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Der Israelit · 1911-02-02 · Heft 5 (2.2.1911) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 5 (2.2.1911)
Date
1911-02-02
Page
– (sequence 13)
Language
German
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innerrer, die en und jeistern, en und merltch , aber riz derer jede n dss jierung laß d!e aß die ansucht ich alle uf den schäberzung haben »offung nschild kämpf Leuilleton-Beilage M Nr. 5 des „Israelit". reit. Herrn tbaren ähren, Hoch- Bunde eftellr. tdende ckchaft herzrgieich »mung »ersetzt igkeir, ehreri aus tschen erzebrich Zweck »rfnts hwteruckce Leseeinen ibel? etchtcstufe »gen: u Swohl rrade ätten ison" und tebec Züreren and, .kter den den wird ehrt, Geatcn raue f tc lrch- Siber lli- Be- Üße ificr den »ßen Xnb tgc i cht nen!eliren mb ebe C.D-Q euilleton. fln$ einer verborgenen Welt. ChaMdifche Geschichte«. Nach der Zusammenstellung eines galizischeir Chassid bearbeitet von Sch. Vk8 »5a99IKstt öebet- (Fortsetzung.) § Siehe, Großer Gott, wie hoch und stolz die Bäume ihre Wipfel zu Dir erheb« n, denn tief im dunklen Boden ist die Heimat, in der sie wurzeln. Ein Ast, der vom Baum getrennt, die Verbindtlng mit dem Wurzelheim verloren, stirbt, verdirbt . . . Wie die Berge in ihrer Majestät gen Himmel ragen, fest und unverrückbar, so lange es Dir gefällt. Die Amsel fliegt mit leisem Jubelzwitschern im beutevollen Munde — ins Heim, ins warme Nest, zu den Jungen .... Alles hat seine feste Wurzel, seine bestimmte Richtung, sein klares Ziel in der Schöpfung .... Und der Mensch, der Schöpfung Krone? .... „WurzUecht war einst Dein Volk auf sonnigen Boden. Da wurde es auf fremden Grund verpflanzt. Es ist seitdem welk, verkümmert und viele sind es der Früchte, die der Baum auf fremdem Boden nicht reifen kann .... „Ohne Heimat, ohne Glück! Wie ein Wrack segelt das jüdische Schifflein, steuer- und mastlos auf hoher sturmgepeitschter See, ohne Halt, ohne Rast. Heute hier, morgen dort! Wir trugen es, o Vater, durch die vielen Jahre der düstern Not, beseelt von der Hoffnung, daß du uns „in Freuden zurückführst in unser Land, uns wieder verpflanzest auf unser Gebiet." Aber nun, da das leidgeftählte Geschlecht von früher von einer neuen hoffnungsarmen und vertrauensschwachen Generation abgelöst ist, so mache uns o Herr die Aufgaben nicht gar so schwer und die Prüfungen nicht zu hart. „Widerum droht Vertreibung, Schmach und Elend den Kindern Deines Bundes. Du wirst es o Gott der Welt in Deiner Gnade nicht dulden, daß die Frauen und Kinder aus der warmen Heimat in die kalte Fremde gejagt und die Väter hinter grauen Kerker mauern um ihre schutzlosen Familien schauern, daß die Gebeine der toten Ahnen geschändet und die heiligen Gräber durch rohe Hand entweiht werden. Nein, Großer Gott du wirst es nicht, wirst mich nicht umsonst heute den schweren Gang zum Feinde deines Volkes machen laffen und die Gebete dessen, zu dem ich sie in ihrer Seelennot gesandt, werden nicht wirkungslos verhallen . . . Nein, du wirst es nicht .... wirst es nicht ..." Es war still geworden im Walde, da der Rabbi betete. Unbeweglich standen die Bäume, als hielten sie den Atem still. Es rauschte kein Blatt, es sang kein Vogel und die Berge schauten in unerschütterlicher ewiger Ruhe durch die Lichtung. Der Rabbi betete und die Natur betete leise und in stiller, tiefer Ergriffenheit mit . . Und nun, da der Rabbi geendet hatte, rauschte und surrte, hallte und brauste und sang und klang es durch den Wald, als hätte sich alles, was da lebt und treibt und blüht, in einem Schlußakkorde vereinigt. 4r „Nein, o Gott, du wirst es nicht!". Es war eine schwüle Nachmittagsstunde als dem Rabbi das Städtchen des Grafen in Sicht kam. Es lag so irauerumflort und sorgenschwer im sandigen Tale. Der Rabbi umkreiste den Ort und steuerte, von keinem gesehen, direkt dem Schlöffe des Grafen zu. Im großen gepflasterten Hofe empfing ihn ein riesengroßer Wolfshund mit grimmigem Gebell und fletschenden Zähnen. Ein dabeistehender Knecht lachte aus vollem Halse. Der Rvbbi sah ruhigen kosenden Auges auf das Tier herab, das auf einmal ganz beruhigt war und wie in toller Lust hin und her sprang und vergnüglich wedelte. Auch der Knecht nahm beim Anblick der würdigen Erscheinung eine ernste Miene an und zog sich mit seinem Hunde etwas scheu in eine der vielen weißgetünchten Scheunen zurück. Im Korridore stieß der Rabbi auf einen livrierten Diener, der ihn verächtlich musterte und ihn nach seinem Verlangen fragte. Als er hörte, daß der Fremde in der Sache der Juden komme, nahm sein glattes Bedientgesicht eine verständnisvolle Miene an, und er meldete ihn sofort beim Grafen. „Der Herr Gras befehlen einzutreten!" lautete der Bescheid. Der Graf faß, in eine kurze grüne Jägerjoppe gehüllt, die in langen roten Safianstiefeln ruhenden Beine übereinander gekreuzt, an seinem Arbeitspulte in einem geräumigen nach französischer Art ausgestattetem Zimmer. Zu seinen Füßen schlummerte ein gra »scheckiger Jagdhund, der beim Eintritt des Rabbi sich so knurrend bewegte, daß ihn sein Herr mit einem heftigen Fußtritt wieder zur Ruhe weifen mußte. Der Graf reckte seine schlanke Gestalt etwas nachlässig im Lederseffel, fuhr mit der Rechten widerholt durch den buschigen Schnurrbart und schien im ersten Momente vom Eintretenden keine Notiz nehmen zu wollen. Dann aber richtete er seine blitzenden Augen nach der Türe. Ein kalter Stolz, etwas wie Herrscherdrang und Gewaltlust strahlte aus diesen kleinen, schwarzen Augen, aber sie schienen doch etwas gedämpft, da sie auf der vollen aufrechten, weißbärtigen Gestalt an der Türe ruhten. Der Rabbi stand in seinem langen säubern Kaftan mit dem wallenden weißen Barte, fest, aufrecht und erhobenem Hauptes wie in strahlender Patriarchen würde, da. Er sah mit seinen blauen großen Augen, aus denen eine Welt von Milde zu strahlen schien, voll und unerschrocken, mehr fordernd wie bittend dem Gewaltigen ins Gesicht. Der Graf kannte den Juden nur als gedrückte Gestalt, mit gekrümmtem Rücken und unterwürfig flehenden Äugen. Bon dieser eigenartigen strahlenden Männerschönheit war er wie geblendet. Er wandte im ersten Momente das Gesicht ab. „Was will der Jude?," fragte er stolz und hart, ohne den Rabbi anzusehen. „Ich komme in der Sache der Juden, des gnädigen Herrn Schuldner-" „Aha", unterbrach der Graf mit rohem Lachen, „nun kommt der Vermittler — — — Juden machen nichts ohne Makler-Nun bringt er Geld, oder will er feilschen? — Daß die Juden das Handeln und Feilschen nicht laffen können — Oder will er gar die Schuld kaufen gegen einträgliche Provision? — Keine schlechte Idee, das, was? — Also los, raus mit der Sprache, Jude!" „Die Juden sind arm!", sagte der Rabbi, der sich von der wildbrausenden Art des adeligen Herrn aus seiner gelaffenen Ruhe nicht bringen ließ. „Also wird der Maklerjude nicht viel bei ihnen auftreiben können und kann mir auch daher kein hohes Angebot machen — Das Männchen fängt wahrlich schlau an," lachte der Graf und fuhr sich amüsiert durch den buschigen Schnurrbart. „Ich bin kein Makler und will weder feilschen noch Angebot machen," erwiderte der Rabbi in unerschütterlicher Erhabenheit. „Also was will er denn?" donnerte der Graf, jetzt ernst und erregt. „Daß der gnädige Herr den Juden die Schuld erlasse." Der Graf stand erregt auf und trat einige Schritte dem Rabbi näher, als wollte er ihn tätlich angretfen, trat aber beim Anblick der weißen würdigen Gestalt wieder ein wenig zurück und donnerte, indem er sich in feiner ganzen stolzen Höhe aufrtchtcte: „Wer ist er, daß er es wagt, hierher zu kommen und mir, einem Upinskt, Ratschläge zu erteilen?" „Ich bin der Lehrer und Führer der Juden dieser Gegend, zu dem sie Vertrauen haben und an den sie sich in ihrer Not wenden und ich darf nicht stillsitzen, da ihnen Gefahren drohen." „Aha der Rabbi" — lachte der Graf, mit etwas spöttischer Neugierde den Mann betrachtend. Er machte sich, scheinbar ruhiger gestimmt, wieder in seinem Seffel breit und zündete eine neue Zigarre an. „Also ist es der Judenrabbi, mit dem ich die Ehre habe" — fing der Graf wieder spöttelnd an — „Bringt er also auch den schuldigen Betrag mit? Er laffe hören." „Den Juden ist die Schuld vom hochseltgen Grafen erlassen worden. Sie ehren dankbar sein Andenken und beten für ihn" fing der Rabbi an. Der Graf kam wieder in Erregung. „Für mich aber," unterbrach er den Rabbi, „sollen sie nicht beten. Sie sollen zahlen oder gehen, nachdem sie genug gebüßt . . . . " Der Rabbi ließ sich nicht aus der Fassung bringen. Er erwiderte fest und klar: „Hier gibt es, gnädiger Herr, kein Entweder oder. Zahlen können sie nicht, weil sie völlig besitzlos sind, so müßten sie gehen. — Welche Vorteile wird aber der Herr Graf daraus ziehen, wenn das Städtchen verödet, der Handel darin lahmgelegt, das Leben ins Stocken gebracht wird? Der polnische Bauer ist auf den Juden angewiesen. Ohne ihn kann er weder den Acker im Frühjahre bestellen, noch den Ertrag im Herbste absetzen. Und ist der Boden brach und der Bauer verarmt, so bleiben auch die Grundsteuern aus und der Grundherr hat die Kosten zu tragen." Das stimmte, das wußte der Graf allzugut. Die Pachtsteuern konnten nur durch den Juden, der als Mittler das Korn auf den Markt brachte, entrichtet werden. Denn der Bauer selbst verschleudert, so ihm freie Hand gegeben war, seine Produkte und vertrank den geringen Erlös. Und Geld mußte man in diesen schweren politischen Zeiten haben, Geld und wieder Geld. Der Graf räusperte sich, bewegte sich ungeduldig auf seinem Sitze hin und her, mußte aber, wie von einer geheimen Macht gezwungen, den Rabbi ganz ausreden laffen. Jetzt schien in ihm plötzlich etwas aufzuleuchten. Sein Gesicht nahm einen müderen Zug und seine Stimme einen weicheren Klang an. Er trat ganz nahe an den Rabbi heran. „Bon" sagte er, „es soll den Juden alles erlassen werden, wenn es dir auch ernst um deinen Wunsch ist und du auf meine Bedingung einzugehen gewillt bist." Der Rabbi horchte aufmerksam. (Fortsetzung folgt) I

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