Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 101 (23.12.1897)
- Date
- 1897-12-23
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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1910 auch das Feuer nicht ausgehen, damit die von der , Hütte aufsteigende warme Lust den Schnee üb'r dein Schornstein schmelze uu5 (litten die frische Lust nicht mangele. So waren sie von der Austenwelt ganz abgeschlossen, und nur r.m sich selbst angewiesen. So feierten ne das Chanukkafest „im engsten Kreise." Wenn sich dieser enge Kreis wieder einmal erweitern würde, das wußte nur Gott! Bald wus'ttN sie kaum mehr, welche Zeit es war, und nur das Anzünden der Clianukkalichter gab ihnen den Maßstab iür die Zeitmessung. Das kleine Mädchen suhlte sich sehr wohl, denn die Temperatur in der Hütte war ziemlich hoch. Iwan beschäftigte sich mit seinen Büchern, seinen Lichtern und mit seiner kleinen Nichte. Die Zeit verschlich langsam. Noch bitten die Gefangenen nichts zu befürchten, Venn die Boeräthe reichten für Monate. Aber das Oel ging zur Neige Wenn Iwan seine Lrchter wie seither anzündete, konnte er berechnen, wann ne im Dunkeln sitzen mutzten. Iwan überlegte detzhalb, wie er Cot sparen könne Er versuchte zuerst, rar Dunkeln zu bleiben, aber länger als eine Stunde konnte er diese F nsternitz nicht ertragen. Sara begann es angst und bange zn werden; sie befürchtete, den ganzen Winter in dem gräulichen Gefängnisse zubringen zn müssen. Schon nm zweiten Tage sing sie an, bilterlich zn weinen und Iwan hatte alle Mühe, sie zu tränen. „Ach", ries sie aus, „Hütten uns nur die Wölfe geirasien, so wäre es doch mit einemmale zu Ende gewesen! Nun müssen wir langsarn sterben!" Iwan wurde böse und ries aus: „Hajad aooschem ttkzor? Ist Die Hand des Ewigen vielleicht ju klein? Wie kannst Du io kleinmüttsig sein? Vertrau aus Gott, mein Schutz, meine Hilfe ist er'." Was helfen alle Drostesworte bei einem tleiw müthigen Gemüth! Weinend betrachtete sie ihr Kind und sagte: „So bist Du nur geboren, um in so früher Jugend zu sterben! Du sollst das Leben verlassen, ehe Du Deinen Vater g.sehen und erkennen konntest! Das ist schmerzlich für eine Mutter!" Solchen Jammer mit aumsehen, war schrecklich für Iwan'. Ost übermaunte ihn oudi der Zorn und er sagte: „Ach, mit Frauen ist auch gar nichts anzw sangen!" Es war am letzten Abend des Ehanukkasestes. Ein kleines Ehanuttt. Lichtchen erstrahlte und erfüllte die eingeschneite Hütte mit nragischem Glanze. Den letzten Tropfen Oel hatte Iwan zu seiner Speisung benutzt und es war ihm leid, daß er nicht die vorgeschriebenen acht Lichtlein anzünden konnte, erlosch es, so wurde es finster bis das „große Licht des Tages" die Hütte wieder erhellte. Wieder erklangen die einfachen Melodieen der Chanukka-Hymne und die beiden Geschwister sprachen über das Wunder, welches die Veranlassung zu der herrlichen Feier gegeben. Da wurde die tiefe Stille durch ein Geräusch unterbrochen, welches von Außen zu kommen schien. Beide horchten, lauschten, denn die Grabesstille war ja seit acht Tagen durch Nichts unterbrochen morden. Je länger sie lauschten, um so näher kam das Geräusch. Sollte man von Außen versuchen, sie aus dem schrecklichen Gefängnitz zu befreien! Das märe wirklich ein Chanukkawunder! Sie lauschten angestrengt, aber der Schnee ließ sonst keinen Schall zu ihnen dringen. Eines nach dem andern der Lichter erlosch. Tiefste Dunkelheit herrschte. Stumm saßen die Geschwister und lauschten angestrengt aus jeden Ton. Da begann das Kind zu schreien und sofort vernahmen sie wieder das sich nähernde Geräusch. Nun konnte man schon erkennen, aus welcher Richtung es kam. Das war Hilfe, Hilfe in der höchsten Noth! Es mußten Menschen sein, die im Schnee gruben. Iwan wollte ihnen entgegen arbeiten, aber es war ihm unmöglich. Unthätig mußte er warten, bis man ihm die Freiheit brachte. Und die Freiheit kam. Endlich, nach zehnstündigein Warten, siel der Schnee vor der Thüre zur Seite und die unter seiner Last Begrabenen sahen das Tageslicht wieder. Ein grauenhafter Anblick bot sich ihnen. Ihre Retter hatten vor ihnen die von den Wölfen angesressenen Leichen zweier Männer ausgegraben. Es waren die. Leichen der beiden Knechte, welche Iwans Gepäck aus die Höhe befördert hatten, und welche die schwere Kiste, in welcher Iwan seine Bücher hatte, nicht ruhen ließ. Das in ihr geborgene Geld wollten ne sich holen, wurden aber von dein Schneesturm überrascht und verschüttet. Sie mußten ihr Unternehmen mit ihrem Leben bezahlen. Die Leichen wurden von dem Raubzeug angesrcssen; nun lagen sie da und harrten ihrer Bestattung! Jetzt erkannte Iwan auch, daß er durch ein Gotteswunder vor dem Tode oder vor einem Morde gerettet worden war. Er siel auf seine Kniee und dankte laut seinem Schöpfer für das Wunder, welches er an ihm gethan!