Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 5 (2.2.1911)
- Date
- 1911-02-02
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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7. Jahrgang lg S üdiecber Volkefreimd Msnatt-ürilsge zmn „israelir twortHdx fU4*kttoat Rabbiner Dr« 8. (Dotf te Köln Btttit 50 jährigen InMlautn :: :: der Chewroh Talmud-Tauroh jn Cöln :: :: 5021—5071. Der Charakter der Cbewrob. Borr Willy Wolf in Cöln. In stiller, unablässiger, eindringlicher Arbeit hat die Chewroh-Talmud Tauroh zu Cöln das fünfzigste Jahr ihres Bestehens vollendet. Lehrend und lernend, wie immer, begeht sie die fünfzigste Wiederkehr ihres Gründungstages, die einzig wahre Weihe, die sie dem Ereignisse zu verleihen vermag, ein Zeugnis der Lebenskraft ihrer tatenreichen Vergangenheit und ihrer hoff nungsvollen Zukunft. Denn wie die Natur in ihrer unaufhörlichen Verjüngung der Lebensformen keine Stunde der Rast genießt, so kennt auch die Tauroh, der höhere Teil der Gottesschöpfung, in ihrem hiniedigen Schassen keinen Augenblick unbedingter Muße,- und wie im Ab laus der Zeiten jeder Tag dem Taurohworte den gleichen Segensspruch widmet, so bildet die unverwandte Regelmäßigkeit des „Lernens" den alleinigen Segensquell der Taurohvereinigungen. Wenn wir gleichwohl an dieser Stelle des Jubeltages der Chewroh-Talmud-Tauroh gedenken, so leitet uns die Absicht, unsern Leserkreis mit ihrem Ziele und ihrer Loh^weise vertraut zu machen und das Gedächtnis ihres Begründers zu beleben, der in sturmbewegten Zeiten durch ein unbeirrtes, selbstloses, stets nach innen ge kehrtes, ruhiges Wirken zur Erhaltung der jüdischen Lehre einen hervorragenden Beitrag lieferte. Die Erfassung der Tauroh in ihrer Ganzheit das Verständnis der Ebenbürtigkeit der mündlichen Ueberliefernng an der Seite des schriftlichen Urtertes, die Erlernung dieser beiden Teile unseres Gesetzes, die Pflege der heiligen Sprache als Mittel zum selbständigen Taürohftudium, die Erkenntnis des Geist und Herz veredelnden Wesens der Tauroh, die Anerkennung ihrer von Raum und Zeit unabhängigen Verpflichtungs kraft, die richtige Würdigung der Geschichte unseres Volkes und seines Verhältnisses zur Außenwelt —, dies alles den Generationen, in deren Mitte sie wirkt, zu vermitteln, hat sich die Ehewroh - Talmud - Tauroh zum Ziele erkoren. Ihre Lehrtätigkeit erstreckt sich daher auf sämtliche Gebiete der Tauroh: Die fünf Bücher Moses, die Propheten, die heiligen Schriften, Mischna, Gemoro und auf die Grammatik der hebräischen Sprache. Alle diese Gebiete erfahren gemäß der Verschiedenheit der Altersstufen und des Begriffsvermögens der Teilnehmer eine überaus vielseitige Behandlung und spiegeln so die Tatsache wieder, daß die Tauroh dem ganzen Leben von der Jugendzeit bis ins Greisenalter angehört. Da findet sich der Lehrer bald im Kreise zarter Knaben, bald in der Umgebung von Gymnasiasten und Studenten, bald in der Gesellschaft jugendlicher Kaufieute, oder an der Seite lebenserfahrener und urteilsgeschärfter Männer. Der Begründer dieses vielgearteten Unterrichts, der ihn in jahrzehntelanger, inniger Hingebung erteilte, war Rabbi Josef Wolf sel. A., an dessen Beispiel wir uns die Lehrweise der Chewroh vergegenwärtigen wo.Üen. Hatte sich die Chewroh die Aufgabe gestellt, ihren Schülern und Hörern die Gleichwertigkeit der schriftlichen und mündlichen Lehre zum Bewußtsein zu bringen, so erkannte Rabbi Wolf die Notwendigkeit, den engen Zusammenhang dieser beiden Teile des Gottesgesetzes nachzuweisen und schon die Aufmerksamkeit der Jugend auf ihn hinzulenken. Er bediente sich dazu des originellen und doch so einfachen Mittels der Raschi- Erklärung zu den fünf Büchern Moses und Feuilleton. Uns der Gegenwart. Bon S . . . (aus dem Jeschurun 1863). (Fortsetzung). Me Zeit verstrich und mit innigem Entzücken sahen die Gatten den Zeitpunkt herannahen, der allein ihr Glück zu erhöhen vermochte. Denn Artur, der seine Gattin so aufrichtig liebte, hatte es nach und nach über sich gewonnen, in ihrer Gegenwart selten eines jener Gebote zu übertreten, die seiner Bella so heilig galten, und da dieses immer seltener geschah, konnte sie wohl mit Recht erwarten, daß, es endlich ganz aufhören würde. Freilich wußte sie es nicht, daß sobald er frei war, er seine früheren Gewohnheiten nie abzulegen gedacht hatte. Wer hätte es ihm auch verargen können? Seine Gattin wollte er schonen, jede Minute ihres Lebens sollte von Glück erfüllt sein, das war der Zweck seines Lebens, und vollkommen erreichte er diesen, wenn nur sie ihn für religiös hielt. „Was wir nicht wissen, geniert uns nicht" war seine Lieblingssentenz, der er freilich in Bellas Anwesenheit nie Ausdruck verlieh. — 5. LLä^Endltck war sie da. die Üeißersehnte Stunde und ein holder Knabe lag in seiner glücklichen Mutter Arm. Artur, außer sich vor Freude, lag aus den Knieen vor seiner Gattin Bette, deren lilienweißes Antlitz ihm im reinsten Glück cntgegenlächelte. Aber teuer hatte sie dieses Glück bezahlen müssen. Wochen vergingen, ehe sic das Zimmer verlassen durfte', und der Frühling war längst vorüber, als es ihr etrdlich gestattet wurde, die reizende Villa, durch deren Ankauf sie Artur erst vor kurzem überrascht hatte, zu beziehen. In einer freundlichen Gegend, umgeben von den herrlichsten Parkanlagen, erhob sich das anmutige Gebäude. Es war in phantastischem Style erbaut und ruhte auf zierlich schlanken Säulen, die von glänzend poliertem Marmor weithin leuchteten. Viele kleine Türmchen schmückten den Giebel, xn deren vergoldeten Kuppeln die Sonnenstrahlen sich brachen. Bon dem, im schönsten Blumenflor prangenden Balkon an der Vorderseite des .Hauses, übersah man die lachende Umgegend. Im Parke wechselten schattige Baumgänge mit freien Plätzen, in deren Mitte kleine Pavillons mit bunten Glasscnstern oder plätschernde Springbrunnen Mit mancherlei Statuetten verziert. Es war gegen Aband, als Artur mit den Seinen anlanate. Er hatte es absichtlich so einaerichtet. denn am folgenden Tage war Arabellas Geburtstag, und da gedachte er sie durch alle die Einrichtungen und Anlagen, bei denen er weder Kosten noch Mühe gespart hatte, zu überraschen. Als Arabella am folgenden Tage erwachte, glaubte sic fast zu träumen. Statt des gewohnten Geräusches der volksbelebten Straßen, vernahm sic nichts, als das liebliche Zwitschern der Bögel, das Plätschern der Fontänen und das leise Säuseln des Windes, der durch die Blätter rauschte. „Wo bin ich, Artur?" rief sie dem eintretendeu Gatten entgegen, der leise . die Tür geöffnet hatte, und ihre seine Glückwünsche zu bringen kam. „In Deinem Landhause, Herzchen." „Wirklich? Das hätte ich nicht geglaubt, ich dachte, wäre in irgend einem bezauberten Schlosse, so wundersam herrlich ist's hier." „Wie froh bin ich, daß es Dir gefällt"/ erwiderte er und umarmte sie herzlich. Nach dem Frühstück konnte Artur es sich nicht versagen, seine Gattin selbst in alle Teile des Gebäudes und des Parks umher zu führen, und fast aus jedem Schritte begegnete ihr irgend eine zarte Aufmerksamkeit ihres Gatten. Bon so vielen Beweisen seiner innigen Liebe gerührt, dankte sie ihm mit tränenden Augen, und Artur war überglücklich, als er feine Gattin so beglückt sab._______(Forts, foltttV. ■;i? S '■i ii fl 1 1- ■J j vi i 4 .■■■» Z u i 1 % %