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Der Israelit · 1897-12-23 · Heft 101 (23.12.1897) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 101 (23.12.1897)
Date
1897-12-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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xtxnn M JOl Der Israelit. Ein Aenlrat-Hrgan für das orlhodore ZudenLhum. Begründet von Dr WvJftnatm j» MsLrrr Donnerstag, den 23. Dezember 5658 (1897). Leitender Artikel. Die Vrgelfrage. Beantwortet von Rabbiner Jl. Nobel in Halberstadt. II. Für die objectiv wissenschaftliche Beleuchtung der Frage, so weit diese aus den Quellen der Halacha zu holen ist, bietet sich nach den im nnan nn r6x enthaltenen Arbeiten der größten talmudischen Kapazitäten neuerer Zeit kaum ein neuer Gesichtspunkt dar. Die in Talmud und Kodizes vorfindlichen, diese Frage berührenden Stellen sind von jenen Meistern herangezogen und als Untergrund zu ihrem einstimmig verurrheilenden Verdikt benützt worden. Wenn man die Namen der Männer sieht, die zu allen Zeiten die Ruhmeshallen der jüdischen Thoraweishert geziert haben würden, und man hört, wie diese Männer, deren Schulen auf ein Jahrhundert hinaus die Pflegestätten der halachischen Forschung waren und auf deren Aussprüche die Judenheit nicht nur Europas horchte, wie sie, die völlig Selbstlosen, in größter Einmüthigkeit das Orgelspiel in der Synagoge überhaupt und dasselbe am Sabbat- und Festtagen insbesondere als einen gegen Israels Gesetz und Brauch verstoßenden i i d > x erklären, so muß man darüber erstaunen, woher irgend eine jüdische Gemeinde und ihre geistigen oder weltlichen Führer den Muth hernehmen, das Orgelspiel in der Synagoge für eine erlaubte, ja gottgefällige Sache zu halten oder auszugeben. Man muß ferner darüber erstaunt fein, wie es eine jüdische Gemeinde mit der Würde ihres Gottesdienstes und ihrer selbst für vereinbar halt, wenn an den heiligsten Tagen des Jahres die von Musikakkorden getragene Herzenshebe der Gemeinde, ihr Gebet, ihre Huldigung, ihre Seelenfreude und ihr Seufzer — nur durch die Hand eines Nichtjuden emporgehoben werden kann. Und eine solche das jüdische Selbstbewußtst» mederdrückende Handlung sollte die Gehobenheit der jüdischen Gottesdienstes bedeuten? Man setze doch den Fall, es käme im christlichen Kultus eine Art Gottesverehrung in Frage, deren Ausführung nur durch die Hand eines Nichtchristen — eines Juden möglich wäre, und frage sich: was würden die Christen und die Wächter der christlichen Kirche dazu sagen! Doch das sind subjektive Betrachtungen, und ich möchte mir das Recht solche anzustellen erst dadurch erwerben, daß ich es versuche einige zum Gegenstände gehörige sachliche Momente anzuführen. Die Orgel ist ihrer ganzen musikalischen Wirkung, sowie ihrer geschichtlichen Entwickelung nach ein ausgesprochen christliches Instrument und beherrscht in souverän tonangebender Weise den Gemeindegesang in der Kirche. „Im vorchristlichen Zeitalter *) diente die Orgel vorzugsweise weltlichen Zwecken. Das christliche Abendland verpflanzte sie an heilige Stätten. Durch Jahrhunderte langen heiligen Dienst ist sie so recht das Instrument des christlichen Gotteshauses geworden." (Zimmer, die Kirchenorgel u. s. w. S. 89.) „Schon aus diesem Grunde befähigt der Ton die Orgel dazu allein Kircheninstrument zu bleiben. Sie verließ daher das profane Leben und dient nur als Ausdruck des kirchlichen G e i st e s. Dies wußten und erkannten die großen Meister jener Zeit, Bach und Händel sehr wohl. . (Otto Wangemann, Geschichte der Orgel u. s. w. 2. Aufl. Demmin. S. 208.) So lautet dar Urcheil zweier der bedeutendsten *) Als Erfinder der Wasserorgel (organum hvdraolium) wird Klesibios (170 v. d. ü. Z.) genannt.

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