Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 11 (16.3.1911)
- Date
- 1911-03-16
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 12. No. 11. einer wahrhaft großen Persönlichkeit umweht, deren starker Geist die Ohnmacht des schwachen Körpers, den Beschwerden des Alters steghaft trotzten, die schweres seelisches Leid, das andere niederzwingen würde, durch verstärkte Hingebung an das eiserne Gebot der freudig geübten Pflicht, durch die Linderung fremden Leids widerstandskräftig überwand. So ist der gottbegnadete, der einzigartige Mann durchs Leben gewandeltso wird seine Erinnerung in treuer Hut fortleben über das Grab hinaus. Noch lange wird seine Lieblingsfchöpsung, das Kölner Lehrerseminar, das in diesen Tagen zum erstenmal dieEntlafluvgsprüfung selbst abzunehmen so glücklich ist, Schüler und Lehrer in alle Richtungen der Welt hinaussenden, die Platos Namen dadurch zu.Ruhm und Ehre bringen, daß sie neben beruflicher Tüchtigkeit und vaterländischer Gesinnung das unverfälschte Gotteswort künden, um den alten Satz auch hier zur Anwendung zu bringen: crn D'rp onrp»3 'iVßfc o'p'-is ßorrespondenze» «. ßacbricbtev. Aus dem Regierungsbezirk Kassel. Unsere jungen Kollegen, die an Religionsschulen angestellt sind, möchten wir auf die nachstehende Verfügung des preußischen Kultusministers, abgedruckt in Nr. 3 des „Amtliches SchulblattVerordnungsblatt sür den Verwaltungsbezirk der Königlichen Regierung, Abteilung für Kirchen- und Schulwesen, in Cassel, nachdrücklich aufmerksam machen: Zulassung israelitischer Lehrer zur zweiten Prüfung. „Allgemein bemerke ich jedoch, daß, um später zur zweiten Prüfung zug lassen zu werden, die israelitischen Lehrer in den städtischen Volksschulen zu mindestens 12 Wochenstunden in allen Fachern herangezogen werden müssen, die ihnen im Schulinteresse und im eigrnen Interesse übertragen werden können." VHp nöttJ- „Uebungsbuch für den ersten Unterricht im Uebersetzen hebräischer Gebete." Verlag von I. Kauffmanu, Frankfurt a. M. Eine Selbstankündigung vom Verfasser I. Herzberg, erstem Lehrer der Synagogengemeinde zu Bromberg. (Schluß.) Ten durchzunehmenden Gebetstücken folgt unter b) die deutsche Uebertraguug der einzelnen vorkon»- menden Wörter unter Vorführung ihrer Bestandteile. Tas Kind sieht das Wort entstehen, so das; ihm seine Zusammensetzung, bczw. sein Ausbau zum Bewußtsein kommt. Ich habe diese Einrichtung getroffen, um ein besonderes Vokabularium, das an die Selbsttätigkeit der Kleinen auf der unteren Stufe denn doch allzu große Anforderungen stellt, als überflüssig erscheinen zu lassen. Von solchen Kindern, die kaum einen Einblick in ihre eigene deutsche Muttersprache getan haben, können wir unmöglich ein selbständiges Analysieren, bezw. Synthesieren verlangen. Tem Kinde darf und kann ans dieser Stufe noch nicht zngcmutet werden, die aufznnehmcnde geistige Speise aus den Bestandteile»» sich selbst zusammenzusetzen und mundgeercht zu machen. Hierzu bedarf es noch einerlangen Zeit sorgfältiger Vorbereitung. Kehrt eine Vokabel in einem der folgenden Ncbungsstücke wieder, so ist daneben eine Zahl gesetzt, die ans dasjenige UebungSstück hinweist, in welchem diese Vokabel zum ersten Male erscheint und übertrage» wird. Dadurch wird dem Kinde, falls ihm die eine oder andere Bo^gbel aus dem Gedächtnis geschwunden ist, ermöglicht, schnell und leicht die betreffende Vokabel aufzufinden. Und dem Lehrer wird die Möglichkeit geboten, das eine oder andere Stück nach eigener Wahl sortzulassen. Auch ist er nicht an die Reihenfolge, die das ttebnugsbuch innehält, gebunden. Unter c) folgen Uebungssätze, die zumeist dem Gebetbuch entnommen sind oder an dessen Inhalt sich smöglichst anlehnen. Das Uebungsbuch soll als eine Brücke dienen, die das Kind ans das Siddnrgebict hinüberführen soll. Daher ist es angebracht, daß es aus feinem Wege ans dieser Brücke schon solche Stofsteile tennen lernt, die es auf dem eigentlichen Siddurgebiete zu erwarten hat. ES muß hier bereits Bekannte und Vertraute vorfinden, wodurch es sich bald heimisch fühlen wird auf dem, Bod.n, Der ASraelit. auf welchem es jetzt tätig sein soll. Wer daher eine solche. Brücke baut, darf niemals das Ziel aus dem Auge verlieren, wohin der Bau seine Richtung zu nehmen hat. Er darf nicht, unbekümmert um Ziel und Richtung in die Luft bauen. Vielmehr muß er darauf bedacht sein, Balken an Balken zu fügen aus dem Material, zu dem er hinstrebt. Darum können nicht genug aus dem Siddur entnommene Sätze und Redewendungen dargeboten werden. Sie werden später dem eigentlichen Sidduruntcrricht in hohem Maße förderlich sein und bei den Kindern Freude und Interesse erwecken. Tie Uebungssätze sind so gefaßt, daß sie möglichst einen in sich abgeschlossenen Gedanken enthalten, aber auch zugleich die unter b) gebrachten neuen Vokabeln in verschiedenen Stellungen mtb Zusammenhängen geben, damit eine»: rein mechanischen Erfassen vorgebeugt werde. Es ist nun gefordert worden, solche Sätzchen zu bieten, die einen weniger abstrakten Inhalt haben und etwa aus dem Bibelstoff oder den» Erfahrungskreise der Kinder genommen sind. So berechtigt diese Forderung ist, so »rnersüllbar ist sie. Wir können stets mir von dem zu behandelnden Stoff ausgehen, er nur darf die Grnndlage unseres unterrichtlichen Verfahrens fein, der Quell, aus dem wir schöpfen. Dieser Stoff laßt es jedoch schon seines abstrakten Inhaltes wegen nicht zu, solche Sätzchen zu bilden, da er für Begriffe des Alltagslebens fast gar keine Bezeichnungen ausweist. Und der Bibelstoff weist wiederum allzu große sprachliche Schwierigkeiten nnf und ist in seinem ganzen Wesen anders geartet, wie cher Siddurstoff. Darum müssen wir uns mit dem ^iddurstors allein abfinden, nur mit ihm können wir rechnen und wirtschaften, und unser Streben muß darauf gerichtet sein, ihn so bald als möglich geistiges Eigentum des Kindes werden zu lassen. Ich konnte mich nicht dazu entschließen, willkürlich außerhalb des gegebenen und begrenzten Stoffgebietes vorhandene Botabeln Hera »zu ziehen, nur um mir die Möglichkeit zur Schaffung von neu-'»» Sätzen zu bieten. Grammatische Uebniigen werde» möglichst vermieden, und nur da werden sprachliche Formen zerlegt, wo es zur Erkennung des StamnnvorteS nnnmgänglich nötig ist. Dabewerden die Präfixe und Suffixe, bezw. sonstige Flexionssilbe» durch Fettdruck besonders kenntlich gemacht, damit sofort dem Schüler das eigentliche Stammwort entgegentritt. Ich bringe anck keine eigentlichen Formenreihen, denn ich null jeglichem Mechanismus und jeglicher Systeinatisiernng, die aus der in Betracht kommenden Unterrichtsstuse nur bon Hebel sind nud keinerlei Nutzen gewähr?»», Vorbeugen. Wir wollen und sollen keinen p r,» rf) - Unterricht, sondern einen U e b c r s e tz u ngS - Unterricht betreiben. S p r a ch - Unterricht betreiben wir, wenn wir den Zweck verfolge»!, das Kind zu befähigen, das granunatische System, »velches der zu lehrend?»» Sprache zu Grunde liegt, zu beherrschen und sich in ihr korrekt und fehlerfrei zu äußern. In» Ue berste tz u ngs - Unterricht hingegen »vollen »vir den Schüler einzig und allein befähigen, ein in der betreffenden Sprache abgefaßtes Stück i» feine eigene Muttersprache zn übertragen, ohne uns in das grain- »natische System in seiner Totalität zu vertiefen. Zur Erreichung des erstgencnmten Zieles ist die Kenntnis aller Regeln und Formen, foivie eines größtinöglichen Vokabelschatzes erforderlich, »nährend zur Erlangung des lctztgenannten Zieles die Kenntnis derjenigen Formen und Vokabeln Hirn, icht, »velche eben das zu übertragende fremdsprachlich" St»iek anßveist. Da nun, wie »vohl als feststehend äugen.»innen »verden kann, nnser hebräischer Unterricht' lediglich Uebersi'tzuilgsuiiterricht ßin soll, so habe» »vir nicht nötig, den Kindern mehr anfznbnrdeii, als der za behandelnde Stoff fordert. Vollständige, ausführliche Paradigmen, Regeln nstv. sind, da sie über das eigentliche Ziel hinansgehen, von Ueberflnß. lim nun aber zu verhindern, daß das Kind den ihn» vorgeführten Ltoff rein rnechanisch in sich auf nimmt, muß ihm die Zusammensetzung, bezw. der Ausbau des einen oder anderen ans mehreren Teile.» znsainmengefügten Worws znn» klaren Bewußtsein und richtigen Verständnis gebracht »verden. Dies hat jedoch nur bon Fall zu Falt zu geschehen. Und je öfter dies namcntlirfj bei komplizierten Wortgebilden geschieht, desto besser, da »vir dadurch eine immer größer werdende Festigte»» he bciführen In meinem -»"^7 suche ich durch Zerlegung eines Wortgebildes dessen Zusammensetzung zur Darstellung zu bringen, »nn dem Kinde zu zeigen, »uanim das betreffende Wort so und nicht anders übersetzt wird. Tie gewonnene K.urntnis wird nur nicht durch vollständige Formenreihen befestigt, sondern durch die fotgenden Uebungssätze, nachden», sowcil dies nötig und »nögiich war, die verschiedensten Prä- und Suffixe a»» alten bisher schon gelernte»» Wörtern, die der Stofs bietet, geübt sind. In den folgenden llebungen kommen sie mit den noch vorzuführeiiden Formen irnnier »vjeder zur Darstellung, södaß sie sich dem Gedächtnisse inimer mehr einprägcn. Das Kind wird dadurch angeleit-t, wie es ein .Wort mit diesen» oder jenen» Prn^ bezw. sussix, ln dieser oder jener Biegungssorn» zu übersetzen hat, ihm wird zun» Bewußtsein gebracht, wie es gegebenen Falles ans Grund gewonnener Kenntnisse und Er- ..untnisse ein Wort,' eine Phrase zu übersetzen hat. Durch das Einpauker» bestiminter »neist unverstandener For,»»enreihcn »vird dein Mechanisinns »»icht gesteuert. 16. März 3911. Wenn das Kind auch prompt und exakt alle Verbalst rrrren des herzusagen vermag, so ist es sich doch meistens unklar darüber, wie es damit operieren soll. Es sagt mechanisch die ringepaukte Reihe her, von einen» Verständnis kann jedoch feine Rede sei». Es »st dies auch ganz natürlich. Tie Schüler, »»»eilt 7-9 jährige, haben zurneist auch im deutsche,» Unterricht solche Wortformen noch gar nicht kennen gelernt, haben von einer Konjugation noch gar keine Ahnung. Es genügt aber auch für die hier in Betracht kom inenden Kinder, daß sie nur mit denjenigen F-ormni bekannt und vertraut gernacht »verden, die sich an» den» vorliegetlden Unterrichtsstoff ergeben, und es m»,s; ,als höchst unpädagogisch bezeichnet werde»», würd. man, um eine vollständige Reihe zu erta»»gen, »vill kürlich eine Form einfügen, die in diesem Stoff gar nick!» vorhanden »st. Darum begnügte ich mich auch mu dem Targebolenen und verzichtete lieber aus ein Wort, da das Kind ja ans den folgenden Stufen noch genugsam Gelegenheit findet, die gesamten zueinander gehörende»» Abwandlungssormen kennen zu fmen. Ich Hab? mich stets und uber-all strer»g an den dargeboteneu Stoff gehalten, und was er noch enthält, konnte und wollte ich schon aus pädagogischen Gründe den» Kind: nicht Vorführer». Es darf meines Erachtens dem Kind: nur daS übermittelt werde»», »vas sich aus dem Gegebenen heraus entwickeln läßt. Rast einer Gruppe bon Uebungsstücken habe iw jedeSnial in meine „Zur Wiederholung" nberschri.- denen Stücke die vorher dnrchgenommen?»» Vokabeln z»lsam»»»eitgcstcllt. Auch werden hier alle möglich?» Formen aus den bisher bekannten Wörtern gebildet. Diese „Wiederholungs"-Stiicke haben lediglich de», Zrveck, den» Lehrer die Möglichkeit zn geben, das; er sich Gervißheit verschaffe, ob das bisher Durch genommene auch „sitze". Ist tüchtig vorgearbeitet »vorder», dann ist es geradezu eine Spielerei für das Kind, die hebräischen Wörter i»»S Deutsche zu übertragen. Ich habe hier absichtlich die orientierend?»» kleinen Zahlen fortgelassen, damit daS Kind zum Nach denken gezwungen wird. Und sollte die Uebertragung des einen oder anderen Wortes den» Gedächtnis des Kindes entschwunden sein, so braucht dieses nur in den letzten vorangehenden 10 -12 Hebung.'»» nachziisnchen, was wiederum nicht ganz ohne Nutzen »st. Ten hebräische»» Vokabeln habe ich deutsche folg?»» lassen. Es werden natürlich nur solche deutsche Vokabeln gegeben, für die das Kind längst schon die hebräische Uebertragnng gelernt hat. Ich »vill Lehrer und Kind die Gelegenheit geben, auch eimnal den entgegengesetzten Weg einschlagen zu können. Welcher Lehrer hätte nicht "einmal im Verlaufe seines Unterrichts gefragt: Was heißt „König?", oder „ich habe geliebt", oder „der am Leben erhält?" ES kann dies nur zur Festigung und Vertiefung des Ausgenommenen dienen. Im übrigen bleibt eS dem Lehrer vollständig überlassen, ob er solche llebungen anstellen »vill. Ich habe eS wohlbedacht vermieden, deutsche Sätze zu geben, denn ick wollte den Kleinen nicht znrnuten, deutsch?, zilsamnienhängende Satzgebilde ins Hebräische zu übcrrtagen, »veil dies eben nicht Zrveck und Ziel des hebräischen Uebersetznugsiliiterrichts ist. Hiermit hätte ich in kurzen Zügen eine Charakteristik inci»»es ttebungslmches Wip PQV? gegebeIch bitte nun alte diejenigen, welche d?n ersten Unterricht im Uebersetzen der Gebete zn erteilen haben, oder diesem llnterricht ein besonderes Interesse ent gegeiibringen, mein Buch selbst zu prüfen, um sich darüber ein Urteil zr» bilden, ob es eine Existenzberechtigung hat und namentlich ob ich die mir gestellte Ausgab - gelöst habe. Qb mein Bach Wlpn£& aber einen F orts cl, ritt bildet, darüber steht mir wohl fei»» Urteil zu, jedoch darf ich »vohl verraten, daß mir von nuiimeii, besonders autoritätiven Seiten versichert »vurde, »nein Buch bedeute „ e i u e n gewal 1» g c »» R n ck n a ch v o r »v ä r t s!" Briefkasten. L. in 8. Besten Dank für das Uebersandte: ich werde es gelegentlich verwerten Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß trotz der heftigen Gegenagitation die staatliche Bersich.-rung der Privatbeamten Gesetz wird, wenn auch der veröffent'ichte Entwurf sehr gründliche Veränderungen erfahren muß,- tesonders die Bestimmungen die Ersatzkasser» betreffend werden wohl fallen. Ist aber einmal ein gesetzlicher Versicherungszwang sür die jüdischen Gemeinden vorhanden, dann werden sie auch geneigt sein, ihre Lehrer bei einer Lebensversicherung eGzukaufen, da sie ja »»och Geld dabei ip wen. Das ist der große Vorteil des Gesetzes. Aber schon vorher muß eine umfaffende Ag tation eingeleitet werden, um den jüdischen Lehrern dessen Wohltaten zu sichern. Der „Bund" wird auch hier seine volle Schuldigkeit tun/ wir haben bere ts einmal in der Borstandssitzung vom 5. d. M. über die Sache verhandelt und werden demnächst nochmals dieserhalb tagen.