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Der Israelit · 1897-12-23 · Heft 101 (23.12.1897) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 101 (23.12.1897)
Date
1897-12-23
Page
– (sequence 17)
Language
German
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für Mrthodoxe ^uderrthumÄ 23. Dez. 18S7J lNv. 19. Xggi mm MW Krewsr 8 Ml* Was letzte Met. - Erzählung von H. Berger—Mainz. Hoch oben auf dem Gipfel des Berges steht ein einsames Häuschen. Der Wildhüter, welcher es bewohnt, ist im Winter fast von allen Menschen abgeschnitten, denn keine Straße führt zu jener Höhe hinauf, und wenn die Menschen eine Straße hinauf bauen würden, so wäre diese nicht gangbar, denn sobald der Herbst Abschied genommen hat, deckt die weiße Schneehülle Alles zu im Gebirge. Der Wald zieht sein Winterkleid an, ehe die starre Kälte alles durchdringt und in den Schlaf des Winters versetzt. Schon Ende November ist der Gipfel des Gebirges in das weiße Tuch des Schnees gehüllt und der Aufstieg erfolgt deshalb auch schon sehr früh. Der Wildhüter hat sich für fünf Monate verproviantirt, und wenn nichts Unerwartetes eintrifft, hat er, bis der Schnee schmilzt, keinen Menschen nöthig. Sein Amt ist ein sehr schweres, denn das werthvolle Hochwild ist fast ausschließlich auf das Futter angewiesen, welches er täglich an bestimmten Stellen für seine Schutzbefohlenen niederlegt. Das Wild lernt den Hüter auch recht bald kennen und wird zutraulich gegen ihn, flieht nicht mehr, wenn er erscheint, sondern erwartet ihn zur Fütterung. Der Wildhüter des Grafen von Schließen war gestorben und zum ersten Male hatte ein neuer Hüter die Hütte bezogen. Es war ein starker, gesund aussehender Mann, dessen langer Bart und große Augen ihm das Ansehen eines Berggeistes gaben. Wer ihn sah, der hätte in sicher geflohen, denn er sah nicht gerade vertrauenerweckend aus. Und doch war dieser Mann, der sich einen so schweren Dienst gewählt hatte, der allein in der gewaltigen Gebirgsnatur leben wollte, nur ein Kind nach seinem Gemüthe, hatte nicht das geringste Arg in seinem Benehmen. Er war mit Beginn des Sommers bei dem Inspektor der gräflichen Güter erschienen, hatte um Arbeit gebeten, und da man um jene Zeit wegen Arbeiter in Verlegenheit war, hatte man ihn, trotzdem er ein Jude war und am Sabbat nicht arbeiten wollte, angenommen. Man war nicht schlecht mit ihm gefahren. Einen treueren genügsameren, nüchtereren Arbeiter als Iwan Joshua konnte man sich nicht denken. Niemals sah man ihn im Wirthshause, woselbst die meisten seiner Collegen den Wochenverdienst ließen. Schon am Freitag Abend verließ er das herrschaftliche Gut, und kam erst am Sonntag Nacht wieder. Niemand wußte, wohin er alsdann ging, und wenn man ihn fragte, so erhielt man eine unbefriedigende Antwort. Als nun im Herbst die Arbeiter entlassen werden sollten, bewarb sich Iwan um die vacante Stelle und lachend sagte sie ihm der Inspektor zu. „Du wirst bald genug davon haben," sagte er, „denn wenn es auch nicht viel dort oben zu thun giebt, so ist der Winter dort oben doch kein Vergnügen." „Lassen Sie mich nur hinausgehen, Herr Inspektor," entgegnete Iwan, „Sie sollen mit mir schon zufrieden sein."

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