (Kunstdruck) MC. 8.—. Auslandspreise: Gewöhnliche Ausgabe: Oesterreich-Ungarn 2 Kt., Rußland 1 Rnb., England 9 sh., Amerika 60 cts., Niederlande 1.20 fl., Frankreich Fn. 2.50. Abonnements bei allen Postanstalten. Buchhandlungen, sowie direkt bei dem Verlag. HestauSgabe nur dirett. Der Israelit erscheim jeden Donnerstag. Inserate: 30 Pfennig für die sechsgespaltene Lolonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. J»serate«a»»ah«e nur durch Haasensteiu u. Bögler A.»G« Frankfurt a. M., und deren Filialen. Zahlungen können außer direkt an dm Verlag erfolgm per: Lonto bei der K. dt. Postsparkasse «Sie» No. 79 MK. Lo«to bei de« ». Postfparkaste»a«1 Budapest No. 184LS To»to bei der Vii-aer Do««erzba»k i» «iga und deren Filialen. Oer Radiflrucft der Artikel und CorreWondenjen des „Israeli!“ Iff nur unter genauer Quellenangabe, und, low eil es fldi um gröbere Flulffifce handelt, nur nadi vorheriger Genehmigung gestattet Die näthffe Rümmer des „Israelit“ erscheint, 24 Seiten stark, Mittwoch den 12. April. Rebafttionsfchiutj Dienstag vormittag . Ro. 16 erfcfieint als kleine Rusgabe, Freitag, den 2U Rprif. InhattsSvevstcht. l. Leitartikel: Zukunstsfragen der englischen Zudenhrtt. — 2. Wochenrundschau: Die Krisis in Irrufalnn. — Zur Keyandlung deutscher Juden in Kußland. 3. Aussätze: Dr. Ed. Biöerfeld: Der Kadbinrrkursus des Kilfsvrreins in Jerusalem. — 4. Kleines Feuilleton: Iba Oppenheimer: Krbrkka. — Dr. Arthur Kahn: Begräbnisse in aller Stille. — Pessachwallfahrt der marokkanischen Juden. — Die tinematographische Bibel. — Fremdwörter im Reichstage. — 5. Korrespondenzen und Nachrichten: Pessachurlaud für jüdische Soldaten. Frankfurt a. M. — Berlin (Landtag.) — Tagung der Hadifcheu Synode. Karlsruhe. — Leipzig (Schächtverordnung.s — Ungarischer Kries. Budapest. — Petersburg (Die Baron Günzburgsche jüdische Akademie.) — Die Prozentnorm bei den privaischülrrn. Odessa. — Dom Internationalen Kassenkongreß. London. — Die Wahlen rum Medschlis-Umumi. Konstantinopel. — Jüdische Farmer. New-Dork. — 6. Vermischtes: Berlin. — Köln. — Köln — Recklings- Hausen. — Breslau. — Breslau. — Eydtkuhn n. — Hann.-Münd n. — Ostrowo. — Posen. — Budewitz. — Odessa. — Petersburg. — Wien. — Bukarest. — 7. Bereinswesen: Frankfurt a. M. — Frankfurt a.M. — Berlin. — München. — Düsseldorf. — Möd mg. — Krakau. --- 8. Personalien: Frankfurt a. M. — Petersburg. — B asio. --- d. Sprechsal. — Briefkasten. — Vereinskalender. — Familrennachrichten. — 10. Beilagen: Litterarische Warte: Von Prof. A. Sulzbach, Frankfurt a.M : Das Jahrbuch der Jüdisch-Kitterartschen Gesellschaft 1SV9- 5670. - Rabb. Dr. Kaatz, Zabrze: Eine schwierige Stelle im Sifra. — Bücherschau. — Feuilleton-Beilage: Dir Geschichte zweier Keichenstrine. Lnknnltrttagen Ser englischen Judenheit. Dem erregten Zeitungskrieg, den die Aussage des Chief-Rabbi von England vor der sogenannten Ehescheidungs-Kommission in England hervorgerufen hatte, dem aufsehenerregenden Prozesse um die Autorität des Londoner Beth-Din, über den unsere Leser ausführlich und von verschiedenen Gesichtspunkten unterrichtet worden sind, ist in geradezu bühnengerechtem Aufbau der dramatischen Handlung die lange vorher schon angekündigte orthodoxe Rabbinerkonferenz in Leeds gefolgt, die unter Donner und Blitz in der Tat eine Art Katharsis, die reinigende Lösung des Konflikts gebracht, oder wenigstens angebahnt hat. Jedenfalls weiß die weite jüdische Oessentlichkeit um was es sich in dem Konflikt eigentlich handelt, Gründe und Gegengründe sind in ihrer ganzen Breite entwickelt, und man sieht die Quellen, aus denen fortdauernd Unzufriedenheit und Misttrauen bis zur Unerträglichkeit emporsteigen »rußten. Wir haben es in der Londoner wie überhaupt in der englischen Judenheit in der Hauptsache mit zwei verschiedenen Bevölkerungsschichten zu tun. Die in den United Synagogues vereinigten alteingesessenen englischen Juden, von denen hier zunächst die Rede sein mag, sind, dem englischen Bolkscharakter entsprechend, zu gutem Teil stark positiv, man darf sogar sagen, konservativ gerichtet, trotzdem sie in Gesinnung und Leben lange nicht tief genug im alten Judentum wurzeln, um als seine idealen Bannerträger zu gelten. Gerade die dem Radikalismus abgewandte, konservativ gefärbte Haltung der englischen „Liberalen", jedoch, von denen nur ein ganz kleiner Bruchteil der eigentlichen Reform huldigt, hat eine Atmosphäre geschaffen, in der die wahrheitsmutige Hervorkehrung der religiösen Gegensätze und alles was dazu führt nicht nur als „unfashionable“, sondern dem um die Erhaltung dieses salonfähigen Gleichgewichts besorgten Führer sogar als ein gefährliches Spiel mit dem Feuer erscheinen mußte. Nur so erklärt sich der bekannte Zusammenstoß Dr. Adlers mit dem verstorbenen Lord Srvaythling, der mit einer für einen englischen Lord geradezu wundervollen Grobheit, leider erfolglos gegen die Anwesenheit eines radikalen Berneiners jüdischer Grundlehren in einer Religions-Schulverwaltung Front machte/ nur so aber auch — und nicht etwa aus „Herrschaftsgelüsten" und Machthunger — die Zähigkeit, mit der Dr. Adler sich ernstlich verpflichtet glaubt, die Machtbefugnis seines jN 1V2 über alle Kreise der englischen Judenheit auch heute noch anfrechtzuerhalten, dabei aber innerhalb seiner engeren Gemeinschaft manches milde zu übersehen, was er selber zweifellos verurteilt. Das Gleichgewicht der religiösen Kräfte scheint ihm so empfindlich, daß jeder unsanfte Ruck, mag's selbst ein Ruck nach rechts sein, ein Chaos heraufzubeschwören droht, den Untergang der aristokratisch abgetönten englisch-jüdischen Kultur der United Synagogues. Hier aber liegt der verhängnisvolle 'Rechenfehler des englischen Oberrabbtners, ein tragischer Irrtum soweit Dr. Adlers Person in Frage kommt. In den gastlichen Gefilden des britischen Jnselreiches haben sich im Laufe der Jahrzehnte Zehntausende russisch-polnischer Juden niedergelaffen, die naturgemäß allmählich erstarkend, einen Gesamtgeift und einen Gesamtwillen aus sich herausgearbeitet haben, die sich von der Lebensrichtung des altenglischen Judentums sehr wesentlich unterscheiden. Da ist noch nichts von Kompromiffen zwischen Leben und Lehre, zwischen englischer und jüdischer Kultur, sondern vielmehr eine ungebrochene Entfaltung der im russischen Ghetto großgezogenen „Jüdischkeit", die ihre Einseitigkeit, ihre Fehler und Gebrechen haben mag, die aber an religiöser Innigkeit, opferbereiter Unterordnung unter Gottes Willen, an pietätvoller Verehrung für die jüdische Ueberlikferung, an naturhafter und volkstümlicher. Frömmigkeit und an jüdischem Wiffen dem saturierten „Konservativismus" des Westens jedenfallsturmhochüberlegen ist. Selbst das Mißtrauen, das die rabbinischen Führer dieser osteuropäischen Kreise aller profanen Kultur entgegenbringen, ist psychologisch zu begreifen und zu verzeihen, wenn w i r es auch für prinzipiell unbegründet halten/ vollauf berechtigt und begründet aber ist jedenfalls ihr Wunsch, ihr Gemeindeleben nach den Prinzipien und dem Geiste zu entfalten, das ihrer religiösen Auffaffung entspricht, vollauf berechtigt auch die Weigerung, dieses Gemeindeleben vorbehaltlos dem Londoner Bethdin, wie es ist und sein wird, zu unterstellen. Hier liegt der Kern des Problems und die verschiedenen Konflcktfälle der letzten Zeit sind nur Symptome für den Gegensatz zwischen der Eigenart des Ghettos und der — zum mindesten der Stimmung nach — ein wenig assimilierten Gesetz'streue des Londoner offiziellen Judentums. Zunächst der s'Vi-Konflckt. Die Aussage des Chief-Rabbi von der sogen. Ehescheidungs-Kommission litt unseres Erachtens von vornherein an einem Mißverständnis, das den eben erwähnten Gegensatz recht deutlich illustriert. Dr. Adler faßte seine Aufgabe als Experte offenbar dahin auf, daß er der Kommission die Meinung nicht des Judentums, sonmm

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