Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 99 (16.12.1897)
- Date
- 1897-12-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ÜXXTITI. Jahrgang. M 90. Der Israelit. Ein Aentrak-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr, gfe^mawt in Donnerstag, de« 16. DezeMber 5658 (1887). Da mit dem 1. Januar 1898 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1898 eingetragen unter Nr. 3684 Neu eintretende Abonnenten (Postabonnenten gegen Vorlage der Postquittung) erhalten unser Blatt bis Ende Dezember gratis. Leitender Artikel. welches nur den großen Rabbinen unserer Zeit zukommt, gegen deren Meinung meine Worte leer und Die Orgelfrage. Beantwortet von Rabbiner I. Nadel in Halb erst« dt. Als vor achtzig Jahren von der Hamburger Tempelgemeinde und ihren Führern die Orgelfrage aufgeworfen wurde, hätte man kaum gedacht, daß es heute, nach achtzig Jahren, noch nöthig oder nützlich sein könnte, diese Frage zu behandeln. Die anerkannt größten Meister der Halacha, die dieses Jahrhundert aufzuweisen hat, verbannten dieses kirchliche Musikinstrument aus der Synagoge und sie thaten dies in ihren Gutachten*) mit der Strenge eines auf Talmud und Codices auf gebauten Beweises und dem ganzen Ernst der väterlichen Mahnung, zu der sie, die Leuchten und Lehrer Israels, berechtigt waren. Auch der Hauptverfechter der Orgel in jener Zeit, der Rabbiner Aron Chorrner zu Arad, hatte fein im Werke p-rrr ruu abgegebenes orgelfreundliches Gutachten in einem an N. Mosche Münz zu Altofen und R. Mosche Soser b'm zu Preßburg gerichteten bußfertigen Briefe öffentlich widerrufen, mit den Worten: „Ich erkläre hiermit öffentlich, daß alles, was ich in meinem Briefe, betitelt "nasn «wp. geschrieben habe, null und nichtig sei, und daß ich überhaupt nicht befugt bin, in dieser Sache einen Ausspruch zu thun, *) Gesammelt im Werke rv“ün H3T H7n (1817) und benützt in der von Dr. Lehmann herausgegebenen trefflichen Schrift: ..Die Orgel in der Synagoge." nichtig sind."**) Es bleibe nun unausgesprochen, was die damaligen jüdischen Reformatoren dazu bewog, sich der drückenden Wucht der halachischen Autorität zu entziehen und den Vertretern des nach Thora und Tradition gesetzlich normirten jüdischen Thatenlebens die auf Verschönerung des Kultus abzielenden Bestrebungen entgegenzusetzen. Es bleibe auch unervrtert, welchen Werth die angestrebte moderne Formschönheit in einem Kultus haben konnte, der seinem innersten Wesen nach aus dem Berge Morija seine Heimath und im schriftlichen und mündlichen Thoragesetze seinen Boden hat. Es war eben eine Sturm¬ und Drangperiode, in der die Geister der Zeit uralte Berge entwurzeln und Libanons Zedern nach allen Richtungen des Zeitgeistes hin verpflanzen zu können glaubten. Es war die Zeit, in der die jüngere Generation der deutschen Judenheit das Bedürfnis fühlte, sich durch Kunst und Wiffenschaft eine würdige Stellung im Staate zu erringen, und in der der Staat der jüdischen Jugend wohl die Hörsäte der Wiffenschaft öffnete, aber jedes Gebiet der öffentlichen Wirksamkeit absperrte. Es war dies die Zeit vor der Emanzipation, da die in der deutschen Judenheit latente Kulturkraft, von sozialen Schranken eingeengt und ins Ghetto zurückgedrängt, anstatt Kulturarbeit — Kultusdienst verrichtete. Die Gleichmachung der Synagoge mit der Kirche sollte mit dazu beitragen, der Gleichberechtigung der Juden mit **) man nai S. 131.