Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1911-03-23 · Heft 12 (23.3.1911) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 12 (23.3.1911)
Date
1911-03-23
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2448803-2448816--66414-2494574
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 18. Nr. 12. Der JSraeltt. 23. MSrz 1S11. iScherfchav. Das Brrck» Koheleth. Utversetzt und erklärt von Dr Gerson Lange, Direktor der Realschule der Israelit. Religionsgesellschaft in Frankfurt a M. Frankfurt a. M. 1910. A. I. Hvfmann. E.nes der schwierigsten Bücher der Bibel ist das Buch Koheltth, schwierig in sprachlicher, svniaktischer und zum Teil in inhaltl cher Beziehung, indem oft der Faden abgerissen scheint und wir den Eindruck empfinden, als seien einzelne, inhaltlich nicht zusammengehörende Sentenzen lose aneinander gereiht. Und doch ist es nicht denkbar, daß der Verfasser planlos Satze und Kapitel hingeworfen hat, wenn er am Schluß in einem kurzen Satz das Resultat zieht, das mit all dem Gesagten gewonnen werden soll. Jedcr Versuch, dieses Buch mit seinem Herr lichen Inhalt dem Verständnis des Publikums näher zn bringen dadurch, .daß man seine Geschloffenleit und de t logischen Aufbau nachweist, darf mit Anerkennung begrüßt werden. Man hat gewöhnlich das Buch Koheleth des Pessimismus geziehen: „Alles ist eitel" sei ja die Grundsentenz des Buches. W r müssen dem Verfasser recht geben, wenn er es ein Buchdcs Optimismus nennt, denn einrn größeren Optimismus, als er sich im 11. und 12. Kapitel kundtut, kann es nicht leicht geben: Der Jüngling freue sich seines Lebens« er genieße, was die Welt ihm an Freuden bietet, aber alles im Hinblick auf Menschenwürde und Menschenbesttmmung, er sinke nicht zum Tiere hinab, er wiffe, daß Gott ihn zur Verantwortung zieht für alles Tun seines Lebens, und dieser optimistische Zug geht durch das ganze Buch. In diesem Gedanken untersucht Koheleth die Vorgänge in der Welt, fragt, was Glück und Unglück sei, wie die.Uebel in der WUt zu erklären seien - die Antwort: Glück und Unglück sind nuist nur scheinbar, die Uebel verschuldet der Mensch, nicht Gott, denn seine Welt ist die beste. Diese Gedanken führt der Verfasser in der Erklärung des Buches aus. — Einige Einzelheit, n haben wir noch herauszuheben. Die Uebersetzung von ,-ßD3N „ich will ein Bündnis schließen", hätten wir gern begründet gesehen. — Daß der Verfasser mit der hergebrachten Uebersetzung von '12UH1' '2 l.3,21) bricht, sie Nicht als Frage aufsaßt, begrüßen wir: es kommt hier die Auffassung Saadias, Raschis, Jbn Esras zur Geltung; das Neue ist hier die Auffaffung der beiden ersten Worte als: „was entscheidet"; grammatisch stebt dieser Uebersetzung nichts entgegen, allein das läßt sich auch als „wer" rechtfertigen, ohne daß eine Frage hier konstruiert ist. Man vergleiche die treffliche Erllärung von Saadia in Emunoth Wedeoth 6. Cap. Man begreift nicht, wieso Srptuaginia, Luther, Zunz, Grätz diesen Vers als eine skeptische Frage in betreff der Unsterblichkeit haben auffaffen können, da ein nur geringes Nachdenken nötig ist, um die Widersinnigkeit einzuseheu. Böte der Bers uns nur die erste Hälfte, dann könnte die Auffaffung von einer Skepsis möglich sein, aber die Frage, ob der Lebensgetst des Tieres nach der Tiefe gehe, wäre doch ein wahrer Unsinn, wohin soll er denn gehen? Auch granimatisch spricht alles gegen die bisherige übliche Erklärung, könnte auch das n in nblJM ein n interr. sein (vgl. Richter VI. 21), in nTVn ist dies unmöglich, das Dagesch im Jod spricht doch deutlich genug. — Für rtn mjH hätten wir eine angenehmer kling nde Uebers.tzung gewünscht. — IV. 18. fehlt in der llebersetzung etwas. - IV. 15. ist 1^171 sehr ansprechend wiedergegeben, dürfte aber nicht unter '2V71 1*?\1 das Königskind zu verstehen sein? Nack dem Gesagten können wir das vorliegende Buch als ein solches empfehlen, das in Familienkreisen vielen Nutzen stiften und reiche Belehrung verbreiten kann. Aber auch der Fachmann wird daraus Anregung empfang n und insb sondere an der Art und Weise, wie der Verfasser für die anscheinend zerstrerMn Sätze daS einende Band aufzuzcigen versteht, seineMWbe haben. Die Israelitische WK^rsgemriude zu Bamberg von 1803—WW. Zeitschrift zur Einweihung der neuen Synagdg? in Bamberg. Bon Rabbner Dr. A. Eckstein. Verlag der Handelsdruckerei daselbst. VM uud 136 S. Die vorliegenqe Arbeit, welche sich an des Verfassers „Geschichte der. Juden im ehemaligen Fürstbislum Bamberg" sowie an seine Schrift , Kampf der Juden um ihre Emanzipation in Bayern" anschließt, erzählt anschaulich und interessant von der Entwicklung der Gemeinde in ihren inneren und äußeren Verhältnissen von der Zeit d r Sekularisotion bis zur Erbauung der jetzt durch linen monumrntaleu Neubau ersetz en Synagoge von 1853. Mi besonderer Ausfuhr lichte it und Liebe wird di.- Per sönlichkeit und das Wirken des Rabbiners Samson Wolf Rosen selb <1826-1862) geschildert, eines Mannes, der sich um die Emanzipation außerordentlich bemüht hat und sowohl deshalb als auch wegen seiner Reformfreunbltchfeit vom Bersaffer sehr belobt wird. Sein Verhältnis zur Reform ist in der Tat nicht uninteressanter sprach sich gegen eine von drei Rabbinen des Obermainkreises der Regierung unterl re tete Synagogenordnung, in der u. a. Kol Nidre und sämtliche Klagelieder für oen 9. Aw gestrichen waren, aus, da sie die Grenzen des Zulässigen überschreiteandererseits wünschte er die Einführung deutscher Gesänge, wagte aber nicht, sie selbst einzuführen, sondern bat die Regierung um einen '1 esehl in dieser Richtung, ein Ansinnen, dem die Regierung — „um auch den Schein einer Einmischung in innere Ktrchenangelegenheiten zu vermeiden" — nicht stattgab. Interessant ist auch die Regierungs-Entschließung vom Jahre 1823, nach welcher der bis dahin zum Teil vernachlässigte Religionsunterricht unter Aufsicht des Ltaatcs genommen und die Erlernung des Hebräischen als ein integrierender Bestandteil dieses Unterrichts bezeichnet wird. — Modern klingt es, wenn ein ehrsamer Spezereihändler vom Land mit 50 Genoffen gegen den Rabbiner bei der Regierung Beschwerde führt, weil dieser die obenerwähnte, selbst für seinen reformfreundlichen Standpunkt zu n eite gehende Shnagogenordnung den Gemeinden nicht emp fehlen wollte. Der Verfasser steht natürlich nicht auf der Seite dieser Beschwerdeführer und gibt auch sonst — z. B. in der auf einseitigen Bericht n beruhenden, die Gegenbertchte nicht berttckstchtigendcu Darstellung eines Streites zwischen Alten und Neuen im Jahre 1808 — seinen eigenen „liberalen" Standpunkt deutlicher zu erkennen als es der objektive Historiker tun sollte. Die Schrift ist schön und würdig aüsgestattet und ihr textlicher Teil durch gut ausgesührte Illustrationen sowie durch den Abdruck eines hebräischen Gebetes anläßlich der Krönungsfeier vom Jahre 1806 ergänzt. Weitere dankenswerte Ergänzungen haben durch ih .e Aufsätze über die Baugesch chte der neuen Slmagoge be;w. Beschreibung dieser letzteren der derzeitige Kultusvorstand Justizrat Dr. Werner und der Architekt K r o n f e t t geltes rt. B. ntPö 'i p*3i 2112 pbin '22 bv 1272 7,312 '2 27p*S 1K.Y3K2 pp"2K pi6S*B 1*?1 K"mn Vorliegendes Werk, des durch seine bereits im Drucke erschienenen Werke rühmlichst bekannten Bonyhader Rabbiners R. Moses Pollak s. A. bildet eine schätzenswerte Bereicherung der halachnchen Literatur. Der Traktat Chullin gehört schon vermöge seines das praktisch-jüd sche Leben regelnden Inhaltes zu den meist komnientterten Traktaten des Talmuds, und doch weiß der Bersaffer uns noch viel Neues zu l hren. Die ungarische Methode des Lernens, für die ich seiner Zeit in diesen Blättern die Formel gesunden zu haben glaube, die eitle innige Ver bindung von Analyse un) Synthese bildet,-kann in dem Werke dieses großen Mannes mir erwünschter Deutlichkeit beobachtet werden. Es ist der Geist der Schule des Chatham Szofer, der uns aus diesenr großangelegten Werke eutgegenweht. Ein weiteres Wort des Lobes meinerseits hieße den Wert des Werkes und die Bedeutung des Verfassers hrrabsetzen. i^V s3"12 b'l'l) Das Werk enthält ferner halachische Abhandlung n vom Vater des Versassers wie auch Glossen des Woitzener Gaous, des Sohnes des Verfassers, die alle zur Erhöhung des Wertes dieses Werkes beitragen. Der Herausgeber, Herr Jose, Stern aus I l o k (Kroatien), hat sich durch die Herausgabe dieses Werkes unr die halachische Literatur große Verdienste erworben. Ter Reinertrag ist einem wohltätigen Zwecke gewidmet, aber die Freunde und Kenner der talmudischen Literatur erweisen sich selbst eine Wohltat, wenn sie sich tiefes Werk anschaffen. Zu beziehen ist das Werk entweder durch den Herausgeber oder durch Herrn Rabbiner Abraham Pvllak-Bcnyhad. Brasso. Rabbiner Dr. Kl ein. 211V '1 J1K31 31.12 3"n 227112 71 "w 1SD .1372713 p"pi b"xr s.12.1 '2112 Wenn unter Rezension das Urteil über ein Werk od.r die Einführung eines Autors zu verstehen ist, dann dürfen die folgenden Zeilen nicht als Rezension angesehen werden. Der |*7i1122 |1K3> wie der jüngst Heimgegangene Oberrabbiner von Brezezany y'jci in rabbintschen Kreis n des Ostens und in ihren W.rken schlechtweg genannt wird, bedarf keiner Einführung, und das Werk dieser überragenden Autorität kann nur Maßstab, nicht aber Objekt fachmännischen Urtcilens bilden. Wohl aber ist im Interesse der Allg'meinheit nötig, die Aufmerkamkett auf kas Erscheinen eines Werkes wie des vorliegenden zu lenken. Die Tatsache, die in trockener Sachlichkeit auf dem Titelblatte verzeichnet ist, die Tatsache, daß der vorliegende Band der dritte von neun zum Drucke geordneten Teilen ist, die zusammen zweitausend dreihundert 711212771 umfassen, gibt ein Bild dav.n, wie weite Kreise von dem Brezezaner b'3C7 |1K3 Urteil in schwierigen Fragen erbeten haben. Das Gebiet der behandelten nibxw ist dementspnchend auch sehr weit. Besonders wertvoll wi b das Werk dadurch, daß gerade die halachifchen Probleme, die die moderne Zeit aufwirft, eine in ausführlicher Besprechung gewonnene Entscheidung finden. Aus der Fülle dieser Probleme seien nur einige Beispiele herausgegriffen. In l"v1 .1312771 wird die für unsere Zeit der blühenden Nahrungsmittelindustrie so wichtige Frage nach der Zuverlässigkeit der chemischen Analyse 17V,11 112'* '3'37>2 erörtert. An anderer Stelle wird über die ebenfalls praktisch höchst wichtige Frage gehandelt, ob Quellwasser, das durch Wasseruhren gelaufen ist, noch 771p2^ 1273 bleibt. Besonders hervorzuheben sind die zahlreichen Entscheidungen über komplizierte Fragen auf dem Gebiete der pfcj 7V227- Das in den 71131V71 beigebrachte Beweismaterial zeigt absolutes 711*^13 nicht nur in 2'3127*11 d"27/ sondern auch in den 211171# d.r jüngsten Zeiten. Die prägnante, scharfsinnige Art, wie die erdrückende Stoffülle verarbeitet ist, zeigt die souveräne Selbständigkeit und Geistesgröße des Verfassers. Dieselben Eigenschaften zeichnen auch die anderen Werke des Meisters aus. Hi r sind vor allem die zwei ersten Bände der gesammelten 1121E771 zu erwähnen. Ferner sind unter dem Titel npi mi31 zum *7"V/ nJV^D 7112^,1 erschienen, die neben scharfsinnig erläuternden Bemerkungen auch viele Entscheidungen häufig vorkommend.r7il^#V enthalten. Ein ähnl.ches Werk zum 2B272 |2?n trägt den Namen 2B272/ auch zum n"1tf sind ElplYm 711.131 erschienen. Alle Entschei düngen des p#j) mit ihren geraden, festsundierten Beweisführungen erwecken in d m Lernenden die Ueberzeugung, daß hier ein iHp ^122*7 *?713 1122 gegeben ist. Eine wette Verbreitung seiner Werke auch b.i uns in Deutschland wäre darum sehr zu wünschen. Mamentktch die ,1*11,1 '112 sollten sich diese Werke anschaffen. Sie werden ihnen sehr bald ein unentbehrliches Handwerkszeug werden. Der billige Preis der 71131V71, der mir 5 Mk per Band normiert ist, dürfte viel zu ihrer Verbreitung beitragen. Der Schwiegersohn des Verfassers S"277/ Herr Rabbiner M I. Fcldmann in Brezezany jGalizien), von dem auch die bis jetzt erschienenen Werke zu beziehen sind, beabsichtigt, auch die übrigen JH21E7T1 in Druck zu geben. Möge das Vorhaben bald zur Aus führuug gelangen: 11'1*1^1 .11171 ^'131^ P'K Jahrbuch für Jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben vom Verband der Vereine für j. G. u. L. in Deutschland. Dreizehnter Band. 7910. 272 u. 36 S. 3 Mk. Berl n Poppelauer. In der von den früheren Bänden her bekannten Ausstattung und Anordnung gibt auch der neue Jahrgang im ersten Teil neben einer polttischen und «tner literarischen Jahresr.vue einige Lttelartsche Aufsätze, sowie eine Nov.lle und im zweiten Teil geschäftliche Mitteilungen aus den Vereinen. Aus diesen Veremsberichteu ergibt sich, wie fast allenthalben mehr oder weniger mit dem Judentum tm Zusamnlerrhang steh nde Themen an Vortrags- und Diskussioncabenden behandelt worden sind und wie in einzelnen Ben inen entweder gar nichts geschehen oder wenigstens aus diesen Verein n dem Verband nichts ' erichtct worden ist. In d r e i e n von 224 Vereinen ist wirklich jüdisches Wissen berbreitet worden, in Graudenz, wo an je zw i Abenden der Winterwochen Nascht vorgetrag.n wurde, in Lublinitz, wo ausgewählle Stücke aus dem Traktate Pesachim behandelt wurden, und endlich in Lübeck, wo „regelmäßige Lernabende abgehalten werden' und „auf ri orträge und Diskussionen weniger Gewicht gelegt wird." Diesem Beispiel -sei vielfältige Nacheisirung gewünscht. B. pl*3*1*3 1111717^*2 p".12 '11*32 .12711 *p1 .*"1711 ttt^'11 Vorliegendes Merkchen, das eine Anfrage an die Freunde der hebräischen Sprache bildlt u d darum nur einen kleinen Bruchteil eines größeren Merkes bietet, weist in der Tat „nr ue Wege" in der Erklärung der heiligen Schriften und ist geeignct, unserer gmrzen Sprachwissenschaft, der ganzen hebräisch n Grammatik neue Grundlagn z i geben. Es entdeckt neue grammatische Regelrr, die das Verständnis unserer Schriftstellen wesentlich erleichtern. Der Verfasser hat schon durch mehrere Werke wie 2H3 dSb' und D'^USI Tlimb bewiesen, daß er wirklich berufen ist, das so späriich bebaute Gebiet der hebräischen Sprachwiffenschaft mit schätzenswerten Werken zu bereichern. Er hat ein t efeS Verständnis für den Geist d^r Sprache. Freunden unserer heiligen Sprache sei der Mann und sein Werk empfohlen. Es fehlen ihni die Mittel, sein ganzes Werk zu veröffentlichen. Mögen ihm diese zur Verfügung gestellt werden, damit er sein begann nes Werk vollenden kann. Seine Adreffe lautet . L. Baranowitz in Wilna. Brasso. Rabbiner Dr. Klein.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.