Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 3 (19.1.1911)
- Date
- 1911-01-19
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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£«**&«» «na Ltfa P|jyg>»4>«Erilyj3«r>«lif Organ 9cs SunSes gesefeesfreuer jüdischer Lehrer Deutschlands. Das (Dirken des gesetzestrcueu Lehrers in neologen Gemeinden in und außerhalb der Schale. Bon Lehrer Meyberg, Oldenburg. Wie der Sämann, wenn er die Saat dem Schatz der Erde anvertraut, nicht weiß, ob seiner Mühe Fleiß auch belohnt wird, so streut auch der Lehrer Saaten in das Herz der Kinder, ohne sicher zu sein, ob die Keime sich später zu Früchten entwickeln werden. — Läge es an dem guten Willen und in der Hand des tüchtigen Lehrers, es würden am Baume der Menschheit die edelsten Früchte reifen. Und gar -ertüchtige Religionslehrer würde ein Geschlecht großziehen helfen, Vvn dem der Prophet sagt: T32 D*6tP 2*11 /tal f22 ^,21 „Alle Deine Kinder sind Gottesgelehrte, und groß ist dann das Glück Deiner Kinder." Aber nicht jedes Korn geht in der Erde auf, und nicht jede Blüte entfaltet sich zur reifen Frucht. Mühevoll ist des Landmanns Beruf nnd bei Anspannung aller Kräfte entringt er dem Boden doch oft nur ein Geringes. Gleich beschwerlich ist der Beruf, des Lehrers. Auch seine Mühe wird nicht immer von Erfolg gekrönt. Seiner Obhut entwachsen, sieht er häufig ein Geschlecht erstehen, das seinen Erwartungen nicht entspricht. In seinem Herzen steigt es wie ein Vorwurf auf, der einer Selbstanklage nicht unähnlich sieht und die ihn mit dem Propheten sagen läßt: rfta H fr» 'v „Wie konnten solch geartete Menschen aus meinen Händen hervorgehen? Trifft dies bei jedem Lehrer zu, um wieviel mehr bei dem gesetzestreuen Lehrer, der in einer neologen Gemeinde*) wirkt. Er sät, um bei dem Bilde zu bleiben, auf steinigen Boden und Fehlschläge können deshalb nicht ausbleibcn. Er wird zwar darauf gefaßt sein und die Liebe zu seinem Beruf, sein unverwüstlicher Idealismus, sowie der felsenfeste Glaube an seine hohe Aufgabe lassen ihn in seinem Wirken trotzdem nicht erlahmen, aber bei allem Optmismus wird er sich doch nicht verhehlen dürfen, daß es bei seiner eigenartigen Stellung ganz außergewöhnlicher Anstrengung bedarf, wenn er mehr als vorüber gehende Erfolge erzielen will und daß der Boden einer gründlichen Vorbereitung benötigt, bevor er ihm seine Saat anvertraut. Ich möchte nun im Nachstehenden den jungen Kollegen einige Winke für ihr Verhalten in derartigen Gemeinden geben. *) Ich verstehe unter einer solchen, baS waS man im gewöhnlichen Sprachgebrauch mit einer „neuen" Ge-, metnoe bezeichnet, die theoretisch zwar die Verbindlichkeit deS ^stoischen Reltgionsgesetzetzanerkennen mag,' wo aber die gv-sr Mehrheit in praxi anderen Grundsätzen huldigt. Der Lehrer soll eine charaktervolle Persönlichkeit und von tadellosem Lebenswandel sein. Er sitzt ja wie in einem Glashaufe und er darf durch seinen Wandel nicht einreißen, was er durch seine Lehre aufgebaut. Jeder Flecken auf seinem Charakter trübt nicht nur das Bild seiner Persönlichkeit, sondern macht auch seine Lehre unwirksam. Der Lehrer erzieht durch sein Beispiel ja weit mehr als durch sein Wort und nur in der vollen Uebereinstimmung des Wortes mit der Tat liegt die Bürgschaft für den Erfolg seiner Einwirkung auf Erwachsene wie auf Kinder. Das gilt für jeden Lehrer ohne Unterschied, für den gesetzestreuen Lehrer aber noch in verstärktem Maße, weil ein großer Teil seiner Gemeindemitglieder sich in einem gewissen religiösen Gegensatz zu ihm befindet, weil er an ihnen scharfe Kritiker hat, die jede Blöße erspähen, die er sich gibt. Um so höher aber wird er in der allgemeinen Hochachtung steigen, wenn man die Ueberzeugung gewonnen, daß er seiner Religion nicht nur mit ungeheuchelter Innigkeit und Wärme anhängt, sondern daß er auch für seine religiöse Ueberzeugung persönliche und materielle Opfer zu bringen bereit ist. Das führt mich auf eine Eigentümlichkeit der in Frage stehenden Gemeinden, die wohl beachtet werden muß. Der gesetzestreue Jude unterschätzt wahrlich den hohen Wert von D'HDn nicht. Er weiß, daß einer der drei Grundpfeiler ist, auf welcher die sittliche Weltordnung beruht} aber er weiß auch, daß es eben nur ein Pfeiler ist, daß daneben auch das Thora st udium, das liebevolle Versenken in den Gefft und den Inhalt unserer heiligen Lehre und rni2y, der Gottesdienst, in dem weiten Sinne, wie ihn das traditionelle Judentum auffaßt, mit gleicher Berechtigung und gleich hoher Bedeutung stehen. Anders der neologe Jude. Er ist geneigt, in der Wohltätigkeit das ganze Wesen -es Judentums zu erblicken; er glaubt, man sei schon ein guter Jude, wenn man Wohltätigkeit übe, oder vielmehr, wenn man reichlich Almosen gebe. Mit dieser irrigen Auffaffung muß aber der gesetzestreue Lehrer rechnen. Er muß seinen Gemeindemitgliedern durch die Tat beweisen, daß er ein warmes Herz für die Notleidenden, für die Elenden und die Gedrückten besitzt, daß er ein wahrhafter Vater -der Armen ist. Er muß nach Maßgabe seines Vermögens und seines Einkommens zu allen wohltätigen und gemeinnützigen Institutionen beitragen und besonders in den Wohltätigkeitsvereinen seiner Gemeinde betätige er sich in uneigennütziger Weise und sei zu jedem persönlichen Opfer bereit, die Ehre überlaffe er aber andern. Das wird ihm rasch das Vertrauen und die Achtung auch der neologen Gemeindemitglieder erwecken. Und noch aus eine andere Schwäche muß Rücksicht genommen werden. Unsere Glaubensgenossen überschätzen den Wert profaner Bildung/ nur diese hat'in ihren Augen volle Geltung/ jüdisches Wissen dagen achten sie gering, es imponiert ihnen aber auch gar nicht. Es ist deshalb ein einfaches Gebot der Klugheit, ihnen zu zeigen, daß man auch auf anderen Wissensgebieten zu Hause ist. Zur gebieterischen Notwend igkeit wird aber dieses Verhalten in jenen Orten, wo es ein Vorrecht der Gebildeten ist, recht „neu" zu sein; hier muß nachgewiesen werden, daß zur wahren Bildung auch die religiöse und Herzensbildung gehören und daß sich Bildung und aufrichtige Frömmigkeit sehr wohl vertragen.^ Der Weg wäre nun zwar geebnet, aber der Schwierigkeiten gibt es noch eine ungeheure Menge. Im Hause frommer Eltern, worin das überlieferte Judentum noch eine treue Stätte gefunden, wo religiöses Leben die ganze Familie beherrscht, wird auch das Kind die Religion in ihrer ganzen Tiefe und Erhabenheit praktisch kennen lernen. Die religiöse Belehrung des Lehrers wird hier durch das Haus gestützt und gefördert. Anders verhält es sich mit den ändern jener Eltern, die dem neologen Standpunkt huldigen und allem Religiösen gleichgiltig oder gar feindlich gegenüberstehen. Da den Letzteren die Religion oft ein Ballast und der Religionsunterricht als ein überflüssiger Unterrichtsgegenstand erscheint, so legen sie ihm gerne Hinderniffe in den Weg. Es macht nun immer Eindruck auf solche Eltern, wenn ich ihnen zeige, daß der biblische Geschichtsunterricht zugleich auch deutscher Sprachunterricht ist und daß das Hebräische, wenn es nur methodisch richtig betrieben wird, an formalem Blldungswert das Lateinische und Griechische nicht nur erreicht, sondern sogar noch weit übertrifft. (Fortsetzung folgt.) Protokoll der am 20. Dezember 1910 stattgebabten 7. Konferenz des Zweigoereins „Rheinland“ des Bundes gesetzesrreuer jüdischer Cebrer Deutschlands. Tie Konferenz war verhältnismäßig schwach besucht, doch wurden die Konferenzteilnehmer durch die Anwesenheit auswärtiger Kollegen erfreut, die zur Festfeier des jüdischen Lehrerseminars herbeigeeilt waren und als Gäste an der Versammlung teilnahmen. Rach herzlicher Begrüßung der Gäste durch den Vorsitzenden, Seminarlehrer E. Gut, erhielt Prediger Katzenflein-Wetzlar das Wort zum Bortrage über das Bundesthema „Was kann der gesetzestreue jüdische Lehrer für die der Schule entwachsene Jugend tun?" In längeren, klar durchdachten Ausführungen verbreitete sich der Redner über die Mittel, die dem