Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 100 (20.12.1897)
- Date
- 1897-12-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXYU1. Jahrgang. M IOO. Der Israelit. Ein Kentrat-Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Begründet von »r. Vrhrrr«rrrr in Msirrz Montag, den 20. Dezember 5658 (1897). _ MMAtzT* SZ ist uns gelungen, eine vorzügliche Uebersetzung der russischen Novelle: „Der Meschores" von Potapenko, mit dessen Abdruck wir heute beginnen, zu erwerben. Der bedeutende russische Schriftsteller, desien Name unseren geehrten Lesern aus den Tageszeitungen gewiß längst bekannt ist, schildert hier ein Stück russisch-jüdischen Lebens mit fast photographischer Treue und zeigt auch bei dieser Gelegenheit die so oft an ihm bewunderte Kenntniß der menschlichen Seele. Leitender Artikel Der Traum des Propheten. Jum CharmKKafeste rn -Le Adresse -er „Ireistnnigen" von Rabbiner Dr. Ackermann, Brandenburg«. H. Vor 2000 Jahren waren die Söhne unseres Volkes in Palästina die Opfer des gottlosen Wahnwitzes und des grausamen Blutdurstes, von denen ein mordgieriger Tyrann erfüllt war. Hinterlistig, mit den schlauen Künsten verführerischer Unterredung, oder rücksichtslos offen, mit den brutalen Mitteln roher Gewalt, vermeinte er sie abwendig zu machen von Glauben und Vätersitte. Ueber alle Städte und Dörfer hatte er sein mörderisches Fangnetz ausgebreitet. Schon glaubte er triumphiren zu können: War es ihm doch gelungen, hatte er doch mit seinen Söldnerschaaren das Heiligste entweiht an heiligster Stätte, entweiht Altar und Leuchter, entweiht Tisch und Schaubrode.' War es ihm doch gelungen, erhob sich doch an derselben Stelle, wo zuvor der gottbegeifterte Gesang der Leviten erscholl und der Hohepriester voll inbrünstiger Ehrfurcht den hocherhabenen Namen des Herrn in Heiligkeit und Reinheit aussprach — erhob sich doch an derselben Stelle ein steinern Bild, starr und stumm, kalt und fühllos, ein Götzenbild l So schritt er weiter und gedachte seines Netzes Maschen immer enaev z" p?hen um Sas qnH-- erwählte Volk und wähnte, wie er ihnen die heiligen Symbole ihres Gottesdienstes entriffen hatte, auch den Gottesglauben aus ihren Herzen reißen zu können. Aber gleich wie der Sturm einherbraust über die Gefilde und mit seinem Tosen die Wipfel der Wälder und die Grundfesten der Erde erzittern macht, so fuhr zu allen Zeiten der Sturm innerer Begeisterung siegreich hinweg über das Dräuen der rohen Gewalt, so erhob sich auch zu Modym im Herzen der Hasmonäerfamitie jene r.znb zTr, n jene Gottesstimme, die da Feuerstammen zerspaltet, und ihr anfrauschender Wiederhall zerspaltete den morschen Bau, welchen Hochmuth und Frevelsinn zu errichten dachten: ‘atw nrn, das Netz zerriß!! Es ist bekannt, daß es nur eine verhältnißmäßig geringe Schaar Getreuer gewesen ist, die dem Tyrannen Trotz bot und an deren eisernem Widerstand seine Wuth schließlich ohnmächtla zerschellen mußte. Der größte Theil des Volkes fiel ab, sei es, daß man das bedrohte Leben höher achtete denn die Reinheit des Väterglaubens, und aus bleicher Furcht den Stacken beugte unter das gewaltsame Joch, sei es, daß das Ueberhandnehmen heidnischer Sitten und Unsitten das tiefe Gefühl für die eigene Religion geschwächt oder gar vernichtet hatte. Genug, es steht fest, daß Antiochus, der gewiß den starren Kampfesmuth der treuen Anhänger des JudenthumL kannte, nimmermehr mit seinen Schergen und Söldnern über Palästina einhergezogen wäre, wenn nicht die betrübenden Zustände selbst, die allmählich innerhalb des Volkes Platz gegriffen hatten, ihm des Gelingen seiner leuflichen Pläne, den endlichen Sim über die