Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 4 (26.1.1911)
- Date
- 1911-01-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Ko. 4 Gelte 9 28. Januar 1911 munalen Leben fanden die Juden günstige Verhältnisse vor. Dieses Land ist von absolut liberalem Geiste durchdrungen. Die politische Demokratie, welche das Banner Australiens trägt nnd hochhält, hat als Zwillingsschwefter die religiöse Toleranz und das Land fährt gut dabei.. Gleichberechtigung der Bürger aller Konfessionen ist hier nicht, wie in manchen europäischen Staaten, nur ein leeres Wort. Hier gilt der Mann, die Fähigkeit, und der Jude hat die Berechtigung und Möglichkeit, hohe Staatsstellungen zu erlangen, ohne darum nur um ein Jota von seiner Religion abweichen zu müssen. Wir haben jüdische Parlamentsmitglieder, hohe Gerichtsbeamte, und find Juden sogar in den Ministerien an hervorragender Stelle. Auch der Aerztestand hat viele Glaubensgenossen in seinen Rethen. Wie schon erwähnt, gehören die meisten der Kaufmannschaft an und manche haben es auf diesem Gebiete zu Macht und Reichtum gebracht. Vom hiesigen religiösen Leben ist nicht sonderlich viel zu sagen. Die hiesigen Juden widmen ansehnliche Summen der Unterhaltung von Gotteshäusern, Schulen usw. und die Zahl der Wohltättgkettsinstitutionen ist beträchtlich. Dieselben erhalten permanent generöse Zuwendungen bei allen erdenklichen Anlässen und in besonderen Fällen ist zu jeder Zeit offene Hand bei den Gemeindeungehörigen zu finden. Leider aber läßt, wie überall in den überseeischen Ländern, das eigentliche praktisch-religiöse Leben auch hier viel zu wünschen übrig. Im großen und ganzen gibt es hier keine drückende Armut. Wer arbeiten will, findet Beschäftigung. Besonders gelernte Handwerker finden immer lohnende Beschäftigung. Der achtstündige Arbeitstag ist hier staatlich eingeführt und auch die Lohnverhältnifse find gesetzlich geregelt. Australien ist in aussteigender Linie begriffen. Ihm fehlt nur Menschenmaterial — Ansiedler. Selbst wenn sie mit geringen Mitteln oder ohne solche kommen, sind sie willkommen, sofern sie nur gesund und arbeitsfähig sind. Qermucbtei. Grarrkfnrt a. M., 24. Jan. Im Kunftsalon Sch am es dahier find seit ewigen Tagen höchst sehenswerte Kunstwerke einrs jungen vielversprechenden jüdischen Malens, Herrn Arnim Stern, ausgestellt. Der talentvolle Künstler stammt aus U n g a r n und ist Schüler von Dank ».Stuck. Die hiesigen Tageszeitungen sprechen sich sehr anerkennend über die ausgestellten Arbeiten ans, die von guter Technik urd persönlichem Geschmack zeugen. Ein Besuch der Ausstellung dürfte fich in jeder Beziehung lohnen. Frei-urg, 10. Jan. Durch die am 6. -s. Mts. stattgefundenen SynagogenratSwahlen wurden infolge eines Kompromisses 1 konservativer und 3 liberale Herren in dm Synagoaenrat gewählt. In srüherm Jahren haben fich diese Wahlen in aller Ruhe vbgesptelt. Kurz vor den vor etwa drei Jahren stattgefundenen Synodalwohlen wurden durch Gründung der sogenannten liberalen Partei Gegensätze innerhalb der jüdischen Gemeinde C>eckt. Die Liberalen glaubten, auf eine angeblich große jorität pochend, einm glänzenden Steg über die Orthodoxen und deren Anhänger zu erringen. Am 24. Juni V. IS. fandm die Wahlen statt. Bon 301 Wähler machten 235 (78 Prozent) ton ihrem Wahlrechte Gebrauch. Der liberale Zettel siegte mit 2 Stimmen Mehrheit, während bei den vor drei Jahrrn stattgefundenen Synodal wählen, bet gleich starker Beteiligung, der konservattve Zettel mit 5 Stimmen Mehrheit gesiegt httte. Der Kampf betr. Shnagogenratswasl wurde in schärfster, teilweise persönlicher Weise geführt, sodaß die Konservativen neben formellen Gründen genügend Anlaß hatten, die Wahl anzufechten. Nach langen BewetSauNahmen durch das Großh. Bezirksamt, die annähernd drei Monate dauerten, ist die Wahl durch Großh. Bezirksamt Fretburg am 29. September v. IS. für ungültig erklärt worben, welche Entscheidung rechtskräftig geworben ist, sodaß auf den 6. Januar d. IS. Neuwahlen angesctzt wurden. Sowohl durch den vor drei Jahrm stattgefunüenen Synodalwahlkampf wie auch durch den letzten SynagogenratSwahlkampf hatten beide Parteien die Ueberzeugung gewonnm, daß von einer Majorität der konservativen oder der liberaten Partei in hiesiger jüdischer Gemeinde keine Rede sein kann. . _ v ES wurde daher zwischen betten Parleim Ende Dezember v. IS. ein Kon promiß geschlossen, der auch »er JSraettt. van den Mitgliedern der Gemeinde durch Befolgung sanktioniert wurde. Bayreuth, 16. Jan. Im Stadtmagtstrat Bayreutb ist bei der Beratung des Haushaltsetats für 1911 ohne Erörterung nach den Beschlüssen der Etatkommtffion der israelitischen Kulmsgrmeinde zum erstenmale ein Zuschuß für ihren Lehrer bewilligt worden. Sofia, 18. Jan. Die gesetzestreuen Balkan- und Orientretsenden wird eS interessieren, daß am 14. Jan. in der Uli za Serdika ein großes jüdisches, streng rituell geleitetes Restaurant eröffnet wurde. Der Besitzer, Herr Karl Reifler aus Czernowitz, erklärt, auf strengstes ganz besonders zu achten, i New Bork, 19. Jan. Der hier tagende Kongreß der amerikanischen Hebräerkongregationen nahm eine Resolution an, durch die Prästdenl Taft und bas Staatsdepartement oufgesordert werden, bei Rußland zu protestieren gegen die Nichtachtung der amerikanischen Pässe, die den Juden von den Vereinigten Staaten ausgestellt werden. vereinteren. Berlin, 16. Jan. Am 11. Januar veranstaltete die „Frauengruppe der Freien Vereinigung für d ie Interessen des orthodoxen Judentums" im Saale der Ressource ihren diesjährigen Nachmittagstee. Frau Herman Posen begrüßte die Anwesenden namens des Vorstandes in liebenswürdiger, von Humor gewürzter Rede. Ein von zwei BereinSdamen vorgetragenes sehr launiges Couplet, verfaßt von einer der Vorsteherinnen, entfesselte einen Sturm von Heiterkeit. Die weitersolgenden deklamatorischen und gesanglichen Vorträge ernteten reichen, wohlverdienten Beifall. Bon großer packender Wirkung war das von Frau Maria Halewskt über Kindererziehung und Pflichten der jüdischen Mutter gehaltene Referat. Es waren Worte, die sicherlich nicht so schnell von den mit gespanntester Aufmerksamkeit lauschenden Zuhörerinnen vergessen «erden. — So nahm der Tee einen ebenso harmonischen wie anregenden Verlauf und endete mit der Aufnahme einer stattlichen Anzahl neuer Mitglieder, mit dem Vesten Lohn für alle voraufgegangene Müde. Stratzlmrg i. Elf., 23. Jan. Der „Verein Kium Emunoh" (t. B. g. j. I.) veranstaltete gestern Abend anläßlich eines 21D auf D’JHT *7*7D DTWIÖ eine Feier, an der fich ca. 30 Mitglieder beteiligten. Nach einer herzlichen Eröffnungsrede des Vorsitzenden, Herrn Jos. LevY sen., sprach Herr Rabb. Buttenwieser über die hohe Bedeutung deS heutigen Ab-ndS. Er führte an Hand der letzten von ^"1122, mit der man soeben den -yiD beschlossen hatte, aus, wie gerade die Einrichtungen unserer 'ppj min betr. D,taTDa Hölin usw. uns zeigen, wie wichtig eS sei, an der Erhaltung von Talmud-Thora mitzuar betten. Sind doch diese Gaben dazu bestimmt gewesen, die Kohanim und Levijim zu unterhal en, damit diese fich ganz der Erforschung der min hingeben könnten. Mit der Hoffnung, daß es dem Verein beschteden sein möge, noch recht oft fich zu solchem Zwecke, wie heute Abend, zu versammeln, leerte er sein Glas auf ein weiteres kräftiges Blühen und Gedeihen des Vereins Kium Emunoh. Noch manch schönes Wort wurde von den folgenden Rednern gesprochen. Personalien. Lassar Mainz Frankfurt a. M., 24. Januar. Einen herben Verlust hat das thoraireue Judentum in Deutschland durch daS gestern erfolgte Htnscheiden des in den weitesten Kreisen verehrten greisen Herrn Lassar Mainz b"2tt erlitten. Im Jahre 1837 hier in Frankfurt geboren, wurde Lassar Mainz von seinem Vater, dem bekannten und um die Gemeinde sehr verdienten Michael Mösts Mainz b"3£T/ in jungen Jahren nach Würzburg geschickt, um dort seine Thorakenntntssr zn erweitern und zugleich an der Universttät Chemtesludten zu obliegen. Dem Talmudstudtum blieb er bis an sein Lebensende treu, während er die akademische Laufbahn bald zugunsten des Kaufmanns bcrufs crngab. Nach Frankfurt zurückgekehrt, gründete mit er seinem Schwager daS bekannte Bankhaus Mainz, in welchem er bis zu den letzten Jahren tättg war. Seine emfige kaufmännische Tättgkett ließ ihm jedoch Zeit genug übrig, ,mi2V1 mm 5« pflegen und fich einen reichen Schatz von Thorawtssen, ein gründliches ni»'pa auf allen Gebieten der talmudtschen Wissenschaft anzuetgnen. Mtt einer unerschütterlichen leidenschaftslosen Ruhe stand er den Menschen und Dingen gegenüber: diese Ruhe war es, die ihm die höchste Aufnahmefähigkeit für die ganze Fülle biv positiven Wiflensschätze der min verlieh, sein Gedächtnis 'chärste und frisch erhielt, und die ihm auch eine wunderbare, bet aller Bescheidenheit zwingende Sicherheit deS Wollenim Familien- und Gemein de leben schenkte. Der künftige Geschichtschreiber der Frankfurter Gemeinde wird, wenn er an die Periode der großen Kämpfe um den von S. R. Hirsch bAX7 geforderten, von der Familie Mainz bekämpfte» Austritt gelangt, die Persönlichkeit Lass« Mainz b"att nicht übergehen, vielmehr au» den psychologischen Voraussetzungen seiner durchaus geschloffenen Persönlichkeit vieles von den Ereignissen jener Zeit und ihren Folgewtrkuugen biZ auf den heutigen Tag zu erklären haben. Besonders groß waren die Verdienste des Verblichenen um die Entwicklung der uralten O"VCHewra", des ursprüglichen Stützpunktes der verfolgten Frankfurter Geßtzestreuen, der er ein besonderes Lokal mit freier Wohnung für den Verwalter zur Bersügung stellte, in dem heute noch täglich gelernt wird. Auch in der Verwaltung der der Religionsgesellschaft unterstehenden Thora-Lehranstalt (na'V') hat er jahrelang mtt großer Hingebung gewirkt. Außerhalb Frankfurts genossen zahlreiche jüdische Institutionen das wärmste Interesse und die tatkrästtgste Unterstützung deS Verstorbenen. Er gehörte dem Kuratorium deS Berliner Ravbinerfeminars anauf seine Jnitiatlve wurde sowohl daS Dietzer wie das hiesige Waisenhaus ins Leben gerufen. So wirb der Verlust dieses trefflichen und für die jüdische Sache vielfach tätigen Mannes, der ein hervorragender £2n TöSn gewesen ist und dessen Leben zum guten Teile dem min ‘7lÖ,,b gewidmet war, ln den weitesten jüdischen Kreisen in- und außerhalb unserer Stadt auf das schmerzlichste emp.'unden werden. Jeden öffentlichen Nachruf hat sich Lassar Mainz SffaC7 bescheidenen Sinnes verbeten, sodaß an seiner Bahre Herr Rabbiner Dr. N o b e l fich darauf beschränkte, dem Heimgegangenen die lanv'Würde zu verleihm. -na-iab marnar Frankfurt a. M, 24. Januar. Heute am 24. T e w e t h jährt sich zum ersten Male der Todestag des unvergeßlichen Herrn Hermann Lehmann , au deur die Gefühle des Schmerzes ob dieses unermeßlichen Verlustes in weiten Kreisen twu neuem geweckt werden. Welch ehrendes dauerndes Andenken dem seltenen Manne überall, wo jüdische Herzen schlagen, bewahrt wird, beweist folgendes Schreiben, das uns anläßlich des ersten Jahrzeitstages von Herrn Rabbiner Laski in Radogosc bei Lodz zugeht, aus dem einige charakteristische Sätze hier im hebräischen Urtext wiedergegeben seien: naca nnaio aatwi swnn mnn mavn ’mrb ’2ic b"an ]»önpb no maas ipos? vwi an: ovb fr önapama rr2H)n n'vn nn»an •nina»b laaw npöbrttrön roprau Taanabö bab wma iniva man im maierr bna manan Süd '\n »in sv»a nar bapbo rninan wb3 nra nsn »b macpö ^2 •nrb ib nvnbi nn naai w bz ninms nijnra mKBnm mm &» rnnn br na» »b -npvbi i’tb nn»i —"n^bnttn mann naiv» nva baca ,snD2 pnac vab na'-io craa vibwa nnia na nnapi ,-pbn ’rr» nawn mv ^ainon nv! -siavb tnbtt -b'n b» b'nv -snmanb *]npnx In deutscher Uebersetzuug lautet das ganze Schreiben dem Sinne nach etwa wie folgt: „Zum ehrenden Andenken an meinen Freund (folgt Titel usw.) zu seinem ersten Jahrzeitstage. Tie Größe des Verlustes, den das Judentum mit dem Tode dieses Mannes erlitten hat, tveiß jeder treue Jude zu schätzen. Wie ein großes Unglück wurde der Tod dieses Philantropen in weiten Kreisen empfunden. War doch sein Leben ein Lichtbild echtjüdischcr Wohltätigkeit. Kein Hindernis gab es für ihn, da es galt, zu helfen, Rot zu lindern und Elend zn mildern. M e n - schenliebe, dieser kostbarste aller Edelsteine in der Krone des Judentums, er war ein Bestandteil der reinen Seele des Verstorbenen, und man darf ihn wohl als einen Meister des jüdischen W 0 h l t u n s dahrnftellcn, da er auch in der vornehmen und diskreten Art, wie er diese Wohltätigkeit übte, sich als Künstler der jüdischen Menschenliebe zeigte. Und tveit und breit wird heute immer mehr und schmerzlicher der Mann vermißt, der ein Vater den Armen, ein Helfer den Bedrückten war." Es folgt dann die geistreiche Erklärrmg eines auf den Lebenszweck bezüglichen Satzes aus Koheleth und schließt mit einem warm empfundene,: tSebet für die Seele des Verstorbenen: b»nv bv “P1 ini2T Afchaffenburg, 24. Jan. Der derzeitige Verweser kes hiesigen Rabbinats, Herr Rabbiner Dr. Raphael Breuer ist einstimmig zum Distriktsrabbtner für Stadt und Bezirk «schaffenburg gewählt worden. Cöln, i2. Jan. Am 8. Januar beging ein bekanntes, alteingei.ffencs Mitglied der SYnagvgengemeinde, Herr Abraham Dünner, die Frier seines 70. Geburtstages. Alle diejenigen, die diesem auf jüdischem Gebiet so kenntnisreichen, gediegenen Q2I1 Töbn nahe stehen, betrachteten eS als ihre Ehrenpflicht, ihm persönlich ihre D"7V'Wünsche zu überbrtngen. In der Mittagsstunde erschienen in der Wohnung des Gefeierte« die Herren Rabbiner Dr. Rosenthal und Dr. Wolf, welche davon Mitteilung machten, daß die Herren Seminar- Direktor Dr. Hofsmann-Berlin und Oberrabbiner Dr. Lern er-Alu na die Beieutung de« Hern, Dünn r