Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 102 (27.12.1897)
- Date
- 1897-12-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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19*9 Vermischtes. Köln. Vor einigen Tagen fand unter außergewöhnlicher Betheiligung weitester Kreise der hiesigen Bürgerschaft die Fetzr der goldenen Hochzeit des allgemein beliebten, hochgeschätzten Ehepares M. I. Schlicher und Frau Bornette geb. Stiel statt. Die Feier erlangte durch die Betheiligung nicht allein einer überaus großen Anzahl unserer hervorragensten Gemeindeangehörigen, sondern auch unserer christlichen Mitbürger und der staatlichen Behörde eine Bedeutung, die sie weit über den Rahmen eines Familienfestes erhebt. Möge es dem geistig und körperlich gleich rüstigen Jubelpaare vergönnt fein, sich der Früchte seines arbeits- und segensreichen Wirkens noch aus eine lange Reihe von Jahren, zu erfreuen. Odessa. Mehrere Studenten an der hiesigen Ackerbauschule, Zöglinge des jüdischen Waisenhauses von Odessa, sind, nachdem sic ihre Examina glänzend bestanden haben. von deutschen Grundbesitzern in Südrufsland als Inspektoren engagirt worden. Feuilleton. Per Meschores. - Bon Z. Potapenko. Autorisirte Uebersetzung aus dem Russischen von 8. Murachirra. :>) jAllc Rechte Vorbehalten. I Ja, cr verachtet seinen eigenen früheren Stand, weil er sich dessen schämt. Das kommt oft vor in der Welt. Frankel war sogar von der allerniedrigsten Sorte der Meschores: er besorgte sehr zweideutige Geschäfte. Pfui! Jzka liebt solche Geschäfte nicht. Er muß natürlich alle mögliche Aufträge erfüllen — dafür ist man ja Meschores. Wenn es einem von den Herrschaften belieben sollte, auf ihm zu reiten, so muß er ihm wohl oder übel seinen Rücken darbieten. Davon lebt man. Ja, aber die Geschäfte, in denen sich Fränkel vor allen auszeichnetc, sind dem Jzka doch zuwider. Frankel ist dabei ein großer Herr geworden. Hat weiter nichts zu thun, als zu befehlen und zu kommandieren. Er trägt eine offene Jaqnette und weiße Weste. Aus dem dicken Bauche baumelt eine massive Gotdkette; die Uhr daran ist auch von Gold eine schöne und sehr theure Uhr. Die kleinen dicken Finger blitzen von Brillanten und Smaragden. Er hat einen kurz zugestutzten Ziegenbart, der Schnurrbart ist nach oben gedreht, das Haar ist auch kurz und glatt geschoren. Früher trug er das Haar lang und kleidete sich nach echt jüdischer Art; jetzt ist er zu vornehm dazu. Viel Geld verändern den Menschen bis zur Unkenntlichkeit. Da ist schon das Gasthaus! Er hat gar nicht gemerkt, wie er den weiten Weg von seinem Häuschen bis hierher zurückgelegt hat. Hm! Was hat denn das zu bedeuten; Boruch marschiert auf und ab vor dem Gasthaus, wie eine Wache! Hat man ihn vielleicht nicht hereingelassen? Das wäre schön! Dann wird man ja auch ihn, den Jzka nicht hereinlaffen. Was macht er dann? „Guten Tag, Boruch!" sagte Jzka. Boruch giebt nicht nur keine Antwort, sieht den Jzka nicht einmal an, muß also ernstlich böse auf ihn sein. „Was schweigst Du, sBoruch? Habe ich Dir etwas Böses angethan? Denkst Du vielleicht, daß ich darauf bestanden habe. Dich nicht in das Gasthaus einzulassen? Du glaubst wohl, ich habe Herrn Frankel darum gebeten, was? Nein, das habe ich nicht gethan und werde es auch nie thun, Boruch! Ich wünsche Dir immer guten Verdienst, Boruch, bin aber nicht schuld daran, daß Du nicht Verstand genug Haft, um ein guter Meschores zu sein." Aber Boruch wollte nichts hören. Er Legte die Hände auf den Rücken, warf den Kopf in den Nacken und drehte sich hochmüthig ab zur anderen Seite. Ja, es ist wohl wahr, daß Geld den Menschen verändert und verdirbt, aber die Noth verdirbt auch. Da ist nun Boruch: seine Geschäfte sind schlecht, sehr schlecht — das ist allbekannt. Er beneidet den Jzka, der es ein klein wenig bester hat und verfeindet sich mit ihm nun, nachdem er so lange Jahre mit ihm auf einem und demselben Kasten gesessen und schlechten Tabak aus einer und derselben Pfeife geraucht hat! Jzka ließ den Boruch in Ruhe und trat in das Gasthaus. Man ließ ihn ungehindert herein. Der Portier machte sogar ein sehr freundliches Gesicht und begrüßte ihn wie immer — herzlich und zutraulich. „Heute kommt die Obristin." sagte Jzka als Antwort auf die Begrüßung, denn etwas besseres und angenehmeres konnte er nicht sagen, da die Obristin wegen ihrer Freigebigkeit bei allen sehr beliebt war. „Wird denn Boruch nicht mehr hereingelassen?" „Ja, Herr Frankel will ihn nicht mehr hier haben. Der Beamte wollte ja klagen." „O weh, o weh! Armer Boruch! Was soll er nun thun? wovon leben?" „Boruch ist ein Narr, versteht nichts und will auch nichts verstehen. Leid thut er einem sreilich doch. Gehe rasch, melde dem Herrn Frankel, daß die Obristin heute ankommt; das wird ihn weich machen und dann verzeiht er dem Boruch." „Schön. Ich gehe schon." Herr Frankel saß schon aus seinem gewöhnlichen Platz im Komptoir und erfreute sich an einer sehr complieirten Speise, die aus Gemüse, Hering, Oliven und Fleisch bestand, mit reichlichem Zusatz von Pfeffer und Knoblauch. Vor ihm stand eine Flasche Bier und eine Karaffe mit Kirschwaffer. Er