Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 8 (23.2.1911)
- Date
- 1911-02-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2448803-2448812--66327-2494483- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
EIM^WMWMWIWIWM^M^WWWWWWWWWWWWIWWWWWMMWWWIWIWWWWW^WMWWWIWWWWWWMWIWW^^WI^WWWWWWWWW^MWWWW^WMMMD^^^^^^^E^^^^ Der IsraefiOl Ein Centralorgan Ifir das orthodoxe Judentom Begründet non Dr. Lehmann in ülainz 52. Jahrgang. franbfurfa. M. den 23. Februar ISN 25 Scfaebat 5671. Ms «bouuement pro Bierteljahrr Gewöhnliche Ausgabe Mk. 1.50. HestauSgabe (Kunstdruck) Mk. 8.—. Auslandspreise: Gewöhnliche Ausgabe: Oesterreich-Ungarn L Kr., Rußland 1 Hab., England 2 ah., Amerika 50 cta., Niederlande 1.80 fl., Frankreich Fr«. 2.6a Abonnements bei allen Postanstalten, Buchhandlungen, sowie direkt bei dem Verlag. HestauSgabe nur direkt. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate: 30 Pfennig für die sechSgespaltene Lolonrl'Zeilr; Rabatt nach Tarif. Inseraten annahme nur durch Haasenstein u. Vogler A.-G.. Frankfurt a. M.. und deren Filialen. Zahlungen können außer direkt an den Verlag erfolgen per: «onto bei der ft. ft« Postsparkasse «Sie» 9t*. 79 606. Skonto bei de« ft. Postsparkastenamt »nbapest «0.18486. Tonte bei der Rigaer To»«er»bank in Riga und deren Filiale«. Der Nsctlöruck 9er Rrflhel un9 Correfponöenjen 9es „Israelit“ IR nur unter genauer Quellenangabe, und, foroelf es fltfi um gröbere RuRöbe handelt, nur nach vorheriger Oenehmlgung geflaftet ___ KKKSMSWKWW Jnhattsüvevstchl. 1. Leitartikel: Robb. Dr. 5laatz: Liberales Judenlttin. — 2. Woche u r unds ch au: Entrechtung der Hleingemcindrn. — Jm Kampfe ums Srot. — 3. Aufsätze: I. B.: Dir Taufe alsKulturfaktor. if)omu 1 etif:Zählen nndZahlen. — 5. KleinesFeuilleton: Ehanukatage im heiligen Lande (?>affa ) — 'Zur «beschichte der Juden iu der Dchweiz. — Förderung des Handwerker der den Faden. — 6. Korrespondenzen u. Nachrichten: Ein talmndifcher Ferienkurs des Dundes jiid Akademiker. Frankfurt a. Ni. — Stuttgart (Fsrnelitische Landeskirche.) — Mainz (Dollnragsruhe.) — Massendemonstration der jüdischen Schanker. Wierr. — Wien ^Testament des Daran v. 0iothschild.) — Budapest (Fiumaner Geureiudc.) — Zur Frage der Konntagsrnhe. Petersburg. — Prozeß um die rabbinifche Autorität in England. London. — 7. B e r m i s ch t e s : Franks, a. M. — Franks a. Ni. — Würzburg. — Würzburg. — Berlin. — Brüssel. — 8. Bereins we se n: Frankfurt a. M. Personalien: Breslau. — Pleß. — 10. Briefkasten. — Bereiuskalender. — Fainilienuachrichten. — 11. Feuill.- Beilage: Aus einer verborgenen Welt. — 12. Literarische Warte: Rabbiner Dr. Rapy. Bretter, Aschafienburg: Umlscheu Leben und Tod. — Bücherschan. M8SIM8SIMMM ElbCTäks ludoinm. Ein Tor trag von Rabbiner Dr. Kaatz in Zabrze. II. (III.) Aber lassen Sie mich bei dieser Gelegenheit etwas hervorheben! Ich habe gesagt, daß es immer die latente prinzipielle Anschauung der Orthodoxie bleiben wird, daß diejenigen, welche die Göttlichkeit der Thora, welche die Verpflichtung, die göttlichen Gebote der Thora zu beobachten, leugnen, Leugner der Grundsätze des Judentums, daß sie Kofrtm beikkor sind. Ich halte es nun für gut, dem ein persönliches Bekenntnis beizufügen: Zwischen einer latenten Anschauung und dem offenen Aussprechen oder gar Betonen und Unterstreichen des Ausgesprochenen ist ein weiter, weiter Schritt. Der Schritt ist, um einen veranschaulichenden Vergleich heranzuziehen, etwa so wett wie vom Leben zum Tode. Zwar ist zwischen Leben und Tod oft nur ein ganz kleiner Schritt. Aber der Unterschied zwischen Leben und Tod ist ein ganz gewaltiger. So ist auch der Unterschied zwischen einer latenten und einer entbundenen Anschauung ein gewaltiger, auch wenn es oft nur eines ganz geringfügigen Anstoßes bedarf, um die latente Anschauung zur Entladung zu bringen. Es gibt Fälle, wo es die Situation erfordert, ungeschminkt die Wahrheit auszusprechen. Und es gibt Fälle, wo das ein Frevel ist. Man kann auch mit der Wahrheit Götzendienst treiben, wenn man sie loslöst von der Vernunft, von der Gerechtigkeit, von der Liebe, von der Milde. Es gibt eine Wahrhaftigkeit, die eine Brutalität ist. Nnd Brutalitäten verabscheuen wir. Es gibt eine Wahrhaftigkeit, die nur Aergernis, Erbitterung und Schaden stiftet, die nichts anderes ist als eine grobe Taktlosigkeit. Und Taktlosigkeiten verabscheuen wir. Eine Vokabel wie Posche ohne Not und ohne Nutzen anzuwenden, verurteilen wir. Wir wollen nicht abstoßen, sondern anziehen, nicht verbittern, sondern retten. Ich denke, wir wollen uns an das Wort des Propheten halten: „Geknicktes Rohr zerbricht er nicht, glimmenden Docht löscht er nicht aus." Wir wollen den Funken des Guten nicht auslöschen, sondern ihn zur Flamme anzufachen suchen. Mir wollen den Strauchelnden und Irrenden nicht von uns stoßen, sondern ihm aufzuhelfen suchen. Wir wollen die Kraft und Wirkung moralischer Eroberungen uns zunutze machen, ohne dabei unsere Ueberzeugungen preiszugeben, ohne in unwürdiger Weise zu schmeicheln, vor allem aber ohne uns selbst, ohne unsere Seele, ohne das Judentum in Gefahr zu bringen. Ich denke, wir wollen uns in die verfängliche und delikate Frage, wer ein Posche und wer ein guter Jude ist, nicht weiter vertiefen, sondern sie nun verabschieden. Wir wollen uns nicht an Personen, sondern an die Sache halten. IV. Es war die Methode des Begründers des liberalen Judentums, Abraham Geigers, sachliche Differenzen auf das Persönliche hinüberzuspielen und zuzuspitzen. Da hatte z. B. Joel, der Nachfolger Geigers in Breslau, eine Broschüre veröffentlicht: „Zur Orientierung in der Kultusfrage". In dieser Broschüre hatte er ausgeführt, daß das Judentum gewisse Dogmen habe, die auch der freisinnige jüdische Theologe anerkennen müffe. Der jüdische Theologe habe nicht eine Bewegung ins Schrankenlose frei. Sondern es gebe für ihn einen Markstein, den er zwar als Mensch überschreiten dürfe, bei dessen Ueberschreitung er aber aufrichtig erklären müsse: „Jetzt befinde ich mich nicht mehr innerhalb, sondern außerhalb des Judentums." Gegen diese Broschüre publizierte Geiger, der darüber erbost war, daß das von ihm für Breslau verfertigte Gebetbuch von Joel beseitigt wurde, eine Streitschrift, betitelt: „Zu Schutz und Trutz". In dieser wendet er sich gegen die oben zitierten Anschauungen Joels und sagt: „Also.... der jüdische Theologe muß bet gewissen Punkten Halt machen. UndLwarum nur er, warum nicht jever Jude, warum nicht namentlich diejenigen, welche zur Verwaltung einer jüdischen Gemeinde berufen find. Ist das Judentum wirklich, wie eS nach Herrn Dr. Joel den Anschein gewinnt, eine dur^, Vertrag gegründete Genossenschaft, so ist nur derjenige ceren Mitglied, we.cher dte Bedingungen des Beitrages hält, aber Vertragsbrüche wenn er eine dieser Bedingungen anzwelfelt, für unwillig erklärt. Meint Herr Dr. Joel es so, so spreche er es offen au»! Wohla,, er erkläre, daß eine unendlich große Zahl von Mitgliedern der Judenheit c er selben nicht mehr angehv.t, die Brrwaltungsmitglteüer, zumal der grögeren Gemeinden, ihrer Mehrzahl nach eigentlich auSgestoßen werden müßten." Geiger sucht also die Anschauungen seines Gegners dadurch zu diskreditieren, daß er diesen in nicht eben feiner Weise bei dessen Vorstand denunziert und mit zwar verbrämten, aber doch ganz deutlichen Worten sagt: Dieser Rabbiner Joel, welcher bet Euch tu Amt und Brot steht, hat die Dreistigkeit, eine Ueberzeugung zu haben, welche, wenn man es versteht, sie zu interpretieren und zu urgieren, zu der Konsequenz führen kann, daß Ihr, seine Gemeindevorsteher, aus Eurem Amt und aus Eurer Gemeinde ausgestoßen werden müßt. Ich glaube, daß. wir derartige Methoden und Tricks denen überlassen wollen, die sich mit Geiger geistesverwandt fühlen, wie wir uns andererseits durch solche Methoden und Tricks nicht wollen fangen und irritieren lassen. Welche auf Personen Bezug habende Konsequenzen man aus sachlichen Ausführungen urgieren kann, braucht uns nicht zu kümmern, wenn nur die sachlichen Ausführungen an sich richtig sind. Wer